läugnen,
laugnen,
leugnen
(jeweils auch mit Ausfall des stammauslautenden
-n
, besonders häufig belegt:
4
laugen,
alle Formen auch mit
-k-
),
V.
1.
›etw. abstreiten, verneinen, einen (zumindest aus der Perspektive des Sprechers) offensichtlichen Tatbestand in Zweifel ziehen, etw. bestreiten‹; hier anschließbar ›jm. etw. (z. B. eine Qualität, Eigenschaft) absprechen, aberkennen‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Wortbildungen:
laugenbar
1 ›sich selbst widersprechend, etw. in Zweifel ziehend, in Abrede stellend‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
9876
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die juden loucken des durch nit, | Si sint der warheit gevech.
Quint, Eckharts Pred.
1, 40, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ez lougent der edelkeit und der wîse und ist dar enboben.
Ebd.
2, 277, 10
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wan dâ man in got nemende ist, dâ ennimet man in niht nâch der crêatiurlicheit; wan als man in got nimet, sô enlougent man der creâtiurlicheit niht, daz diu lougenunge ze nemenne sî nâch dem, daz diu crêatiurlicheit ze nihte werde, sunder si ist ze nemenne nâch der verjehunge gotes.
Chron. Köln
2, 574, 11
(
Köln
1499
):
si wurden der vessere gewair die si af hatten geslagen. do endorft der moenich niet leukelen, dat si [die gevangen] aldae gewest hedden.
Gropper. Gegenw.
13r, 711
(
Köln
1556
):
Dweil aber daneben nit geleügnet werden mag / das diese wörter auch recht vnd eigentlich von dem Heiligen Sacrament des Leibs vnd Blůts Christi zuuerstehen sein.
Perez, Dietzin
1, 205, 2
(
Frankf.
1626
):
gedenck Justina daß du ein Kaningen bist / vnd auch [...] bleibest. welches ich zum wenigsten nit laugnen kondt.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
241a, 10
(
Frankf./M.
1649
):
Ich bin ein Mensch / vnd kan betrogen werden / daß Leugene ich nimmermehr.
Allg. Schau-Buͤhne
52, 43
(
Frankf.
1699
):
Dieser Fall hat der Naturalisten Discurse von Hermaphroditen erweckt / welche zwar nicht laͤugnen koͤnnen / daß die eusserliche Zeichen von beyderley Geschlecht bey manchem Kinde sich befinden.
Luther, WA
10, 1, 2, 373
(
1526
):
Wir haben das Euangelion, gott sey lobe, das kan niemandt laucken.
Ebd.
30, 3, 205, 12
(
1530
):
Es kan ia niemand leucken, das die ehe ein eusserlich weltlich ding ist.
Gerhard, Hist. alde e
5787
(
omd.
,
um 1340
):
Der worheit mag ich leuken nicht.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III,
188, 751
(
osächs.
,
1607
):
Ich kanss nicht laugen, | Vorm Schlaff hab Ich Itzundt keinn friedt.
Opitz. Poeterey
10, 24
(
Breslau
1624
):
wer kan leugnen / das nicht Virgilius ein gutter Ackersman / Lucretius ein vornemer naturkuͤndiger [...] sein.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
621, 17
(
nobd.
,
um 1525
):
Darzu er [Luther] selbs nit leucken magk, | Das er zur aufrur euch ermant.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
55, 11
(o. O.
1532
):
Das die Beichtvätter die Armen bekannter Warheit zu leugknen nit weysenn sollen.
Sachs
14, 121, 15
(
Nürnb.
1550
):
Nun kan ich meiner schandt nit laugen. | Nun bin ich ye der gröste narr.
Ebd.
20, 246, 29
(
1555
):
Daß du mir kündest laugen nicht, | Was angst, unrhu, unfal und sorgen | Sey in dem ehling stand verborgen.
Dietrich. Summaria
30r, 18
(
Nürnb.
1578
):
Denn hoffart vnd geitz koͤnnen sie nicht laugnen / weyl sie allein die geistlichen heissen.
Kurz, Murner. Luth. Narr
3567
(
Straßb.
