gezeug,
gezeuge,
der/das
;
-(e)s/
auch
-en
;
Syntagmen für 1 auf
der
hin normalisiert, für 3 auf
das
.
1.
›vor Gericht oder (seltener) aus gerichtsähnlich gedachten Situationen heraus erfolgende Aussage eines einen strittigen rechtsrelevanten Tatbestand Kennenden hinsichtlich der Wahrheit des vorgetragenen Tatbestandes bzw. einzelner Tatbestandsmerkmale, Aussage zugunsten einer oder gegen eine der Streitparteien‹; dazu metonymisch mit fließenden Übergängen in Richtung auf 4: ›Beweisführung des Gerichtes‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘ und ,Recht‘.
Bedeutungsverwandte:
,  1, ; vgl.  1.
Syntagmen:
(einen) g. füren / geben / tragen / tun, einen g. mit jm
. (z. B.
mit zwen mannen
)
tun, einen g. mit gezeugen brechen, jm. einen g. gegen jn
. (z. B.
gegen die Juden
)
erteilen
›jn. zur Zeugenaussage gegen jn. bestellen‹;
die gezeugen
(Subj.)
geschehen, der g. auf jn. gehen, volkommen sein
, [eine
weile
]
wären
;
des gezeuges warten, sich des gezeuges auf jn. vermessen
;
dem g. folge tun
;
an js. g. treten
›für jn. in den Zeugenbeweis treten‹,
an dem gezeugen genüge haben, an dem g. vor dem bergmeister stehen, die schuld ane g. setzen, jn. mit g. gerechten, mit dem g. beweren, das [...], mit seinem g. volkommen sein, jn. von dem g. verlegen / verwerfen, zu keinem g. kommen, jn. zu (einem) g. aufbringen / zwingen
;
der falsche g
. (mehrmals);
die aufbrengung / volfürung des gezeuges
.
Wortbildungen:
gezeugsal
›Zeugnis‹ (2. H. 14. Jh.).

