landgraf
(nrddt./md. auch umgelautet aufgrund eines
j
-Suffixes, dann:
landgrebe
),
der
;
-en/-en
(zu
landgraf
).
›erbliches, auf Amt und Stellung der Reichsministerialen zurückgehendes übergeordnetes Verwaltungs- und Richteramt eines Herrschaftsgebietes, dessen Träger den Grafenstand innehatte, aber lehensrechtlich dem König direkt unterstellt war. In seinem Herrschaftsgebiet war der Landgraf entsprechend auch der Landesherr und konnte sich im Laufe der Zeit immer mehr aus der königlichen Abhängigkeit lösen‹;
zu  89, .
Syntagmen:
den l. köpfen; der l. etw. erben / gebieten / richten, etw.
(z. B.
die hohen gerichte
)
inne haben / richten; dem l. dienen, gehorsam sein, etw.
(z. B.
ein gut
)
verleihen, dem l. etw. zugehören; gebot / man / verweser des l.; l. in / von / zu Thüringen, l. zu helle
(für Luzifer)
; ewiger / oberster l
.
Wortbildungen:
landgrafin
,
landgräfisch
›zur Herrschaft eines Landgrafen gehörig‹,
landgrebisch
.
Zur Sache: , 1662f.;
Hrg
2
, 1501f.; .

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Ouch sach man in den ordin varn | [...] | den hêrrin an geburt vil clâr | lantgrêven Conrâde vorwâr.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1070
(
Köln
1476
):
Landtgreeff Herman, dat edell bloet, | Der do in anxt ind noeden groet | Bynnen Nuyssz was gesessen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
3. Dr. 14. Jh.
):
Da qwamen di lantgrebschen dem bischofe entgein zu Gudensperg unde streden einen großen strit.
Luther, WA (
1531
):
Der hencker zu Mentz wird den Landgraven auch nicht koͤpffen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do qwam der grave von Swarzburgk des lantgraven man an.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
66, 25
(
thür.
,
1474
):
Wir Frederich, von gotiß gnaden herczoge zcu Sachßin, des heylgen Romischen richs ertczmarschalgk unde kurfurste, lantgraffe in Doringen unde marggraffe zcu Missen.
Küther, UB Frauensee
390
(
thür.
,
1530
):
Ich [...] schultheis zu Vach thu kaundt [...], das [...] vor mir erscheinenn ist Michael Flach des durchleuchtigen hochgepornenn furstenn unnd herrn Philipsen landtgraven zu Hessenn [...] vorweser.
Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1521
):
Wir Luciper, an di gnad gotes storer der heiligen christenheit, [...] ewiger landgraf zu hell, des reich kein ent nit ist.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Wann die gebott des kúnigs vnd der landgrafen die do waren in der bescheúde des kúnigz vnd der hertzogen anderhalb des floß: die gaben die gebot.
Argovia (
halem.
,
1371
):
Ez sol ein lantgraf richten veber dz bluot.
Ebd. (
1351
):
Wa des gotzhûs eigen man [...] stirbet, [...] die erbet dz gotzhûs zu küngsveld vnd nit ein lantgrâf.
Kläui, Schweiz. Urbare
3, 220, 17
(
halem.
,
1400
):
sullent da [...] sitzen, die uber dz gotzhuß gůt voͤgte sint, und der lantgrave.
Maaler (
Zürich
1561
):
Landgraaf. Comes prouincialis.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1547
):
ist den landtgrävischen gesandten [...] durch churfürsten [...] audientz gegeben worden.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
von dem dritten Ottone sein sie under die 4 landtgrafen geordnet worden, hernach aber in ein sollichen abgang kommen, das sie den fürstenstandt verlassen und nur wie ander grafen sein geachtet worden.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
Die egenant Gisila [...] sol sein gewesen sand Elspeten, lantgrafinn zu Thuringen, anfraw.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
231, 10
(
1438
/
9
):
hatt er [...] Hansen von Falkensteyn, freyen, der eyn lantgraff derselben gegene und lantgrafschaft, [...] gebeten, ime soliche gerichte [...] zu Schowemberg zu verlihende.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1380
):
Wir Albrecht von gots gnaden herczog ze Osterreich, [...] graf ze Habspurg, ze Tyrol, [...] und lantgraf in Elsazze, bekennen [...].
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Dalmatien das künigreich [...] davon sich nun unser kaiser, künig und vor zeiten die baierischen fürsten, landgrafen zue Dachau bei München [...] herzog schreiben.
[Herzog Dieth]
richtet alda zu Potzen ainen marchgrafen der alten brauch nach auf, der muest als ain öbrister lantgraf und landshaubtman auf der gränitz ligen, dieselbigen vor dem eingrif der feint bewarn.
Schade, a. a. O. ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
811, 18
;
Kurrelmeyer, a. a. O. ;
Koller, a. a. O.
171, 6
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ; ;
Mylius
G 7v
;
Vgl. ferner s. v.  17,  2,  5,
1
 1,  1,  1,  1.