1522
):
Es ist geschehen, ligt am tag, | Das niemans solchs loͤcknen mag.
Barack, Teufels Netz
10500
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Das mag er denn nit lougen, | Wan man sichtz mit den ougen.
Plant u. a., Main. Naturl.
298v
(c), 22 (
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
wan der mane enpfahit den schin von der sunnē also en loikenet nieman dc der mane enpfahet sin lieht von der sunnen.
Sappler, H. Kaufringer
7, 265
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er hat mir vor als vil gesait | und darfür gelaugnet ser, | ich gelaub im nimmer mer.
Völker, Antichrist
226
(
wschwäb.
,
15. Jh.
):
alle die, die da laugnend, das vnser herre Ihesus Cristus des waren gottes sun ist vnd wartend noch des messyas, das seind alle juden.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
25, 2
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
die Francken vñ Schwaben habe ain vnteütsch wort, damit sy etwas leügne vnd nayn woͤllen sagen, das haißt naͤncke.
Barack, Zim. Chron.
2, 431, 22
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Der pfarrer wust nit, was er sagen sollt, war geschwaigt, dann er konte seiner predigen nit laugenbar sein.
Gereke, Seifrits Alex.
7240
(
oobd.
, Hs.
1466
):
das irs Allexander seit, | der gewaltig und der her. | davon laugent sein nit mer | und habt sein vor mir chain hel.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1934
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
lawgen die Chriechen daz der heylig geist auch von dem sun aus ge.
Turmair
5, 37, 8
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Kainer, der ain wenigen verstand hat, kan und mag solchs nit laugnen.
Buch Weinsb.
5, 21, 6
;
Chron. Köln
1, 315, 4
;
Luther, WA
30, 2, 39, 15
;
32, 92, 8
;
Weise. Jugend-Lust
90, 20
;
152, 15
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
391, 29
;
Sachs
7, 74, 13
;
20, 19, 29
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 131, 4
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
14, 2
;
Schmitt, Ordo rerum
623, 15
;
688, 19
;
Dasypodius
372r
;
Maaler
275r
;
Schweiz. Id.
3, 1172
;
Schwäb. Wb.
4, 1045
.
Vgl. ferner s. v.  26, (Adj.) 2, ,  2.
2.
›(eine Schuld oder Missetat) zurecht oder zu unrecht abstreiten, von sich weisen (zumeist vor Gericht oder in einem Verhör), (eine Schuld) nicht bekennen, nicht zugeben, (den gemachten Vorwurf) als unwahr von sich weisen; beweisen, daß der erhobene Vorwurf nicht rechtens ist‹; ütr.: ›einen erhobenen Vorwurf durch den Leugnungseid entkräften‹; Spezialisierung dazu: ›etw. (z. B. eine Verbindlichkeit, geschäftliche Abmachung) in Abrede stellen, bestreiten‹.
Phraseme:
um gicht oder läugnen begeren
›um eine rechtsverbindliche Erklärung bitten‹;
gicht oder läugnen geben
›(im Gericht) Rede und Antwort stehen‹.
Bedeutungsverwandte:
 5, .
Gegensätze:
(V.) 7,  24,  12,  3.
Syntagmen:
l., das [...], wie ein schelm l., etw.
(z. B.
das unrecht
)
l., etw. mit jm.
(z. B.
mit zeugen
)
/ etw.
(z. B.
mit einem eid
)
l., jm. etw.
(z. B.
das gelt
)
l.; j.
(z. B.
der angeklagte / gefangene
)
e. S.
(z. B.
der ansprache / eigenschaft / gewerschaft / handschrift / kaufung / missetat, des blutes / mordes / geltes / zinses, der pfande
)
l., j.
(z. B.
eigen man
)
js.
(z. B.
seines herren
)
l.; frevelich / gefarlich / unrecht l.
Wortbildungen:
läugbar
,
laugenbar
2 ›geständig (von Personen); bestritten (von Sachen)‹ (dazu ggs.: ),
laugenhaft
›ungeständig, leugnend, bestreitend (von Personen)‹,
läugner
1.

