grol,
der
;
-len/-len
.
›Zorn, Unmut, Wut auf jn., über etw. (als affektiver Ausbruch)‹; im einzelnen übergehend zu: ›lang anhaltender Haß, Feindschaft gegen jn. (auch gegen Gott; bei
Luther
häufig mit der Konnotation ,innerlich, nicht offen zutage tretend‘), Verbitterung‹; metonymisch: ›einzelne, aus Haß verübte Handlung; Gehässigkeit, Spitzfindigkeiten‹.
Phraseme:
einen grol tragen; seinen grol an jm. üben
›seine Wut an jm. auslassen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, (
der
), , (
der
1, ,  3, (
der
1,
2
, , , , (
der
), , , , , , , ; vgl. , ; zur Metonymie: , (
der
).
Syntagmen:
den g. ausgiessen / auskratzen / bergen, einen g. gegen jn. / etw. auslassen / gewinnen / haben, auf jn. fassen / tragen, in etw.
(z. B.
in das ampt
)
mengen; (der) g.
(Subj.)
bleiben / herausfaren, sich nicht enthalten können, tol machen, auf jn. fallen, im herzen / kopf stecken; mit g. behaftet sein; g. wieder Christum / got, der g. der vernunft; der alte / bittere / böse / giftige / grosse / heimliche / rechte / ungesättigte g.; das herz vol g
.
Wortbildungen:
grollerei
›sprachliche Gehässigkeit‹,
grolletzen
›aufbegehren, zürnen‹,
gröllich
›wütend, ausfallend‹,
grolschaft
.

Belegblock:

Schöpper
17b
(
Dortm.
1550
):
ODIVM. Haß feindtschafft gramschafft gehessigkeit groll.
Ebd.
20a
:
IRACVNDIA. Zorn zoͤrnigkeit grimm vnwuͤrßheit vnwirse grimgroͤsse zuͤrnung grollschafft.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
346, 39
(
Wolfenb.
1594
):
Ich wüste auch nicht, das ich einigen grollen wider jhne haben solte.
Luther, WA
10, 3, 250, 32
(
1522
):
wenn ich für gricht kumm, so erkennet mein gewissen das es dem nechsten nit hat vergeben woͤllen und hat den groll noch in jm stecken.
Ebd.
12, 570, 1
(
1523
):
Sollicher groll widder Gott stecket ym hertzen.
Ebd.
16, 83, 34
(
1524
):
daruͤber hebt sich denn der hadder, widerwil, groll und uneinigkeit zwischen den Menschen und dem Gesetze.
Ebd.
16, 284, 26
(
1524-27
):
so wil derselbigen auch Gott selbs nicht haben, derhalben so ist inwendig im Gewissen ein heimlicher groll, lesterung und murren wider Gott.
Ebd.
21, 413, 32
(
1544
):
Denn der groll kan sich doch nicht enthalten, er feret eraus und gibt gifftige wort entweder im ruͤcken dem, so er feind ist, oder erzeigt sich vͤffentlich.
Ebd.
23, 127, 5
(
1527
):
Es ist der groll und eckel natuͤrlicher vernunfft, der wil und mag dieses artickels nicht.
Koeniger, Sendgerichte
94, 36
(
17. Jh.
):
Ob auch jemand im land seye, der jahr und tag mit groll, hass und neyd behaftet gewesen und seinem negsten nicht habe verzeihen wollen.
Wyss, Limb. Chron.
107, 33
(
mfrk.
,
2. H. 15. Jh.
):
so hatte der von Arnburg auch onwillen mit seiner hausfrauen, die ime ontreu tat, und von grossem groll war er wendig und gieng in fremde lande brod heischen.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 98, 25
(
Frankf.
1557
):
Das er [Pfaffe] vns auff dem Maul mag trumpen, | Sein groll vnd mutwilln an vns vben.
Schwartzenbach
38v
(
Frankf.
