sand,
der / das
;
-es/–
.
– Die Bedeutungsansätze 1–3 umfassen die Materialität der Substanz; 4–6 beziehen sich auf Sand als eine topographische Größe, als Landschaftselement und Nutzfläche; in 7 steht
sand
metonymisch für Grab; 8 und 9 dokumentieren übertragene Verwendungen im Blick auf spezifische Eigenschaften (Flüchtigkeit, Verwehbarkeit, Unzählbarkeit der Körnchen, Fülle); 10 steht im medizinischen Kontext.
1.
›Sand, Häufung kleinster Partikel zermahlenen Gesteins oder mineralischer Körner‹ (der Rohstoff allgemein); speziell: ›Quarzsand‹ (verwendet z. B. als Material zur Glasherstellung); auch: ›Kennzeichen der Landschaft im Blick auf die Materialität des Bodens‹ (von der spezifischen Beschaffenheit des Erdbodens gesagt); ›Sand als schweres, Feuchtigkeit bindendes, wärmespeicherndes Material‹ (gebraucht z. B. zum Bestreuen frischer Tinte, zur Erzeugung einer gleichmäßigen Wärmequelle in der Alchemie, zum Beschweren leerer Schiffe); ›Sediment‹ (in 1 Beleg empfohlen zur Minderung der Fruchtbarkeit schweren Erdreichs); offen zu 4; 5.
Bedeutungsverwandte:
 3,  1,  1,  1,  3,  3; vgl.  2.
Syntagmen:
j. den s. ballen / brauchen / haben / halten / kochen / zeitigen / zerstäuben, der wind den s. zerwerfen
;
s
. [wo]
sein, vol steinlein sein
;
viel sandes
(Gen. part.)
aus der erden faren
;
j. gold aus dem s. waschen, j. / etw
. (Subj., z. B.
die schlange
)
durch den s. gehen / laufen, j. perlen in dem s. finden, das gemenge in s. setzen, etw
. (Subj.)
sich
[wie]
in dem s. ziehen, zuber mit s., j. etw. mit s. beschweren / laden, die schrift mit s. bestreuen, die grube mit s. füllen, einen haufen mit s. machen, den stechplaz mit s. richten, die biene
(Subj.)
sich mit s. laden, j. den se vol s. tragen, die grube
(Subj.)
vol des sandes sein, j. glas von s. machen, gold von s. scheiden, das schif von s. entladen
;
der grobe / rürige / schöne / warme / weisse s
.
Wortbildungen:
sandbad
›Sandmenge zur gleichmäßigen Erwärmung einer Substanz‹ (a. 1602),
sandberg
(dazu bdv.: ),
sander
›Sandarbeiter‹ (dazu bdv.: ),
sandkapelle
›ofenartige Vorrichtung, in der Sand durch Feuerung erwärmt wird‹ (a. 1602),
sandkorn
,
sandschif
›Schiff, das Sand transportiert‹,
sandstunde
1 ›Sanduhr‹ (dazu bdv.: ); 2 ›mit einer Sanduhr gemessene Zeitspanne‹ (a. 1493).

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Es ist ain kuster gewesen, der begert von dem teüfel die alchemey (das ist, wie man das gold vom sand sol scheiden) leernen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
592, 2737
(
Magdeb.
1608
):
Wie wenn die Arglistigen Buben / | [...] | [...] truͤgen den See vol Sand.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Das ich das Goldt bey koͤrnlin klein | Wesch auß dem Sandt vnd mach es rein.
Knape, Messerschmidt. Bris.
13, 6
(
Frankf./M.
1559
):
DEr Hertzog ließ befelhen / den stechblatz an gewonlichem ort zu raumē / mit sand vn̄ stroh nach dem besten zu richten.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
33, 26
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Alsus veet man dy slangin [...]; wen si get durch den sant, so macht sy eynen grozen wek und vustappin.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
um 1450
):
Zo tut das moss wegk mit den hendin und myt den fussin, zo wert ir finden eynen weyssin sant und yn dem weyssin sande [...] wert ir finden perlin.
Eis, Gottfr. Pelzb.
130, 20
(
nobd.
/
thür.
,
3. V. 14. Jh.
):
ab der wynstok [...] czu geyl ist, so sal man den stok vmme grabin vnde sal di grube vullin mit sande.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Ein reysend ur von glas muß sein, | Dar in manig sant kornelein.
