murren,
V.
– Belege seit dem 15. Jh.; meist mit gesellschafts- und moralkritischer Tendenz.
1.
›ein je nach logischem Subjekt spezifisches Geräusch von sich geben‹; im einzelnen z. B.: ›knurren‹ (von einem hungrigen Magen); ›bellen‹ (vom Hund); ›quaken‹ (vom Frosch).
Bedeutungsverwandte:
,  1, , , , , , .

Belegblock:

Volkmar
232
(
Danzig
1596
):
Fremo, ich murre / bruͤlle / brumme / bebe.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
458, 6109
(
Magdeb.
1608
):
So murrt
(von
Froͤschen
gesagt)
vnd quackt beid groß vnd klein / | Ob gleich die Alten sprachen nein.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
147v, 43
(
Leipzig
1588
):
Auch die todten Coͤrper vom Galgen abgerissen / jre murrende Beuche zu fuͤllen.
Maaler
296r
(
Zürich
1561
):
Murren / Vmbhin schnertzen oder baͤfftzen / als wenn man einen schlecht.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
330
(
Genf
1636
):
Murren / Gramsen wie ein Hundt.
2.
›(etw.) herleiern, herplappern‹ (auf das Lesen religiöser Texte bezogen, indem es einem Brummton verglichen wird).

Belegblock:

Luther, WA
2, 347, 15
(
1523
):
Wenn du nicht mit vernunfft handlest, sonder schnurren und murren willt, und mit dem kopff hyndurch, [...], so werdet yhr nicht kunden betten.
Ebd.
32, 417, 31
(
1530
/
2
):
wenn ein moench vierzig iar lang seine zeiten gelesen odder gemurret hat, so hat er nicht jnn den allen eine stunde von hertzen gebeten.
Ebd.
33, 284, 15
(
1531
):
dan die vernunfft kan eine kappe tragen, haar lassen abscheren, murren, beten undt fasten.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 69, 92
(
Frankf.
1557
):
Mit murren, beten, singen, lesen, | Mit sawer sehen, knien, bucken | Vnd all der gleich Geustlichen stucken.
3.
›murren, klagen, sich beschweren, in nicht ausformulierter Weise seiner Unzufriedenheit über etw. / jn. Ausdruck geben, aufsässig auf etw. reagieren‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, (V.) 5, , , (ütr.), ,  12,  2,  12, , ; vgl. .
Syntagmen:
j., die welt, eine sau, ein pferd m
. (in letzteren beiden Fällen ütr.: ›widerspenstig sein‹),
j. im winkel, im leben, über etw., ob e. S., mit jm., wieder jn
. (z. B.
wieder got, Mosen
) /
etw
. (z. B.
wieder das evangelium
)
m
.; subst.:
das murren sich anheben
;
gute fuge des murrens haben
;
das murren der Juden
.
Wortbildungen
murrer
(dazu bdv.: ),
murrig
›mißmutig, unfreundlich‹,
murrisch
›mürrisch, unfreundlich‹ (dazu bdv.:  1).

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 118, 13
(
Wittenb.
1524
/
5
):
Schnurr, murr und bell gleich wer do wil, | Es sol euch all nit helfen vil.
Luther, WA
20, 440, 24
(
1526
):
sunt murriges geist et agnoscunt se miseros peccatores.
Ebd.
33, 130, 33
(
1530
/
2
):
[die] ein murrer undt Zanner aus dir machen.
Ders. Hl. Schrifft.
2. Chr. 26, 19
(
Wittenb.
1545
):
da er mit den Priestern murret
[
Mentel
1466:
droet
]
/ fuhr der Aussatz aus an seiner stirn fur den Priestern.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
71, 849
(
Magdeb.
1608
):
[Die Saw] murt doch endlich mit vngedult / | Warumb schlegstu mich ohn mein schuld?
Ebd.
236, 5921
:
[Murner] gieng den gantzen weg vnd murt / | Wie ein Cordubans Koller kurrt.
Ebd.
355, 2996
:
So hebt sich ein murren vnd klagen / | Vnd endlich ein Moͤrdlich geschrey.
Gropper. Gegenw.
11v, 590
(
Köln
1556
):
dz alß dan ire fordern / die vnglaubigen Capernaiter / ires versüchens / zanckens vnd murrens / guͦte fuͦge vnd recht gehabt.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
8, 28
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
hilft auch nit har auß raufen, | mur oder beiß: | solts sein, so seis.
Ebd.
116, 18
:
laß murren wol, | ich hoff ich soll | noch freüntlich mit dir lachen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
256b, 20
(
Frankf./M.
1649
):
traͤgts sich zu / daß eines oder ander Vnschuld an Tag kompt / [...] / da runtzeln sie die Stirne / Muffen vñ Murren daruͤber.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
146, 29
(
Nürnb.
1548
):
die welt / die wil / wenn es vbel zugehet / murren / sie schilt vnnd flucht.
Niewöhner, Teichner
573, 7
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
was man slegt uff im [pfert], es murret.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
330
(
Genf
1636
):
murrig / oder murrisch / so vnfreundtlich in Reden vnnd Gesicht sich geberdet.
Henisch
107
(
Augsb.
1616
):
Wo lauter murren / gruntzen vnd argwohn ist / da wohnt der Teuffel.
Luther, WA
16, 114, 33
;
16, 284, 27
;
22, 160, 20
;
33, 41, 8
;
34, 1, 354, 16
;
Mayer, Folz. Meisterl.
2, 32
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
73r, 41
;
Sachs
13, 218, 26
;
17, 261, 23
;
Bell, G. Hager
43, 2, 8
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 47, 19
;
49, 275
.