kalk,
kalch,
der
 ;
-(e)s/-e
(+ Uml.);
zum Verhältnis beider Formen s. Frnhd. Gr. § L 56, 3.
1.
›Kalkstein; aus Kalkstein erzeugte Substanzen als Baumaterial, als Tünche, als ätzendes Mittel in der Ledergerberei, als Dünger, als Heilmittel (u. ä.)‹; in der Alchemie Sammelbezeichnung für pulverisierte Metalloxide und Metallsalze.
Phraseme:
jm. kalk in die kürschen geben
›jm. Schwierigkeiten bereiten‹.
Bedeutungsverwandte
bzw. Sachfeld: ,  1,  2,  2, ,  3, , .
Syntagmen:
den k. (ab)leschen / aufschlagen / (aus)setzen / brennen / erklauben / kaufen / (unter etw.) mengen / (ver)mischen / netzen / (klein) pulfern / schaben / stossen / troknen / umkeren, jm. den k. ansagen, k. auf etw. schütten, in den wein, in einen äscher tun; etw. mit k. (aus)waschen / beizen / fälschen
(z. B.
wein
) /
tünchen / verschlagen / zuwerfen, etw. vor k. vertauschen, etw. zu k. verbrennen; (ab)gelöschter / aufgelaufener / frischer / gebranter / gepulferter / grosser / lebendiger / unersuchter / ungelöschter / unverhauter / weisser k.; mangel an k., pulfer von k., salbe von k., zusaz von k.; ein malter / scheffel k.
(Gen.);
ein korb voller k.; des k.
(Gen.)
meister
›Gips‹.
Wortbildungen:
kalkacker
,
kalkbereiter
,
kalkbrand
(a. 1648),
kalkbrüer
›Kalkbrenner‹,
kalkdarre
›Kalkofen‹,
kalk|estrich
(a. 1621),
kalkfeld
(a. 1600),
kalkfrau
(a. 1644),
kalkfürer
(a. 1644),
kalkgeld
(a. 1606/7),
kalkgrube
,
kalkhacke
,
kalkhaue
(a. 1369/76),
kalkhaus
›Kalkbrennerei‹,
kalkholz
›Holz zum Kalkbrennen‹,
kalkhütte
›Kalkbrennerei‹,
kälkisch
›von Kalk herrührend‹,
kalkkammer
(a. 1449),
kalkkaule
›Kalkgrube‹,
kalkknecht
(16. Jh.),
kalkkübel
,
kalkmacher
,
kalkmas
›Hohlmaß für Kalk‹ (a. 1451),
kalkmeister
,
kalkmenger
,
kalkmesser
,
kalkrürer
(a. 1524),
kalkscherbe
(dazu bdv.: , ; a. 1571),
kalkscheune
›Kalkbrennerei‹,
kalkschif
,
kalkschneider
(seit 1599),
kalksieder
,
kalkspeise
›Mörtel‹,
kalkspies
,
kalkstaub
(a. 1481),
kalksteuer
(a. 1478),
kalkstok
(16. Jh.),
kalkviertel
(a. 1551),
kalkwasser
›Kalklauge‹,
kalkzuber
(a. 1542).