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
(
Nürnb.
1482
):
Sander. arenarius. sabularius.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Es zeucht sich langsam in dem sand, | Eh mir kommen in Walt, | Ein fuder holtz zu laden.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Clepsydra, ein stũd glaß / das von wasser ist gefült vnd abgetylt / wie jetzt bey vns die sandt stunden.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz binlin [...] ladet [...] sich mit sande oder mit erde, daz ez dem winde mug widerstan.
Schib, H. Stockar
29, 8
(
halem.
,
1519
):
also mustend wier bilger zu Sellin warten, bis das schiff ainthlatt war von sand und von salz.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sandschiff. Naues arenariae.
Morrall, Mandev. Reiseb.
22, 2
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da mag man wol senhen wunder, wann die
[Grube
Nienreon
]
ist all wegen vol des schoͤnsten sandes das ye kain man gesach. Von dem selben sand macht man die schoͤnsten und die besten glaß die man finden mag.
Ebd.
122, 22
:
Crocrodyllen daz sind schlangen [...]. Wann si gond da sand ist, so went ainer [...], man hett ainen böm da hin gezogen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Die lug hangt an einander wie rüriger sand / den man niendert zusamen ballen oder halten kan.
Die frische schrifft mit sand bestrewen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz dritt ist, daz dik in dem ertpidem auz der erden vert vil sandes und staubes.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Von mittentag sties es [diser römisch krais] an gros wüesten und sandperg, auch an unbekant land.
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 332
(o. O.
1602
):
Wenn Aschen vnd Sand durch das fewer wol gezeitigt vnd gar gekocht werden / so macht der Meister darauß ein Glas [...] Jch setzte dieses Gemenge in gelinde Digestion in warmen Sand
(zur gleichmäßigen Erwärmung).
Heydn. maister
148, 22
;
Voc. Teut.-Lat.
bb vijr
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 242
;
Barke, Spr. d. Chymie.
333
.
Vgl. ferner s. v.  2.
2.
›erzhaltiges Material im Bergwerk als Überrest nach dem Pochen, das noch Reste des abgebauten Minerals oder Gesteins enthalten kann‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
1,  2; vgl. (
das
1, .

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
111, 23
(
omd.
,
um 1559
):
da sollen sich die herrn und inhaber derselbigen puchwerg und weschen [...] keinesweges der gewercken hallen, sandt, after, schlam zu ihrem nucz zu arbeiten understehen, auch von puchwercken kein silber machen.
3.
›Sand als Baumaterial‹ (allgemein); im Einzelnen: Substanz, die mit Kalk zu Mörtel vermischt, dem Haus- und Dachbau (als Fugenmaterial, zum Tünchen) dient; ›Fundament für die Pflasterung von Straßen‹; ›Sand als Handelsware im Baubetrieb‹ (in 1 Beleg wird Sand im Bezug auf seinen Gebrauchswert differenziert).
Zur Sache:
Binding, Baubetrieb im Mittelalter,
334
–338.
Texte aus Recht / Verwaltung, z. B. Stadtbaurechnungen, Klosterausgaben.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
j. s. brauchen / einfüren / haben, (zu dem privatnuz) abfüren, zu etw. zufüren,
[wohin] (z. B.
gegen Zürich, zu dem dach
),
zu der hand füren, j. s. bei einer truhe verkaufen
;
s
. (Subj.)
zu js. gnaden gebauen sein
;
j. sandes
(Gen.obj.)
machen
;
j. etw
. [Geldbetrag]
für s. ausgeben, die gewelbe mit s. füllen, j. schleimsand
›Sediment‹
unter s. tun
; [Ortsname + -er]
s
.;
eine lade sandes
;
der vorrat an, die grundfeste von s
.
Wortbildungen
sandhof
›Wirtschaftshof zur Versorgung mit Bausand‹ (dazu bdv.: ),
sandkrätze
(zum Gw s.
2
) ›Geflecht in Form eines Korbes zum Transport von Sand mit einem Fassungsvermögen von 12
tragen
‹ (dazu bdv.: ,
1
),
sandreiter
›Sandsieb‹ (zum Gw s. ,
die
; dazu bdv.: ),
sandtruhe
›Maß im Umfeld des Handels für eine festgelegte Menge Sandes‹ (dazu bdv.:  4).

