beherbergen,
V.;
starke Schreibvarianz.
1.
›jn. beherbergen; jm. (meist gegen die Ordnung oder sonstige Normen) Unterkunft, Zuflucht, Unterschlupf gewähren‹; refl.: ›Unterkunft finden, sich aufhalten‹; ütr. (z. B. von einem Berg): ›jm. Aufenthalt bieten‹.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
jn
. (neutral:)
den einzügling / engel / freund / fürsten / gast / herren / knecht, eine nymphe b
.; (negativ wertend:)
den betler / dieb / fremden / krämer / mörder / täter / zigeuner, gesinde b
.;
jn. unerlaubt, in den winkeln, in einem palast b., jn. über nacht, um gottes willen b
.;
jm. mit b
. (subst.)
fürderung tun
;
sich bei jm
. (z. B.
der frau, dem wirt
)
b., sich in / zu einer stat b
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. 
3, 36, 11
(
wmd.
1521
):
bei einem furnemen herfarnen man, der nit allein großmechtig fursten und herren beherberigt.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
157, 33
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Liebe husfrouwe / beherbergent mich noch hint vmb goddes willen.
Schwartzenbach
D jv
(
Frankf.
1564
):
Beherbergen. Einem ein Herberg / wohnung oder vnderschleiff geben. Einen hausen / hofen / fuͤrdern / schuͤtzen vnd vertheidingen.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
118, 7
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
Frauw wirtin, seit ir gewaltig wol – | mit narren und eseln – | das ir den gast heut beherbergen wollt.
Luther. Hl. Schrifft. 
Hebr. 13, 2
(
Wittenb.
1545
):
Gastfrey zu sein vergesset nicht / Denn durch dasselbige haben etliche / on jr wissen / Engel beherget
[sic!].
Opitz. Poeterey
34, 16
 (
Breslau
1624
):
Kein Waldt / kein heller fluß / kein hoher Berg / kein Grundt | Beherbrigt eine Nymf’.
Gille u. a., M. Beheim 
179, 62
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ich bin ein gast gewesen | und ir habt mich peherbergt nie.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
80, 18
(
els.
,
1362
):
so enpfing er [Siluester] einen gar heiligen moͤnschen in sine herberge […], der von den andern kristen durch forhte der durchehtunge nút moͤhte beherberget werden.
Golius
239
(
Straßb.
1579
):
Receptator, der Dieb vnd moͤrder / vñ dergleichen leut auffhaltet /vnd beherberget.
Bachmann u. a., Volksb.
147, 24
 (
alem.
,
15. Jh.
):
da ir mich ließend, da beherberget er [koufman] mich und hat mir so früntlich gethan.
Ders., Haimonsk.
88, 9
(
halem.
,
1530
):
von wegen der grossen zall volcks […] mochtend sy [fŭrsten] nŭt zuo Paris beherbergen, sunders herbergettend sich inn Senna.
Ebd.
254, 23
:
[Rengnold] beherberget sich by ein frowen, die was eines frömmen läbens.
Roder, Stadtr. Villingen 
198, 3
(
önalem.
,
E. 16. Jh.
):
Es soll auch meniglich gewahrnet sein, niemandts frembden nit anzunemmen, ohne vorwissen der amptleuten zu beherbergen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
100, 13
(
halem.
,
1562
/
4
):
welche gottshuslüth dieselben [Inzügling] beherbergerten, behuserten ald behoferten sollend […] fünf pfund pfenig verfallen und […] zegeben schuldig sin.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
216, 3
(
halem.
,
1641
):
Es söllend auch dieselbigen sich hinfüro deß losierens und beherbrigen frömbder und berihtner persohnen […] gentzlich muͤssigen, und dieselbigen in die ordenlichen und darzů bestelten tavernen wihrtschafften gewisen werden.
Chron. Augsb.
5, 31, 8
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
und das edelmans weib kant der knecht wol und beherwergt in.
Henisch
253
(
Augsb.
1616
):
Ich bitt demuͤtigklich / das jhr mich beherbergen wolt / dann ich bin hie vnbekant.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. 
89, 31
 (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Do hat mann in beherbergt in ainem schonen palast.
Siegel u. a., Salzb. Taid. 
236, 27
(
smoobd.
,
1673
):
man soll niemand in den wünklen noch an den ainschichtigen beherbigen noch behausen.
Ebd.
287, 20
(
1494
):
wer aber ainen solhen lantschadhaften menschen in vor geschribner maß nicht beschrir noch anviel oder im füdrung tät mit beherbergen oder mit atzung.
Mell u. a., Steir. Taid.
6, 40
(
m/soobd.
,
1523
):
Wo auch iemant ainen täter wissendlich behauset, beherberget oder ainicherlai furschub tuet.
Turmair 5, 
503, 8
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wers behauset beherbriget ätzet trenket schüeb, solt mit gleicher straf gepüest werden.
Piirainen, Stadtr. Sillein
119a, 26
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
seym wirte do er beherberget ist vnd seym gaste […] dem sol der man helfen.
Tiemann, a. a. O.
151, 14
;
Kollnig, Weist. Schriesh. 
140, 16
;
Chron. Nürnb.
5, 638, 3
;
645, 10
;
Kohler u. a., Bamb. Halsger. 
48, 7
;
Williams u. a., a. a. O.
500, 28
;
Welti, Stadtr. Bern 
437, 6
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 146, 13
;
2, 3, 36
;
192, 32
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
21
;
370, 18
;
475, 31
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
91
;
Maaler
55v
;
Henisch
253
;
Dietz, Wb. Luther
1, 237
;
Rwb
1, 1451
;
Schweiz. Id.
4, 1570
;
Öst. Wb.
2, 1094
.
Vgl. ferner s. v.  9.
2.
›etw. (z. B. Wasser) aufnehmen, aufsaugen (z. B. von Dämmen); etw. (z. B. einen Korb) aufbewahren‹.
Syntagmen:
den korb, unrechtes gut b
.

Belegblock:

Rwb
1, 1451
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 483
(a. 
1598
);
Schwäb. Wb.
1, 780
(
um 1600
).
3.
›das gegenüber einer Einrichtung bestehende Herbergsrecht geltend machen‹; vgl. dazu auch
Zoepfl, Alterthümer.
1860, 386
 ff.
Syntagmen:
das kloster b
.

Belegblock:

Rwb
1, 1451
(a. 
1366
).