bestatten
(oft mit Umlaut:
-e/ä-
),
V.;
zu
mhd.
bestaten
›an eine
stat
bringen‹
(Lexer
1, 225
);
ausdruckseitig und semantisch nicht in allen Belegen von
besteten
zu trennen.
1.
›jn. / etw. an eine bestimmte Stelle bringen, jn. wo aufstellen, einweisen, ansässig machen; sich wo niederlegen; etw. (z. B. Weizen) aufsammeln, an Ort und Stelle bringen; (die Augen) auf jn. richten‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
7306
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Den weize let her bestaten | Und in sine schune samnen.
Ebd.
21705
:
An der stat sulcher weide, | Da nimmer mir wirt leide, | Wirt her mich bestatende.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
5100
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
waz sî schutzin hâtin | dî sach man sî bestatin | kein der burc bequêmelich.
Quint, Eckharts Pred.
2, 55, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ich hân iuch ûzerwelt, gesat, gestellet, bestatet.
Strauch, Par. anime int.
30, 33
(
thür.
,
14. Jh.
):
stait ist ein ummecreiz oder ein ummecirkil der groze, und stait ist noch der maze des daz dinne bestait wirt. waz groze hait und maze, daz ist bestadit.
Ebd.
31, 32
:
da ist he bestait, alse daz he di wile nicht mac gewirkin an einir anderin stait.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
329, 18
(
thür.
,
1421
):
Do sprach sie, das sie ir gut unde ir erbe, [...], vorkouften unde qwemen zu ir: sie wolde vorsuchen ap sie sie bestaten mochte unde belehnen.
Matthaei, Minner. I,
2, 507
(Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
der pfenning bestet und licht | und besetzt die welt.
Schmitt, Fachprosa
62, 10
(
halem.
,
1446
):
So gät sy [hinde] für sich jn den wald vnd sůcht nun die dikinan vnd schlüft von einer studen zů der andren vnd bestätnat sich och jn einer diki.
Sappler, H. Kaufringer
5, 586
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
damit ward der gast bestätt, | das er des morgens lang belaib | und die nacht mit ruob vertraib.
McClean, Havich
180
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
dy vor funf tausent jaren | zu der hell waren gepören. | dy han ich väterleich | pestëtt in meinem reich.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
68, 14
(
moobd.
,
v. 1493
):
dahin er auch bestät hat den stůl des beirischen reichs.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
46, 9
(
tir.
,
1464
):
pringet mir den leichennamen Jesu Christi, das ich sëch das liecht in seinem liecht vnd das er v̈ber mich pestëtt seine augen.
Dalby, Lex. MHG Hunt.
1965, 20
/21.
2.
›jn. bestatten, beerdigen‹; generell: ›etw. vergraben‹; auch ütr., dann: ›jn. überschütten‹.
Zur Sache: TRE
5, 1979
/80, 730-757.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  4, .
Syntagmen:
jn. christenlich / erlich / herlich / königlich / ordenlich / wirdig / wol b., jn. mit eren, nach der alten e, zu der erden
(oft),
zu dem grabe, in den sarg, in die kirche, in das münster b
.
Wortbildungen:
bestetnis
1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
6894
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Des wart her billichen bestatet | In des abysses grunde.
Luther, WA
47, 496, 12
(
1539
):
wie wir den noch heutte zu tage die todten ehrlich zur erden bestadten.
Ders. Hl. Schrifft. Sir.
38, 16
(
Wittenb.
1545
):
verhülle seinen Leib / gebürlicher weise / vnd bestate jn ehrlich zum Grabe.
Chron. Köln
1, 1171
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
die doden bestaden sy myt eren | zo der erden.
Karnein, Salm. u. Morolf
180, 9
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
du solt minen bruder wider von dem galgen nemen | und bestatten in den sarck, do min vatter inne lit.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
136, 12
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Der corper wart erlich in vnser frouwen monster bestadet.
Thiele, Chron. Stolle
94, 5
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Also nu disser forste herlichen bestad wart.
Wendehorst, UB Marienkap. Würzb.
162, 14
(
nobd.
,
1476
):
so hat sich die gedacht fraw Barbara Eselein etc. mit grosser [...] andacht bepholen iren kinden und erben und das sie sie redlichen zu der erden bestaten und begeen sollen mit vigilg und selemes.
Reichert, Gesamtausl. Messe
11, 23
(
Nürnb.
um 1480
):
wann ein priester messe gehebt hat [...] und darnach muest einen todten menschen zu dem grabe besteten.
Thiele, Minner. II,
7, 289
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
in ungluckes orden | unheill hatt mich bestet!
Maaler
63v
(
Zürich
1561
):
Bestatten / In die erden legen / Vergraben.
Ebd.
420r
:
Vergraben / Bestatten / Mit erdrich bedecken.
Chron. Augsb.
8, 468,
Anm. 2 (
schwäb.
, zu
1554
):
denselben meinen cerper in kain kürchen noch geweichtes ort zu bestetten.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 161
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Joseph in wand in seidin wat, | mit allem rat bestatten in die zwen.
Munz, Füetrer. Persibein
231, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
das er nach christenlicher ee | nach tod si liess pestaten zu der erden.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
97, 32
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Sy ward künigklich zu der begrebde bestätt.
Turmair
4, 734, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die Teutschen [...] bestätteten in herlich und wol zue der erden.
Zingerle, Inventare
176b
, 32 (
tir.
/
vorarlb.
,
1420
):
viii markch, die er im gelichẹn zu seins weibes saͤiligẹn bestaͤtnuͤzz.
Luther, WA
45, 385, 7
;
Ziesemer, Proph. Cranc Hes.
26, 20
;
Froning, Alsf. Passionssp.
6581
;
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 290, 1
;
Mayer, Folz. Meisterl.
34, 492
;
Turmair
1, 281, 17
;
5, 34, 23
;
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
2632
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
428, 18
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
90, 27
;
Ulner
73
;
Maaler
405v
;
454r
;
Henisch
331
;
Dietz, Wb. Luther
1, 281
;
Schweiz. Id.
11, 1798
/9.
3.
allg.: ›jn. in einer bestimmten Weise mit etw., zu etw. ausstatten‹; im einzelnen: ›jn. (meist: eine Tochter) zur Ehe ausstatten‹; ›jn. angemessen versorgen‹; ›jn. mit dem ihm zustehenden Erbteil begaben‹; ›jn. für das Klosterleben, für eine Lehre ausstatten‹; (von Sachen:) ›etw. ausstatten, mit etw. versehen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  3,  78, , (V.) 2.
Wortbildungen:
bestat
1 ›Ausstattung‹ (a. 1496),
bestetnis
2.

