tempel,
der
, selten
das
;
-s/-Ø
.
1.
›(meist repräsentativ gestaltetes) Kultgebäude, heilige Stätte; Haus des (öffentlichen) Gottesdienstes‹, in den Belegen vorrangig bezogen auf die (alttestamentlich-)jüdische (hier bes. auf den Tempel Salomons in Jerusalem) und die (antik-)heidnische Religion, seltener auf die (neutestamentlich-)christliche Religion, in diesem Fall auch: ›Kapelle, Kirche‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  1,  1.
Syntagmen:
einen t. bauen / berauben / machen / schmücken; im t. predigen / sitzen, zum t. (hinaus)gehen, jn. in den t. bringen, jn. aus dem t. treiben, jn. im t. opfern, etw. im t. aufhängen
;
der grosse / schöne / sonderliche / steinerne t.
;
der t. gottes / unseres herren
;
die aufrichtung des tempels
.
Wortbildungen:
tempelhaus
,
tempelkerze
.

Belegblock:

Enders, Eberlin
2, 68, 12
(o. O.
1521
):
ettlich sagen, der tempel zierd sy des teufels fastnachtspiel.
Luther, WA
47, 261, 6
(
1537
/
40
):
Somenget sich auch Meusedreck unter den Pfeffer, und neben dem Tempel Gottes bauet allezeit der Teuffel eine Capell.
Ebd.
21, 460, 8
(
1544
):
Christus [...] hiemit auffhebt und zubricht die alte Wonung des Juͤdenthumbs und Tempels zu Jerusalem, bawet ein newe heilige, herrliche Kirche und Gottes Haus.
Aubin, Weist. Köln/Brühl
123, 1
(
rib.
,
um 1650
):
Item solle der pastor drei kerzen bauig halten, so tempelkerzen gnant werden, jeder von acht pund.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
4, 44, 31
(
Frankf.
1603
):
Wie aber Romulus nach der hand durch auffrichtung eines tempels, Asylum genennt, zuwegen bracht, daß die stadt an großer menge zunam.
Thür. Chron.
7r, 8
(
Mühlh.
1599
):
Das siebende Wunder der welt / ist der Tempel der Goͤttin Dianæ.
Asmussen, Buch d.
7
Grade 157 (
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Esechiel sach aufgeriht | in ainer gaistlichen gesihte | einen tempel hoh auf ainen perch.
Ebd.
163
:
Der tempel pezaichent daz himelreich, | daz an gezirde ist so reich, | daz kain rede dozu gehort.
Fastnachtsp.
389, 19
(
nobd.
,
n. 1494
):
Sag, werden nit in iedem tempel | Verpunden alle pild gemein?
Reichmann, Dietrich. Schrr.
162, 2
(
Nürnb.
1548
):
VNd da die Eltern das kind Jesum in den Tempel brachten / [...] da nam jn Simeon auff sein arm.
Dietrich. Summaria
22r, 26
(
Nürnb.
1578
):
das [...] Christus die kauffer vnd verkauffer auß dem Tempel mit gewalt treibet.
Ebd.
30v, 38
:
das er [Zacharias] zwischen dem tempel vnd Altar erschlagen sey.
Goldammer, Paracelsus
2, 88, 16
(
1530
/
35
):
ir augen, was sehet ir an steinerne tempel ane gemel deum.
Morrall, Mandev. Reiseb.
28, 17
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Da lit sin [Machometts] lyb gar erberclich in irem tempel, das die heiden haissent Maske.
Ebd.
32, 17
:
In der stat [Elyapole] ist ain tempel gemachet, der ist gelich dem zuͦ Jherusalem.
Sappler, H. Kaufringer
2, 74
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Lucifer [...] | und mit im drei vinster schar | seiner diener komen dar [...] | in des selbig tempelhaus.
Koller, Ref. Siegmunds
227, 14
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Ihesus sas ainsmals vor Salomonis tempel und sach, wie man gelt gabe an des tempels paü.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
504
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 gulden creützkleinod, mit rubin, diamanten und inmitten einem agat versetzt, soll auß dem tempel Salomonis kommen.
Buijssen, Dur. Rat.
11, 3
(
moobd.
,
1384
):
Daz vorder tail des tempel bedewt die gegenwuͤrtigen chirchen, das yner tail den himel, der pischof Christum, daz pluet di marter Christi, di chöller di lieb Christi, daz rawchvas den leichnam Christi, das prant weyroch die wolsmekchunden pet Christi.
Roth, E. v. Wildenberg
14, 10
(
moobd.
,
v. 1493
):
under andern kam er [Pompeius] gein Jerusalem und gewang die stat und berawbt den tempel und fing der Juden konig.
A. à S. Clara. Glori
11, 21
(
Wien
1680
):
wie er [der gottlose Soldat] die Bildnus der seeligsten Mutter GOttes gaͤntzlich ausgepluͤndert / und schon wuͤrcklich mit der ungerechten Beut zum Tempel wolte hinaus gehen.
Anderson u. a., Flugschrr.
26, 5, 5
;
9, 2, 9, 23
;
14, 10, 27
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
765
;
Helm, Maccabäer
2931
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 20
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
53, 11
;
Thür. Chron.
5v, 2
;
Jaksche, Gundacker
3958
;
Gille u. a., M. Beheim
82, 203
;
Serranus
171v
;
Dietrich. a. a. O.
28r, 16
;
Merzdorf, Historienb.
783, 21
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
546, 28
;
Jostes, Eckhart
25, 7
;
Goldammer, a. a. O.
283, 24
;
194, 13
;
Lauater. Gespaͤnste
23v, 4
;
Morrall, a. a. O.
55, 8
;
Sappler, a. a. O.
2, 41
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
33, 3
;
Heydn. maister
31r, 21
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
307, 22
;
348, 32
;
Nyberg, Birgittenkl.
2, 298, 29
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
112, 6
;
Rot
355
;
Schöpper
65a
;
Maaler
399a
;
Pfälz. Wb.
2, 209
;
Schweiz. Id.
12, 1889
.
Vgl. ferner s. v.  2, (
der
1, (Adj.) 4,  1.
2.
›Gottes Reich, Gottes Wohnung‹, meist mit Bezug auf die Seele des Gläubigen; Ütr. zu 1.
Religiöse Texte.

