ausstechen,
V., unr. abl.;
im Part. Perf. auch:
-gestechen.
1.
allgemein: ›etw. aus etw. anderem herausstechen‹; meist speziell: ›jm. (die Augen) ausstechen‹.
Phraseme:
im selber ein auge ausstechen
›sich selbst Schweres auferlegen‹;
den krähen die augen ausstechen
›seinen Spott mit jm. treiben‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Wortbildungen:
ausstechung
1.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
biz als lanc daz got im selber ein ouge ûz stach und an sich nam menschlîche natûre.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1493
):
da stach man dem Grunperk und dem löffler die augen auß und prent sie paid durch paid packen.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1525
):
der lantgrauff uß Hesse [...] schlůg fill zů tod, stach truw hundert man ire ogen uß, spißet ethlich.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
also wurden vnser verspotten die iuden als man spricht sy wellen den kroen die augen ausstechen.
Roloff, Brant. Tsp.
178
(
Straßb.
1554
):
Dein [Fraw gerechtigkeit] augen sind dir außgestochen | So ist dein schwert stumpff und zerbrochen.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Zu Kutzingen hat man 75 die augen außgestochen.
Quint, a. a. O. ;
Große, Schwabensp. ;
Goldammer, Paracelsus.
2, 132, 3
;
Baumann, a. a. O. ; ;
Pausch, Ital.-Dt. Sprachb.
140, 5
;
Hulsius
A iijv
;
Dietz, Wb. Luther ;
2.
›etw. (z. B. einen Stadtgraben) durch Weggraben von Schmutz reinigen; etw. (eine Feldgrenze) durch Übergraben unkenntlich machen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
(zur ersten Variante).
Wortbildungen:
ausstecher
1.

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
buß der grab
[›Stadtgraben‹]
also außgestochen wart, aber des kat wart auf das mal nit außgeschwempt.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
um 1540
):
Wenn ainer seinem nachpern ain rain außsticht oder umbhaut, ist von ainem ieden hauslag 12 phening.
Hulsius
G ivr
;
Q ivv
.
3.
›etw. (z. B. ein Geschirr) mit Gravuren versehen‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›etw. aus einer Masse ausstechen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, (V.) 5; vgl.  5, ,  3.
Syntagmen:
die oblate a.
, (ütr.:)
den abgot in das herz a.
;
etw. mit gold / seide a.
;
ausgestochener becher, ausgestochenes geschirre / werk, ausgestochene arbeit.
Wortbildungen
ausstecher
2 (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
118, 14
(
preuß.
,
1507
):
2 eisen ablatten auszustechen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Mentor, Ein eygner nam eins fuͤrtreffenlichen bildgrabers / außstechers.
Maaler (
Zürich
1561
):
Außgestochne trinckgeschirr / mit erhebter arbeit.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Gegrabene arbeit / außgestochen / gebildet / cælatus.
4.
als Part. Perf.:
ausgestochen
›vollkommen, ausgezeichnet (von Sachen)‹; Ütr. zu 3; ›abgefeimt, verschlagen (von Personen)‹.
Bedeutungsverwandte:
˹vgl.  1 (zur ersten Variante)˺; (s. v.  2), (Adj.) 6,  4; vgl. (Adj.) 45, (zur zweiten Variante).

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Listiger außgestochner mensch. Homo astutus.
5.
›etw. von einer Masse abschneiden und (als Synekdoche) verkaufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.
Syntagmen:
unschlit a.

Belegblock:

Schweiz. Id. (a.
1497
;
1526
).
6.
›etw. nach draußen hängen, sichtbar aushängen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1568
):
Man hat her Fridrich eirst vorgetragen 20 tortitzschen, die auch uisgestechen waren gewest mit den wapen und schilden.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. Anm. 1 (
mosfrk.
, o. J.):
were das ein nachtbar wol wein zappen und ein wuschs aussteche.