Belegblock:

Buch Weinsb.
4, 28, 30
(
rib.
,
1588
):
Sei kunnen ire kinder, bewanten, frunde, diener hoich und richlich bestatten und brengen, sei zu amtern, befillen und deinsten befordern.
Ebd.
173, 15
(
1593
):
War ein rich man [...], hat allezeit gest, kunt es doin, bracht sin frunde mit bestetnissen und amter hoich.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
89, 23
(
thür.
,
1474
):
hat auch der man syne zcwo tochter, [...], zcu elichem lebin bestat unde von synem und ir muter gute bestatit unde begabit.
Ebd.
259, 4
:
Darobir hat dy tochter auch glichen teyl an den andern veterlichin güttern; eß were danne, daz sy von yrem vater bestat were.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
79, 7
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Von fellen, do ein kind von seinen eltern bestattet were und erblich vorzicht getan hette.
Henschel u. a., Heidin
1747
(
nobd.
,
um 1300
):
Ovch waz die kemenAte | Bestat mit ganzer zirheit.
Chron. Nürnb.
1, 207, 5
(
nobd.
,
1400-10
):
ich schicke auch dem obgenanten Ulmann meinem sune achthundert guldein, also daz man in damit cze der ee bestaten sol.
Henisch
331
(
Augsb.
1616
):
Ein jungen zur lehr bestatten / elocare pueru͂ instituendu͂.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 1, 340, 19
(
moobd.
,
1349
):
Anne, die sie
bestatt und gegeben haben in das vrowen chloster.
Behrend, Magd. Fragen
120, 26,
Anm. 18;
Grosch, a. a. O.
21, 8
;
117, 27
;
Auer, Stadtr. München
421, 11
;
Brinckmeier
1, 352
;
Rwb
2, 182
.
4.
›jn. verheiraten, zur Ehe geben; jn. heiraten‹; refl.: ›heiraten, sich verehelichen‹; Synekdoche zu 3 und zu diesem offen.
Vorwiegend wmd./wobd.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den neffen, die tochter
)
b., jn. an jn. / jm. b., jn. zu der ehe, in den ehelichen stand b., sich ehelichen / erlichen b., sich mit jm. b., an jn. / jm. bestattet sein
.
Wortbildungen
bestätlich
›mannbar, verheiratbar‹ (dazu bdv.:  2; a. 1588).

