jezt,
izt,
jetzo,
itzo,
jetzund,
itzund,
Adv.;
große Schreibvarianz über die normalisierten Formen hinaus.
1.
zur Bezeichnung eines Zeitpunkts in der Gegenwart, in dem etwas geschieht bzw. eine Handlung vollzogen wird: ›in diesem Augenblick, gerade jetzt‹; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
, , , ,
2
, , ; vgl. , .
Syntagmen:
j. an frischer tat / an diesen stunden / zu dieser stunde
;
j. gleich / zestund
;
von j. über ein jar
;
j. oder zuhant
,
j. oder nimmer
;
eben / gerade / straks j.
Wortbildungen:
jetzunderzeit
.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
170, 22
 (
rhfrk.
,
um 1435
):
Da fant er ein here was ytzünt bereyt.
Froning, Alsf. Passionssp. 
1103
(
ohess.
,
1501 ff.
):
iczunt syn mer alle bereyt: | ich laufen an, nu volget na!
Strauch, Par. anime int.
49, 27
(
thür.
,
14. Jh.
):
di zit sal cumin und ist itzunt daz die warin anebetere sullen beiden in deme geiste.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
3, 10
(
osächs.
,
1343
):
Und îczunt ist die axt gesatzet zů der worzelin der boume.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
50, 27
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Zudem das izunderzeit in den klaidungen […] ein großer untreglicher uberflus.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
32, 21
(
nürnb.
,
1446
):
als er yttzunde gewoppent auf dem roß saß […] do hilt yn eyne witwe.
Voc. Teut.-Lat. J
jv
(
Nürnb.
1482
):
Brate schier zuhāt alzuhāt vō stund an snelle snellich snelliglich balde gerade endlich ytzūd alsouort zawelich ylend iagēde on vnterlas.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
269, 24
(
nobd.
,
n. 1525
):
seytemal ir vil artickel […] anzaigt, konnen wir euch yetzunden nach ewerm beger kain antwurt geben.
Bell, G. Hager
15, 1, 46
(
nobd.
,
1593
):
Das sag ich eüch allen je zunt | nach der un ehr zu diser stundt.
Bihlmeyer, Seuse 
454, 3
(
alem.
,
14. Jh.
):
Wa von wenestu, daz es ietzo kome, daz so vil an vahent.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
62, 20
(
Basel
1494
):
Eyner schrygt / juchtzet / broͤllt vnd bloͤrt | Als ob er yetzend würd ermoͤrt.
Schlosser, H. v. Sachsenh. 
895
(
schwäb.
,
1453
):
Er spricht, er gloub an Jhesus Crist | Daß wel wir yetzund loͮn bestoͮn.
Sappler, H. Kaufringer
6, 90
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
liebe fraw, nun tüet mir kunt | ietzo hie zuo diser stunt | wau ich zuo ew komen sol.
Chron. Augsb.
9, 156, 33
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
also hat sich […] bei inen erfunden, daß eben jetzt im anfang die recht zeit seie.
Fischer, Brun v. Schoneb. 
7303
;
Chron. Köln
1, 3990
;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob 
3324
;
Schönbach, Adt. Pred.
10, 30
;
Chron. Nürnb.
1, 438, 26
;
Gille u. a., M. Beheim 
78, 112
;
Loose, Tuchers Haushaltb.
23, 23
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
93, 13
;
Sachs
14, 49, 12
;
Chron. Strassb.
1045, 17
;
Koppitz, Trojanerkr.
14833
;
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag 
4v, 31
;
Schlosser, a. a. O.
394
;
Chron. Augsb.
5, 338, 17
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
15, 8
;
Schöpper
44a
;
Maaler
510r
;
Hulsius
J iijr
;
Stieler
1, 886
;
Diefenbach
283a
;
2.
an 1. anschließbar zur Bezeichnung eines (oft willkürlichen) Wechsels von zwei Situationen:
jezt
jezt
,
jezt
bald
,
jezt
da
,
jezt
dan
,
jezt
darnach
,
jezt
dort
,
jezt
nun
.