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
30, 11
(
preuß.
,
1400
):
23. m. den von Wydow den unflot us des meisters nuwe marstall czu furen und widdir sandt dorczu czufuren.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1405
):
4 m. dem furmanne, der die oberige erde [...] us dem huse furte und wider sant infurte, do mete man die gewelbe follete.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
mussen die pflasterer haben einen mit einem pferde und karren, der inen zu der hent furet stein und sante.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1515
):
12 augusto außgeben fur decklun, kalg und sant.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Cribrum ruderarium, Ein sand reyteren / moͤrtelsyb.
Kocher, Rechn. Schönenwerd
361, 41
(
halem.
,
1389
):
sant ze fuͤrenn zuͦ dem tach.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
347, 32
(
halem.
,
1412
):
Man sol [...] richten, als der bumeister dem wirt [...] ein ledi santz verdinget haͧt, Grinower sand, daz der selb wirt [...] an dem alten Oͤtenbach ist usgefarn und haͧt under das Grinoͧwer sand slin sand getan.
Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1638
):
etliche burger [...] van denen stein- und sandthüfen [...] steinen, sandt und kalch zu ihrem privatnutz abfüerendt und bruchen laßendt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
die leut giengen an den Lech [...] und klaubeten stain und macht man auch sands gnueg und verkauften die leut stain und sand bei ainer truchen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Die erhabene grundfest von sand / darauff man pflaͤstert [...].
Dirr, Münchner Stadtr. 534, Art. (
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
ein santchretz, der sol haben zwelf tragen, daz iegleicher trag gefaecht sey.
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 256
.
4.
›sandiger Erdboden‹ (allgemein); im Einzelnen: ›Areal zur Gewinnung von Sand‹; dazu metonymisch: ›Vorgang der Sandgewinnung‹; ›wenig fruchtbarer Acker‹.
Mehrfach Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
j. eine gans auf dem sand haben
›eine unwahrscheinliche Option haben‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , ; vgl.  5, .
Syntagmen:
jm. den s. geweren
›verwehren‹;
der eitle s
.;
x morgen s
.;
ein karch vol sand
.
Wortbildungen:
sandacker
,
sandgeld
›Abgabe für die Gewinnung von Sand‹,
sandhase
›Bewohner sandiger Gegenden‹,
sandkaule
›Sandgrube, Teil eines Ackers zur Sandgewinnung‹ (zum Gw s.
1
kaule
),
sandkaute
›Ort, an dem Sand gewonnen wird‹ (zum Gw s.
kaute
).

Belegblock:

Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1655
, Hs.
A. 18. Jh.
):
wird erkent, daß fronhalfen zu Woringen schuldig der gemeinden sei, zu halten [...] auf seinen eckeren lem- und sandkouel.
Kollnig, Weist. Schriesh.
163, 22/25
(
rhfrk.
,
1606
):
daß wer sich ihrer am Neckher habender gemeiner sandkauten mit sandgraben und abführen [...] gebrauchet, der [...] von einem karch voll sand aber 4 d zu geben schuldig sein und daß erhabene sandgelt jährlich geteilt [...] sein soll.
Foltz, UB Friedb. (
hess.
,
1389
):
antwurten, daz wir yne den sant geweret uf dem unsern, mit namen in unsern waßern, gerichten, eckern und lehen [...], wand wir yne keyns rechten da bekennen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Besser ein Sperling inder handt, | Denn ein Ganß daussen auff dem Sandt.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 316, 5
(
nobd.
,
1464
):
Darein gehoͤren zweinzig morgen veldes, der sind syben morgen eytel sant.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Die Nüremberger alle stunden | Werden genennet die sandhasen, | Weil sie bawen aller meß strassen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
151, 1
(
mslow. inseldt.
,
1625
):
Soll auß deßem gelt der śandtackher vnnd Wißnet außgelöśt werden.
5.
›Ufersand‹; ›Strand, Gestade‹ (Land bzw. Erdboden in Ufernähe, im Grenzbereich zum Wasser eines Binnengewässers oder Meeres); speziell: ›Grund eines Gewässers (im Beleg: des Roten Meeres), der bei Trockenheit sichtbar und begehbar wird‹.
Phraseme:
über se und sand
›auf den Handelswegen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2,  2,  2, .
