ausserhalb,
ausserthalb,
aussernthalb,
ausser(t)halben,
aussenthalben,
ausserhalbs,
Adv.
(1),
Präp.
(2-5); erstere Schreibung am häufigsten belegt;
die Erweiterungen mit
-t-
und
-nt-
sowie die (anzunehmende, aber nicht sichere) Erleichterung von
rnt
zu finden sich deutlich seltener, und zwar mit einer gewissen Konzentration auf das Wobd./Oobd. sowie auf Heinrich von Hesler;
die Formen auf
-halben
begegnen nur vereinzelt, für
-halbs
existiert nur 1 Beleg (preuß.). Weitgehend paralleles Bedeutungsfeld s. v. .
1.
›außerhalb eines Bezugsortes gelegen, außen befindlich, außerhalb‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl. (Präp.) 3, (Adj.) 4,  5,  1.
Gegensätze:
 1, (Adv.) 2.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
9164
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen her den sin enbinnen truc | Mit dem her uzenthalben sluc.
Ebd.
11631
:
In dem her al die werlt besloz, | Daz niemant uzernthalben bleib.
Palm, Veter Buoch
34, 20
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
nieman, der hinder einer mvre stat, mac gesehen, wer vzerhalp ist.
Gille u. a., M. Beheim
28, 3
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
durch einen wilden walt wolt er mit hine, | czu einer chirchweich ausser halb da peÿ.
Wiessner, Wittenw. Ring.
4972
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Waz hilf daz weibe, daz ıͤr man | Ausrenthalb joch gar vil kan | Und ein narr ist in dem haus?
Volkmar
193
;
Pfälz. Wb.
1, 477
;
Schwäb. Wb.
1, 519
;
Schweiz. Id.
2, 1168
.
2.
kennzeichnet mit folgendem Nomen (im Gen. oder Dat.) die räumliche Situierung einer Bezugsgröße oder eines Bezugsgeschehens außerhalb des mit dem Nomen bezeichneten Raumgebildes, der Fläche, Linie oder (ütr.) außerhalb eines sozialen Ordnungsrahmens; in 1 Beleg auch zur Kennzeichnung der zeitlichen Situierung gebraucht; ›außerhalb von etw.‹.
Bedeutungsverwandte:
(Präp.) 1, (Adv.) 3,  3,  7.
Gegensätze:
(Präp.) 1, .
Syntagmen:
a. des garten / klosters / leibes / rechtes / rechten / gerichts, a. e. P.
(Gen.)
; a. dem etter / ehestande
; Kasus nicht entscheidbar bei femininem Subst.:
a. der kirche / mauer / stat / stube / tür / einigung / christenheit / kirche / priesterschaft / zeit.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
13797
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die mit irn valschen listen | [...] | mit nitlichen anblicken | Uzernthalben des rechten | Die cristenheit an vechten.
Köbler, Ref. Franckenfort
70, 3
(
Mainz
1509
):
Wañ auch einer vßerhalb vnser stat Franckẽfurt verbannet / od’ vß and’n vrsachẽ abwichig wordẽ ist.
Thiele, Chron. Stolle
492, 9
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wo anders dy sachen usserhalb rechts mit uns [...] gutlichen nicht mochten abe getragen werde.
Luther. Hl. Schrifft. Jdt.
7, 6
(
Wittenb.
1545
):
Das ausserhalb der Stad gegen Mittag / ein Brun war.
Bihlmeyer, Seuse
31, 16
(
alem.
,
14. Jh.
):
hort er ussrenthalb der stuben neiswen singen.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
88, 14
(o. O.
1532
):
Wellicher aber einen Redner vsserhalb den geschwornen gerichtsscheffen nympt.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 260, 10
(
Straßb.
1522
):
es was aber usserthalb der Zeit.
Päpke, Marienl. Wernher
9509
(
halem.
,
v. 1382
):
Usserhalb paradyse nút | Was das in do hulfe út.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
71, 50
(
halem.
,
1543
):
(wer) usserhalb der rechten pfarrkilchen gienge zů einem andern leerer dann einem altglöubigen.
Rennefahrt, Gebiet Bern
793, 22
(
halem.
,
1599
):
wyn, den sy in oder ußerthalb unser statt koufend.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
218, 8
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz niemant behalten werd auzerhalb des rockes, daz ist auzerhalb der ainigung der hailigen christenhait.
Mollay, H. Kottanerin
26, 28
(
moobd.
,
1349
/
40
):
meiner fraun gnad, die was ausserthalb der tuͤr, mit ıͤrem Sun.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
117, 4
(
tir.
,
1464
):
das [volkch] das da verspert was ausserhalm der chirchen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
77, 36
(
smoobd.
,
1654
/
68
):
so mechten in darnach ander zween nachtpern einhin zeinen, die ausserhalb sein ligen.
Gille u. a., M. Beheim
28, 29
;
Reichert, Gesamtausl. Messe
6, 23
;
Kohler u. a., a. a. O.
41, 21
;
Sudhoff, Paracelsus
7, 300, 30
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
81, 11
;
Koppitz, Trojanerkr.
16325
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern
775, 7
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
4873
;
Bauer, a. a. O.
99, 12
;
Schöpper
43a
;
Henisch
157
;
Dietz, Wb. Luther
195
/6;
Rwb
1, 1108
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 332;
Schwäb. Wb.
1, 519
;
Schweiz. Id.
2, 1168
.
3.
kennzeichnet mit folgendem Nomen (zum Kasus s. u.) oder vor Präpositionalgruppe diejenige Bezugsgröße, die von der Aussage des Satzes ausgenommen wird; ›ausgenommen, außer, mit Ausnahme von jm./etw.‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, , ; vgl. (Adv.) 8.
Syntagmen
meist mit Gen.:
a. des fürsten, a. der fischer / fürer / orden
, vereinzelt mit Dat. (
a. den fremden
) und Nom. (
a. die schulgenossen
).

