graben,
V., unr. abl.
1.
›ein Loch in die Erde graben; Grabarbeit leisten‹; mit Akk. Obj.: ›(eine Grube, einen Graben o. ä.) ausheben (z. B. zur Anlage eines Fundamentes, zum Anlegen eines Brunnens, eines Wehrgrabens, einer Straße)‹; auch: ›etw. verschütten, eingraben, zuschütten‹.
Phraseme:
zu der wurzel graben
›einer Sache auf den Grund gehen‹.
Wortbildungen:
grabbrunne
›gegrabener Brunnen‹ (a. 1360),
grabearbeit
›Arbeit an den Festungswerken der Stadt‹ (a. 1426),
grabeisen
1 ›Spaten; Hacke‹,
grabscheit
(wie
grabeisen
),
grabstal
›Platz zur Aushebung eines Grabens‹ (a. 1537/8), ˹
grabstecke
,
grabsteckel
,
grabstok
›Grabewerkzeug unterschiedlicher Größe, z. B. Spaten‹˺.

Belegblock:

˹(Sprichwörtlich:)
Mieder, Lehmann. Flor.
544, 18
(
Lübeck
1639
):
Man graͤbt leichter ein Brunnen von newen / alß das man ein alten vernewert.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
354, 21
(
Wolfenb.
1594
):
Wer einem andern eine Grube gräbt, der fellet selber darein.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
573, 2109
(
Magdeb.
1608
):
wer eim andern grebt ein Loch / | Der mus darin abstuͤrtzen noch.
Luther, WA
37, 589, 15
(
1534
):
Das heist recht eim andern eine gruben gegraben und selbst darein gefallen
Große, Schwabensp.
159a, 10
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swer brůnen oder graben grebet, der sol se bewerben eynes mannes knis hoch.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
175, 2
(
preuß.
,
1406
):
Pferdemarschalk. sustulit 3 m. off rechenschafft am sonabunde noch Georgii off die Belicz czu graben und die lantwere czu machen.
Quint, Eckharts Trakt.
113, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz Abraham hâte gegraben in sînem acker lebende brunnen und übeltætige liute vulten sie mit erden.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 20, 14
(Hs. ˹
md.
,
14. Jh.
˺):
Ir vürsten, set uf, swen ir habet, | dem ir zu tiefez twingen grabet
(›jm. einen Zwang auferlegt‹),
| daz ir icht snabet.
Lau, Qu. Neuß
232, 18
(
rib.
,
1549
):
das alle diegeinige, neist verleiden jair [...] neit gegraven, noch auch mit perden gedeint haven, das man dieselbige van stunt penden sall.
Küther, UB Frauensee
216, 22
(
thür.
,
1443
):
Axte 8 beh. von der gruben zu grabin in dem offin.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
6, 48
(
osächs.
,
1343
):
Her ist glîch einem menschin der ein hûs bůwit, der da grebit ûf die hôe und sine gruntvestene gelegit hât ûf einen stein.
Voc. Teut.-Lat. pp jr (
Nürnb.
1482
):
Wulen oder graben.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
39, 11
(
els.
,
1362
):
Jch habe ein tieffen burnen gegraben.
Vetter, Pred. Taulers
393, 35
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
grabe durch die muren in den tempel von Jherusalem.
Schmitt, Ordo rerum
229, 25
(
alem.
,
1486
):
Fossile grauestok [...] grobestekel [...] grabstekchen [...] grabstokch [...] grabysin [...] grabscheyt.
Päpke, Marienl. Wernher
3728
(
halem.
,
v. 1382
):
Mit sinen vingerlin es grůb | Ain gruͤbli vil klaine.
Müller, Stadtr. Ravensb.
147, 9
(
oschwäb.
,
1368
):
swela usbuͥrger sich iaͤrlich [...] mit grabent und mit andres diensten nit verdienent.
Chron. Augsb.
1, 48, 14
(
schwäb.
, zu
1376
):
in dem frid grůben die stet umb sich und machten ir mür.
Ebd.
7, 79, 7
(zu
1548
):
daß zuͤ verhuetung ubels vor allen dingen die ursach desselben hinweck zuͤ nemen und also, wie man sagt, zuͤ der wurtzel zuͤ graben sein mueßt.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 31, 25
(
schwäb.
,
1574
):
welcher kaat uff der gemaind aufschlieg, oder sonst darauf gevärlich grüeb, der kombt jedesmalls umb ein klainen frevel.
Ebd.