Syntagmen:
der s
. (Subj.)
das mer bezäumen, js. trit weisen, das her der wellen halten, sich nicht malen lassen
;
j. an dem weissen s. leren, j. / etw
. (Subj., z. B.
das schif
)
auf den s. schalen / stossen, j. auf dem s. hocken bleiben, der schaum auf dem s. wellen streichen, got
(Subj.)
jn. durch den s. füren, j. unz an den s. schiffen
;
der s. des meres
;
der ausgebreitete / benaste / beschaumte / blosse / gläserne / glinsende / schwache / truckene / meersalzige / niedere / lere / unnütze / unzälbare / weisse s
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 140, 14
(
preuß.
,
1440
):
so ist unser gebrechen das wir nicht mugen verkaufen zu unsern schonsten das wenige, das uns selbest kompt von bausen landes uber sehe und sant, man beschaczet uns darumb.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 13, 18
(
Wittenb.
1545
):
Darumb füret er das Volck vmb auff die strasse durch die wüste am Schilffmeer
(Randglosse:
Die Griechen heissen es das Rotemeer / von dem roten sand vnd boden
).
Ebd.
Offb. 13, 1
:
VND ICH TRAT AN DEN SAND DES MEERS.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
407, 4576
(
Magdeb.
1608
):
Das war die Red / so der Melanth / | Sein Schuͤler lehret am weissen Sand
(gemeint ist Wittenberg).
Karnein, Salm. u. Morolf
729, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Da sie kament an das lant, | sie schifftent uß untz an den sant.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Der unzaͤhlbare / glintzrende [...] meersaltzige / benasste / glaͤsserne / beschaumte Sãd .
Lemmer, Brant. Narrensch.
47, 33
(
Basel
1494
):
Sechßhundert tusent man alleyn | [...] | Fuͦrt gott vß / durch des meres sandt.
Karnein, a. a. O.
178, 6
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
6.
›Kampfplatz, Stechplatz‹ (metonymisch für den mit Sand und ggf. Stroh ausgelegten, künstlich aufbereiteten Platz für Turnierkämpfe); ›sandiger oder überhaupt ebener Boden als naturgegebene Fläche, auf der (z. B. in einer Schlacht) gekämpft wird‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  3,
1
 3,
1
 1,  2,  2,  2.
Syntagmen:
j. auf den s. eilen
,
ordnung auf dem s. halten, j
. (z. B.
die römer
)
sich für tot in den s. strecken, j. mit rüemen / schreien im s. hofieren, j. etw. an jm. im s. erjagen, j. zu s. mut haben
;
der ferre sand
.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
/
2
):
O des elenden, betruͤbten, vorlassenen Christlichen glawbens, der solch [...] feltfluchtige beschirmer hat, die nur mit schreien und rumen ym sand hoffirn.
Ebd.
251, 3
:
Das ist der preyß und danck, den Emßer am Luther ynn dißem sand erjagt [...] hatt mit allen ehren.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
590, 2666
(
Magdeb.
1608
):
die Roͤmer vnd jhr beystand / | Fuͤr todt sich all streckten in Sand
(offen zu 7).
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Hellena, das zartte wib, | Beraitte zer tyost sinen lib. | [...] | Er ilte bald uff daz sand.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 513, 29
(
halem.
,
1508
/
16
):
Da begertend die Francosen, [...], das die 600 Gastgunier soͤltind [...] den berg stigen, so woͤltind si mit iren zeichen und ordnung uff dem sand im boden halten und uff si warten.
Koppitz, a. a. O. ;
Bächtold, H. Salat .
7.
›Grab, Erdreich, in das ein Leichnam versenkt wird‹.
Phraseme:
j. den dürren sand bewonen
›im Grab liegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , .

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 2, 12
(
Wittenb.
1545
):
da er sahe / das kein Mensch da war / erschlug er den Egypter / vnd bescharret jn in den sand.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
hat denn einiger Schluß des [...] Himmels ie anbefehlen koͤnnen / daß Du [...] ins finstere schaurige Todes⸗Thal versinken / und den duͤrren Sand bewohnen sollst?
Opitz. Poeterey
44, 22
(
Breslau
1624
):
Der Mensch stirbt zeitlich oder spat / | So baldt er nur gesegnet hat | So wird er in den Sandt versencket.
v. Ingen, Zesen. Ged.
