2
ane,
one,
Präp.
(1; 2; 4; 5),
Adj.
(oft in Verwendung als präd. Attribut) (3),
Konj.
(6; 7).
1.
kennzeichnet mit folgendem Nomen (im Akk.) das Fehlen, die Nichtanwesenheit, das Nichtvorhandensein des durch das Nomen genannten Bezugsgegenstandes (auch der Bezugsperson) beim Bezugsgeschehen; ›ohne‹.
Syntagmen:
a. bischof / richter / dorn / schlos / schuld / sünde / meine / schmerz / jamer / weh / schaden / lon / gnade / gewalt / grund / bewerung / schwertschlag / laube / willen
(mehrmals) /
wissen / heissen / ordnung
; vgl. außerdem die Phraseme unter 2.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 20, 16
(
rib.
,
14. Jh.
):
de wile was dat buschdum 21 mainde ain buschof geweist.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1289
(
rib.
,
1444
):
Dat aen uch dar nyeman bynnen | Komen en mach.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
228
(
mrhein.
,
um 1335
):
Wer ane sunde ist vnd ane meyne, | der werfe an dise fraue einen stein.
Chron. Mainz
1, 6, 25
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
der [...] underwant sich des stiftes von Mentze zu regiern an des babest laube.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
775, 96
(
thür.
,
1421
):
do fundin sie die stat ane were.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
41, 3
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz der sun gotis alleine an sich neme einen lip ane die sele.
Dierauer, Chron. Zürich
158, 32
(
halem.
,
1415
/
20
):
aune gemeiner Eidgenossen wissen und willen.
Zingerle, Inventare
7b, 17
(
Bozen
1485
):
Ain vorheinr kastenn, vnterslagen, an ain slos.
Meisen u. a., J. Eck
43, 12
(
Ingolstadt
1526
):
sy woͤllen nit disputiren on richter.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
2, 1
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Plům gezartet, ros an doren.
Helm, Maccabäer
7910
;
Chron. Nürnb.
1, 366, 18
;
Rohland, Schäden
13
;
20
;
139
;
144
;
205
;
Chron. Augsb.
2, 6, 22
;
37, 10
;
358, 33
;
4, 414, 13
;
Barack, Teufels Netz
11896
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
112, 34
;
Mollay, H. Kottanerin
21, 27
;
Klein, Oswald
41, 42
;
Roth, E. v. Wildenberg
77, 11
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
107, 15
;
Dietz, Wb. Luther
74
.
2.
an 1 anzuschließen sind die folgenden Phraseme: a)
ane ende
›ohne Erfolg‹; ›für immer und ewig‹; b)
ane geburt sterben/abgehen
›vor/bei der Geburt sterben‹ (im Gegensatz zu:
lebende geboren werden
); ›ohne Nachkommen sterben‹; c)
ane (alle) gefärde/gefäre
›ohne Einschränkung, ohne Hintergedanken‹; ›von ungefähr, zufällig‹; d)
ane (allen) has
›gerne, bereitwillig‹; e)
ane neid
›gerne, bereitwillig‹; f)
ane massen
›außerordentlich, maßlos, unzählbar‹; g)
ane not
›unnötig‹; h)
ane spot
›fürwahr, wahrhaftig‹; i)
ane underfrist
›unablässig‹; j)
ane underlas
›ununterbrochen‹; k)
ane ursache
›grundlos‹; l)
ane zal
›endlos, unbeschränkt‹; m)
ane zweifel
›zweifellos‹; n)
ane das
›ohnedies, ohnehin‹; o)
ane bevor
›ohne weiteres‹. Dabei ist
ane
oft zu
an
apokopiert und mit dem folgenden Glied des Phrasems verschmolzen. Einige der Ausdrücke, vor allem
ane gefärde, ane has, ane neid, ane spot
, können sich inhaltlich der Bedeutungslosigkeit nähern, dienen dann oft der Vers- und Reimfüllung.