Belegblock:

Schöpper
93b
(
Dortm.
1550
):
Excepto. Außgenummen furbehalten vorbehapt ausserthalb.
Roder, Stadtr. Villingen
213, 1
(
önalem.
,
1668
):
als seindt solche morgen- oder bräutsuppen ausserhalb gegen den nechsten befreündten gar [...] abgestellt.
Chron. Augsb.
5, 370, 27
(
schwäb.
,
um 1539
):
da schueff er alle fursten ab ausserhalben deren, so man lutterisch haist.
Ebd.
8, 385, 22
(zu
1551
):
Darauf die predigcanten kain antwurt geben außerhalb Johann Ehinger.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
59, 19
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
das sich niemand ausserhalb der vischer in der Oitn zu vischen underste.
Chron. Magdeb.
2, 24, 7
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
178, 8
;
Chron. Augsb.
5, 387, 33
;
7, 42, 7
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
232, 6
;
Dietz, Wb. Luther
195
/6;
Schwäb. Wb.
1, 519
;
Schweiz. Id.
2, 1168
.
4.
kennzeichnet vor Nomina des Wissens / Wollens diejenige Bezugsgröße, die bei der im Satz ausgedrückten Handlung unberücksichtigt blieb; ›ohne‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
 1, (Adv.) 9,  8.
Syntagmen:
meist Ellipse des Artikels, dann ansatzweise Phrasematisierung und Kasus nicht erkennbar; ansonsten mit Gen.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 62, 24
(
schwäb.
, zu
1548
):
daß er weiter mit dem Schertlin für sich selbst und außerhalb bevelch aines rats was gehandlet hette.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
146, 2
(o. O.
1532
):
Von vngeverlicher entleibung, die wider eins thätters willen geschicht, ausserhalber einer notweher.
Winter, Nöst. Weist.
3, 746, 9
(
moobd.
,
16. Jh.
):
so ainer ainem sein tochter abfreit ausserhalb wissn vatter und mueter.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
17, 40
(
smoobd.
,
1625
):
welcher [...] gründ [...] verkauft ausserhalb willen und wissen des grundherrns.
Mell u. a., Steir. Taid.
4, 33
(
m/soobd.
,
1523
/Hs.
1546
):
ausserhalb derselben dreier auch on wissen und willen des rats.
Zingerle, Inventare
190b, 1
(
tir.
,
1484
):
Summa des anslags ausserhalb seins leibgewandts.
5.
kennzeichnet vor folgender Personenbezeichnung (auch Kollektivbezeichnung) diejenige Bezugsperson, ohne deren Beiziehung, Gegenwart eine Handlung vollzogen wird; ›ohne Beiziehung, in Abwesenheit, ohne Wissen e. P.‹.
Syntagmen:
mit Gen.

Belegblock:

Chron. Augsb.
3, 280, 18
(
schwäb.
,
1461
):
wie das du mit etlichen deinen herrn und fründen also gewant seiest, das dir ausserhalb derselben nit fuͤgelich sei, ain underreden mit uns zů haben.
Ebd.
6, 45, 15
(zu
1529
):
da haben unsere herren hie zů Augspurg bald haimlich in der still, außerhalb einer gantzen gemain, umb das sigel gebeten.
Chron. baier. Städte. Regensb.
150, 34
(
noobd.
,
1539
):
des [abschid] wolt er sich allain ausserthalb seines brudern, des kurfürsten, nit mechtigen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
77, 5
(
smoobd.
,
1654
/
68
):
das ain knecht oder sohn ausserhalb seines herrn oder vattern rumorert.