geschmak,
oobd. vereinzelt
geschmacken,
der
;
-schmackes
(für erstere Form),
-schmacken
(für letztere)
/–
.
1.
›Geruch neutraler (seltener), guter oder übler Art‹; je nach Bewertung dann entweder ›Duft‹ oder ›Gestank‹; vereinzelt Tendenz zu ›Dampf‹; als Metonymie auch (schwach belegt): ›Geruchssinn, Geruchsvermögen‹.
Bedeutungsverwandte:
 12,  1,  1, , ; vgl.  1, (
der
).
Syntagmen:
g. geben / lassen, einen g. einnemen / empfangen / empfinden / gewinnen / erleiden / verlieren / temperieren, g. aus dem wanst lassen, der nase den g. nemen, einen g. von dem schwebel nemen
›annehmen‹;
der g. sich erheben, etw. bringen
(z. B.
sterbensnöte
)
/ anzeigen
(z. B.
krankheit
),
ursache e. S
. (Gen.)
geben, den plaz durchdringen, von etw
. (z. B.
von dem kreuze
)
gehen
;
des geschmackes frei werden, das öl eines süssen geschmackes sein
;
dem g. nachgehen
;
von dem g. etw
. (z. B.
eine sterbete
)
kommen
;
der g. des ackers / bratens / gewandes / gewürzes / sones, der blume
;
der g. von dem grabe / tode, von der salbe, von den füssen, von keiben
;
der angeneme / gute / edle / liebliche / süsse / wolriechende / böse / pestilenzische / übelriechende / vergiftete / wüste g
.;
vol des geschmackes (sein / werden)
.
Wortbildungen:
geschmakreich
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ob ich einen apfel hæte gehabet in mîner hant eteswie lange; swanne ich in dar ûz taæte, sô blibe sîn etwaz dar inne als vil als ein gesmak.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Da bin ich [Hoffart] als eine uffgeblasen blase auch, | Die nit dann gesmag in ir hait.
Palmer, Tondolus (
Speyer
um 1483
):
edel gekruter die sussen vnd wolrichenden geschmack vnd edeln geroch gabent.
Spanier, Murner. Schelmenz.
30, 4
(
Frankf.
1512
):
Der vogel hatt eyn bose art, | Der seym eigen nest nit spart, | Sunder selber scheisset dreyn, | Den gschmack doch selber nymmet eyn.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
188, 26
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Welcher krebs den geschmagk darvon empfindet, der gehet dem geschmagk nach, also das die reuse gar voll wirdet.
Ebd.
224, 21
:
ein rindern bar solen, damit der schweis oder geschmack von den füssen nicht hindurch gehe.
Gerhardt, Meister v. Prag
86, 21
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
das haus was vol des guten gesmackes von der salben.
Keil, Peter v. Ulm
4
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Zwing den galbanum in daz pflaster vnd geuß den essich auch dorein, so gewint daz pflaster ein guten geschmack.
Sachs (
Nürnb.
1544
):
Inn dem verschwand das gspenst | Und ließ auß seynem wenst | Ein sehr ublen geschmack.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Geschmack. Der erst und aͤltste aller Sinne.
Golius
403
(
Straßb.
1579
):
Odôrus, geschmackreich / das ein starcken geruch hat.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dú [sele] enphahet reht ainen gesmak von dem tode Gottes und von sim grabe.
Menge, Laufenb. Reg.
5011
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
so höre ich Iehen | Das ouch gesmake von keyben toten | Möge gebringen sterbens nöten.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
us dem loche ging für, rouch und boͤser gesmag.
mit den überigen doten geturste nieman wol umbegon vor gesmacke und hitze.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
do er entpfande den geschmack
[
Luther
1545, 1. Mose 27, 27:
geruch
]
seins gewandes er gesegent in vnd sprach. Secht der geschmack meins suns ist als ein geschmack eins vollen ackers.
Lemmer, Brant. Narrensch.
6, 16
(
Basel
1494
):
Was man jn nüwe haͤfen schitt | Den selben gsmack verlont sie nit.
Spanier, Murner. Narrenb.
57, 54
(
Straßb.