387, 12
(
Breslau
1641
):
Was von uns irrdisch ist verscharrt man in den Sand / | das beste Theil verbleibt.
8.
›flüchtiges, verwehbares Material, leicht Vergängliches, das kein Fundament zu geben vermag bzw. den Sinn eines Tuns nicht erfüllen kann‹; im geistlichen Kontext auch als Paradoxon gebraucht: die Schrift des Gerechten im Sand verweht nicht; mit hoher Tendenz zur Phrasematisierung.
Oft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
j. den sand pflügen
›Unnützes tun‹;
j. sand für mel nemen
›etwas Wertloses anstelle einer wertvollen Sache verwenden‹;
j. etw. auf den sand faren
›etwas Vergebliches tun‹;
j. jn. auf einen sand treiben
›zu unsicherem Urteil verlocken‹;
j. etw
. (z. B.
den trost, eine stat, das haus
)
auf den / einen sand bauen
›auf Ungewisses vertrauen‹.
Bedeutungsverwandte:
(
das
2, ; vgl. .
Syntagmen:
j. einen felsen besser denne einen sand achten
;
j. etw
. (z. B.
ein baufälliges haus
)
auf den / dem s. setzen / zimmern, die namen (der götzen) in den s., buchstaben in dem s. schreiben
.
Wortbildungen:
sandtrieb
›Erdrutsch‹ (zum Gw vgl.  3).

Belegblock:

Luther, WA (
1519
):
Die aber nit frid wollen haben, [...] nemen [...] yren vordienten lohn, nemlich das sie auff den sand bawenn.
Ebd. (
1520
/
1
):
Darumb wil ich nit von euch auff ein solchen sand und wancken getriebenn sein, das ich heut etwas bekenn, morgen vorleugne.
Ebd.
432, 16
:
die yhren trost. auff yhr eygen gerechtickeytt vnnd nit auff gottis Barmhertzickeytt bawenn. das ist auff den sand. drumb wirtts yhn auch gehen wie dem hawß auff den sand gepawen.
hie nympt sie [die natur] spynneweb und will eyn rock drauß machen, wie Jsaias sagt [...], Hie nympt sie sand fur mel und will brott backen.
Rosenthal. Bedencken
5, 10
(
Köln
1653
):
der Herr Iesvs [...] sagt / daß wer seine [...] Wort [...] hoͤret vnd nit haͤlt / gleich sey einem Narren / der ein bawfaͤlliges Hauß auffm Sand setzet.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Der muͤht sich vmb vnnoͤtig sach, | Er pfluͤgt den Sand vnd mist die Bach.
Strauch, Par. anime int.
83, 18
(
thür.
,
14. Jh.
):
wosse ein berc fon deme ertriche [...] und scribe man da uffe in deme sande und in deme staube buchstabe, si blibin ganz, daz si wint noch regin zustorite.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
ein îclicher wer dise mîne wort hôrit und si nicht tuͦt, der ist glîch eime tôrechten manne der sîn hûs gebuwit hât ûf den sant.
Gille u. a., M. Beheim
447, 136
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[König Arphaxad] pawet im selber da zu hand | ain grosse stat auff ainem sand | [...] | dar nah in kurczer weil geswinde | nam sein grosser gewalt ain end.
Sudhoff, Paracelsus (
1530
):
welcher wolt der sein bei allen gelerten, der nicht einer profession felsen wolt besser dan ein sand achten, als allein die gehürneten academischen bachanten [...]?
Karlstadt, Grewlicher mißbrauch f
1v, 2
(
Basel
1524
):
Also sihestu daß dein erster schein vñ grund / ein finstere latern ist / vnd ein sandtrip / dir / der du die helle schrifft mißbrauchest.
Jörg, Salat. Reformationschr.
383, 18
(
halem.
,
1534
/
5
):
das ein kind / und aller cleynster verstand sanft hat mogen bgryffen / Zwinglin uff sand gbuwen han.
Morrall, Mandev. Reiseb.
11, 18
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Wenn sie [die philosophen] uff dem berg warend, so schriben sie die namen von iren goͤtten in daz sand. Und wenn sie [...] úber ain jar wider hin uff kamend, so fundent si es gelich wisß als ob es erst geschriben waͤre
(Wunder).
