1
beladen,
V., unr. abl.;
in 2 meist, in 3 ausschließlich
part. Adj.;
zu
mhd.
laden
›laden‹
().
1.
›e. P. / einem Tier eine (oft: große) Last auflegen, etw. (z. B. ein Schiff) mit Waren beladen, füllen; (Materialien, z. B. Holz) hohem Druck aussetzen, belasten‹; ütr.: ›etw. (z. B. Zierrat) im Übermaß anlegen‹.
Spätes Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1, .
Syntagmen:
ein tier b., den esel mit wein / trauben / feigen b., wagen / (-)holz beladen
(›belasten‹);
mit dem kreuz beladen (sein), verliebte an haut und haren beladen sein
.

Belegblock:

Allg. Schau-Buͤhne (
Frankf.
1699
):
Die Portugesen Verlieren daruͤber eine reich beladene Ost⸗Jndische Caraque.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 45, 17
(
Wittenb.
1545
):
beladet ewr tiere / ziehet hin.
˹Bildlich: Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Gott Vatter vnd sein geliebter Sohn, | Mit dem Creutz bladen
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
sind sie [Verliebte] an Haut vnd Haaren [...] beschlencket, beknöpffet vnd beladen.
Schmitt, Ordo rerum
649, 42
;
Dietz, Wb. Luther ;
2.
›jn. (auch: z. B. ein Spital) mit etw. belasten, beauftragen‹; meist als part. Adj.
beladen
, dann: ›durch die Existenz einer Person oder eines mißlichen Umstandes beeinträchtigt, im Lebenswert eingeschränkt; beladen, belastet, belästigt, (an Leib oder Gut) geschädigt, (mit Krankheit) behaftet‹; ütr. ›durch einen unangenehmen Umstand beschwert, bedrückten Gemütes, voll von etw.‹.
Frühes und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte
(zum part. Adj.): (s. v.  6), , ,  2, , .
Syntagmen:
jn. mit diensten / geschäften, mit einem ampt, dem eide / gelübde b., das gemüt mit etw
. (z. B.
einer lere
)
b., das spital mit armen leuten b
.;
mit (schwerer) arbeit / armut / feindschaft / gesez / has / krieg / lasten / (grossem / ewigem) schaden / schlägen / schüssen / strafe / peinen / ungunst beladen sein, mit einem weibe / kind, mit alter / krankheiten / schwachheit / seuche / fallender sucht beladen sein, in etw. beladen sein
;
eines menschen beladen sein
›Last an jm. haben‹;
das herz
(Subj.)
mit furcht / nöten / sorgfeltigkeiten / traurigkeit / zorn beladen sein
.
Wortbildungen
1
beladung
1 (dazu bdv.: , ,
1
 1, ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Grauatus. Beschwärt bemuͤhet beladen belästigt Vberlegen.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1964
(
Köln
1476
):
der iongh furst van Hessen [...] | [...] | Mocht in synre naturen zart, | Dat ydt perdz vleisch so gessen wart, | Nyet verdraegen, ind syn gnaeden | Waren gantz dayr in belaeden | Pynlych.
Ebd.
2903
:
Ighlygh parthij was belaeden | Dorch doeden myt groissen schaeden.
J. W. von Cube. Hortus
104, 34
(
Mainz
1485
):
darvmb mogen die do beladen synt mit der fallenden sucht den [coriander] woͤl nutzen.
Valli, Baldemann
346
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Mich wundirt, daz [...] | [...] | [...] uwer creftig her | Nicht richt an im den schaden, | Der uͤch hot hie mit beladen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
32, 37
(
omd.
,
1487
):
Will nẃ ein armer man (mit eÿnem solchen weÿbe beladen
.
) rúhe habenn.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
92, 16
(
Nürnb.
1548
):