Belegblock:

Große, Schwabensp. 231, a,
2
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wel her des lochenen, daz tů her wol mit sinem eyde oder mit irzůge, daz also her vore gesprochen ist.
Leman, Kulm. Recht
2, 3, 85
(
Thorn
1584
):
Beschuldiget eyn man den andirn vmme tzyns adir pakt [...] vnd her ym des loukent. so mag der cleger den tzyns adir pakt [...] behalden vf den hilgen ken deme sachewalden.
Buch Weinsb.
1, 79, 22
(
rib.
,
um 1560
):
Clais hat bekant, wolt die andern nit erlaissn, die andern waren unschuldich und launten.
Ebd.
1, 343, 25
:
[amptluden] wolten, er solte die wort widdersprechen ader 6000 gulden geben vur ein abtragt. Elsich leunet der wort, dan er besorgte sich, mir aber habens mit etlichen zeugen beweist.
Ebd.
3, 120, 35
(
rib.
,
1581
):
die gwaltrichter [...] einen vernoimden doctor in Coln vornamen und forderten die bois von im, das er die ehe gebrochen het. Er launte es und achte es vor ein smehe.
Köbler, Ref. Wormbs
329, 12
(
Worms
1499
):
Ob einer der ingegebben Pfande laugenet.
Dubizmay, kurß zu Teutze
66, 5
(
hess.
,
1463
):
Auff meynnem rucke haben die sunder gesundet ir vnrecht haben sie geleügnet.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
262b
(
Frankf./M.
1649
):
wann der Beklagte leugnet / daß er damit nicht behafftet seye / ja wann sie deß Lasters sich schuldig bekennet / oder dessen vberwiesen ist.
Ebd.
428b, 30
:
ob wohl die Richter vnd Commissarij ins Gemein leugnen / daß sie nicht auff die blosse Besagungen gehen.
Gerhard, Hist. alde e
175
(
omd.
,
um 1340
):
Der mortliche ungevug, | Er leukente vrebelich.
Ebd.
3899
:
Er loukente des zinses gar.
Thiele, Chron. Stolle
404, 23
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
ungelt unnd woge gehore ön an unnd sy vor satczt, wie wol die von effort des eyn loycken haben.
Ermisch, Freib. Stadtr.
49, 20
(
osächs.
,
1335
):
Ist abir, daz der wirt vorkumit, wes in der gast schuldiget, des muz he im zu hant iehen oder loikenen. Loikent he im alles dinges, so muz he im zu hant sweren davor. Bekennet he, so gebutit im der richter zu geldene in drin tagen.
Skála, Egerer Urgichtenb.
133, 15
(
nwböhm.
,
1574
):
Jacob leugnet es Alles, Jacob sagt due leugest wie ein Schelm vnd Böß wicht.
Chron. Nürnb.
1, 126, 35
(
nobd.
,
1390
):
also daz der jude laugent der pfande.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 183, 14
(
nobd.
,
1464
):
Er lawgent der aygenschaft und bekant jerlicher gulte 2 pfunt.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
37, 1
(o. O.
1532
):
So der gefangen vorbekanter Missethat widerumb leugknet.
Sachs
14, 163, 1
(
Nürnb.
1551
):
du hast gantz thörlich gethan, | Das du vertrawt hast diesem man | Ahn handtschrifft oder lebendt zeugen, | Das er das gelt dir nit kündt leugen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2799, 36
(
Nürnb.
,
1610
/
8
):
wil ich [...] | [...] den Schelmen mit dem Spieß | Dermassen zeichnen vnd zurichtn, | Daß er mir laugnen kan mit nichtn.
Chron. Strassb.
54, 16
(
els.
,
1362
):
der burger leukete und sprach, er kante des mannes nüt. [...] der burger leukete anderwerbe mit sime eide.
Dasypodius
372r
(
Straßb.
1536
):
Leügner. Inficiator. [...] Leügnen. Negare, Diffiteri, Inficiari [...]. gentzlich Leügnen. Pernegare. Leügnen mit eydschwůr. Abiurare. vast Leügnen. Pernegare. Leugbar. Negatiuus, a, um.