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
447, 35
(
preuß.
,
1407
):
1 m. 3 1/2 scot 13 den. vor den ofen kalkes folne zu der muwer zu bereyten.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 538, 4
(
preuß.
,
1508
):
das man den kalch, eher er vorkauft wirt, der herschaft mus ansagen.
Ebd.
685, 5
(
1521
):
Einem kalchbereiter denn somertag 7 schilling.
Lohmeyer, K. v. Nostitz
138, 12
(
preuß.
,
1578
):
[der Hausvogt]
war auch baumeister, verwaltet die kalgscheun.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 494,
Anm. 2 (
mosfrk.
,
1495
):
die mure sal anderhalf done howe sin, mit gueder kalchspisen gemacht.
J. W. von Cube. Hortus
23, 3
(
Mainz
1485
):
so faret eß von eynander glicher wyse als kalck der geleschet wirt mit wasser.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 97, 9
(
omd.
,
1424
):
XXII leste kalkes hot dy stat entphangen von gebrantem kalke us allen oͤven.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
66, 5
(
osächs.
,
1570
/
7
):
das man ungeleschten kalk oder mergel darauf streue, dann es machet den acker feist.
Luther, WA
33, 512, 37
(
1531
):
Drumb geben sie [die juden] ihm kalck in die kurschen.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
90, 13
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
das er kein holtz woll hawen zu den kelcken, die dann einem paumeister zu gehoren.
Harsdoerffer. Trichter
3, 285, 6
(
Nürnb.
1653
):
Kalk oder Kalch calx. Der erweichte Kreitenstein.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
77r, 15
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
Rp. lebenden kalch ze siben malen geweschen in kaltem wasser.
UB Zug
1998, 20
(
halem.
,
1512
):
waͤr kalch doͤrff, der soͤll kalch naͤmenn bÿ der kalchdarrenn.
Barack, Zim. Chron.
4, 50, 4
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
hab sie manichmal, so sie dem kindt ein brei gekocht, usser zorn und gift kalch oder weise ab der wandt uf den brei geschaben.
Sudhoff, Paracelsus
2, 271, 9
(
1525
/
6
):
das sie wermen und doch nicht aus kelchischer kraft.
Ebd.
4, 271, 7
(
1527
):
verzert das glid hinweg gleich wie ein kalch ein cadaver.
Ebd.
14, 226, 34
(
1529
/
32
):
erkennen wir [...] bei dem kalchofen, das man kalch brent.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
443, 21
(
oobd.
,
1349
/
50
):
lebentiger kalk, daz ist newer kalk, hât verporgenz fewer.
Leidinger, A. v. Regensb.
632, 9
(
oobd.
,
um 1430
):
Do mischten Greci chalch under mel und gaben dis dem her.
Turmair
4, 686, 29
(
moobd.
,
1522
/
33
):
solcher alter stain der maist tail etwan zerprochen, zu kalch verprent und [...] vermaurt und düncht.
Winter, Nöst. Weist.
3, 728, 22
(
moobd.
,
A. 16. Jh.
):
was einem ieden notturft halben gebürt [...] prenholz speltn kalchholz und zimerholz.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
535, 8
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
durch ain kalchaker auf das ander faltor da ain alter stock [...] bezaichnet ist.
Müller, Handel Paumgartner
280, 8
(wohl
tir.
,
1549
):
das der berüert Valckenstain noch [...] onverhaute und onersuechte kälch hat.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
114, 28
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
do get vncz an den steig für die chalichgrueb hinab.
Rechn. Kronstadt
3, 590, 16
(
siebenb.
,
1550
):
das man ein kalk kaul hot gefegt vnd groͤsser gegraben.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
6, 32
;
ders., Gr. Ämterb.
62, 29
;
769, 1
;
Joachim, a. a. O.
209, 32
;
Lohmeyer, a. a. O.
144, 9
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
112, 2142
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
231r, 25
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
108, 13
;
160, 4
;
Chron. Mainz
1, 156, 2
;
Kollnig, Weist. Schriesh.
245, 23
;
Grünhagen, Rechn. Breslau
147, 35
;
Keil, Peter v. Ulm
138
;
Geier, Stadtr. Überl.
259, 34
;
Kocher, Rechn. Schönenwerd
359, 19
;
Rennefahrt, Stadtr. Bern
468, 40
;
Boner, Urk. Brugg
109, 41
;
Rohland, Schäden
447
;
Barack, a. a. O.
1, 282, 38
;
Chron. Augsb.
8, 164, 3
;
Hauber, UB Heiligkr.
2, 483, 28
;
Niewöhner, Teichner
531, 75
;
Deinhardt, Ross Artzney
100
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 172, 24
;
Auer, Stadtr. München
475, 2
;
Rechn. Kronstadt
2, 62, 11
;
143, 5
;
Schmitt, Ordo rerum
232, 18
;
Voc. Teut.-Lat.
p viijv
;
Diefenbach
111b
;
477a
;
Dief./Wü.
684
;
Shess. Wb.
3, 1055
;
Pfälz. Wb.
4, 27/8
;
Schwäb. Wb.
4, 162/4
;
6, 2254
;
Schweiz. Id.
8, 1234
;
Rwb
6, 729/34
;
737
/8;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 158
;
Lehmann, Rezeptb.
200
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 200
;
273
/4;
Benzenhöfer, Rupescissa. Consideratione.
1989, 186, 6
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 152
;
Byland, Wortsch. Zürcher AT.
1903, 50
.
2.
›Gemisch aus gelöschtem Kalk, Sole und Werg zum Abdichten der Pfanne, Kalkbrot‹.

Belegblock:

Patocka, Salzwesen.
1987, 236
(
1595
):
Mit khalch man die Luckhen Verschlecht / Das die Sulcz nicht außrinnen thuet.