1564
):
Hat feindtliche bitterkait vnd grollen wider vns außgelassen.
v. Birken. Erzh. Österreich
64, 31
(
Nürnb.
1668
):
Rudophus, der [...] wider den von Regensberg [...] einen alten Groll hatte.
Ebd.
70, 15
:
drange endlich die neue Rachbegierde dem alten Grollen vor / und beschlosse er / diesen abzulegen.
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 1348 (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Wir kumment yetzt vff andre stollen | Vnd bringen haͤr die rechten grollen. | Was obstodt, ist alls kinderspil.
Fuchs, Murner. Geuchmat
5, 22, 13
(
Basel
1519
):
wo sy nit ir rede vnterlassen / so wel er die rechten grollen sagen / das schopff den galgen růren můß.
Spanier, Murner. Narrenb.
95, 21
(
Straßb.
1512
):
Jch wil üch geben üwern lon. | Gůt grollen hab ich vff der teschen, | Jr sollent mir den beltz wol weschen, | An myn hut nun froͤlich dran!
(laut Glossator ›Streiche, Posse‹, wahrscheinlicher jedoch sind hier sprachliche Gehässigkeiten gemeint). Kurz, Murner. Luth. Narr
1204
(
Straßb.
1522
):
Darumb bin ich zů den gesellen kumen, | Vnd hab dis oͤrtlin yngenumen; Jch wil die rechten grollen bringen, | Die dienstlich sein zů vnsern dingen.
Ebd.
3867
:
Das ist der recht grol, ist gewiß, | Der dem die augen beid vßbiß. | Wer me gůtz hat, dan wir.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 97, 7
(
Straßb.
1522
):
’Loß, wie schlecht er die Thůr zů! Er hat aber Grollen in dem Kopff stecken.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 105, 7
([
Bodenseegeb.
]
1517
):
Solch grosse schmach vnd marter all | Litt er [Jesu] dultig on allen grall.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
210
(
Genf
1636
):
Groll / Zorn / Hassz / m. [...] Odium, ira. Einen [groll] auff einen fallen [...] Odio prosequi. Er hat einen [groll] auff mich gefasset [...] Odio me prosequitur.
Jaspers, St. v. Landskron
122r, 18
(
Augsb.
1484
):
Er wirt auch groͤlich vñ vngeschickt gegen den oͤbristen.
Henisch
1749
(
Augsb.
1616
):
Groll / feindschafft / haß / zorn / hoͤne / widerwill / ira [...]. Grollerey / dicta aut scripta inepta & odiosa [...]. Hat freundtliche bitterkeit vnnd grollen wider vns außgelassen. Seinen bitteren grollen / oder gifftigen zorn vnd vngedult außgiessen / evomere virus acerbitatis suæ. Alter groll laßt sich nicht leicht außkratzen. [...] Groll macht toll. Haben groll vnd zorn / Ohn nachtruck ist verlohrn. Man soll sich etwan rauh erzeigen / aber ohne grolle͂. Vom ersten groll kan noch wol ein gut freundschafft kommen. Wer ist recht guter edler art / Der hellt sein groll nicht gar zu hart.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
129, 31
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
[Die pawren] wolten nicht huldigen, sunder sy wolten sy wern, und grolotzten und sprachen, die herrn warn lassig und sawmig.
Turmair
4, 4, 298, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
umb des alten grollen willen, den si zue der judischait hetten.
Ebd.
5, 109, 23
:
[herzog Thessel] gewan ain grossen grollen zu künig Karl.
Luther, WA
9, 154, 20
;
12, 697, 13
;
17, 2, 342, 18
;
18, 85, 10
;
21, 308, 26
;
23, 161, 34
;
28, 115, 32
;
37, 481, 36
;
41, 749, 7
;
41, 751, 22
;
54, 268, 37
;
Maaler
193r
;
213r
;
523r
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
156
f.;
Schweiz. Id.
2, 730
;
Schwäb. Wb.
3, 848
.
Vgl. ferner s. v. .