Belegblock:

Die folgenden Belege stehen in der Reihenfolge, in der die Phraseme aufgeführt wurden: a)
Thiele, Chron. Stolle
266, 27
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
[dy andern] leyten eynen tag keyn merseborg, unnd schiden anende.
Sappler, H. Kaufringer
18, 110
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
wie er bei der jungfrawen fein | wöllt ewiklich on ende sein.
b) Goerlitz u. a., Rechtsd. Schweidnitz
63, 30
(
omd.
,
1341
):
Stirbt aber das kint ane geburt, so sol desselbin kindes gut wider sterbin an den stam.
Ebd.
60, 26
:
vnde der wirt abget von gotis gewalt ane geburt.
c) Rennefahrt, Statut. Saanen
19, 10
(
halem.
,
1393
):
in keinen weg, an alle geverde.
Primisser, Suchenwirt
25, 275
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Die Minn sprach: „An gevœre | Beschaydet mich der mœre“.
Müller, Nördl. Stadtr.
6, 5
(
schwäb.
,
um 1290
/
1300
):
ez si danne daz er bereden mach, daz ez angefer si geschehen.
Dierauer, Chron. Zürich
152, 1
(
halem.
,
1415
/
20
):
und stießen ân gevaͤrd uf die vorgenanten knecht.
d) Mone, Adt. Schausp.
1, 92
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
den glouben unde (l. kunde) vorbaz | der kristenheit an allen haz.
e) Kummer, Erlauer Sp.
3, 436
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
das laß ich wol an neit.
Mone, a. a. O.
1, 368
:
daz sult ir en loben, daz ist czit, | uwirn scheppher an nyt.
f) Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
33, 19
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Nu lagen derselben an massen vil an der Musel.
g) Meisen u. a., J. Eck
10, 17
(
Leipzig
1520
):
Es ist auch an noth tzu sagen.
h) Wackernell, H. v. Montfort
4, 71
(Hs. ˹
soobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
mich rüwet âne allen spott, | wa ich der zehen gebott | ie keins hân gebrochen.
i) Spechtler, Mönch v. Salzb.
17, 16
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Himmel tuer in offen ist, | sehent sie an underfrist | Jesum und die mueter sein.
j) Bernoulli, Basler Chron.
5, 57, 8
(
alem.
,
1356
):
bran me denne fúnf wůchen an underlas.
k) Mollay, Ofner Stadtr.
5, 4
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
versagt er das an vrsach.
l) Spechtler, a. a. O.
11, 100
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
dein mächtikhait ist gar an zal, | tröst uns in disem jamertal.
m) Voc. inc. teut. b IIIr (
Speyer
um 1483
/
84
):
Anzweifel, aduerbium procul dubio Amussim, indubitant nimirum Sine dubio.
n) Lindqvist, K. v. Helmsd.
3508
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Dar nach laid Saul an David hassz, | Wan er im an das vÿend was.
o) Toeppen, Ständetage Preußen
3, 222, 13
(
preuß.
,
1450
):
das sie henheym ane bevor mochten zcihen.
3.
nach vorangestelltem Gen. d. S./P.: ›frei von etw./jm. (das/der negativ bewertet wird); e. S. (die positiv bewertet wird) beraubt, unteilhaftig‹.
Poetische Texte des älteren und mittleren Frnhd.
Syntagmen
des falsches / mannes, der hofnung / tugend / sonne, des auges / gewandes / wassers ane.
Hierher einige unfeste Verbzusammensetzungen:
anebleiben, anegehen, anemachen, anesein, anetun, anewesen, ane(ge)werden
(vgl. jeweils dort).

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob
14283
(
omd.
,
1338
):
alle ding der sunnen an | Gar zubrechen und vergan.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
752
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Wan wer des wassers toͮff mag haben | Und lat er sich des aͮn ver graben.
Sappler, H. Kaufringer
9, 227
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das du mich sichst der augen an.
Kummer, Erlauer Sp.
6, 129
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Wainen was mir unbechant, | seid ich můter ward genant | und doch mannes ane.
Weber, Füetrer. Poyt.
199, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
do vannd der valsches ane | ain linnden prait.
Karsten, a. a. O.
8260
;
10430
;
11759
.
4.
kennzeichnet mit folgendem Nomen den Bezugsgegenstand (auch Personen), der von der Aussage des Satzes ausgenommen wird; ›außer, ausgenommen, mit Ausnahme von‹.
Syntagmen:
ane e. P., ane e. S.
; oft in der Verbindung
ane allein
(s.  7).