Belegblock:

Schöpper
69b
(
Dortm.
1550
):
Dare nuptui. Verehen verehelichen beraten bestatten außsteuren außsetzen. jn die Ehe versorgen jn die Ehe versehen jn die Ehe bringen verheyraten eim man vermäheln.
Buch Weinsb.
1, 54, 30
(
rib.
,
1528
):
Beil wart an einen buddenbender bestadt.
Apherdianus
195
(
Köln
1575
):
Puella matura connubio [...] manbar / bestaͤdlich.
Schneider, Pont. u. Sid.
176, 3
(
rhfrk.
/
mosfrk.
,
2. H. 15. Jh.
):
An wen docht vch, das sie
[Tochter]
wol bestatt mocht sin?
Ebd.
221, 7
:
das er dan sin schon dochter Genelet wolt geben zu einer elichen wibe, dan sie an yme wol bestatt vnd besorgt were vor yeman.
Ebd.
239, 18
:
so brecht er herren Polidus, sinen neven, den zu bestaden an syner dochter.
Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 127, 37
(
rib.
,
1485
):
dat sij sich an einen anderen man bestaidt ind verandert hedde.
Franz u. a., Qu. hess. Ref. Bd.
2, 74, 12
(
hess.
,
1528
):
Volkmein Rucker seiner prebenden umb deswillen, das er sich elichen bestadt hat, nicht zu entsetzen.
Barack, Zim. Chron.
2, 342, 30
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
hat er sich auch mit ainer von Alenzhaim bestat.
Chron. Köln
2, 291, 13
;
390, 18
;
3, 900, 14
;
Schneider, a. a. O.
175, 29
;
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
300, 32
;
Brinckmeier
1, 352
;
Henisch
331
;
Rwb
2, 182
;
185
;
Schwäb. Wb.
1, 935
.
Vgl. ferner s. v. ,  2.
5.
›(Wild) orten, in einem Lager ausmachen‹.

Belegblock:

Barack, Zim. Chron.
2, 39, 20
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
er welt die sewen bestetten und nachgendts wider zu inen kommen.
Dalby, Lex. MHG Hunt.
1965, 20
f.;
Schweiz. Id.
11, 1799
;
Schwäb. Wb.
1, 934
(bringt das angegebene Zitat unter
bestäten
; mit etymologischem Kommentar).
6.
›etw. in bestimmter Weise verteilen, ausgeben, verwenden; jm. etw. zuweisen‹.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 25, 3
(
rib.
,
1397
):
sowilch meister die eine leringe bestat, de sall eine m. colsch deser broderschaf in die bůesse geven.
Chron. Köln
2, 503, 34
(
Köln
1499
):
sin richdome bestade he sere ind vil zo der ere gotz.
Opel, Spittendorf
129, 35
(
osächs.
,
um 1480
):
den dann die fronesole, amptsole, [...], geantwortet und von yn bestatet sal werden.
Ebd.
135, 7
:
funde man in [...] registern clar, dasz die fronesole und amptsole nicht gleich bestatet were.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk.
12, 1
(
osächs.
,
1343
):
Ein mensche phlanczete einen wîngarten [...] und grûp in ime einen see und bûwite einen thorm und bestate
[
Mentel
:
satzt
, Var. um 1475
1
:
lich
; um 1475
2
-1477:
liessen
;
Eck
:
verlihe
; Luther
1545
:
thet aus
]
en den ackirlûten.
Gille u. a., M. Beheim
428, 60
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
so du | dein allmusen pesteten | und raichen wilt den armen zu.
Staub, Qu. Wien
3, 1, 1510, 1
(
moobd.
,
1383
):
Lienhart maler hat bestet Petern dem Suchenwïrt daz hoͤfel.
Opel, a. a. O.
483, 13
;
Staub, a. a. O.
3, 1, 1145, 2
;
Hör, Urk. St. Veit
78, 11
;
Brinckmeier
1, 352
;
Rwb
2, 188
.
7.
›etw. stiften, einrichten, einsetzen‹.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
118a
, 36 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der konigh sal disser herschafte dicheine in siner gewalt haben; / her sol se vorlien, da nach se bestat sint.
Gille u. a., M. Beheim
196, 67
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wart auch czu im geret: | ,ich veintschafft czwüschen euch pestet‘.
Rwb
2, 183
.
8.
›(jm.) etw. (z. B. einen Schaden) erstatten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  9.
Wortbildungen:
bestattung
3 ›Kostenerstattung, Sold‹ (a. 1684).

Belegblock:

Chron. Köln
1, 2831
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Er greue dat’z mir ein michel schade, | men besey we men myr den bestaide!
Preuss. Wb. (Z) 1, 569.
9.
›etw. gestatten, erlauben‹.
Wortbildungen:
bestat
2.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 143, 27
(
nobd.
,
1388
):
so dewht uns, daz uns doran ungnediclichen geschech, dez wir doch ewern gnaden wol getrawen, daz ir daz iht bestatet.
Jaspers, St. v. Landskron
68v
, 17 (
Augsb.
1484
):
vnd soͤlten jrem gesind mit nichten bestaté dz sy offenlich redten von vnlautrikeit.
Chron. Augsb.
2, 284, 22
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
und will uns von dannen [...] bekriegen; ob man im aber das bestatten und verhengen wöll, das main ich nit.
Schmitt, Fachprosa
64, 13
(
oobd.
/
md.
,
M. 15. Jh.
):
Du salt den habich snell werffen vnd wol dez ersten bestetten, das er icht vall vnd das er durch den swanck seiner begier nit vergeß.
Ebd.
65, 10
:
wö man daz siecht, das der vogel nit bestatten wil, da sal man den habich nymmer werffen.
Leidinger, V. Arnpeck
567, 20
(
moobd.
,
v. 1495
):
und kainem dem unseren bestatten, der sy darwider laydig oder beswär.
Mell u. a., Steir. Taid.
8, 37
(
m/soobd.
,
1523
):
ausserhalb bewilligung oder bestat des landsfursten.
10.
›etw. in bestimmter Weise vollziehen, ausüben; etw. gebrauchen‹.

Belegblock:

Lemmer, Brant. Narrensch.
110b
, 51 (
Basel
1494
):
Das weder Juden / Heyden / Datten | Jrn glouben als schentlich bestatten.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
239
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Denne alles ir [Maria] leben ane var | Was bestaͤttet inun schuld.
Henisch
331
(
Augsb.
1616
):
Wiltu dein arbeit recht bestatten / Laß gut gewissen nit entraten.
Dirr, Münchner Stadtr.
209, 17
(
moobd.
,
um 1310
/
2
):
Swer ze muͤl malen welle, der sol di muͤl bestatten und sol di zarg auf heven und sol sein mel her ab cheren als die pechen.