Roder, Stadtr. Villingen
30, 9
(
önalem.
,
1371
):
swer dirre vorgeschribnen ding dehains wirt angesprochen, woͤlt er des loͤgen, darumb sol der claͤger mit im kempfen.
Welti, Stadtr. Bern
46, 511
(
halem.
,
A. 14. Jh.
):
sol man ab ime richten alz ab einem velscher, wil aber er des loͮgenon vnd er sin wirt erzuͥgot mit zwein, so sol er die schulde liden.
Ebd.
165, 30
(
1311
):
wer den andern phendet vmb gelt, dez man loͮgenhaft ist, das phant sol der wider geben.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
153, 21
(
halem.
,
1352
):
Aber umb geltschulde, die loͧgember ist, da sol der, der die ansprach hat, varn in die stat, da der sitzet und seshaft ist, den er ansprichet.
Merz, Urk. Wildegg
31, 10
(
halem.
,
1428
):
[ein Bruder verklagt seine Schwester wegen des mütterlichen Erbes]:
sunder sin schwoͤster vnd der egnt. Knonower, ir man, hettend etwa vil stucken [...] me wan der, es were denn hinder sy komen vor dem teil oder naͧch dem teil, vnd begerte dar vmb gicht oder lognen von inen.
Ebd.
33, 15
(
1430
):
Schmid hätte auch in einer taͤding vnd berednuͥsse die Zahlung in Gold anerkannt; er verlange gicht oder lougnen ze geben. Schmid ist nit missgichtig, wendet aber ein, dz er dz hetti versprochen ze tůnd an fuͥrwort, des were er vnschuldig.
Köbler, Stattr. Fryburg 65, (b),
9
(
Basel
1520
):
Es solle͂ ouch nach vnser Statrecht / handschrifften bewysung thůn / vñ wo einer siner handschrifft lougnete / der mag mit einer andern hand geschrifft / so dergliche͂ ist / oder sunst mit kuntschafft bewisen werden / vñ so sich erfünd / dz der schuldner so vnserm gerichtßzwang vnderworffen ist / vnrecht vñ gevarlich gelougnet hett / so sol er an vnser schweren straff stan.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
298
(
Genf
1636
):
Laͤugnen / nit gestehen / oder gestaͤndig sein.
Turmair
1, 449, 16
(
Augsb.
,
1517
):
Negandi ,damit man laugnet’: non, nihil ,nit‘, nil ,nichts‘, nomina tamen sunt: nec, neque ,weder‘.
Barack, Zim. Chron.
3, 633, 33
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Der Küre war des bezigs nit laugenbar, sonder gestendig.
Dirr, Münchner Stadtr.
309, 22
(
moobd.
,
1340
):
Swer geltz laugent, wie man hintz dem erzewgen suͤll. Wirt ainer angesprochen umb gelt, swie er dez schuldich worden ist, und laugent der dez, [...] er suͤll im sein nicht, dez laugen sol man nemen mit seinem ayd.
Winter, Nöst. Weist.
3, 259, 29
(
moobd.
,
1566
, Hs.
18. Jh.
):
melt er sich aber nit und wil entlaufen, so mag der wiert in anzaichnen daß er nit laugnen mag
(hier möglicherweise: ›sich der Verantwortung entziehen‹).
Siegel u. a., Salzb. Taid.
334, 1
(
smoobd.
,
1435
):
Geschicht [...] ain pluet, des man gicht, so sol der landrichter sein püess vordern an des guets schaffer, sol im die inbringen. laugent man aber des pluets, so sol der schaffer dem richter ainen tag geben auf das guet, da sol man mit recht embresten oder schuldig werden.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
95, 2
(
tir.
,
1464
):
Die vnschuldigen jüngeling die warden herttikleichen gegichtiget mit grosser pein, vnd si laugnetten, als vast si mochten, vnd sprachen, si hieten das mort nicht tan.
Schneider, Pont. u. Sid.
124, 9
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
45, 15
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
92, 24
;
Gille u. a., M. Beheim
238, 78
;
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
107, 4
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 188
;
212
;
Vock u. a., Urk. Nördl.