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7772
(
rib.
,
1444
):
Den ougen in myme
[bezogen auf
Hoffart
als
pawe
›Pfau‹]
stertze gespreit | Gelouven ich bas van mynre weidelicheit | Urdel ind getzuych zo geven | Dan den de mich besient wale even.
Ebd.
8705
:
dit synt vier voisse de zo behoerent | Den de getzuych dragent off voerent.
Hübner, Buch Daniel
7727
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Valschen gezuc haben sie | Getan uf die vrowe hie | Swechende ire wirde.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
3374
(
omd.
,
1338
):
Und ab mich gerechten wil | Mit gezuge (daz ist eyn spil) | Ken Gotes rechte endelich, | Min munt der urteilet mich.
Behrend, Magd. Fragen
136, 30
(
omd.
,
um 1400
):
Man sal nymandis zcu geczuge twingen, das her mit willen nicht geczugen wil.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
25, 21
(
thür.
,
1474
):
Ußgehende den dryen virczentagen hat Clauß Burghart des geczuges gewarttet, nach deme ym erteylt waz zcu geczugen.
Ebd.
134, 11
:
Sint solliche geczugen, [...], des gesunderten gutis halbin, zcwyschin Gunther Dithmar unde syner muter gescheeen.
Ebd.
136, 9
:
als Heinrich Dithmar nach syner meynunge slechtlich ane uffbrengunge eynicherleye gezcuges by der vorczicht, so er gethann, bliebin solle unde zcu keynem geczuge obir dy gerichtiskunde furder nicht komen solle.
Ebd.
173, 34
:
setczin danne dz cleger yre schulde zcu uch slechtis ane geczügk, unde ist dy clage obirnechtig unde in hanthafftiger tad nicht vorbracht, [...], so werdet ir der schulde also billichin ledig.
Ebd.
182, 29
:
daz er darmete gnoglich geczuget habe, daz er Nigkeln Gotschalgen von der sachen wegen hette mogen vom geczuge vorlegen.
Ebd.
268, 27
:
knechte, dy er zcum geczuge uffbrenget.
Ebd.
299, 31
:
daz Nigkel von Obirnitcz obgenant sollichem geczüge, [...] selbist berümpt unde geanemaßt hat [...] gantcze volge thun muß.
Schönbach, Adt. Pred.
25, 27
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Dune solt kein valsch urcunde noch valschen gezŭk uf den ebencristen sprechen.
Ermisch, Freib. Stadtr.
85, 23
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Ir deweder sal keiniz [gespreche] haben, di wile der gezuk wert.
Ebd.
116, 18
:
Ist iz, daz sich ein man gezuges vermizzet uf einen anderen man, daz mac he tun zu tage. Dunket aber ienen man, uf den der gezuk get, daz he damite gewinnen muge, unde wil im sinen gezuk brechen mit gezuge, daz tut he wol in dem dinge.
Ebd.
177, 25
:
[he] bitet uch, daz ir gebitet hern Hermanne unde hern Otten, daz si an sinen gezuk treten.
Ebd.
227, 15
:
Ein iklich besezzen man in der stat zu Vriberc der gestet wol an eime gezuge vor dem bercmeistere.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 73, 9
(
Straßb.
1466
):
nit thuͦ dipheit. nit sag valschen gezeúg
[
Luther
1545, Mt. 19, 18:
gezeugnis
].
Welti, Stadtr. Bern
44, 17
(
halem.
,
A. 14. Jh.
):
daz man ein ielichen gezuͥg sol tuͦn mit zwein biderben mannen.
Grosch u. a., a. a. O.
182, 11
;
273, 20
;
278, 13
;
Ermisch, a. a. O.
87, 10
;
96, 15
;
179, 20
 f.;
Schwäb. Wb.
3, 643
.
2.
›Zeugenschaft, kollektiv gedachte Gesamtheit der zu einem rechtsrelevanten Streitfall Aussagenden‹; als Metonymie eng an 1 anschließbar.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
231a, 13
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
ne mach her des nicht getuͦn, So vorkouͦfe her iz [pant] mit gezuͦge.
Behrend, Magd. Fragen
184, 7
(
omd.
,
um 1400
):
Butet ouch eyner syne unscholt vor dy volleist, der mag entgehen mit synis eynis hant adir selbdritte, ab her mit geczuge dorumme clagit.
3.
›Bekenntnis, Zeugnis, Offenbarung, Verkündigung, Beweis religiöser (biblischer) Wahrheit‹;
vgl.  2.
Älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Phraseme:
mit gezeuge
›mit Anspruch auf göttliche Wahrheit‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.
2
 5.
Syntagmen:
(das) g. empfangen / füren / geben / fürkommen
›verhindern‹,
js. (Christi) g. nemen, e. S
. (z. B.
der warheit
)
g. geben
;
amen ein g. sein
;
js. (Christi) g. folgen
;
etw. wieder das g. sein
;
das g. Christes, des heiligen geistes, das g. der warheit
;
das falsche
(mehrmals)
/ volkommene g.
;
die arche des gezeuges
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
6422
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
die zwelfboten sprachen war, | Doch gi  ͤnc Cristes gezuc nar.
Ebd.
16403
:
Und die arke die wart san gesen | Sins gezuges von Johanne [...].
Ebd.
16411
:
Der himel ist die cristenheit, | Daz tempel Gots daz drinne steit, | Und die arke sins gezuges ist | Unser herre Got Jhesus Crist.
Ebd.
17905
:
Daz nam ich in minen sin | Und gedachte manigerhande, | Daz ich des vleisches ufirstande | Mit gezuge so volbrachte | Daz keiner zwivelen gedachte.
Fischer, Brun v. Schoneb.
12685
(
md.
, Hs.
um 1400
):
ich wene ouch amen ein gezug si, | als man vindet in apocalipsi.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
11903
(
omd.
,
1338
):
Zu gezuge gotlicher warheit | Job hy wunschet und seyt.
Jostes, Eckhart
91, 31
(
14. Jh.
):
wann ez ist wider menschlich rede und wider ubuͦng der genaden und wider gezeug dez heilgen geists.
Strauch, Par. anime int.
91, 12
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz man dich irkenne einen warin Got, daz ist daz ewige lebin. hizu indarf man noch gezuge noch eide.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang.
8, 10
(
osächs.
,
1343
):
Wan abir ir mêr daz êwangêlium scrîbet: viere habin gewalt des gezuͦges.
Vetter, Pred. Taulers
115, 32
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Daz enist nút das gezúge Jhesu Cristi, [...]; disen súllent wir ansehen und nemen sin gezúg und volgen deme.
Ebd.
186, 14
(
1359
):
[der
munt der worheit
]
sprichet dis an manigen enden und git diser worte volkomen gezúg durch S. Matheus ewangelio.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
9, 505, 19
(
Straßb.
1466
):
sein hertz ist wider den heiligen gezeúg.
Päpke, Marienl. Wernher
3021
(
halem.
,
v. 1382
):
Dú arche der altun sint fluͦt, | [...] | Gab Got gezúge mit underscheit | Siner werdun drivaltekeit.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
87, 20
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
so bin ich [Johannes] komen in diz welt, daz ich gezüge gebe der warheit.
Andreae. Ber. Nachtmal
59r, 3
([
Augsb.
]
1557
):
daß Doctor Luther seliger / geschriben hat / zuͦ fürkommen ain falschen gezüg.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
3307
;
Vetter, a. a. O.
330, 12
;
McClean, Havich
2257
.
Vgl. ferner s. v.  3,  2.
4.
›Beweis, beweisendes Merkmal, Kennzeichen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  13, (
der
),  3,  1, , , .

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
4719
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Da bring ich zu gezuge | die schrift daz ich niht luge, | daz [...].
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1766
(
rib.
,
1444
):
As ure gecke worde gevent getzuych.
Chron. Köln
2, 521, 23
(
Köln
1499
):
want sin werk ind sins vurfaren Reinaldus geven gezuich, dat si gruntfrom lude gewest sint.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 50
(
Thorn
1584
):
man sal ym gryfen obene an den munt. vndir der nasen. vnd vyndet man do cleynes hor. das ist eyn getzug.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
13, 5
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Wie stumpf ich bin, wie wenig ich han zu sinnereicher meisterschaft weisheit gezeuges, dannoch weiß ich wol, das ir meiner eren rauber [...] seit.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
93, 24
(
omd.
,
um 1559
):
Nach gezogener schnuren sollen die geschwornen den lochstein seczen und darneben vier gezeugen, die sollen vordeckt stehen.
5.
›Wurf (eines Schweins), Ferkel‹. Motivation und dementsprechend Zuordnung diskutabel.

Belegblock:

Loersch, Weist. Boppard
110, 39
(
mosfrk.
,
1585
):
mögen die von Karbach ein möck mit irem gezeug, was sie [...] geworfen, intreiben.
Ebd.
113, 26
.