gotteshaus,
das
;
-es/-er
+ Uml.
allg.: ›Ort, der in besonderer Weise Gott geweiht ist und an dem man Gott (zumeist in rituell-liturgischer Weise) dient‹; dies als Hyperonym zu den folgenden Einzelverwendungen auffaßbar: ›geweihtes Gebäude (christlich: Kirche, nichtchristlich: Tempel), in dem der gläubige Mensch seinen (rituellen) Gottesdienst ausübt‹; ›Kloster als Stätte beständigen Dienstes an Gott‹; mehrfach tropisch: ›klösterliche Wirtschaftseinheit, Verwaltungs- und Rechtsbereich eines Klosters‹; ›von der Kirche getragene Wohlfahrtseinrichtung, Armenhaus‹; ›Gemeinschaft der Klosterangehörigen‹; ›Gemeinde, die einer bestimmten Kirche zugeordnet ist‹; ›Gemeinschaft aller Gläubigen‹; ›Paradies als Wohnstätte Gottes‹; ›Seele‹ als Kommunikationsort des Menschen mit Gott. Die Belege lassen eine genauere Bedeutungsdifferenzierung zwischen Kirche und Kloster nicht zu;
zu  1.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1, (
der/die/das
12,  1; vgl. .
Wortbildungen:
gotteshäusig
›einem Kloster angehörig und dienstbar‹ (a. 1464; 1496), ˹
gotteshausmeier
,
gotteshausmeister
›Kirchenpfleger, Verwalter von Kirchengut‹˺,
gotteshausmensch
(s. v.  1; a. 1491),
gotteshäusrer
›Untertan eines Klosters‹ (dazu bdv.: ),
gotteshausfrau
(Beleg s. v. ),
gotteshausgeschworener
›Mitglied eines Gotteshausgerichts‹ (a. 1554),
gotteshausrichter
›Richter einer klösterlichen Grundherrschaft‹ (a. 1518),
gotteshausschreiber
(a. 1614),
gotteshausschuppose
›Schuppose als Eigentum einer klösterlichen Grundherrschaft‹ (a. 1444; Grundwort zu
schueposs
›Bauerngut‹, s. Schweiz. Id.
8, 1031
);
gotteshausstab
›richterliche Gewalt über eine klösterliche Grundherrschaft‹,
gotteshaustochter
(a. 1408),
gotteshauswald
(a. 1490), ˹
gotteshauswarter
,
gotteshauspfleger
, jeweils ›Kirchenpfleger‹ (dazu bdv.: ,
der
)˺,
gotteshausweib
(a. 1344ff.),
gotteshauszins
›an ein Kloster zu zahlende Abgabe‹.

Belegblock:

Schöpper
65a
(
Dortm.
1550
):
TEMPLVM. Kirch tempel Gotts hauss.
Luther, WA
14, 385, 12
(
1524
):
Nicht umbs dinsts willen, der do Gott geschihett, nicht umb der wergk willen, die mann vormeinet Gotte aldo zcu thuen, sonder allein von dem wortt Gottes, domit ehr uns in dem hauß dienet, das ehr uns an dehm ortt predigen leßt, heist es Gottes hauß. [...] Darauß kunt ihr leichtlich erkennen [...], das unßere kirchen do und die kloster nicht Gotts heußer sein.
Ebd.
14, 387, 15
:
was do heist einn Gotts hauß in der schrifft, nehmlich, wu sein wortt gepredigtt wirtt, und wu ehr erkant wirt durch den glaubenn.
Ebd.
15, 750, 25
(
1524
):
Er sitzet nicht ym leiblichen tempel odder Gottis haus, sondern ynn dem geistlichen newen und lebendigen.
Ebd.
16, 16
(
1524
):
Also wird auch eine Kirche genennet ein GOTTESHAUS, da die Menschen zusamen komen, Gottes Wort handeln, die Sacrament gebrauchen.
Ebd.
21, 457, 28
(
1544
):
die sinds, denen solchs verheissen ist, [...], das sie sind das rechte Gottes Haus und Kirche, nicht vom Weihbischoff mit garstigem Cresem bestriechen, sondern durch den heiligen Geist selbs geweihet.
Ebd.
21, 460, 9
(
1544
):
[Christus] thut ein seltzame newe rede, das diese sol des Vaters und seine heilige stete, Wonung und Kirche sein, wo da ist ein Christen, der sein Wort helt, Und [...] bawet ein newe heilige, herrliche Kirche und Gottes Haus, das da nicht ist Jerusalem oder Judenthumb, sondern in alle Welt ausgebreitet, [...] Und ist ein Haus nicht von stein und holtz [...], sondern von Gott selbs new erschaffen, nemlich ein solch Volck, das Christum liebet und sein Wort helt.
Ebd.
