begraben,
V., unr. abl.
1.
›(eine Stadt, eine Befestigungsanlage) durch Gräben sichern; (Wiesengelände) mit Gräben (zur Entwässerung, Markierung der Grenzen o. ä.) durchziehen‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›sich eingraben‹ sowie (mit zusätzlicher Synekdoche:) ›jn. durch Gräben in seiner Bewegungsfreiheit einengen‹; auch ütr.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  1, (V.) 4.
Syntagmen:
die schanze / stat / wagenburg / wiese b
.; ˹(verschoben:)
sich b
.;
j. begraben sein
˺;
begrabenes land
; (ütr.):
j. mit eren begraben sein
.
Wortbildungen
begrabung
1 ›Befestigung‹ (dazu bdv.: ; vgl.  2; a. 1460; 1586).

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
Woringen, daz waz gar wale begraven ind gebolwerkt.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
379
(
Köln
1476
):
Entlych sy dayr [Nuyssz] begroeuen | Eyn vaste wagenborch.
Buch Weinsb.  (
rib.
,
1573
):
die in der stat werten sich ritterlich, aber sei waren seir benaut und begraben.
˹Ütr.: Pyritz, Minneburg 
2869
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Wer ger ein frawen gewynnen, | Die mit eren ist begraben, | Daz sie in werde liep haben. | Der sol sin ruschen laßen | Und sol unsiten sich maßen.
Preuss. Wb. (Z)
1, 469
;
475
.
2.
›(einen Ort) durch Behacken, Aufgraben zur Bepflanzung vorbereiten‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.

Belegblock:

Diefenbach, Mlat.-hd.-böhm. Wb. (
um 1470
):
Pastinare begraben […] ader pflanczen.
3.
›etw. mit Gravuren, Ziselierungen versehen‹.

Belegblock:

Niewöhner, Teichner 
351, 14
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
er well gantzeu wappen haben, | schilt und helm schon begraben.
UB ob der Enns 10, 
341, 28
(
moobd.
,
1385
):
begraben insigel
[Regestbeleg].
4.
›etw. in etw. (z. B. in die Erde) eingraben, vergraben‹; ütr.: ›etw. (z. B. Strafen) abschaffen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2; vgl. ,  2, (V.) 3.
Syntagmen:
das holz / gelt b
., (ütr.:)
die strafe / pön b., den schrein im gebirge b., etw
. (z. B.
das hafen
)
in die erde b
.;
unter der erde begraben liegen
;
begrabener schaz
.

Belegblock:

Ermisch, Freib. Stadtr.  (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Was ein man anders hat uf allem ertriche, iz si begraben in der erden oder lige uffen hutten […], daz sal ein man verschozzen ane argelist.
Feudel, Evangelistar 
146, 11
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Daz riche der hemele ist glich eyme begrabyn schacze in dem ackir.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
37, 26
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
dy gebeyn dy legin si in hulczyn schryn unde begrabin di in deme hoestin gebirge.
Luther, WA (
1520
):
Die andern straffen und penen […] solt man […] begraben.
Rohland, Schäden
361
 (
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
begrabe das [haffen] vnder die erde in einen keller.
Piirainen, Stadtr. Sillein
47b, 37
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Von dem schacz der vnder der erden begraben leyt.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. ;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Koller, Ref. Siegmunds ;
Voc. Teut.-Lat.
f viijr
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 469
.
5.
›jn. bestatten, beerdigen; (ein Tier, den Leichnam o. ä.) begraben‹; Spezialisierung zu 4.
Bedeutungsverwandte:
 2.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
den alten menschen
(ütr.)
/ son gottes / vater / goldschmied / heiden / juden / ketzer / könig / leichnam / martyrer / wind
(›Windhund‹),
die sele, das kind / weib / haupt, die erschlagenen / kriegsleute / toten b., jn. in eine kaule, in die helle, in den grund der helle, in dem garten, in das erdreich, in der heidenschaft, in dem münster, in der / die kirche, zur kirche, auf das feld, auf die malstat, auf dem kirchhof, an eine erliche stat, unter den galgen b., jn. in gutem alter b
.;
in Rom, in dem tot begraben liegen
;
jn. lebendig
(dies reichhaltig belegt bei
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
),
auf jüdische art b., jn. blossen b
.
Wortbildungen:
begrabgeld
›Begräbnisgebühr‹,
begräbstat
.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1524
):
wie auch etzlich vor begrebnuß Irer kinder das begrabgeltt nith haben geben wollen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dô man in
[Christus]
begruop, dô begruop man ir
[Maria]
sêle mit im.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs. 
v. 1406
):
Wan meiner awgen hochster schein, | […], | Leit in dem tot hie begraben.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
dz er / der Sůn Gottes / gestorbẽ vnd begrabẽ sey / nach dem Fleisch.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
143, 7
 (
rhfrk.
,
um 1435
):
Da hieß der konnig das man den wint hart bij den kirchoff begrübe.
Krebs, Prot. Spey. Domkap. 
1, 474, 2
 (
rhfrk.
,
1501
):
Ist […] die sach die stulbruder und die fabrica die begrebstat berurn ufgeschlagen bis uf siner gnaden zukunft.
Reu, Süddt. Kat. 1, 
245, 29
 (
Heidelberg
1563
):
gelitten vnter Pontio Pilato, gecreutziget, gestorben vnd begraben.
Ebd.
248, 26
:
Daß […] vnser alter mensch mit jm gecreutziget, getödtet vñ begraben wird.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth  (
Frankf.
1563
):
Ein goldtschmid wirt dreymal begraben.
Feudel, Evangelistar 
13, 30
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
,herre, laz mich alrest gen begraben mynen vater.‘ Do sprach Jhesus: ,laz dy toten dy toten begraben.
Schönbach, Adt. Pred.  (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
[die tůvele] vůrten in [richen man] in die helle und begrůben in dar inne mit lib und mit selen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
18, 25
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
do der berg ist do man begrebit alle groze chaam.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
das ir ine [dieb] auf kein kirchhof, wan auf das felt […] begraben last.
Luther. Hl. Schrifft. 
1. Mose 47, 30
(
Wittenb.
1545
):
du solt mich aus Egypten füren / vnd in jrem [veter] Begrebnis begraben.
Gille u. a., M. Beheim 
84, 149
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wirdige mait Maria, | ich man dich […] durch sein tat und sein pegrabm.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1500
):
da begrub man lebendig ein frawen bei virtzig jarn, het vil gestoln.
Reichert, Gesamtausl. Messe
2, 9
(
Nürnb.
um 1480
):
wenn da begraben wuerd ein ketzer oder ein jud, heyd […], so sol man sie [kirche] sprengen und den leychnam außgraben.
Ebd.
7, 11
:
Auch sol man zu verbotten zeyten keynen todten begraben noch keynen banhafftigen.
Kehrein, Kath. Gesangb.  (
Nürnb.
1631
):
Hilff den Krancken, begrab die Todten, | So wirds dir gar wol gerahten.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
135, 3
(
els.
,
1362
):
waz […] so gros sterben daz einre den anderen kúme moͤhte begraben.
Ebd.
559, 23
:
wenne sú forhte, wurde daz hǒbet bi dem lichomen begraben daz er wider von deme dode erstúnde.
Morrall, Mandev. Reiseb. 
119, 2
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
stirbt ain man in dem selben land, so begrebt man das wib also lebendig mit im.
Hör, Urk. St. Veit 
81, 31
(
moobd.
,
1360
):
alz man ainen christenmenschen begraben vnd bestaͤten sol.
Bauer, Imitatio Haller
96, 20
 (
tir.
,
1466
):
Wenn der mensch pegraben würt in das ertreich, so würt sein gedechtnus gar pald vergessen.
Große, Schwabensp. ; ;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp. 
516
;
Karnein, Salm. u. Morolf
114, 27
;
Froning, Alsf. Passionssp. 
2207
;
Valli, Baldemann 
389
;
Küther, UB Frauensee 
378, 25
;
Strauch, Par. anime int.
117, 24
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann 
16, 26
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. ;
v. Tscharner, a. a. O.
7, 17
;
Luther. a. a. O.
1. Mose 15, 15
;
Kehrein, a. a. O. ;
Williams u. a., a. a. O.
320, 4
;
407, 15
;
494, 19
;
638, 29
;
32
;
Thür. Chron.
13r, 15
;
Roder, Stadtr. Villingen ;
Welti, Stadtr. Bern ;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 170, 23
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
76, 35
;
Qu. Brassó
5, 418, 8
;
Dietz, Wb. Luther ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 469
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 9
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  6,  1.
6.
›etw. (z. B. die Seele) in etw. (z. B. in der Gottheit) verankern, mit etw. vereinen, in etw. aufgehen lassen; etw. in sich aufnehmen, tief in die Erinnerung einprägen‹; Ütr. zu 3; 4; 5.
Syntagmen:
etw. in das herze b., etw
. (z. B.
den geist, die sele
)
in der gotheit b., etw. in das vater unser b., das wort in etw. begraben liegen, got in jm. begraben sein, sele im leichnam begraben sein, j. in den tod begraben sein
.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Diz wort in dir [Rich man] danne lit | Begraben: ,ganc zu Gote!‘
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
so der lichame begraben wurt in der erden, das die sele denne werde begraben in der grundelosen gotheit.
Schönbach, Adt. Pred.  (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
wanne die tote sele ist begraben in irme lichname.
Niewöhner, Teichner 
40, 87
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
den man siecht in sunten schallen, | in dem ist got nicht begraben.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II, 
1276
(
tir.
,
v. 1496
):
Das
[Gedenken an Passion Christi]
süll wir hewt mit schmerzen | Begraben in unsere hertzen.
Jostes, Eckhart
95, 35
;
Vetter, a. a. O. ;
Dietz, Wb. Luther ;
Dehnhardt, Metaphorik d. Mystiker.
1940, 119
;
Göpfert, Wb. Katechismus
43
.