kapelle,
kapel,
die
;
–/-n
;
aus
mlat.
capella
(DuCange
2, 116
/7); in 3. Vermischung mit
ital.
coppella
›Probiertiegel‹
(Schwäb. Wb.
4, 209
).
1.
›kleines Gotteshaus; Teil einer Kirche‹; als Synekdoche vereinzelt: ›Grab (z. B. Mohammeds)‹; ›Grabplatz‹; ›tragbarer Altar (für Kriegsfahrten)‹.
Phraseme:
jm. die kapelle besingen
(obszön).
Bedeutungsverwandte:
 2,  3,  1,  1,  1,  1.
Syntagmen:
eine k. anrichten / bauen / belesen / lösen / machen / setzen / stiften / weihen, an bau halten, jm. eine k. geben / (ver)leihen; einer k. pflegen / warten, einer k. mit etw. versehen; etw. an eine k. geben, in die k. gehen / kommen / laufen, jn. in die k. füren, etw. in die k. geben / tragen, in der k. messe halten / lesen / predigen, in einer k. begraben liegen, etw. in einer k. begehen, in einer k. gepfründet sein; k. des bischofs / meisters / unserer lieben frauen; anstossende / gemauerte / griechische / hölzerne / kleine / neue k.; pfleger einer k.
Wortbildungen
kapellenbrief
(dazu bdv.: ; a. 1528),
kapellenbote
(a. 1522),
kapellendiener
(a. 1357),
kapellenvogt
›Aufseher einer Kapelle‹ (a. 1620),
kapellengarten
(a. 1589),
kapellengut
(a. 1585),
kapellenhaus
(a. 1583),
kapellenherre
,
kapellenjunge
,
kapellenkirche
(a. 1507),
kapellenlehen
(a. 1394),
kapellenpflege
(a. 1628),
kapellenpfleger
(a. 1531/40),
kapellenprediger
(a. 1640),
kapellenstein
(a. 1542),
kapellenturm
(a. 1518),
kapeller
›Verwalter eines Gotteshauses‹ (a. 1473; 1648),
kapelmesse
,
kapeltreten
›fleißiger Kirchgang‹.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
15, 26
(
preuß.
,
1395
):
1 schilling vor eyne veniebank [...] in des meisters capellen und vor eynen reysealter.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
61, 19
(
preuß.
,
1437
/
8
):
resegerete ingeczalt mit allem gerethe, item 1 capelle.
Girgensohn, Berl. Kämmereirechn.
79, 15
(
preuß.
,
1504
/
08
):
150 fl. den capellenhernn zu Pritzerve.
Chron. Köln
1, 1865
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ind leissen sich vp die capelle, | van der capellen zo der linden neder.
Mone, Adt. Schausp.
2, 467
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
ich czy mit uch kegen Francken | mit uwer frawen kapeltreten.
Küther, UB Frauensee
358, 5
(
thür.
,
1525
):
Wan auch ein probst gesinnet wurde, die capelle widder anczurichten und bawen.
Luther, WA
33, 454, 36
(
1531
):
wo Gott eine kirche bauet, do setzet der Teuffel eine Capell darneben.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 184, 30
(
Arnau
1525
):
Der bischof muͦß seiner metzen die capell bsingen und ir den psalter lesen.
Chron. Nürnb.
5, 692, 2
(
nobd.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
da haben etlich person [...] in dem keppelein von newem gestift alle wochen zwu meß zu halten.
Reichert, Gesamtausl. Messe
1, 20
(
Nürnb.
um 1480
):
Kirchen oder cappelnn mag nyemant weyhen oder wider weihen dann ein bischof.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 10, 27
(
Straßb.
1524
):
Was aber Euãgelisch vnd Christlich / in allen tempeln / capellen / vnd marcktheüsern [...] leeren vñ hoͤrn.
Lemmer, Brant. Narrensch.
11, 17
(
Basel
1494
):
Man darff kein zugniß furter me | Noch suͦchen die kappel vnd klusen.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
1849
(
schwäb.
,
1453
):
Da ettwan swebt mit flaysch und bluͦt | Machmet in ainer cappel hoch.
Müller, Nördl. Stadtr.
543, 14
(
schwäb.