23, 647, 12
(
1527
):
welche nu solche starcke siegmenner sind wie David, [...], Die werden bey den Christen das rechte Gottes haus sein und wie Engel des HERRN, das ist ynn welchen Gott wonet.
Ebd.
52, 493, 13
(
1544
):
Wer sich aber solchs nicht wil bewegen lassen, das er hie auff erden ein Hymelreich anrichten, ein Gottes hauß und Kirchen machen kan, der fare ymmer hin zum Teuffel.
Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
43, 12
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
[er] wirt inzundin eyn vuer in Egyptin gotehusirn und wirt sy vorburnyn und wirt sy gevangin vurin.
Große, Schwabensp.
68a
, 18 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jst aber zins gelt eynes gottes hůses, daz vierte teil sines gůtes Schaffe her dar vf.
Ebd.
70a
, 26:
gehorent se in eyn gottes hůs oder vf eynen leien vorsten, den gevalle ir egen an.
Ebd.
144a
, 2:
daz erste kint, daz da wirt, daz ist des gotteshůses
(das erste Kind muß ein geistliches Leben führen)
, iz si mait oder ein degen kint.
Quint, Eckharts Pred.
1, 312, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Unser herre sprichet: ,in der porte des goteshûses stant und sprich ûz daz wort und brinc vür daz wort!‘
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 199, 5
(
Köln
1582
):
Die gottesheuser in dem land, | Sind alle von ihn abgebrandt.
Voc. inc. teut. ee iijv (
Speyer
um 1483
/
4
):
Stifft wl gotzhus oder ein closter.
Wolf, Gesetze Frankf.
90
(
hess.
,
1402
):
von allen gotshusern bede zu nemen und von den, die darinne siczen.
Feudel, Evangelistar
22, 4
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Do gyngk Jhesus in daz gotes hus unde trep uz alle dy dy vorkouften.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
77, 6
(
omd.
,
1563
):
do dann solches dem armen gotteshauße zugut komen und angwand werden soll
›Armenhaus, Waisenhaus‹).
Küther, UB Frauensee
125, 7
(
thür.
,
1352
):
das wir [...] vorkoufin [...] dorich notdorft unses gotishus unsern erbern geystlichen korswestirn in unser sichhus desselbin conventis zcwͦey phůnt heller.
Ebd.
181, 38
(
1392
):
[ich] gebe [...] den geistlichen jungfrawen eptissin [...] des gotshuses tzum Sehe czwene g[ulden] geldes iarlicher gulde.
Eggers, Psalter
6, 15
(
thür.
,
1378
):
ich bette an din heilige goczhus in diner vorchte.
Ermisch, Freib. Stadtr.
56, 29
(
osächs.
,
1325
):
daz he hat bruder oder swester, vettern oder omen, waz he den bescheidet oder zu gotishusern uz sime gute [...] zu gebene, daz bestet ouch billiche.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
546, 1
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Wo ein gotshaus nicht gericht hat uber hals und hand, da endarf kein burger zu gehen zu den dingen.
Mon. Boica, NF.
1, 606, 22
(
nobd.
,
1414
):
Die rewtecker zu Kirchfennbach haben innen die goczhawszmeister, dorumb man sich erfaren sol.
Ebd. NF.
2, 1, 143, 15
(
nobd.
,
1464
):
Sagen die goczhawszmeinster, marggraf Albrecht hab inn die gult zuͤm goczhawsz geben.
Ebd.
147, 20
:
Herman List hat auch drey morgen ackers, die sint [...] nach inhalt des alten lantpuchs des gotzhaws und der Redlerin.
Fastnachtsp.
732, 20
(
nobd.
15. Jh.
):
Wenn ich ir des nachts zu hof wil kumen, | So sagt sie mir, es sei ain heilige nacht, | Und hat mir ein gotshaus darauß gemacht | Und weist mich ab mit solchen mern.
Reichert, Gesamtausl. Messe
30, 15
(
Nürnb.
um 1480
):
Die kirche oder der tempel heyst ein gotzhauß, wann in ir wonet Cristus.
Vetter, Pred. Taulers
276, 17
(
els.
,
1359
):
das du [vatter] mir dine milten almůsen gebest des aplas [...] die in dem gotzhus und in allen enden geschehent.
Ebd.
393, 31
:
Wanne were der tempel gerumet und wer die koufmanschaft und fantasien us die den tempel bekumberent, so moͤchtest du ein gotzhus werden
(als Bild für die reine Seele).
Ebd.
394, 31
:
werent die kouflúte uzgetriben [...] so were es ein bettehus, ein gotzhus, do Got inne wonen solte.
Golius
11
(
Straßb.
1597
):
TEmplum, Fanum, Delubrum, Tempel / Gotteshauß / Kirch.
Goldammer, Paracelsus
5, 181, 18
(
1530
):
wo werden die gotsheuser und steinen dempel hinkumen, wenn wasser daraus werden wird?
Kläui, Schweiz. Urbare
2, 290, 17
(
halem.