96, 6
(
1445
[
A. 17. Jh.
]):
welcher für die geschworne stain vervurt oder darüber zeunet, auch darüber grüeb und ainen außstüeß, der [...] soll [...] fünf schilling zu peen geben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
271, 30
(
m/soobd.
,
1391
):
seu solten auch grabm und stain, ladn, kalch [...] zu dem bropsthoff zum gepeu fueren.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
89, 4
(
tir.
,
1464
):
Der pös wüetreich der starb vnd viel in die grüben, die er graben het.
Luther, WA
24, 445, 34
;
Große, a. a. O.
169a, 17
;
Buch Weinsb.
2, 114, 14
;
Meisen, a. a. O.
779
;
1598
;
3140
;
Ermisch, UB Chemnitz
89, 17
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
206, 10
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
12vb, 34
;
13rb, 9
;
Gehring, a. a. O.
3, 221, 6
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 580, 43
;
Zingerle, Inventare
104b, 39
;
Rechn. Kronstadt
2, 167, 31
;
Dasypodius
338v
;
Volkmar
451
;
Henisch
1717
/8;
Schles. Wb.
1, 440
;
Pfälz. Wb.
3, 402
;
Schweiz. Id.
11, 18
;
Schwäb. Wb.
3, 778
-782;
6, 2060
.
Vgl. ferner s. v.  6, , .
2.
›etw., das in der Erde verwachsen (z. B. eine Pflanze) oder verborgen (z. B. Gold, Erze, Mineralien) ist, herausholen, ausgraben, fördern‹; gegenüber der transitiven Variante von 1 mit verschobener Bezugsgröße.
Wortbildungen:
graber
3 ›Ausgräber, Minenarbeiter (z. B. in einer Silbergrube)‹.

Belegblock:

Luther, WA
47, 227, 25
(
1540
):
wo man das Silber aus der erden grebet.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
198, 5
(
Frankf.
1535
):
Spongruͤn [...] Der best vnder allen ist der den man grebt / Der ander den man abschabet.
Große, Schwabensp.
166a, 21
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der dar hoůwet gebůholz [...] oder grebet marckstene, man snit im hůt vnde hare abe.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
16, 23
(
Frankf./M.
1563
):
Beyfůß ist zu vilen gebrechen nutzlich / Es ist aber inn die Superstition kommen / da es von etlichen auff gewissen tagen [...] gegraben / und kolen darunder gesucht werden die Febres damit zu vertreiben.
Ralegh. America
17, 33
(
Frankf.
1599
):
das Goldt / welches die Hispanier in den West-Indien auß dem Bergwerck graben.
Stoltzius, Chym. Lustg.
29, 2
(
Frankf./M.
1624
):
Mineralische Sachen. Das ist / alles was man vnter der Erden find vnd graͤbt.
Gille u. a., M. Beheim
250, 9
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ich spurt vil greber, dy da [silbergrube] warn gewesen e | und vor mir heten graben.
Maaler
190v
(
Zürich
1561
):
Silber Graben. Fodere argentum.
Ebd.
252r
:
Kreütlen / Kreüter graben oder auß\ziehen. Eruncare.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
112, 34
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dâ man salzerz grebt.
Luther. Hl. Schrifft.
1
Macc. 8, 3;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
14, 30
;
Williams u. a., a. a. O.
495, 25
;
Rot
329
.
3.
›etw. / jn. (z. B. zur Strafe) in die Erde eingraben, etw. vergraben, jn. beerdigen, jn. bestatten‹.
Phraseme:
die büchsen in frieden graben
›Frieden schließen‹.
Wortbildungen:
graber
4 ›Totengräber, Leichenbestatter‹,
graberlon
,
gräberlon
›Bezahlung des Totengräbers‹,
grabgeschir
›Gerät zum Ausheben der Gräber‹ (a. 1587).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 176, 29
(
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
wir haben ihn dahin begraben, wolt ihr ihn da nicht leiden, so grabe ihn uff und grabe ihn unter den galgen.
Chron. Köln
2, 27, 11
(
rib.
,
14. Jh.
):
da woerden die zwene Jueden gehancgen, ind die Juedinne solde man da graven.
Chron. Köln
1, 13, 18
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ind deeden die hilgen weder, | sy grouen sy in dat ertriche neder.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
1461
(
omd.
,
1338
):
Sy sterben, doch des wil ich wern: | Rech als dy greber vrowen sich | Wen sy vinden sicherlich | Gruben und dorinne schatz.
Eggers, Psalter
44, 26
(
thür.
,
1378
):
Sie gruben myne hende uñ myne fuze.
Chron. Nürnb.