1512
):
Das ist der gschmack, wa sindt die braten?
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Es was ein Man in dem Rat oder Senat zuͦ Rom, der het gar ein schweren herten Athem, das den Geschmack keiner erleiden mocht.
Sudhoff, Paracelsus (
1529
):
also hie an dem ort auch der geschmack mit samt dem schweiß anzeigen die zeichen der inwendigen luxischen krankheiten.
Maaler (
Zürich
1561
):
Geschmack (der) Geruch / Einer von den fünff sinnen. [...]. Ein guͦten lieblichen Geschmack gaͤben. [...]. Ein toͤdtlichen / pestilentzischen oder vergifften Geschmack gaͤben. Mortiferum spiritum exhalare. [...]. Geschmackreych / Wolgeschmackt / Das ein guͦten vnnd starcken geschmackt gibt. Odorus.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1563
):
dieweil der beß geschmack zum anfang solcher kranckhait nit ain geringe ursach gibt, so ist ains erbarn rats ernstlicher bevelch [...] daß aller und ieder harn, [...] nit mer auf die gassen, [...] geschütt werden soll.
Schülke, Geistl. Gemahelsch.
5251
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
Dew güt salb smekcht so wol, | daz irs gesmachen wirt vol | dez hertzen haws überal.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
,Der mein lieber ist, hat in meinen garten gestigen zw dem gesmachen der edeln gewúrcze‘, das ist in meinen junckfrawleichen leib.
Schade, Sat. u. Pasqu. ;
Palmer, a. a. O. ;
Ermisch u. a., a. a. O.
228, 17
;
Gille u. a., M. Beheim
451, 293
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
611, 20
;
Warnock, Pred. Paulis
2, 58
;
Bolte, a. a. O. ; ;
Sudhoff, a. a. O. ;
Adrian, Saelden Hort
9122
;
Barack, Zim. Chron. ;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Bäumker, Geistl. Liederb. ;
Schülke, a. a. O.
5991
;
Drescher, a. a. O. ; ;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1671
;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Wedler, W. Burley. Liber
65
;
Bremer, Voc. opt.
271
;
Vgl. ferner s. v. ,  2.
2.
›Geschmack (von Speisen und Getränken)‹, nicht in allen Belegen sicher von 1 trennbar.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , ,  1.
Phraseme:
die speise hat einen geschmak
›etw. schmeckt jm. gut‹ (ütr.).
Syntagmen:
den g. empfangen / verlieren / urteilen, den geschmacken empfinden, guten g. bringen
;
am g. bitter sein, der speise im g. etw. abgewinnen
;
der g. der speisen
;
der gute / liebliche / versalzene g
.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
wenn du hast ain guͦten trunck, so muͦß der geschmack mit volgen alsbald als du trinckest.
wie die hell ein volge ist des boͤsen lebens. Die muß dem boͤsen nach volgen ungesucht [...], gleich wie der geschmack dem wein volgen muß.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
das or empfacht das gethoͤn vnd die zung den geschmack.
Strauch, Par. anime int.
56, 21
(
thür.
,
14. Jh.
):
der einen tropphin waszeris guze in vil winis, der forlusit varwe, geruch und gesmac.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 88
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
vf daz sú [bôme] guͦte fruht bringent von guͦten gesmacke.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1403
(
Basel
1519
):
Vnd hat jm hertz spyß druff bereyt, | [...] | So hat die selbig spyß ein gschmack | Vnd ist wyt über den habren sack.
Andreae. Ber. Nachtmal
33v, 14
([
Augsb.
]
1557
):
Den Paͤbstlern aber haißt es nicht das wesen des Brots vnd Weins / sonder allain die gestalt / als die farb / die form̄ / den geschmack.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Geschmack / eines jeden dings / der sey gut oder boͤß / es sey Speyß oder Tranck. [...]. Aristoteles erzehlt sibenerley geschmaͤck / Suͤß / herb / scharpff / sawer / reß / gesaltzen / bitter [...]. Sind also siben geschmaͤck / als siben Planeten.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
1673
):
und dem wiert sein geschmach ablegen und dem da beschehen ist.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
48, 38
(
tir.