Belegblock:

Chron. Magdeb. 2, 
50, 21
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
dieselbe hat man mit […] kriegsleuten besatzt und oftmals die Elbe itz nider itz oberwarts ausfaren lassen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann 
31, 2
 (Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Eigen rede verurteilt […] sunderlich einen, der jezunt eines und darnach ein anderes redet.
Anderson u. a., Flugschrr. 11, 
3, 37
([
Leipzig
1521
]):
Also reyhest du dich ytzo an den ytzo an yhen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
164
(
Nürnb.
1517
):
itzo traumet in von dem jungsten gericht, itzundt von der grausamkeit der helle.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
176, 13
(
Nürnb.
1548
):
Wo du aber yetz da yetz dort vom Teuffel […] verfůret werest.
Turmair 4, 
451, 8
 (
moobd.
,
1522
/
33
):
so sein auf pêden seiten teutsch knecht […] ietzo dahin ietzo dorthin gefallen.
Anderson u. a., Flugschrr.
26, 4, 28
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
121
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 493, 61
;
Munz, Füetrer. Persibein
147, 3
;
Maaler
510r
;
Schwäb. Wb.
4, 14
.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
zur Bezeichnung eines mehr oder weniger begrenzten Zeitraums: ›zu dieser Zeit, gegenwärtig, heute‹; offen zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen
(verstärkend):
j. in / zu dieser zeit
,
j. zu unseren zeiten
,
j. diese zeit / der zeit
;
j. oder fürbas / hiernach
,
vor / vormals und j.
;
j. lang
.