4, 352, 5
(
nobd.
,
15. Jh.
):
da erstach sich mit willn selber Ot Sulmaister [...]. man verprent in nicht. man sprach, er het dem pischof 4 gld. geben, daz man in grub zu sant Mertein.
Ebd.
385, 8
:
da grub man ein grosse diebin lebendig.
Palm, Veter Buoch
33, 12
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
er ist gekrucziget, er starp, er wart gegraben vnd erstunt an dem dritten tage.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2884
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
do der buw ward ussgericht, | Do man solt ainen ortstain graben.
Welti, Stadtr. Bern
328, 7
(
halem.
,
n. 1437
):
ordneten vnd sasten schultheß [...] den sigristen vnd den grebren ze luͥten vnd ze graben diß nachgeschribnen loͤne.
Roder, Hugs Vill. Chron.
11, 17
(
önalem.
,
1499
):
die Schwitzer firetend nit und grůbend ir buchsen im friden.
Jörg, Salat. Reformationschr.
188, 8
(
halem.
,
1534
/
5
):
das man da von niemand nüt vordern solt / alls von touffen / verrichten mit dem sacrament / seelrecht / und greberlon.
Chron. Augsb.
5, 168, 4
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
wan ettlich kranck in ainem haus waren, so erwirgten sie es gar oder ermördeten es, [...], damit sie das graberlon verdienten.
Henisch
1736
(
Augsb.
1616
):
Wer samblet das vergaͤnglich ist / | Der grebt sein seel inn kot vnd mist.
Klein, Oswald
95, 27
(
oobd.
,
um 1425
):
heb auff, trag hin, lass gelden | sein schuld, grab in und deck in zü!
Reissenberger, Väterb.
17519
;
Chron. Nürnb.
4, 168, 8
;
Pfälz. Wb.
3, 402
;
Schweiz. Id.
3, 1288
;
Schwäb. Wb.
3, 781
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 114
.
4.
›(die Humusschicht der Erde) fachmännisch umgraben, (das Feld, den Weinberg, den Garten) bestellen; landwirtschaftlich tätig sein‹; auch bildlich für die Arbeit des Menschen an der Reinheit der Seele.
Wortbildungen:
graber
5 ›Unterpflüger, Umgräber im Weinberg, Gärtnergehilfe‹,
grabet
›Zeitspanne landwirtschaftlicher Tätigkeit pro Jahr‹ (a. 1525).

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
6638
(
rib.
,
1444
):
besser is in gemach leven | Dan sij graven, hacken off weven.
Ebd.
7150
:
Ind bin die die sunder graeven | De garden doen nesselen ind distelen haven.
Loersch, Weist. Boppard
158, 14
(
mosfrk.
,
um 1640
):
des soll er si [weingarten] zu rechter zeit besseren, schneiden, sticken und graben.
Kollnig, Weist. Schriesh.
261, 20
(
rhfrk.
,
1642
):
Von weiberarbeiten; alß sailen, laben, heften, beßerung eintragen deß tags einer person vier pfennig; rebenleesen, holztragen und graben umbsonst.
Gille u. a., M. Beheim
195, 125
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
es wer vil pesser das man reüt, | an dem suntag mit phlügen peüt, | auch haket oder grübe | Denn man den tancz erhübe.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3095, 1
(
Nürnb.
1610
/
18
):
Was wöll wir in den Garten grabn, | Weils jetzt so schön thut sein? | Es ist ein Sambstagsarbeit.
Vetter, Pred. Taulers
97, 22
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
[der ackerman] keret sin ertterich umb und grebet es mit grossem flisse; also sol der mensche mit vil grossem flisse sich selber umbegraben.
Argovia
4, 234, 31
(
halem.
,
1457
):
daz wir, die reblüte, die reben sollent [...] geschnitten und gehacket hân vnd dieselben reben uf Sant Johanns tag [...] in acht tagen gegruobet vnd gerüret haben.
Sexauer, Schrr. in Kart.
223, 35
(
Basel
,
um 1510
):
Wann si aber hacken. graben / schnyden / oder mist vßfürend [...]. so mögen si miteinandern von notturfftigen dingen reden.
Maaler
143r
(
Zürich
1561
):
Frieß (der) oder graber. Fossor, Subarator.
Müller, Stadtr. Ravensb.
249, 16
(
oschwäb.
,
1425
):
Ouch sol man geben ainem graber in krutgarten und ainem zúner des tags ain schilling.
Rechn. Kronstadt
3, 317, 11
(
siebenb.