Kombt her zu mir alle die jr muͤselig vñ beladen seid.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1450
):
als wir [...] vnser spittale mit armen luͥten vnd pfrůndkinden in massen beladen gehept hant.
Ebd. (wohl
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
Wo aber die kindbetterin mitt armůtt beladenn waͤre.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 12, 30
(
Straßb.
1524
):
dañ ir hertz ist all zeitt beladen mit innerlichen sorgfeltigkeiten.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
By gott, Rengnold, ich bin dinnen wunderbarlichen beladen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1550
):
daß er von dem bistumb absteen solte, besunder, so er alt und sunst mit schwachait beladen ist und nun wol rue bederfte.
Heydn. maister
33v, 10
(
Augsb.
1490
):
dann sÿ [Lacedemonier] wolten jre gemuͤt mit seiner ler nit beladen.
Rot
288
(
Augsb.
1571
):
Aggrauation, beschwaͤrung / beladung / belestigung / vberladung.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
508, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Sein hertz mit zorn beladen | was gen den, die gross frais gar lützel vorchten.
Weber, Füetrer. Poyt.
249, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ein fraw, durch dy mein hertz | peladen ist mit starcken nötten strennge.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
[das arm und verdorben landt] nicht lenger mit dem unpillichen kryeg [...] beladen wolt seyn.
Meisen, a. a. O.
1920
;
Froning, Alsf. Passionssp.
6310
;
Köbler, Ref. Wormbs
323, 13
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Reichmann, a. a. O.
96, 35
;
Thiele, Minner. II,
9, 54
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Voc. inc. teut. q
iijr
;
Schwartzenbach
B vjv
;
C vr
;
Dietz, Wb. Luther ;
Bad. Wb.
1, 142
;
Vgl. ferner s. v.  1,  2, .
3.
als part. Adj.: ›mit etw. negativ Bewertetem (andauernd) behaftet; mit einer positiv bewerteten Eigenschaft ausgestattet; mit Sünden beladen‹.
Syntagmen:
mit bosheit / gnade / laster / schande / sünden / üppigkeit / wucher b
.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Mir ist hie uf dich bekant | Wie du [Danyel] wol sist beladen | Mit der gote genaden | Me danne ein ander man.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Warumb thust hoffen die seligkeit, | So du doch bladen bist mit boßheit.
Goedeke, Fischart. Landlust
12
(
Straßb.
1579
):
Sitzet nicht in dem wechselgaden, | Jst mit dem wucher nicht beladen.
Goldammer, Paracelsus
5, 181, 2
(
1530
):
daß alle euer guter frembde guter seindt, euch nit zugehorent und mit allen sunden beladen, laster, schand und üppigkeit?
Schmidt, Rud. v. Biberach
15, 23
;
Dietz, Wb. Luther .
4.
›dafür sorgen, daß sich j. e. S. annimmt; jn. beschäftigen, jn. (stark) in Anspruch nehmen, mit etw. behelligen‹, meist refl. ›sich e. S. annehmen, sich mit etw. befassen, um etw. kümmern‹; auch: ›jm. Hilfe leisten‹.
Überwiegend wobd.
Bedeutungsverwandte:
 12,  3,  7,
1
 2,
1
 5, , .
Syntagmen:
einen rat mit etw. b., jn. / sich mit geschäften / händeln / lernen, den ewigen dingen, einer arbeit / sache b., den richter mit urteil b., jn. / sich der arbeit / sache
(oft),
eines handels, des rechtes / regiments, der (eigenen) dinge / geschäfte, der armen b
.
Wortbildungen:
1
beladung
2 ›Inangriffnahme, Beschäftigung mit etw., Belastung‹.

