aufsteigen,
V., unr. abl.
1.
›sich aufwärts bewegen, empor, in die Höhe steigen, aufsteigen‹, teils ohne, teils mit Angabe des erstrebten Zieles; von unterschiedlichen Bezugsgrößen gesagt, z. B.: ›(einen Berg) hinaufsteigen; auffahren, zum Himmel fahren (jeweils von Personen); auftauchen (von Meerestieren); auffliegen (von Vögeln), steigen, sich erheben (von der Stimme); aufsteigen, hochsteigen (von Dünsten o. ä.); aufgehen, aufsteigen (von Gestirnen)‹; ohne das Merkmal des Aufsteigens: ›zunehmen (vom Mond)‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1245,  1; vgl. ,  1.
Gegensätze:
 1, .
Syntagmen:
den berg, die sprosse a.
;
Christus / engel / fisch / pfau / kuh / stimme a.
;
zu jm.
(z. B.
zum vater
),
zu etw.
(z. B.
zur herlichkeit
)
a., in (den / die) himmel a., auf einer leiter a., von stapfen zu stapfen / von staffel zu staffel a., aus dem wasser a.;
˹
in ein haus a.
als Synekdoche für: ›einbrechen‹˺ (
Rwb
1, 955
; a. 1573);
hoch a.
;
aufsteigender mond / unrat, aufsteigende welle, aufsteigendes zeichen
›Horoskop‹.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
91, 21
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
rure mich nicht, wen ich byn noch nicht uf gestegen czu myme vatere.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Mose 41, 3
(
Wittenb.
1545
):
sahe er ander sieben küe aus dem wasser auffsteigen.
Ebd.
Offb. 14, 11
:
Vnd der rauch jrer qual wird auffsteigen von ewigkeit zu ewigkeit.
Weise. Jugend-Lust
100, 23
(
Leipzig
1684
):
In dem nun eine Kammer
[des Gehirns]
weitlaͤufftiger ist / als die andere / so geschiehet es / daß in der weitlaͤufftigen allzuviel auffsteigender Unrath aus dem Magen mit einlaͤufft.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
210
(
Nürnb.
1517
):
als Christus aufstig in die himel.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
232r, 14
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
trang, der do den magen stercket vnd / nich lest den pradem auf steigenn.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 67, 14
(
Straßb.
1466
):
den visch der zuͦm ersten aufsteigt den nym.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 192
(
halem.
,
15. Jh.
):
dringet vf die sele als der morgen sterne vss der vinsternisse vnd stiget vf von klǎrhait ind klǎrhait in den ewigen tag.
Rieder, St. Georg. Pred.
231, 14
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
an der [laiter] solt du dri sprossen merken die du uf stigen solt zuͦ Gotte.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
18, 26
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die staffeln steigt und gêt diu stimm auf.
Ebd.
213, 27
;
wenn der pfâw hôch auf steigt, daz ist ain zaichen des künftigen regens.
Höver, Bonaventura. Itin. A,
15
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
yn sollicher v̈bung ist vns stiegleich das ist von stapfen zu stapfen auf zusteygen, vncz das wir khömen zuͦ dem hohen perg.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 258, 4
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
73, 11
;
Feudel, a. a. O.
132, 17
;
Gille u. a., M. Beheim
141, 97
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
115, 5
;
Thiele, Minner. II,
17, 40
;
Sudhoff, Paracelsus
1, 104, 7
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
32, 8
;
Maaler
37v
;
Dietz, Wb. Luther
1, 147
;
Rwb
1, 955
;
Schweiz. Id.
10, 1532
.
2.
›etw. (sachliche Bezugsgegenstände) besteigen, auf etw. aufsteigen‹, im Unterschied zu 1, wo die Richtung der Bewegung betont wird, mehr von der Lage gesagt, auf die die Bewegung gerichtet ist.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 169, 7
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
es wehre ihnen Warnunge gekomen, wo er uffstige zu predigen, so hetten sich die losen buben uff viele Steine gerichtet.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1084
(
mrhein.
,
um 1335
):
Stig vf, man muͦz dich henken.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 132
(
thür.
,
1385
):
daz vnsir herre Jhesus Christus steyg vff in eyn schif.
Chron. Magdeb.
2, 206, 2
.
3.
›sich erheben, emporschwingen (von Personen und ihren geistigen, psychischen, religiösen Kräften); wachsen, zunehmen (vom erreichten geistigen oder religiösen Zustand); sich erheben, aufkommen (von Krankheiten, Lehren)‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7.
Syntagmen:
;
j., gemüt / gelücke / hoffart / lere / zucht a.
;
in / zu got, zu ansehen / ere / vermöglichkeit a.
;
aufsteigende volkommenheit.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 541, 96
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
so wir in vnß be-girde ie mer vff stigent zu got, so wir ie mer vnd mer eyniges sint in im.
Wyss, Limb. Chron.
90, 29
(
mfrk.
, Hs.
1. H. 16. Jh.
):
wanne dir ez allerbeste geit unde din gelucke ufstiget.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
122, 16
(
Frankf.
1535
):
von der grossen lungenseucht / so sie vffsteigt vnd wechßt.
Ruh, Bonaventura
346, 31
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
dise wyß der uf stigung ist so uil kreftiger, als uil die kraft des uf stigenden ist innerlicher.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
111, 15
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
daz sew also chomen zü der auffsteigunden volchomichait.
Höver, Bonaventura. Itin. B,
485
(
moobd.
,
1450
/
60
):
das dein gemuͤt durch verwundrung jn gar wunderleicher beschawung auffsteige.
Ebd.
648
:
so macht du auffsteigen [...] zu dem v́ber wesenleichen liechtglaͤnczenden stramen goͤtleicher finsternuß.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
16, 61
;
Höver, a. a. O. I,
451
; II,
83
;
Schweiz. Id.
10, 1531
.
4.
›sich gegen jn. erheben, empören, auflehnen‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
21844
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
ire vîende stigin ûf | kegin in in vrechir gûf | sî mordende dort unde bî.
5.
›sich günstig entwickeln, sich bessern; sozial emporkommen‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7.
Syntagmen:
spiel / reich / stat / herschaft a.