,
1554
):
Am Oster owent hǔn Ich gebenn, das Im den Gorten hatt gegrobenn bey denn graindigenn, asp. 21 ½.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
7, 3
;
Aubin, Weist. Hülchrath
68, 18
;
Merz, Urk. Lenzb.
142, 25
;
Sexauer, Schrr. in Kart.
222, 34
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
25, 4
;
Volkmar
451
;
Schwäb. Wb.
3, 781
.
Vgl. ferner s. v. ,  6, .
5.
›etw. (z. B. Buchstaben) in eine Unterlage eingravieren, etw. (in einen Stein, z. B. einen Grabstein) einmeißeln, einritzen; etw. in eine Unterlage einschreiben‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. (z. B. ein Petschaft) mittels Eingravierung von Zeichen, Behauen von Steinen u. ä. herstellen‹; fachsprachliche Spezialisierung zu 1; auch metaphorisch sowie in Bildern für religiöse Bezugsverhältnisse.
Wortbildungen:
grabeisen
2 Werkzeug unterschiedlicher Größe und Machart a) ›zum Ausschneiden bzw. Ausschnitzen, Skalpell‹, b) ›zum Bearbeiten von Stein, Meißel, Stichel‹,
graber
6 ›Bildhauer, Steinmetz, Graveur‹ (dazu bdv.: , , , , , , , ),
graberin
›Graveurin‹,
grabmeissel
›Elfenbeinschnitzmesser‹,
gräbner
›Graveur, Goldschmied‹ (a. 1398),
grabung
1 ›Gravierarbeit, Schnitzarbeit, Einmeißelung in einen Stein; Bemalung‹ (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
21607
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der [Calcidonius] was an sime schine bleich | Und an deme geverte | So grozelichen herte | Daz in nicht meisters mochte graben.
Luther, WA
47, 184, 34
(
1539
):
Das ist das Siegel, das ehr hatte helle, feine buchstaben im hertzen und ein rein und scharff gegraben siegel, das heist: ehr wuste gewisslich.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
127, 3
(
preuß.
,
1437
):
eyn silbereyn blech, dorann ist eyn schiff gestochen und gegraben.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
9599
(
rhfrk.
,
um 1405
):
[Die handt ist] Eyne widerstellerynne der falschen sigel | Und der selben eine graberynne da bij.
Thiele, Minner. II,
30, 34
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
ich sach meysterlich boicstavin | beide gemalt und ouch gegravin.
Stackmann u. a., Frauenlob
7, 2b, 10
(Hs. ˹
md.
,
M. 14. Jh.
˺):
der sarc was rot ein marmel, | der stempel guldin, wol gegraben.
Ebd.
4, 3, 5
(Hs. ˹
nobd.
3. V. 15. Jh.
˺):
Swa sie sich durch vier ougen in zwei herzen graben, | da wirken sie.
Ebd.
5, 94b, 2
:
Triuwe unde recht ein ieslich mensche solte haben | genzlich gegraben | in herze und in sinne.
Karnein, Salm. u. Morolf
351, 1
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
ein zinen, die was von marmel schön graben.
Müller, Faustb.
906, 17
(
Frankf.
1587
):
das Thor / dadurch man gehet / mit Glocken [...] gemacht / darinnen die Historien deß alten vnd newen Testaments gegraben.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
142, 13
(
Frankf.
1535
):
[Der Jacinct] ist fast hert / also das er sich nitt laßt spalten oder graben.
Alberus II iiijr (
Frankf.
1540
):
Scalper [...] scalpellus [...] instrumentum ferreum. daß mann zu den wunden vnd zeen braucht, damit man zeen außbricht / heyst auch ein flit / grabeisen / schrateisen / schabmesser.
Hulsius G ivr (
Nürnb.
1596
):
ein gegraben werckstuͤck / vne chose engrauéë. Graben / grauer. ein graber / außstecher / graueur, tailleur.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
741
(
Nürnb.
1613
):
Er hett jetzund nit so viel weil / | Daß er mir koͤndt ein Pittschafft graben.
Ebd.
750
:
Liendle was woltest du dann haben / | Das er dir solt auffs Pittschafft graben?
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 352, 18
(
Straßb.
1466
):
Die gruntfeste der pfeiler waren erin: wann ir haubt mit iren gemelden
[Var. 1. H. 15. Jh.:
grabugen
]
waren silbrin.
Ebd.
5, 261, 12
:
mit zedrim holcz was inwendig der tempel vberal bedeckt habent sein grabung vnd sein fúgung weislichen gemacht.
Ebd.