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp. 
96
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
myn hertz ist gantz dorre und drocken | von großem schrecken den iß lyt | itzunt zu disser czyt.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe 
742, 1
(
thür.
,
1421
):
Truwe unde warheit vynden die fursten itzunt selden an yren mannen.
Enders, Eberlin 
2, 43, 30
(
Grimma
1522
):
Auch intzund tzu vnsern tzeytten ist die welt gefangen in gewissen vnd sittenn ader gewonheyten.
Luther, WA Bibel
12, 28, 14
(
1534
):
Schaw itzund auff der Assyrier heer, wie du vorzeiten auff der Egypter heer schawetest.
Chron. Nürnb. 2, 
184, 14
(
nobd.
,
1449
/
50
):
do die seint chomen zu des Förchtels garten, der ieczund Peter von Watz ist, da bliben die feint halten.
Strauch, Schürebrand
43, 34
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
ir lerent wol lihtecliche ietzentan in uwere jugent vil gůter gnodenricher edeler sitten und inkere.
Chron. Strassb.
117, 7
(
els.
,
1362
):
die […] unsern brůdern die die wallefart geton hant und ietzentan důnt und noch důn wellent.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
33, 25
(
Basel
1494
):
Das man Lucretz geschmaͤhet het | Des ist der eebruch yetz so groß.
Schlosser, H. v. Sachsenh. 
2883
(
schwäb.
,
1453
):
Er acht nit uff die nüwen schnitt, | Als yetz die jungen narren tůnd.
Chron. Augsb.
7, 306, 9
(
schwäb.
, zu
1555
):
wie dazuͤmal das gelt nit so wolfail gewesen, als es jetzo sein möcht.
Ebd.
9, 168, 19
(
1544
/
5
):
An solichem send die von den burgern, wöliche man jetzundt der zeit geschlechter nenet, wol vergniegt.
Dirr, Münchner Stadtr. 
590, 23
 (
moobd.
,
1397
):
mit aller anderr goͤtlicher ordnung und notdurfft, die dem vorgenanten spital und allen siechen und gesunden, die ietz darinn sind […] zůgehoͤrend.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
998
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
wiewol ytzund czu vnsern czeiten ains pabstes ze uil ist vnd ains chaysers zu wenigk.
Moscouia
B 1v, 26
 (
Wien
1557
):
Die Slauonisch / das ist / die Windisch sprach / welche jetzo gemainclich aber nit recht Sclauonisch genent wird.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
123, 41
(
tir.
,
1464
):
das mein leichennamen nicht genomen sol werden aus dem alten grab, darinn er ieczund leit, pis an die zeit, das Jerusalem gewunnen würt.
Ziesemer, Marienb. Konventsb. 
195, 28
;
Strauch, Par. anime int.
73, 27
;
Luther, WA
30, 2, 332, 20
;
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 7, 7
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
42, 10
;
Mayer, Folz. Meisterl.
8, 140
;
Vetter, Pred. Taulers
42, 20
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
40, 40
;
Boos, UB Aarau 
289, 20
;
Chron. Augsb.
1, 129, 12
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. 
176, 17
;
Turmair 1, 
260, 22
;
Qu. Brassó
5, 440, 1
;
Maaler
510r
;
Stieler
1, 886
;
Pfälz. Wb.
3, 1349
;
Shess. Wb.
3, 918
;
Schwäb. Wb.
4, 14
;
Vorarlb. Wb.
1, 1488
.
4.
mit folgendem Adv. oder adv. Bestimmung zur Bezeichnung der unbeschränkten Dauer einer Handlung, eines Geschehens (z. B. als Schluß eines Kirchengebets entsprechend dem lat.
nunc et semper
) :
jezt und ewiglich / järlich / künftiglich, jezt und ewige zeit; jezt und in aller zeit / in langer weile; jezt und zu allen zeiten; bisher und jezt; jezt und hiernach; vorhin, jezt und da zehant; hinfür, jezt, allezeit
›immer, für immer, schon immer‹;
jezt als dan, dan als jetzund
›ein für allemal‹.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
46, 6
(
osächs.
,
um 1480
):
gleich ob durch urtel erkant, so solde das erkant sein itz als dan, dan als itzundt.
Bell, G. Hager
21, 3, 8
(
nobd.
,
1593
):
der vmb ist auch er | Ein / mitler iecz vnd Dar zu alle zeite | des neüen testaments ie.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 10, 21
(
Straßb.
1524
):
Christus […] welcher dich in siner vaͤtterlichen schoß haltet ietzt vñ ewiglich.
Fuchs, Murner. Geuchmat 
3713
(
Basel
1519
):
Ich hat mit dir zů schaffen nüt | Jetzundt vnd in aller zytt.
Chron. Augsb. 4, 
377, 7
(
schwäb.
,
v. 1536
):
daß unsere prediger je etwas schmachlichs […] je prediget haben, itzo in langer weil kain anzeigung noch clag für uns komen.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer 
3301
;
Roloff, Brant. Tsp. 
1040
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
109, 4
;
Rwb
6, 493
;
Schwäb. Wb.
4, 14
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  10.
5.
zur Bezeichnung eines in die Zukunft reichenden Bezugspunkts (häufig in Verbindung mit perfektiven Verben): ›jetzt gleich, sofort‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1.
Syntagmen:
j. abermals / bald / neulich
.

Belegblock:

Mathesius, Passionale
52v, 18
(
Leipzig
1587
):
Jetzundt werdet jhr nu von den vrsachen seiner schwacheit vnnd schmertzen hoͤren.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 57, 21
(
schles.
,
1537
):
hauptmann und berckmaister sollen sich demselben gemess verhalten, wie wir ime dem hauptmann derhalben hieneben ietzt abermals schreiben.
Opitz. Poeterey
24, 17
(
Breslau
1624
):
Nach dem wir von den dingen gehandelt haben / folgen jetzund die worte.
Reichert, Gesamtausl. Messe
32, 9
(
Nürnb.
um 1480
):
was die dinge bedeuten, werdent ir yetz mit kurtzen worten unterweist.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
253, 27
(
Nürnb.
1548
):
Aber yetzt hoͤre waran doch gemeinklich der mangel sey vnter den leuten auff erden.
Sachs
13, 6, 22
(
Nürnb.
1556
):
Ich will ietzund gehn in ir hauß, | Dahin sie hat gezielet mir.
Bell, G. Hager
310, 2, 21
(
nobd.
,
1607
):
Sihe, sein Haupt, das sol je zunder | ge worfen werten mit be gir | vber die mauren.
Sappler, H. Kaufringer
14, 227
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das zimpt bas den eren mein, | dann das ir ietzo ewer gir | alspald volfüeren wolt an mir.
Chron. Augsb. 8, 137 A.
1
(
schwäb.
, zu
1561
):
soll darauf itzt neulich der thumb zů Halberstad und noch drei stifftkirchen geschlossen werden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. 
61, 7
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ain neuwez kindel wirt iezund her ab gelâzen von dem hôhen himel.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. 
27, 19
(
moobd.
,
1478
/
81
):
die künigin, die man ietzund füert zu gemachel dem künig […], nach kurtzer zeit so wirt sy ewr hausfraw.
v. Keller, Amadis
393, 10
;
Chron. Nürnb. 2, 
331, 15
;
Sachs
8, 342, 26
;
v. Keller, Ayrer. Dramen 
117, 25
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 402, 18
;
Vetter, Pred. Taulers
409, 7
;
Wyss, Luz. Ostersp.
4118
;
Anderson u. a., Flugschrr.
28, 3, 32
;
Kummer, Erlauer Sp. 
4, 298
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
164, 18
;
Bauer, Imitatio Haller
99, 2
;
Stieler
1, 886
.
6.
zur Bezeichnung eines Bezugspunktes, zu dem eine Handlung als vollzogen konstatiert wird: ›jetzt, inzwischen‹.
Syntagmen:
j. lang / längst / lezlich / neulich / zulezt / eine zeit her / vor wenigen tagen
,
j. zwei jare
,
bis j., schon j.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. 
20624
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
want er hatte sich itzunt | ûzgemachit in der stunt.
Froning, Alsf. Passionssp. 
4552
(
ohess.
,
1501 ff.
):
von dem ich iczunt geredt hon, | […] | das ist Jhesus Christus, Marien sone.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
306, 17
(
thür.
,
1474
):
frouwen Margarethan, Jost Possegken seligen gelaßin wetwen, itczundes Hanßin von Machewicz eliche wertynnen.
Schönbach, Adt. Pred.
4, 34
 (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
die wort die ich euch habe izŭ gesprochen die sin ein geist und ein lip.
M. Cunitia. Ur. Prop. 
255, 26
(
Öls
1650
):
Wer lust hat / mag an unserm ietzt abgehandeltem Exempel experimentiren.
Chron. Nürnb.
1, 435, 27
(
nobd.
,
1407
):
als uns ewer durchleuhtikeit yeczunden geschriben und verkundet hat.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
9
(
Nürnb.
1517
):
So wir dem glouben, sein wir itzundt durch die hoffnung selig worden.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag 
1v, 27
 (
Zürich
1521
):
ich hab das jetzund vertütscht in den zyten.
Dirr, Münchner Stadtr. 
420, 12
 (
moobd.
,
um 1365
):
swaz ietzunt in der selben naͤhen gepawͤen ist, daz sol man abprechen.
Wolf, Norm im sp. Ma.
28, 11
(
oobd.
,
1486
):
die mynder brieder […] haben yeczund das gelub der enthaltung ausgesprochen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 72, 1
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
28, 9
;
Mayer, Folz. Meisterl. 
10, 116
;
Chron. Nürnb. 2, 
134, 1
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
222
;
Sappler, H. Kaufringer
2, 95
;
Chron. Augsb.
7, 480, 3
;
9, 245, 1
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 140
;
Wackernell, Adt. Passionssp. H. I, 
790
;
Maaler
510r
;
Shess. Wb.
3, 918
.
Vgl. ferner s. v.  5.
7.
in adjektivischer Verwendung ›nächstfolgend‹.
Syntagmen:
auf jezt lichtmes
.

Belegblock:

Schweiz. Id.
1, 629/30
(a. 
1521
).