1
ruch,
der
;
-s/-e
+ Uml.;
zu
mhd.
ruch, ruoch, roch
›Geruch‹
().
1.
›der von einem Gegenstand, einer Person ausgehende Geruch‹:
a) gedacht als Träger, Auslöser eines Geruchs im Sinne von: ›Dunst, Rauch, Nebel, Hauch u. dgl.‹ (nicht immer eindeutig abgrenzbar von
rauch
,
der
, 1; 3); speziell auch: ›Parfum, Duftstoff, wohlriechende Essenz‹;
b) gedacht als beim Kontakt mit dem Auslöser entstehender Sinneseindruck, meist als positive psychische, ästhetische Wahrnehmung: ›Duft, Wohlgeruch‹; als negativer Eindruck: ›Gestank‹.
Bedeutungsverwandte:
, 2, 1, (
der
) 1, (
der
) 5, ,
1
2, .
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
r. geben, j. den r. schmecken
;
der r
. (Subj.)
in der nase sein, anschmecken, etw. bezeichnen
, [wohin]
dringen, den plaz durchkriechen, von dem maul gehen, im süssen wind kommen, dem haubt sanft tun, die rüche
(Subj.)
in den trögen sein, von den wolriechenden kräutern fliessen
;
der leichnam
(Subj.)
mit r. gesalbt werden, das haus
(Subj.)
mit dem r. erfült, vol ruches werden
;
der r. des gesangs / irtums / todes, der edelkeit / zeit, des lebens
;
der r. ob aller aromazei, der r. von blumen / früchten / würzen
;
der beste / edle / grosse / gute / hellische / neue / süsse / übersüsse / üble r
.;
der baum / strauch von edlem r
.
Wortbildungen:
1
ruchbar
›wohlriechend‹ (dazu bdv.: vgl. , , 3).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Sô trûc sî in irre hant | ein sûze rûchbêr rouchvaz.
Luther. Hl. Schrifft.
Hld. 2, 13
(
Wittenb.
1545
):
Der Feigenbawm hat knoten gewonnen / die Weinstöcke haben augen gewonnen / vnd geben jren
[
Mentel
1466:
gesmak
; nd. Bibel 1494:
roeke
;
Froschauer
1531:
riechend wol
;
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
geruch
]
Ruch.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
wen der apfel mala punica | entzwei gebrochin wirt mit note, | so gebit he ruch und rote.
Valli, Baldemann
68
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
der beste ruch | In suͤzzem winde quomen, | Mit mirren, thus, aromen.
Feudel, Evangelistar
52, 28
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Maria [...] salbete Jhesus vuze unde truckente sy mit yrme hare, unde alliz daz huz wart vol ruches von der guten salbyn.
Mone, Adt. Schausp. (Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
ir [Marias] suͤßer ruͤch und ouch ir czucht | ist in den ubersten tron gedruͤngen.
Wer ist dese ußerwelte frawe, | dy
e
so mit richlicher schawe | kumt so liblich uff gedrungen | uz der bittern wustenunge | alz eyn ruch der edelkeit, | der da nicht von myrre breyt, | dar czu
e
von wyrauch und von worczen?
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
25, 30
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Da ist in der nasen der ruch, durch zwei löcher ein und aus geend, gar sinniglichen verzimert zu behegelicher senftigkeit alles lustsamen und wünnesamen riechens.
Strauch, Par. anime int.
46, 27
(
thür.
,
14. Jh.
):
ich were selic ob ich inzogin worde fon den creaturen und fon dem roche des irretumis.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh. (
osächs.
,
1343
):
daz hûs ist irfullit mit dem ruche
[
Froschauer
1531:
gschmack
;
Eck
1537 /
Luther
1545:
geruch
]
der salbin.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Da ward geleit, | Dein Leichnã in die erden, | Der gsalbet ward, | Koͤstlicher art, | Mit gutem ruch.
Gille u. a., M. Beheim
15, 44
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Unsichtigs licht, gib gsicht, das ich sech auf. | mach ein neuen ruch, susser ruch des lebens, | der dann nach dir in deinem ruche lauf.
Ebd.
99, 412
:
Er liess in auff henken vil hǎch, | das in der ubel stank und rach | nit anschmeken pegünde.
Ebd.
148, 2
:
Wer ler in den geschriften such, | der hab meines gesanges ruch
(hier im Sinne von: ›Essenz, kostbarer Auszug‹).
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Dw ymer gruendes olpaüm zwey, | Lüst, schmack der pesten speczerey, | Rüch ob aller aramacey | Creftig in hochsten graden.
Sachs (
Nürnb.
1541
):
Darvon das feur gwaltig auffgieng, | Verzert urplüpfling alle ding. | Von dem der gut geschmack und ruch | Den gantzen weyten platz durch-kruch.
Ebd. (
1534
):
Da fand ich berg und tieffe thal, | Die welt und heyden uberal | So reichlichen mit laub und graß | Uberflüssig gezieret, das | Gab als so uber-süssen ruch.
Ebd. (
1562
):
[leut, Astomi genennt] Behelffen sich nur allein mit | Deß ruchs von frücht, blumen und würtzen.
Morrall, Mandev. Reiseb.
160, 16
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
von sinem mul găt groß röch und stanck.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di par, di ee gefeinet | Mit morgen⸗tau geperlt lak, | Di het verchert ein truͤber tak | Mit seiner chraft: des todes nebel | Des ruͦch, unertet als der swebel.
Helm, H. v. Hesler. Nicod. ;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
52, 20
;
57, 1
;
Quint, Eckharts Pred. ;
Hübner, Buch Daniel ;
Pyritz, Minneburg
3428
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
1760
;
Gereke, Seifrits Alex.
8863
;
Bremer, Voc. opt.
2017
;
Vgl. ferner s. v. 2, 2.
2.
›die von einer Person ausgehende Ausstrahlung, Aura‹; bezogen auf die Wahrnehmung einer Person in der Öffentlichkeit: ›Leumund, Ruf‹; metonymisch: ›die den Ruf einer Person konstituierende und / oder von diesem beeinflusste Erzählung; das, was man von e. P. sagt, berichtet, zu wissen meint‹; speziell: ›Gerücht‹; Ütr. von 1.
Bedeutungsverwandte:
1; 3, 4; vgl. 4; 5, 9; 10, 4; 5.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz sich dî lenge und dî breite | sîn lûmmunt und sîn name | gar sundir alle schame | an gûtem rûche wîte irgôz.
Di rîchin lûte, dî dâ hân | tugintlîchir zirde rûch | und vridelîchin sûch | in iren hûsrin minnen.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
[Maria] vortribet des tubels slange | von uns und tut si ange | mit irem minniclichen ruch.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
der sag des gemainen mans und gemainem rüech nachgevolgt.
Darumb hat man also in aller welt diejenigen, so sich vor andern beflissen haben den leuten zue dienen, mit gemainem rat gunst und willen, ruech und geschrai in den himel erhebt.
3.
›Herd, Feuerstelle‹; metonymisch für einen eigenen Haushalt (vgl. ,
der
, 2); erwägt volksetymologische Umdeutung zu
rücken
.

Belegblock:

Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Auch solt nyemant schenkchen, wann der aigen rukch hiett.
UB ob der Enns
10, 78, 23
(
moobd.
,
1382
):
daz wir hewsleich mit aigenem rukchen siczen wellen ze Perchaim auf dem nidern Hof.
Mell, Steir. Weinbergr.
126, 23
(
smoobd.
,
1543
):
alle, die mit aigem rucken im perkrechten gesessen, sollen sich daraus ziehen und sich auf hueben und gueter sezen.