,
1370
):
dis ist der zehenden und gottshauszins, so man Arnold von Weggis [...] schuldig ist.
Welti, Stadtr. Bern
117, 23
(
halem.
,
1422
):
haben wir geordnet, das all soͤliche zins vnd selgeraͤte [...] ab ze kouffenne sint, wer des begert, es sie von gotzhuͥsren oder andren personen.
Merz, Urk. Bremgarten
264, 5
(
halem.
,
1428
):
eine Rüti, [...] gehoͤrtt oͧch in die gůetter ze Werd, die des goczhuss ze Mure eigen sintt.
Müller, Lands. St. Gallen
8, 14
(
halem.
,
1468
):
den rob und wechsel, den unsers gotzhus lüt mit andern gotzhüsern und lüten haben, den sol menglich halten.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
9, 27
(
halem.
,
1459
):
Schwerent alle gotzhuslüt [...] des gotzhus recht ze thůn.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
10, 32
(
halem.
,
1481
):
[Es wird erlaubt]
den gotshuͥsern [...], das sy visch und eyer [...] verkouffen.
Boos, UB Aarau
318, 23
(
halem.
,
1489
):
Darumb der vorgenant stiffter Uolrich Jung sinem capplan geben [...] sol dryg guldin geltz jerlicher gúllt, [...] dem gotzhusz pfleger zechen schilling.
Merk, Stadtr. Neuenb.
52, 10
(
nalem.
,
1419
):
das wir mit dem erwirdigen geistlichen herren, [...], abbet des gotzhuses ze Sant Blasien [...] úber ein kommen sien.
Rieder, St. Georg. Pred.
237, 13
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
in dem bůche vindet man daz únser herre hern Moýsen hiez machen ain gezelt und ain gotzhus und hiez in daz taillen mit aim umbehange.
Koller, Ref. Siegmunds
131, 37
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
er sol kein stür uf gotzhüser noch die pfaffheit legen.
Köbler, Stattr. Fryburg
142, 13
(
Basel
1520
):
Kind in gotshüser oder kloͤster zů versehen.
Koller, Ref. Siegmunds
205, 15
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
sol man auff den pfarrkirchen singen und lesen und der cristenhait ain rechts gotzhauß sein zü allem trost.
Memminger Chron.
3, 19
(
Ulm
1660
):
Hat Cardinal Raimund die Gülten [...] auff Prioren vnd seine Pfleger zu den Augustinern zur Bauung desselben Gotts⸗Hauß incorporiert.
Chron. Augsb.
7,
(
schwäb.
, zu
1558
):
wir hielten aber darfür, daß solche leut pillicher an ain ander ort, dann in ain gotshaus und closter zuͤ verweisen.
Anderson u. a., Flugschrr.
28, 3, 7
([
Augsb.
]
1524
):
herr ir wißt das ich eüch vnd eüwerem gotzhauß allweg berait bin zů dienen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
197, 12
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der poppen ist sô vil worden, daz si der gotshäuser guot und êr verpoppelnt.
Hör, Urk. St. Veit
51, 1
(
moobd.
,
1335
):
daz leibgeding [...], daz wir von dem gotzhaus vnd dem conuent ze sand Veit haben.
Bremer, Voc. opt.
276
(
mbair.
15.
/
16. Jh.
):
Edilis ein husverwarter [...] kirchwart [...] gotzhawswarter.
Turmair
4, 46, 4
(
moobd.
,
1522
/
33
):
damit der mensch als ain gotspriester zu einem gotshaus und götlichen sal götliche vetterliche güethait [...] betrachte.
Ebd.
4, 749, 9
:
die nichts weder auf Mosen noch die heiligen altväter, nichts auf das gesatz, gotshaus und gotsdienst [...] hielten.
Luther, WA
14, 386, 16
;
16, 105, 18
;
17, 2, 342, 38
;
24, 604, 31
;
37, 435, 40
;
49, 593, 29
;
Helm, H. v. Hesler. Apok.
10565
;
Große, a. a. O.
63a
, 2;
227
q, 28;
Kisch, a. a. O.
293, 10
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 89, 1
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
3008, 18
;
v. Birken. Erzh. Österreich
84, 40
;
Welti, a. a. O.
317, 29
;
565, 12
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
55, 12
;
169, 28
;
182, 36
;
206, 23
;
208, 2
f.;
211, 8
;
Rennefahrt, Recht Laupen
54, 25
;
Sappler, H. Kaufringer
3, 238
;
608
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
3, 13
;
Fuchs, Kart. Aggsbach
41, 25
;
Rintelen, B. Walther
26, 5
;
30, 22
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
64r
, 6;
Voc. Teut.-Lat. l iiijv;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
152
;
Schweiz. Id.
2, 1710
;
8, 1043
;
9, 2113
;
10, 1034
;
Schwäb. Wb.
3, 768
/9.