,
1497
):
hat ain ersamer rate angesehen [...] nach der kappelmeß [...] das flaisch zu schawen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
221, 35
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
pey der pahr ist gestannden ein cappellen auf vier sewlen durchsichtig.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
50, 2
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Morgens ward die gegent errewt und ain hültzene capell gemacht.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
97, 20
;
Küther, a. a. O.
317, 16
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
131, 9
;
v. Groote, Muskatblut
23, 24
;
Gille u. a., M. Beheim
104, 912
;
Sachs
17, 114, 11
;
Bihlmeyer, Seuse
44, 5
;
Rieder, Gottesfr.
109, 35
;
Roder, Hugs Vill. Chron.
82, 7
;
Rapp, UB Stuttg.
86, 30
;
Barack, Zim. Chron.
1, 53, 40
;
Müller, Stadtr. Ravensb.
225, 1
;
Grossmann, a. a. O.
85, 10
;
Mollay, H. Kottanerin
22, 6
;
Maaler
84r
;
Diefenbach
411
c;
Rwb
7, 307
;
Pfälz. Wb.
4, 52
;
Schwäb. Wb.
4, 210
;
6, 2264
;
Schweiz. Id.
1, 706
;
3, 382
;
5, 460
;
11, 834
;
Dietz, Wb. Luther
370
;
Schröcker, Kirchenpflegschaft.
1934, 179
.
2.
›Gesamtheit der Mitglieder (Musiker, Sänger) einer Hofkapelle; Hofkapelle als Einrichtung‹; Metonymie zu 1.
Syntagmen:
eine k. anstellen / halten / regieren, mit tauglichen personen bestellen; mit der k. singen; verwaltung einer k.; instruktion / ordnung auf die k., inspektion über die k.
Wortbildungen:
kapelbestallung
,
kapelbuch
›Notenbuch‹ (a. 1630),
kapeldiener
(dazu bdv.: a. 1357, a. 1525),
kapeldienst
(seit 1590),
kapelknabe
(dazu bdv.: seit 1564).

Belegblock:

Schein, NA
7, 11b, 2
(
Leipzig
1621
;
Straßb.
1632
):
auff mein vnterthaͤnigstes supplicien [...] in der Capellen [...] privilegium [...] erlanget.
Ebd. NA
9
XIa, 17 (
Leipzig
1617
):
die Zeit vber / als in deroselben Capel-bestallung Ich vnwirdigst gewesen.
Rwb
7, 304
/5;
307
/8;
310
;
Schwäb. Wb.
4, 207
;
210
;
6, 2264
.
3.
›Schmelztiegel zur Prüfung von Edelmetallen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2, .
Syntagmen:
die k. abtun / verbieten; auf der k. liegen bleiben, etw. auf der k. abtreiben / aufsetzen / brennen / finden / gewären / halten / probieren / versuchen, etw. aus einer k. treiben, etw. von der k. nemen; k. des goldschmieds
.
Wortbildungen:
kapellenfutter
›Form zur Herstellung einer Kapelle‹.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 137, 11
(
preuß.
,
1440
):
das men sulch silber weder von en neme von der capelle.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
192, 4540
(
Magdeb.
1608
):
Man mus abr auch Silber dastellen | Recht fein gebrent auff der Capellen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
184, 13
(
omd.
,
1554
/
1633
):
Kapellen größer dan zweylotigk seint in den hütten und sonst abgethan und verboten.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 173, 17
(
schles.
,
1617
):
7 cappelnfutter mit 3 messinggewichten.
Rennefahrt, Gebiet Bern
230, 33
(
halem.
,
1421
):
Das er sol machen pheninge [...] die fin halten 7 1/2 lod uf der kapellen.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
491, 26
(
halem.
,
1427
/
9
):
soͤllent ouch unser herren die múntz [...] verleggen, usgenommen die capellen, dar uff man die múntz versuͦchet.
Sudhoff, Paracelsus
11, 364, 7
(
1537
/
41
):
so diser metalkönig nach dem treibscherben auf einer capellen abgetriben wird [...] bleibt alein silber oder golt auf der capeln ligen.
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
1, 306, 11
;
Welti, Stadtr. Bern
442, 13
;
Schnyder, a. a. O.
310, 22
;
410, 39
;
Sudhoff, a. a. O.
14, 417, 19
;
Henisch
584
;
Rwb
7, 306
/7;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 274
.