10, 113, 19
:
vber einen stein mit siben augen. Vnd sich ich werd graben sein grabung
[
Wormser Proph.
:
ich will seine hindernüß auffloͤsen
;
Froschauer
:
wil (jnn) gletten
; Luther
1545
:
ich wil jn aushawen
]
sprichet der herre.
Dasypodius A
210 v
(
Straßb.
1536
):
Scalpellum, Ein kleins schab messerlin / grabeyselin.
Maaler
190v
(
Zürich
1561
):
Graber / Schnetzler. [...] Grabmeissel [...] Ein spitzeysen helffenbein darmit zů hoͤlen.
Morrall, Mandev. Reiseb.
103, 9
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
ir soͤllent graben mit ainem dyomanten in saphir oder cristall.
Chron. Augsb.
2, 17, 34
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
er kund valsche insigl graben, er hieß Bartlme.
Ebd.
320, 21
:
die geschrift, [...], ist so scharpf, als obs ain goldschmid graben hett.
Haszler, Kiechels Reisen
312, 11
(
schwäb.
,
n. 1589
):
dobey auch öttliche in stein gegrabene latinische vers.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
431, 16
/25 (
oobd.
,
1349
/
50
):
Der grabær ainer hiez Beseleel und der ander Ooliab, die wâren sunderleichen gelêrt [...] auf all kunst, diu zuo edelm gestain gehœrt ze graben und ze polieren oder zierleich beraiten. und die gruoben daz edel gestain und beraitten ez zuo dem tempelgewant [...]. in dem gewant machten si nâch gotes gehaiz zwelf auzerwelt edel stain und gruoben dar ein die namen der kind von Israhel, und dar umb ist daz wâr, daz der stain graben niht ân sach ist.
McClean, Havich
4293
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
an der maur lies er graben | vil mer̈mleiner tier | in vil manigerlay zir̈.
Mell u. a., Steir. Taid.
258, 19
(
m/soobd.
,
1539
):
die burger zu st. Geörgen mügen sich aines marktinsigl darauf st. Geörg [...] gegraben sol sein gebrauchen.
Luther. Hl. Schrifft.
2
Mos. 28, 9; Jer.
17, 1
;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
35, 9
;
Vizkelety, a. a. O.
576
;
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
27, 2
;
Sappler, H. Kaufringer
7, 205
;
Turmair
1, 417, 16
;
Haszler, a. a. O.
337, 5
;
Meisen u. a., J. Eck
55, 11
;
Schmitt, Ordo rerum
230, 3
/4;
Voc. Teut.-Lat. k vr.; pp vijv;
Alberus A jr;
Maaler
190v
;
Hulsius Q ivv;
Volkmar
74
;
563
;
572
;
Henisch
1717
;
Schwäb. Wb.
3, 782
;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 54
.
Vgl. ferner s. v. ,  3, (Adj.) 6,  1.
6.
›nachhaken, grübeln; etw. zu ergründen suchen; e. S. nachforschen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. erfahren, ergründen, erkennen‹; Ütr. zu 2.

Belegblock:

Luther, WA
10, 3, 335, 25
(
1522
):
du darffst nit ayn spaden in die hand nemen und tieff graben, nit reyten gen Jerusalem, sondern erfinden ist erkantnus. Wann mir got ein unglück zůschickt, es sey kranckeit [...]: da grab das duß findest. Finden ist erkennen.
Ebd.
10, 3, 336, 15
:
den das recht creütz můß mit jm eingeschlossen haben schmach und spot mit dem leiden, das leyt tief dynn, das grebt man rauß allain mit dem hertzen.
Reissenberger, Väterb.
11029
(
md.
,
14. Jh.
):
Unde vorschte nach ir unruch. | Also lange er an ir grub, | Untz daz ir iegelich entsub | Wie er in houbt sunden lac.
Ulner
378
(
Frankf.
1577
):
Streben. Darnach stehen / all sein sinn vnd fleiß darauff schlagen darnach dencken / darnach trachten / [...] / darnach ringen vnd gaffen / graben.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
8, 7
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Nim für dich, du tummer man, brüfe und grab mit sinnes grabestickel in die vernunft, so findestu.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
15, 58
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Nue graben wir tyeffer und erforschen weyßleicher aws den dingen.
Gille u. a., M. Beheim
2, 33
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ach tumer lay, nicht furbas grab du hie. | glaub an drey person und an ainen got | und laß es pey dem selben also pleiben.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
127, 3
(
Ulm
1486
):
Mag ich hüit nit die warhait auß dir graben?