Belegblock:

Chron. Köln
2, 100, 33
(
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
dem konink wart vil gutz van allen Juden de in den richsteden saessen, ain van den Juden binnen Kolen.
Wyss, Limb. Chron.
35, 3
(
mfrk.
,
2. H. 14. Jh.
):
Daz daden di fursten, greben, herren unde stede, ane alleine der herzoge von Osterrich.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
674, 27
(
thür.
,
1421
):
Do gab her on alle ir gut weder, ane Orlamunde, das behielt her.
Welti, Stadtr. Bern
54, 18
(
halem.
,
vor 1300
):
dú mag als daz gůt geben vnd verkoͮffen wan si wil, anent dú eigen, an der kinden willen.
Bachmann, Haimonsk.
133, 15
(
halem.
,
1530
):
Kumpstu har ǔbern, so sichern ich dich vor all minem volck, ǎnnecht von mir.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
3, 8
(
oobd.
,
1349
/
50
):
kain ander crêatûr hât vernunft ân den engel und den menschen.
Gierach, Märterb.
11304
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
wip noch man, | on der ewangelist Johan.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
402
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
14, 21
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
10, 1
;
Kurz, Murner. Luth. Narr
3257
;
Welti, a. a. O.
52, 23
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
70, 6
;
Pfeiffer, a. a. O.
19, 24
;
Gierach, a. a. O.
5067
;
Turmair
4, 1079, 29
.
5.
in Verbindung mit der Nennung von Geldbeträgen und Gewichten: ›abzüglich‹; in Verbindung mit Jahresangaben dient
ane
dem Ausdruck der Zahlen auf 9:
ane eines
›minus eins‹; wohl Lehnübertragung aus lat.
unde
(-). Die Bed. ist am ehesten an 1 anzuschließen.

Belegblock:

Bastian, Runtingerb.
2, 53, 19
(
oobd.
,
1383
):
noch ist der perel ân den abganch 50 lot 3 quaͤntein.
Ebd.
67, 5
(
1385
):
mir sol der Zaͤkel 10 sxn. ân 5 1/2 g., di gingen mir an gold ab ze Venedig.
Turmair
4, 847, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
do man zalt von Christi gepurt ân ains hundert jar.
Ebd.
879, 29
:
im ainsundsibenzigisten jar seins alters, des reichs on ains im zwainzigisten jar über ain monat.
6.
kennzeichnet als Einleitung eines Gliedsatzes einen Aspekt, unter dem die Aussage des übergeordneten Hauptsatzes nicht gilt; ›außer, daß [...], wenn nicht [...], nur daß [...]‹.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
34, 20
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
der man [...] pflit des kindis als eyn mutir, ane das her das kint nicht soygit.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
100, 34
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Daz wazzer [...] gêt umb und umb daz ertreich, ân als vil daz ertreich enplœzt ist von dem wazzer an den steten.
Ebd.
419, 25
:
daz kraut [...] hât pleter nâhent sam diu lactuken, ân daz si smeler sint und spitziger.
7.
kennzeichnet als Einleitung eines Haupt- oder Gliedsatzes die Bedingung, unter der die Aussage des logisch übergeordneten Satzes nicht gilt; ›es sei denn, daß [...]‹.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
5, 18
(
Thorn
1584
):
Machet her is [kynt] andirs wo blutrunstig ane das myt ruten geschyt. her mus bussen deme richter vnd den vrunden.
Chron. Köln
1, 5449
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
der en is neit zwey hundert ain zale, | die vns solden weder stain, | ain solde it an ein stryden gain, | sy haint die richeit van der stat.
Luther, WA
41, 218, 3
(
1535
):
omnes Reges kunnen alle buberey leiden und treiben, an das nicht, das man den Christum predige.