Belegblock:

Chron. Köln
1, 1293
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
wan e dat hie vp stigende is, | hie is gijr ind valsch.
Wyss, Limb. Chron.
49, 7
(
mfrk.
, zu
1360
):
hat ez sich also vurwandelt mit den pifen unde pifenspel unde hat ufgestegen in der museken.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Chr. 15, 2
(
Wittenb.
1545
):
Dauid merckt / das jn der HERR zum Könige vber Jsrael bestettiget hatte / Denn sein Königreich steig auff vmb seins volcks Jsrael willen.
Dietz, Wb. Luther
1, 147
.
6.
›nach oben verlaufen, ansteigen; emporragen (von sachlichen Bezugsgrößen)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8.
Syntagmen:
spitze (des baumes) / stollen a.

Belegblock:

Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
121, 40
(
tir.
,
1464
):
der höchist paum, des spicz oder wippfhel auf steigen sint in den himel.
Veith, Bwb.
35
.
7.
›steigen, aufschlagen, teurer werden (von Waren); den Preis von etw. (z. B. Waren, Arbeitsleistungen) heraufsetzen; teurer werden (von Arbeitskräften)‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  15.
Syntagmen:
gulden / gut / wein / handwerker / meister a.
;
mit der ware / schatzung, mit den ürten a.
;
gählinges a.
(subst.).
Wortbildungen:
aufsteigung
4.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
5, 595, 36
(
preuß.
,
1517
):
als nemlich allerley hantwercker sein mit irer ware uffgestigen.
Ebd.
608, 22
:
zum 4 die aufsteigung der hantwercker belangend.
Thiele, Chron. Stolle
436, 4
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
do steigk der win uff in achte tagen, das er IIII pfenge galt.
Welti, Stadtr. Bern
629, 13
(
halem.
,
1539
):
als dick soll an der bezalung 6 d. vffstygenn.
Schweiz. Id.
10, 1531
;
Rwb
1, 874
;
955
.
8.
Subst. für eine krankhafte Veränderung des Uterus.

Belegblock:

Golius
257
(
Straßb.
1579
):
Vteri strangulatio, vel suffocatio, das auffsteigen der baͤrmuͦtter.