Belegblock:

zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
160
(
Nürnb.
1517
):
domit er [geist des erwelten], allein mit den ewigen dingen beladen, die künftigen suese fuerschmeckt.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
wie Carolus der kaiser sich der sach belud und hert annam.
Qu. Schweiz. Gesch. (
halem.
,
1470
):
das sy in disem rechtshandel sich nit wyter beladen soͤltend.
meinend ir, die übrigen werdint still sitzen und sich diser vilen nüt beladen?
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
Indem nů gemein Eidgnossen in beladunge diser sach uf dem vorgenanten tage zů Lutzern warent.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1525
):
zum selben maull handlettend die von Straußbůrg [...] gegen siner lantschafft zů Offenbůrg und belůdent sich der puren fasst fill.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1530
/
40
):
wurd Basel von beyden teylen hart betrangt, wiewol die statt sich keins teyls belůde.
Wickram
4, 14, 24
(
Straßb.
1556
):
Lieber nachbaur [...] / wir woͤllend gůte liebe freundt mit einander sein / Und uns der kinder sachen nichts beladen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
58, 25
(
Basel
1494
):
Wer sich mit froͤmbder sach belad | Vnd selbst versumbt / der hab den schad.
Adomatis u. a., J. Murer. J. Man. Spieg.
494
(
Zürich
1560
):
ach nein kein haller nit | kein suren drunck er niemand git | Er bladt sich nit / ja keiner armen | das mich denn übel thůt erbarmen.
Ebd. Bab.
1240
:
Und obs glych schon der fyend waͤr | so kommend sy so nach nit haͤr | Das sy uns etwas moͤgind schaden | wir wend still syn und deß nüt bladen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Jch bin mit lernen Beladen / Jch gib oder leg mich auff das studieren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1547
):
das welle er selbst austragen und ainen rat damit nit beladen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
71
(
Genf
1636
):
Mit geschaͤfften (beladen) geschaͤfftig.
Reithmeier, B. v. Chiemsee Widm. S. 1, Z. (
München
1528
):
ich hab [...] in zeitlichen beladungen nichts künnen noch moegen schreiben noch machen.
zu Dohna u. a., a. a. O.
217
;
Roder, a. a. O. ;
Dierauer, Chron. Zürich ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
317, 1
;
661, 21
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 557, 28
;
Ulner
99
; O
7r
;
Dietz, Wb. Luther ;
Bad. Wb.
1, 142
;
Vorarlb. Wb.
1, 282
;
5.
›jn. belästigen, bedrängen; jn. e. S. verdächtigen, jm. etw. (z. B. eine üble Tat) anhängen, jn. e. S. beschuldigen‹.

Belegblock:

Welti, Urk. Rheinfelden
418, 5
(
halem.
,
1491
):
ob soͤlh rechtuertigung by vns in recht stuͤnd, wisten wir mit recht die von Basel nit zu beladen, dz [...].
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wie dan ein stat Bern sunderlich mit schweren reden und troͤwungen ouch von den iren hart ward beladen.
wie wol der Stampa sich zů recht erpot gegen menglich, so in unredlicher, verraͤterischer sachen woͤlte beladen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1552
):
gebieten darauf menigklich, daß sie, die prediger und schuͤlmaister, [...] gar nichts angezogen, verclainert oder mit nachred beladen werden.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
In der zeit was Lucius der künig zu Franckreich beladen und überzogen mit ainer weit ersamleten menig aus allen landen.
6.
›etw. (ein Gut o. ä.) finanziell belasten, mit einer Auflage, Abgabepflichten, Pfandsetzung belegen; sich mit etw. (z. B. mit Schulden) belasten‹.
Vorwiegend wobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 78,
1
, , .
Syntagmen:
das gut / unterpfand, die almende b., etw. mit beschwerden / selgeräten / zinsen, mit einer pflicht, mit restitution b., sich mit einer schuldenlast b
.
Wortbildungen
1
beladung
3 ›finanzielle Belastung eines Gutes; Steuerauflage, Abgabeverpflichtung‹ (dazu bdv.:
1
 2).

Belegblock:

Welti, Urk. Rheinfelden
346, 7
(
halem.
,
1463
):
wie ir stieffatter soliche guͤter von irer můter daruͤrende verkuͥnbert vnd beladen vnd dz man sy vnderstanden habe für semliche beladung ze verkouffen.
Ebd.
370, 23
(
1470
):
das sy [...] by den gemeldeten iren guͤteren on beladung der stür beliben sollent.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1491
):
des obgemellten gotzhuß eigne guͤtter aͧn sin und siner anwaͤllten kundtlichen gunst und bewilligen zů verkouffen und zů beladen.
das ettlich der [...] guͤter mit úberzinsen, selgreten und andern beschwaͤrden beladen.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
mag der ihen / dem solich erb gehoͤrt [...] alles dz so verkoufft oder geendert / ald verpfendt wer / fry on alle beladung an sich bringen.
Ebd. :
Legata die mit restitucion beladen sind / moͤgen nit gemindert werden.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1508
):
Wellicher ein vnnderpfannd fuͥr fry lidig eigenn versetzdt, so da aber vormalls beladenn ist.
Welti, Urk. Rheinfelden
346, 8
;
12
;
Köbler, a. a. O. ;
Vgl. ferner s. v.  16.