heiltum,
das
;
-(e)s/-er
(Pl. sehr selten).
1.
›Heiligungsmittel; Mittel, das zum Seelenheil führt; heilige Sache oder Handlung‹; auch allgemeiner: ›etwas Gutes, Segenbringendes‹;
vgl. (
das
45.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1.
Syntagmen:
h. säen
;
die heimlichkeit des h.
;
das beste / grosse / heimliche / kostbarliche h
.

Belegblock:

Luther, WA
32, 196, 22
(
1530
):
Paulus hat kein groͤsser Freude gehabt, als wenn er gesehen hat, daß eine Stad in der Lere und Leben ist eintrechtig gewesen, wie er die zu Philippen lobet und sie doch ermanet, daß sie sich huͤteten fur den Landstreichern, denn ehe man sich umbsihet, haben sie mehr Gifft denn wir Heilthum geseet.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 14, 12
([
Augsb.
]
1523
):
so wir daz hoch tewer edel lebe͂dig wort gotes (dz dz aller kostbarlichest hailtu͂b ist über all Roͤck cristi zuͦ Tryer vñ hemeter marie) nit mit groͤsserem fleiß zuͦ hertzen werden nemen.
Turmair
5, 412, 35
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Diser zeit gieng ein gros geschrai über die Juden in ganzem teutschem land, wie si unser gros haimlich heiltumb und sacrament des leibs und pluets Christi stälen, in mörser zerstiessen, das gespöt daraus triben.
Luther, WA
33, 537, 1
;
Bartsch, Reinfrid
4369
;
Buijssen, Dur. Rat.
24, 21
.
2.
Konkretisierung zu 1: ›Reliquie (meist Gebeine oder Asche eines Heiligen oder Überreste seiner Kleidung oder seiner Gebrauchsgegenstände und Marterwerkzeuge); Gegenstand religiöser Verehrung (dem eine besonderer Kraft zugesprochen wird)‹; im Sing. meist als Kollektivum gebraucht.
Bedeutungsverwandte:
 2, , ; vgl.  2.
Syntagmen:
das h. erwerben / finden / küssen / sehen / stelen / um(her)tragen / vortragen / (weg)nemen / zeigen, rüren / sehen lassen, unter die füsse treten, mit etw. krönen
;
ein h.
(Subj.)
in etw. liegen / sein / stehen, gefast sein, aufbehalten / geweiht / vermauert werden
;
des heiltums warnemen
;
etw. für h. zeigen, etw. mit h. geziert sein, jn. mit dem h. berüren / empfangen, jm. mit dem h. entgegengehen
;
das falsche / grosse / hochwürdige / köstliche / wolgezierte h.
;
die teilung / verwarung des heiltums
;
viel stük heiltum(s)
.
Wortbildungen:
heiltumdieb
›j., der die religiösen Gebräuche verletzt, Religionsschänder‹ (a. 1522/33),
heiltumfürer
›Geistliche, die mit Reliquien herumziehen‹,
heiltumhaupt
›Reliquienschädel‹ (a. 1592),
heiltumhaus
(a. 1561),
heiltumkamer
(a. 1536),
heiltumsfart
›Wallfahrt‹ (a. 1613),
heiltumskistchen
(nach 1516),
heiltumzeiger
›Hierophant, Priester, Einführer in den geheimen Gottesdienst‹ (a. 1536).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
345, 32
(
preuß.
,
1516
):
1 silbernn finger, doreynn etlich hiltum gefast ist.
Redlich, Jül.-Berg. Kirchenp.
2, 1, 449, 99
(
Kaster
,
1492
):
So dann up der capellen up der burch wiil kostlichs hildoms is.
Quint, Eckharts Pred.
1, 328, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Grôz heiltuom enlæzet man niht gerne blôz rüeren noch sehen.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
265, 25
(
wmd.
,
1634
):
Vns last das Heylthumb, vnd Monstrantz, | (Weil Ketzer es verhönen) | Mitt manchem schönem BlumenCrantz, | Nach alter andacht krönen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
139, 30
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Markair sprach der konnig / da kusse heyltum das dir got zu dyme rechten helffen wolle.
Wunderlich, Fierrabr.
7, 14
(
Simmern
1533
):
Fierrabras [...] beraubt die Kirchen / hat auch hin gefuͤrt die Doͤrnen Kron Cristi / sampt anderm heylthumb.
Ebd.
147, 9
:
hieruf bracht sie [Floripes] den schrein / darinn das heylthumb lage.
Gille u. a., M. Beheim
236, 12
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ir etlich gen in der welt umb | mit falschen priefen, fur heiltum | czaigen sy schelmen peine.
Rupprich, Dürer
1, 159, 30
(
nobd.
,
1520
):
Jch hab kaiser Heinrichs arm, unser Frauen hembd, gürtel und ander ding von heilthum gesehen.
Reichert, Gesamtausl. Messe
31, 16
(
Nürnb.
um 1480
):
so muß man ain altar darein [in den tempel] machen; und der muß aus steynen gemacht werden und darinne heyltum vermauert werden.
Bernoulli, Basler Chron.
6, 296, 2
(
alem.
,
1382
):
ein pfaff zuͦ Basel [...] hatt gestolen me denn zweytusend gulden wert heiltumb.
Ebd.
297, 17
:
Und empfieng sy [die von Basel] der abbt mit dem heylthuͦm und grosser wirdikeit.
Rieder, Gottesfr.
69, 17
(
els.