Sappler, H. Kaufringer
16, 589
.
9.
›Fülle unzählbarer, diskreter Einzelelemente, die isoliert gering erscheinen, in der Gesamtzahl jedoch Gewicht besitzen‹; tropisch gebraucht für den Fortbestand einer auserwählten Genealogie mit zahlloser Nachkommenschaft (Belege für Abraham und David), für die Schwere begangener Sünden, die in ihrer Vielzahl zur Verdammnis führen können.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
/
1
):
szo man sie gottis mutter nennet, kan niemand grossers von yhr noch zu yhr sagenn, wen er gleich szoviel zungen het alsz laub und grasz, stern am hymel und sand ym mehre ist.
Ebd. (
1509
/
21
):
den sand tzelen: das ist. alle sund erforschen: samlen vnd bewiegen.
Ders. Hl. Schrifft.
Ps. 139, 18
(
Wittenb.
1545
):
wie köstlich sind fur mir Gott deine gedancken? Wie ist jr so ein grosse Summa. Solt ich sie zelen / so würde jhr mer sein denn des Sands.
Ebd.
Jer. 33, 22
:
Wie man des himels heer nicht zelen / noch den sand am Meer nicht messen kan / Also wil ich mehren den samen Dauids meines Knechts.
Karlstadt, Beide Gestalten F
3v
(
Wittenb.
1521
):
Du hast gesagt vñ geredt / du wollest [...] meinen samen außbreiten alß dz sand des meres. welchẽ nymand tzelhen kan.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
Viel sandes hot des meres grunt: | nach men hon ich dan tusent stund | widder got missethayn!
Wyss, Luz. Ostersp.
770
(
Luzern
1583
):
Alls in dem Meer vnzalbar ist das sand. | Alls wenig dʼouch weist der sternen zal, | So wenig werden in dem faal | Die, so dins samens sind vff erden, | Von menschen mögen gezellett werden.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
44, 30
(
tir.
,
1464
):
O das meine sünden würden gelëgt auf die wag, [...], so weren meine sünd vil swërer v̈ber den sant des mëres.
10.
›Lithiasis, sandkorngroße Konkrementbildung im Harn, kleinste Harnsteine, Harngrieß‹; auch: ›Milchschorf‹.
Zur Sache:
Höfler, Dt. Krankheitsnamen-Buch.
1899, 682b
.
Fachtexte der Medizin.
Bedeutungsverwandte:
 3,  3, (
der
1,  7.
Syntagmen:
j. den s. austreiben, (nicht) empfinden / haben, von dem menschen treiben, der herre s. geben
;
der s. hart sein, abstehen / verrücken, sich erheben, bei jm. nicht bleiben
;
vil sandes an dem boden / in dem glas liegen
;
etw
. (Subj., z. B.
tartar, der podagrische flus
)
zu s. werden
;
s. in der blase
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
93, 1570
(
Magdeb.
1608
):
Der [Eydam] ward nachmals gesund vnd suͤsse. | Hielt Leber / Nieren / Blasen rein. | Trieb aus Wasser / Gall / Sant vnd Stein.
Strauss, A. v. Villanova dt.
169v, 27
(
obd.
, Hs.
1421
):
zwo adern uff dez mannes glyt, die oberste, dy ist guͦt [...] für den steyn vnd den sant yn der blasen.
Keil, Peter v. Ulm
239
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Ist es [leib we] aber von kelten, so ist der harn weiß vnd trüb, vnd ligt vil sandes an dem podem, vnd der sand ist hert.
Sudhoff, Paracelsus 4, 537, (
1527
):
einer hat das grieß, den stein, den sant ec. nun er empfint in nicht [...]. iezt so es sich begibt, das [...] sich der grieß, stein, sand [...] in der selbigen bewegung erhebt hat, [...], als dan so komen die zeichen herfür.
Ebd. (
um 1570
):
sie haben auch macht den harn zu bringen und das grien, grieß, sant und den reißenden stein gewaltiglich von dem menschen zu treiben.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Nu geb mein herr sand etwar, | [...] | das aller chnappen chind, | [...] | hieten spandikchen grint
(hier als Fluchgebet).
Schmitt, Ordo rerum
361, 18
;
Keil, a. a. O.
454
;
Fischer, Folz. Reimp.
43, 528
;
Sudhoff, Paracelsus .