2038
;
Dierauer, Chron. Zürich
214, 12
;
Leidinger, V. Arnpeck
569, 7
;
Turmair
4, 7, 27
;
Auer, Stadtr. München
12, 12
;
Moscouia
C 4r, 36
;
Piirainen, Stadtr. Sillein 103, l 
18
;
Qu. Brassó
5, 549, 39
;
Maaler
269r
;
Rwb
8, 1250
;
Schweiz. Id.
3, 1172
;
Schwäb. Wb.
4, 1044
.
Vgl. ferner s. v.  22,  3,  7.
3.
›sich nicht zu jm. / etw. bekennen, jn. / etw. verleugnen, verraten‹.
Vorwiegend in Texten religiösen Inhalts belegt.
Syntagmen:
mit Gen. / Akk. d. P. / S.
Wortbildungen:
läukeln
.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
3861
(
preuß.
,
1331
):
Aber der andir verretet Crist | Und der werld verleiter ist | Und loukent des gelouben | Glich den vervluchten touben.
Ziesemer, Proph. Cranc C
9, 26
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ubir zwuundsechzic wochen wirt Cristus getotet, und is wirt nicht sin volk sin, daz sinir louken wirt.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
2685
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sie sint uz Sathanases samnungen | Und louken Cristes an der tat.
Ebd.
19419
:
Aroyme daz quit ,lougen‘; | Wen her vor Cristes ougen | Loukent siner gotheit.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 43, 1
(
wmd.
,
1521
):
Warumb wolt ich der wort Christi leukeln? ich geste alles so die evangeli inhalten.
Karnein, Salm. u. Morolf
398, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
din schone kan sich verbergen niht. | nu leucke du ir nit lang, | obe dir din ere wurde liep.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
1, 466, 9
(
Frankf.
1563
):
Dann wer ein herrn leuckt Jesum Christ, | Gewißlich auß dem teuffel ist.
Luther, WA
35, 412, 12
(
1524
):
Der allte feynd sie fangen lyeß, | [...] | Das wort Gots er sie leucken hyeß.
Feudel, Evangelistar
49, 10
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
,du bist ouch mit Jhesu gewest‘. Do loukente her vor en allen unde sprach: ,ich inweiz nicht waz du sprichist‘. [...] Do loukente Petrus unde sprach abir swerende daz her des menschen nicht bekente.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
690, 13
(
thür.
,
1421
):
die swegen unde schemeten sich unde louckenten syn.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang.
7, 14
(
osächs.
,
1343
):
der kunne her hatte gesatzit niht loukinte daz gezûcnisse Christi der wirkende ist von dem beginne.
Sachs
18, 85, 22
(
Nürnb.
1565
):
Wann ich halte die weg deß herrn, | Bin nit gottloß mit wider-wern | Wider mein got, sein wort zw laugen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 364, 10
(
Nürnb.
1631
):
Du wirst mein dreymal laugnen, | Ehe kompt die dritte Stundt.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
92, 23
(
els.
,
1362
):
Das Cristus der erste namme zů gehoͤre das er gottes sun si geheissen, das bezúget Hylarius [...]. Das bewert der vatter mit sinre stimmen, [...], die kristen mit irme gloͮben, die túfele mit irme veriehende, die iuden mit irme loͤgkende, die heyden mit irme bekennende.
Goldammer, Paracelsus
2, 286, 2
(
1530
/
5
):
Die ist ein gemahel, die einer verfellt. dieselbig ist das weib, und so er ir läugnet und nembt ein andere, läßt sie wie ein huren.
Bihlmeyer, Seuse
176, 13
(
alem.
,
14. Jh.
):
als nútwesen loͤgent alles wesens, also tůt wesen an im selb, daz loͤgent alles nútwesens.
Kochendörffer, a. a. O.
4186
;
Bechstein, a. a. O. Mt.
26, 35
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 107, 14
;
Wyss, Luz. Ostersp.
10529
;
hail. altvaͤter
99v, 14
;
17
.
4.