,
1377
):
die selbe geschrift, dez lieben gottes frúndes eigene hant, man billich halten sol in großer wirdikeit glich eime heiltuͦme.
Chron. Strassb.
384, 9
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
Noch sime tode über 283 jor do wart sin lip und heiltuͦm
[des Hl. Augustinus]
gefuͤrt gein Pafey in Lamparten do er ouch noch lipheftekliche lit.
Schade, Sat. u. Pasqu.
143, 3
(
els.
,
1521
):
die kron gehört got zuͦ als ain ietlich kirchen hailtum oder klainat und ist der bapst gottes und der kirchen diener und knecht.
Lemmer, Brant. Narrensch.
63, 11
(
Basel
1494
):
Des glychen duͦnt die heyltuͦm fuͤrer / [...] / Die nyenant keyn kirchwih verlygen | Vff der sie nit oͤfflich vß schrygen | Wie das sie fuͤren jn dem sack | Das hew / das tief vergraben lagk | Vnder der kryppf zuͦ Bettleheyn.
Bächtold, N. Manuel. Abl.
126, 392
(
halem.
,
1525
):
Du schelm, seg an, dass dich gott muͦss plagen, | Was hestu für heiltuͦm umher tragen?
Ders., H. Salat
129, 278
(
halem.
,
1532
, Hs.
E. 17.
/
A. 18. Jh.
):
Glich als uf den stiften zuͦ hochzitlichen tagen | Man sarch, helthum, patronen umb thuͦt tragen.
Chron. Augsb.
4, 69,
A. 4 (
schwäb.
,
v. 1536
):
Das steinin kreitz zuͦ sant Urlich [...] ließ ain kauffman machen, [...], es ist geweicht und hailtum darinn.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
61, 34
(
schwäb.
,
v. 1542
):
Der streich kam an zweyen orten bey dem fronaltar herauß, ging ach durch die behaltnus, darin das heyltumb und clainat staunt.
Eschenloher. Medicus
12, 11
(
Augsb.
1678
):
hat er [Henricus Bischoff zu Augspurg] verwilliget / daß man zu ewigen zeiten am hohen Fest deß H. Wunderbarlichen Sacraments [...] solches neben andern H. Reliqiuen oder Heilthummeren [...] solle fuͤrtragen vnd zeigen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
82, 13
(
oobd.
,
1349
/
50
):
alsô vindet man auch oft, daz sich daz wazzer verbt in der erden und gar rôt her für vleuzt; sô wænent die ainvältigen läut, daz ain hailtum dâ sei.
Gierach, Märterb.
16843
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
also groz was daz liecht | daz von dem heiltum schain.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
1, 51, 12
(
nobd.
,
1519
):
Nach Christi gepurt 876 jar hat könig Carlman [...] daselbst hin ain mechtig gros closter sant Benedicten ordens gestift und vil heilthumbs darzu versamlet.
Mollay, Ofner Stadtr.
7, 6
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
in einer process mit fanen vnd mit heiltumb vnd mit prinnenden kertzen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9916
;
Buch Weinsb.
4, 150, 27
;
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
400, 42
;
Krebs, Prot. Spey. Domkap.
1, 104, 1
;
Karnein, Salm. u. Morolf
653, 5
;
Struck, Klöster
379, 31
;
Kurz, Waldis. Esopus
1, 1, 37
;
Gille u. a., a. a. O.
328, 165
;
Mayer, Folz. Meisterl.
103, 217
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
19, 30
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
125, 26
;
Sachs
1, 399, 11
;
Bernoulli, a. a. O.
5, 441, 7
;
Rieder, a. a. O.
169, 24
;
Chron. Strassb.
618, 25
;
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 9, 22
;
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 238, 7
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
113, 14
;
Chron. Augsb.
2, 26, 23
;
2, 294, 20
;
5, 309, 16
;
Nyberg, Birgittenkl.
2, 174, 39
;
Barack, Zim. Chron.
2, 116, 23
;
Leidinger, A. v. Regensb.
605, 22
;
Gierach, Märterb.
7404
;
9480
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
41, 11
;
Roth, E. v. Wildenberg
49, 3
;
Turmair
4, 814, 24
;
Dasypodius
69v
;
92r
;
Maaler
221r
.
Vgl. ferner s. v. ,  1.
3.
›die zehn Reliquien unter den Reichskleinodien: die Heilige Lanze, ein Sück vom Kreuz Christi, fünf Dornen aus der Dornenkrone u. a.‹; Spezialisierung zu 2; metonymisch auch: ›Tag, an dem die Reichskleinodien (zunächst in Prag, dann in Nürnberg) öffentlich gezeigt wurden (Freitag vor Misericordia)‹, ›der mit dieser Schaustellung verbundene Jahrmarkt‹.
Zur Sache vgl. H. Fillitz, Die Insignien und Kleinodien der Hl. Röm. Reiches.
1954, 37
-43.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.
Syntagmen:
das h. zeigen
;
j.
(Subj.)
auf das h. feil haben, etw. zum h. kaufen
;
eritag / montag nach / vor dem h
.
Wortbildungen:
heiltumabend
›Vorabend des Tages der Schaustellung der Reichsreliquien‹,
heiltumstul
›Gerüst, auf welchem die Reichsreliquien in Nürnberg gezeigt wurden‹.