Belegblock:

Luther, WA
21, 458, 36
(
1544
):
Item ij.Corinth. vj.: ,Jr seid der Tempel des lebendigen Gottes, Wie den Gott spricht: Ich wil in jnen wonen und in jnen wandeln‘.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
610
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Cristus sprach: du
[die minnende Seele]
woltest nit gern ze kilchen gon, | Du solt nu den tempel in dinem hertzen hon.
Rieder, St. Georg. Pred.
100, 1
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
wir mugent ôch dis bezaichnung keren an ain ieglich saͤlig sel dú Gottes tempel ist.
Vetter, Pred. Taulers
418, 17
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
der mensche ist eigenlich ein heilig tempel Gotz.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 9, 14
(
Straßb.
1524
):
ist auch der lyb ein heiliger tempel Gottes / võ der glaͤubigen seel wege͂.
Quint, Eckharts Pred.
1, 5, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dirre tempel, dâ got inne hêrschen wil gewalticlîche nâch sînem willen, das ist des menschen sêle.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 238, 43
(
oobd.
,
1482
):
Die swester sollen sich vnntereinanndern [...] Gott zu lob, der in in wonet, des tempell sy seien, [...] mit worten vnd wercken erlichen halten.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1905
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Seind nu die glaubigen sind ain tempel newr allain gotes vnd sind ain tempel des heyligen geistes so ist der heylig geist got.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
30, 33
(
tir.
,
1464
):
Es ist chain tempel got lieber denn der mensch. Der cwelffpot spricht: ,Ir seit der tempel gottes.‘
Pfefferl, Weigel. Ges.
6, 33
;
38, 28
;
Strauch, Par. anime int.
128, 27
;
Goldammer, Paracelsus
2, 282, 7
;
Banz, a. a. O.
900
;
Vetter, a. a. O.
312, 5
;
Quint, a. a. O.
1, 13, 3
;
1, 150, 3
;
Buijssen, Dur. Rat.
2, 23
;
33, 17
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
35r, 29
.
Vgl. ferner s. v. (
die
14.
3.
›Vorratshaus in der Vorburg (einer größeren Burganalage)‹.
Nur in Texten des Deutschen Ordens belegt.
Wortbildungen:
tempelamt
›Amt des Vorstehers über das Vorratshaus‹.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
120, 33
(
preuß.
,
1394
):
Tempilampt anno 94. In der jarzal unsirs herren 1394 an der mittwochen noch Tiburcii do wart bruder Hannus von Königishagen der tempel also gelasen von bruder Herman Gans.
Ders., Marienb. Konventsb.
11, 2
(
preuß.
,
1399
):
item 13 m. vor 2 leste heyringis in den tempil.
Ders., Marienb. Ämterb.
122, 19
.