1
beladen,
V., unr. abl.;
in 2 meist, in 3 ausschließlich
part. Adj.;
zu
mhd.
laden
›laden‹
(Lexer
1, 1810
).
1.
›e. P. / einem Tier eine (oft: große) Last auflegen, etw. (z. B. ein Schiff) mit Waren beladen, füllen; (Materialien, z. B. Holz) hohem Druck aussetzen, belasten‹; ütr.: ›etw. (z. B. Zierrat) im Übermaß anlegen‹.
Spätes Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1, .
Syntagmen:
ein tier b., den esel mit wein / trauben / feigen b., wagen / (-)holz beladen
(›belasten‹);
mit dem kreuz beladen (sein), verliebte an haut und haren beladen sein
.

Belegblock:

Allg. Schau-Buͤhne
53/54, 54
(
Frankf.
1699
):
Die Portugesen Verlieren daruͤber eine reich beladene Ost⸗Jndische Caraque.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 45, 17
(
Wittenb.
1545
):
beladet ewr tiere / ziehet hin.
˹Bildlich: Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 497, 29
(
Nürnb.
1631
):
Gott Vatter vnd sein geliebter Sohn, | Mit dem Creutz bladen
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
19, 13
(
Straßb.
1650
):
sind sie [Verliebte] an Haut vnd Haaren [...] beschlencket, beknöpffet vnd beladen.
Schmitt, Ordo rerum
649, 42
;
Maaler
57r
;
Dietz, Wb. Luther
1, 251
;
2.
›jn. (auch: z. B. ein Spital) mit etw. belasten, beauftragen‹; meist als part. Adj.
beladen
, dann: ›durch die Existenz einer Person oder eines mißlichen Umstandes beeinträchtigt, im Lebenswert eingeschränkt; beladen, belastet, belästigt, (an Leib oder Gut) geschädigt, (mit Krankheit) behaftet‹; ütr. ›durch einen unangenehmen Umstand beschwert, bedrückten Gemütes, voll von etw.‹.
Frühes und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte
(zum part. Adj.): (s. v.  6), , ,  2, , .
Syntagmen:
jn. mit diensten / geschäften, mit einem ampt, dem eide / gelübde b., das gemüt mit etw
. (z. B.
einer lere
)
b., das spital mit armen leuten b
.;
mit (schwerer) arbeit / armut / feindschaft / gesez / has / krieg / lasten / (grossem / ewigem) schaden / schlägen / schüssen / strafe / peinen / ungunst beladen sein, mit einem weibe / kind, mit alter / krankheiten / schwachheit / seuche / fallender sucht beladen sein, in etw. beladen sein
;
eines menschen beladen sein
›Last an jm. haben‹;
das herz
(Subj.)
mit furcht / nöten / sorgfeltigkeiten / traurigkeit / zorn beladen sein
.
Wortbildungen
1
beladung
1 (dazu bdv.: , ,
1
 1, ).

Belegblock:

Schöpper
100b
(
Dortm.
1550
):
Grauatus. Beschwärt bemuͤhet beladen belästigt Vberlegen.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1964
(
Köln
1476
):
der iongh furst van Hessen [...] | [...] | Mocht in synre naturen zart, | Dat ydt perdz vleisch so gessen wart, | Nyet verdraegen, ind syn gnaeden | Waren gantz dayr in belaeden | Pynlych.
Ebd.
2903
:
Ighlygh parthij was belaeden | Dorch doeden myt groissen schaeden.
J. W. von Cube. Hortus
104, 34
(
Mainz
1485
):
darvmb mogen die do beladen synt mit der fallenden sucht den [coriander] woͤl nutzen.
Valli, Baldemann
346
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Mich wundirt, daz [...] | [...] | [...] uwer creftig her | Nicht richt an im den schaden, | Der uͤch hot hie mit beladen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
32, 37
(
omd.
,
1487
):
Will nẃ ein armer man (mit eÿnem solchen weÿbe beladen
.
) rúhe habenn.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
92, 16
(
Nürnb.
1548
):
Kombt her zu mir alle die jr muͤselig vñ beladen seid.
Welti, Stadtr. Bern
315, 17
(
halem.
,
1450
):
als wir [...] vnser spittale mit armen luͥten vnd pfrůndkinden in massen beladen gehept hant.
Ebd.
431, 1
(wohl
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
Wo aber die kindbetterin mitt armůtt beladenn waͤre.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 12, 30
(
Straßb.
1524
):
dañ ir hertz ist all zeitt beladen mit innerlichen sorgfeltigkeiten.
Bachmann, Haimonsk.
101, 26
(
halem.
,
1530
):
By gott, Rengnold, ich bin dinnen wunderbarlichen beladen.
Chron. Augsb.
7, 232, 5
(
schwäb.
, zu
1550
):
daß er von dem bistumb absteen solte, besunder, so er alt und sunst mit schwachait beladen ist und nun wol rue bederfte.
Heydn. maister
33v, 10
(
Augsb.
1490
):
dann sÿ [Lacedemonier] wolten jre gemuͤt mit seiner ler nit beladen.
Rot
288
(
Augsb.
1571
):
Aggrauation, beschwaͤrung / beladung / belestigung / vberladung.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
508, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Sein hertz mit zorn beladen | was gen den, die gross frais gar lützel vorchten.
Weber, Füetrer. Poyt.
249, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ein fraw, durch dy mein hertz | peladen ist mit starcken nötten strennge.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
132, 16
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
[das arm und verdorben landt] nicht lenger mit dem unpillichen kryeg [...] beladen wolt seyn.
Meisen, a. a. O.
1920
;
Froning, Alsf. Passionssp.
6310
;
Köbler, Ref. Wormbs
323, 13
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 46, 1
;
Reichmann, a. a. O.
96, 35
;
Thiele, Minner. II,
9, 54
;
Chron. Augsb.
7, 328, 25
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
37, 34
;
Diefenbach
392a
;
Voc. inc. teut. q
iijr
;
Maaler
57r
;
Schwartzenbach
B vjv
;
C vr
;
Dietz, Wb. Luther
1, 251
;
Rwb
1, 1511
;
Bad. Wb.
1, 142
;
Schweiz. Id.
3, 1061
.
Vgl. ferner s. v.  1,  2, .
3.
als part. Adj.: ›mit etw. negativ Bewertetem (andauernd) behaftet; mit einer positiv bewerteten Eigenschaft ausgestattet; mit Sünden beladen‹.
Syntagmen:
mit bosheit / gnade / laster / schande / sünden / üppigkeit / wucher b
.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
4631
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Mir ist hie uf dich bekant | Wie du [Danyel] wol sist beladen | Mit der gote genaden | Me danne ein ander man.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 689, 10
(
Bautzen
1567
):
Warumb thust hoffen die seligkeit, | So du doch bladen bist mit boßheit.
Goedeke, Fischart. Landlust
12
(
Straßb.
1579
):
Sitzet nicht in dem wechselgaden, | Jst mit dem wucher nicht beladen.
Goldammer, Paracelsus
5, 181, 2
(
1530
):
daß alle euer guter frembde guter seindt, euch nit zugehorent und mit allen sunden beladen, laster, schand und üppigkeit?
Schmidt, Rud. v. Biberach
15, 23
;
Dietz, Wb. Luther
1, 251
.
4.
›dafür sorgen, daß sich j. e. S. annimmt; jn. beschäftigen, jn. (stark) in Anspruch nehmen, mit etw. behelligen‹, meist refl. ›sich e. S. annehmen, sich mit etw. befassen, um etw. kümmern‹; auch: ›jm. Hilfe leisten‹.
Überwiegend wobd.
Bedeutungsverwandte:
 12,  3,  7,
1
 2,
1
 5, , .
Syntagmen:
einen rat mit etw. b., jn. / sich mit geschäften / händeln / lernen, den ewigen dingen, einer arbeit / sache b., den richter mit urteil b., jn. / sich der arbeit / sache
(oft),
eines handels, des rechtes / regiments, der (eigenen) dinge / geschäfte, der armen b
.
Wortbildungen:
1
beladung
2 ›Inangriffnahme, Beschäftigung mit etw., Belastung‹.

Belegblock:

zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
160
(
Nürnb.
1517
):
domit er [geist des erwelten], allein mit den ewigen dingen beladen, die künftigen suese fuerschmeckt.
Chron. Nürnb.
3, 147, 25
(
nobd.
,
1488
):
wie Carolus der kaiser sich der sach belud und hert annam.
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 21, 5
(
halem.
,
1470
):
das sy in disem rechtshandel sich nit wyter beladen soͤltend.
Ebd.
182, 2
:
meinend ir, die übrigen werdint still sitzen und sich diser vilen nüt beladen?
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 169, 18
(
whalem.
,
1484
):
Indem nů gemein Eidgnossen in beladunge diser sach uf dem vorgenanten tage zů Lutzern warent.
Roder, Hugs Vill. Chron.
130, 7
(
önalem.
,
1525
):
zum selben maull handlettend die von Straußbůrg [...] gegen siner lantschafft zů Offenbůrg und belůdent sich der puren fasst fill.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 323, 2
(
alem.
,
1530
/
40
):
wurd Basel von beyden teylen hart betrangt, wiewol die statt sich keins teyls belůde.
Wickram
4, 14, 24
(
Straßb.
1556
):
Lieber nachbaur [...] / wir woͤllend gůte liebe freundt mit einander sein / Und uns der kinder sachen nichts beladen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
58, 25
(
Basel
1494
):
Wer sich mit froͤmbder sach belad | Vnd selbst versumbt / der hab den schad.
Adomatis u. a., J. Murer. J. Man. Spieg.
494
(
Zürich
1560
):
ach nein kein haller nit | kein suren drunck er niemand git | Er bladt sich nit / ja keiner armen | das mich denn übel thůt erbarmen.
Ebd. Bab.
1240
:
Und obs glych schon der fyend waͤr | so kommend sy so nach nit haͤr | Das sy uns etwas moͤgind schaden | wir wend still syn und deß nüt bladen.
Maaler
57r
(
Zürich
1561
):
Jch bin mit lernen Beladen / Jch gib oder leg mich auff das studieren.
Chron. Augsb.
7, 62, 22
(
schwäb.
, zu
1547
):
das welle er selbst austragen und ainen rat damit nit beladen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
71
(
Genf
1636
):
Mit geschaͤfften (beladen) geschaͤfftig.
Reithmeier, B. v. Chiemsee Widm. S. 1, Z.
13
(
München
1528
):
ich hab [...] in zeitlichen beladungen nichts künnen noch moegen schreiben noch machen.
zu Dohna u. a., a. a. O.
217
;
Roder, a. a. O.
84, 19
;
Dierauer, Chron. Zürich
223, 14
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
317, 1
;
661, 21
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 557, 28
;
Chron. Augsb.
9, 329, 12
;
Maaler
57r
;
Ulner
99
; O
7r
;
Dietz, Wb. Luther
1, 251
;
Brinckmeier
1, 328
;
Rwb
1, 1511/2
;
Bad. Wb.
1, 142
;
Vorarlb. Wb.
1, 282
;
Schweiz. Id.
3, 1061
.
5.
›jn. belästigen, bedrängen; jn. e. S. verdächtigen, jm. etw. (z. B. eine üble Tat) anhängen, jn. e. S. beschuldigen‹.

Belegblock:

Welti, Urk. Rheinfelden
418, 5
(
halem.
,
1491
):
ob soͤlh rechtuertigung by vns in recht stuͤnd, wisten wir mit recht die von Basel nit zu beladen, dz [...].
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 176, 25
(
halem.
,
n. 1529
):
wie dan ein stat Bern sunderlich mit schweren reden und troͤwungen ouch von den iren hart ward beladen.
Ebd.
503, 5
:
wie wol der Stampa sich zů recht erpot gegen menglich, so in unredlicher, verraͤterischer sachen woͤlte beladen.
Chron. Augsb.
7, 252, 4
(
schwäb.
, zu
1552
):
gebieten darauf menigklich, daß sie, die prediger und schuͤlmaister, [...] gar nichts angezogen, verclainert oder mit nachred beladen werden.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
33, 3
(
moobd.
,
1478
/
81
):
In der zeit was Lucius der künig zu Franckreich beladen und überzogen mit ainer weit ersamleten menig aus allen landen.
Rwb
1, 1512
;
Schweiz. Id.
3, 1062
.
6.
›etw. (ein Gut o. ä.) finanziell belasten, mit einer Auflage, Abgabepflichten, Pfandsetzung belegen; sich mit etw. (z. B. mit Schulden) belasten‹.
Vorwiegend wobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 78,
1
, , .
Syntagmen:
das gut / unterpfand, die almende b., etw. mit beschwerden / selgeräten / zinsen, mit einer pflicht, mit restitution b., sich mit einer schuldenlast b
.
Wortbildungen
1
beladung
3 ›finanzielle Belastung eines Gutes; Steuerauflage, Abgabeverpflichtung‹ (dazu bdv.:
1
 2).

Belegblock:

Welti, Urk. Rheinfelden
346, 7
(
halem.
,
1463
):
wie ir stieffatter soliche guͤter von irer můter daruͤrende verkuͥnbert vnd beladen vnd dz man sy vnderstanden habe für semliche beladung ze verkouffen.
Ebd.
370, 23
(
1470
):
das sy [...] by den gemeldeten iren guͤteren on beladung der stür beliben sollent.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
262, 10
(
halem.
,
1491
):
des obgemellten gotzhuß eigne guͤtter aͧn sin und siner anwaͤllten kundtlichen gunst und bewilligen zů verkouffen und zů beladen.
Ebd.
263, 7
:
das ettlich der [...] guͤter mit úberzinsen, selgreten und andern beschwaͤrden beladen.
Köbler, Stattr. Fryburg
166, 18
(
Basel
1520
):
mag der ihen / dem solich erb gehoͤrt [...] alles dz so verkoufft oder geendert / ald verpfendt wer / fry on alle beladung an sich bringen.
Ebd.
21
:
Legata die mit restitucion beladen sind / moͤgen nit gemindert werden.
Welti, Stadtr. Bern
425, 28
(
halem.
,
1508
):
Wellicher ein vnnderpfannd fuͥr fry lidig eigenn versetzdt, so da aber vormalls beladenn ist.
Welti, Urk. Rheinfelden
346, 8
;
12
;
Köbler, a. a. O.
97, 15
;
Rwb
1, 1511
;
Schweiz. Id.
3, 1061
.
Vgl. ferner s. v.  16.