,
1464
):
Die augen die sehen an dir die weiss gestalt des protes, das chosten das enpfhindet den geschmachen vnd das schmëkhen das wolriechen.
Quint, Eckharts Trakt. ;
Perez, Dietzin
1, 131, 25
;
J. W. von Cube. Hortus
89, 12
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
80, 14
;
3.
›sinnlich (gleichsam wie das Riechen und Schmecken) gedachtes Verlangen nach weltlichen Werten (seltener) oder nach Gottnähe‹; in ersterem Falle mit Tendenz zu ›Gier‹, in letzterem zu ›Sehnsucht, Bestreben‹; auch: ›Appetit‹; offen zu 4.
Nahezu ausschließlich obd.; älteres und mittleres Frnhd.; Texte religiösen, speziell mystischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3568,  1.

Belegblock:

Franck, Decl.
354, 1
(
Nürnb.
1531
):
der wollust der auß dem geschmack vnd greuͤffen komm / darumb das sich diser vihischen wollust ergeben haben.
Ebd.
354, 9
:
Das ist die meynung Aristotelis / da nicht weniger der wollust auß dem geschmack des fressens vnd sauffens / dann das greüffens / beyschlaffens eingewickelt vnd getadelt wirdt.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
dar umbe ensmakent in alle goͤtlichen ding nút; wan der gesmak ist enweg, des magen kropf ist verfulet.
Schmidt, Rud. v. Biberach
21, 27
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dvͥ fvͥnfte meinung ist recht einvaltig vnd me vnmittullich vnd gezogen suͤzeklich mit dem luͥstlichen gesmacke des ewigen ziles.
Ebd.
100, 18
:
Dvͥ begirde richset denne, wenne si vertribet begirde vnd gesmak des geweren guͦtes.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 687
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
also daz der viheliche glust nút zvͦ sere verfließe vf den gesmag der spise vnd des trankes, sunder das der mensche neme die spise vnd den trang, als der sieche nimmet die artzenie.
Ebd.
2, 1929
:
der geist der schmackenden wisheit, vnd er durch gat die einualtikeit vnsers geistes, sele vnd lip mit wisheite vnd mit geistlichem gesmacke.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
,dú sele‘, sprichet er, ,ist saͤlig dú da gemenget ist mit dem guͦten gesmake der tugende in dem ser kline dez libes.
Vetter, a. a. O. ;
Schülke, Geistl. Gemahelsch.
2456
;
Jostes, Eckhart
11, 22
.
4.
steht im Gen. oder mit Gen. für den Inhalt des übergeordneten Substantivs oder des Genitivausdrucks, z. B.
die süssigkeit des geschmackes
›Süssigkeit, angenehmes Empfinden‹;
geschmak der freude
›Freude‹.
Gehäuft wobd.; Texte religiösen, speziell mystischen Inhalts; meist älteres und mittleres Frnhd.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
2848
(
ohess.
,
1501ff.
):
Ich hon vorsmehet der wernde rich | und eren gesmock siberlich | umb die liebe mynes herren.
Illing, Albert. Sup. miss.
568
(
els.
,
n. 1380
):
die ding, die vns hie tuͥre sint, daz ist froͤde dez herzen, trost dez heilgen geistez vnd die suͤssikeit dez gesmackez goͤttelicher dinge.
Ebd.
775
:
also het oͮch dise spise in ir beschlossen allen gesmag goͤttelicher gnoden vnd die suͤssikeit goͤttelicher naturen.
Ebd.
1503
:
also ist der gesmag aller froͤden gewassen in cristo vnd in sime heilgen bluͦte.
Ruh, Bonaventura
351, 12
(
orhein.
,
um 1480
):
Entbren zuͦ so grosser lieb, güttikeit vnd zuͦ soliches gesmackes süssikeit, zuͦ so inbrinstiger minsamkeit!
Warnock, Pred. Paulis
2, 197
(
önalem.
,
1490
/
4
):
wie sy [jungfrow] im [gemachel] ir sel und lib rain und unvermasget mug ufopfren ze ainem wolgefelligen opfer in dem geschmak der süssikait.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Illing, a. a. O.
871
;
2100
.