›sich selbst verleugnen, die eigenen Bedürfnisse und Wünsche als gering achten und zurückstellen, e. S. entsagen‹; im Unterschied zu 3 auf die eigene Person bezogen.
Texte religiösen Inhalts.
Syntagmen:
immer mit Gen. d. P.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 401, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sölte er ein ander werden, sô müeste er ze nihte werden an dem, sô er ist wesene. Des enmac niht gesîn, wan wesen enlouget sîn selbes niht.
Vetter, Pred. Taulers
356, 29
App. (
els.
,
1359
):
Nu spricht unser herre; ,wilt du mir volgen, so verzihe und verloͤigene din selbes und nim din crútz‘. Dis verloͮgnen
[Var.:
loͤiken, loͮgnen
]
und dis crútz das wirt manigem edelen Gottes frúnde fúr gehalten.
Ebd.
411, 23
:
daz selbe armuͤte kan sú Gotte nút geopfern, dan sú hat reht ein hangen daran in eime nút wissende, sú můs hie ir selber loͮgnen in diser minnen und sterben aller fúrwúrffe.
5.
›etwas Gesagtes (z. B. ein Geständnis) widerrufen; etwas Gesagtes (z. B. ein Versprechen, eine Zusage) zurücknehmen‹.

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
346, 4
(
Worms
1499
):
der gesagt hett von einer sach er were daby vñ mit gewesen. vnd darnach desselben laugnet. swenckt. oder abfiele. so er eigentlich gefragt würde. sagt Er wisst des nit. den mag man pynlich fragen.
Sachs
14, 216, 5
(
Nürnb.
1552
):
Ich hab gelobet ir die eh, | [...] | So kan ich irs ie nit mehr laugen.
Sappler, H. Kaufringer
3, 289
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
nun merkent all geleich | die red, die er getaun hat, | wann die wider den glauben stat! | ob er ir laugnet fürebas, | ich muos mit ew beziugen das.
Rwb
8, 1252
.
6.
›jn. verleumden, jm. etw. (z. B. eine Qualität) absprechen, die Unwahrheit über jn. sagen und ihn so entehren‹.
Bedeutungsverwandte:
 26.

Belegblock:

Luther, WA
41, 166, 7
(
1535
):
der leuget diesen heiligen propheten an als ein ketzer.
Niewöhner, Teichner
78, 55
(
moobd.
,
1360
/
70
):
hat er im sein er entslagen, | dw muez er im hin wider tragen | vor der chirchen, daz ist recht, | daz ez horent ritter und chnecht. | waz er im gelaugent sust | vor im ain, daz ist ein flust; | dannoch sait man von der schand | auf und nyder in dem land.
Roth, E. v. Wildenberg
46, 20
.
Vgl. ferner s. v.  26.
7.
›etw. unterschlagen, etw. (z. B. eine Information) verheimlichen‹.

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Rotenb.
461, 13
(
nobd.
,
n. 1525
):
nachdem aber obgemelt schlachten und des pundischen heers sampt der andern fursten [...] straf, hieher gein Rotenburg so glaubhaftig [...] gelangten, das die ganz offenpar und nit mer von dem abgefallen. aufrurigen geböfel zu laugen oder zu verdecken war.
Mollay, Ofner Stadtr.
236/b, 9
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
wer seÿne Weÿn ader seynes ingesindes weyn laͤwkent, do von man losung nemen scholt, er verlewͤst dÿ verlaukenden weÿn gar.
8.
›jm. etw. vorenthalten, verwehren‹.
Syntagmen:
jn. etw. nicht l., jm. etw.
(z. B.
verstand
)
l.

Belegblock:

Memminger Chron. Beschr.
19, 31
(
Ulm
1660
):
daß jhnen die Natur gutes Temperament vnd guten Verstand nicht gelaͤugnet / es will aber derselbe [...] geschaͤrpffet seyn.
Rwb
8, 1252
.
9.
›(das Recht) verweigern‹.
Bedeutungsverwandte:
 22.
Syntagmen:
das recht l.

Belegblock:

Rwb
8, 1252
(a. 
1474
).