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw.
184, 11
(
wmd.
,
um 1440
):
Hie gap unser herre der Römisch konig daz wurdig heiltum den burgern zu Nürenberg.
Chron. Nürnb.
4, 340, 6
(
nobd.
,
15. Jh.
):
darnach montag vorm heiltum da pran Pairstorf gantz auß on 19 heuser.
Ebd.
5, 573, 4
(
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
Des jars am heiltumobent da vieng man einen pei dem schoͤnen prunen.
Rupprich, Dürer
1, 49, 60
(
nobd.
,
1506
):
Hyͤ mit last mich ewch befolhen sein vnd sagent meiner muter, daz sy awff daz Heiltumb feill las haben.
Turmair
4, 736, 11
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Auf der andern seiten ist ein pün aufgemacht und heiltumstuel, darauß zu obrest ein adler fleugt.
Ebd.
5, 194, 31
:
Die kaiserlichen cron, das kaiserlich gulden schwert, mit edeln gestainen ausgesetzt, und ander kaiserliche wât, hailtum und zaichen, dabei man den kaiser erkent dieselben zeit.
Altmann, a. a. O.
173, 20
;
Chron. Nürnb.
2, 213, 8
;
5, 492, 10
;
Loose, Tuchers Haushaltb.
44, 15
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 126
.
Vgl. ferner s. v.  2,  3.
4.
›Reliquienschrein; Aufbewahrungsort der Reliquien‹; metonymisch zu 2.

Belegblock:

Schmidt, St. Kastorst.
2, 507, 30
(
mosfrk.
,
1466
):
desgleichen soll man ihnen die schlüssel zu dem heiltumb und kleynod der kirchen [...] widergeben.
Krebs, Prot. Spey. Domkap.
2, 6701, 1
(
rhfrk.
,
1526
):
Uf das nechst fest Sixti, so man das heyltum pflegt uf die greber zusetzen gefelt myn hern, das die kleineten und drinckgeschir nit heraws werden getragen.
Krebs, a. a. O.
1, 4056, 2
;
2, 8862, 1
;
Chron. Augsb.
5, 300, 9
.
5.
›stift, in dem die gebeine des heiligen verwahrt werden und dem es geweiht ist‹ (Dwb
4, 2, 853
); metonymisch zu 2.

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Oberschw.
146, 2
(
schwäb.
,
v. 1542
):
die [fraw] ward gestraft von herschaft und rat um 1 ℔ h. Desselb ward dem heyltumb.
6.
›heiliger Ort‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Reu, Süddt. Kat.
1, 613, 48
(
Nördlingen
1542
):
so der leib Christi ligt jn der erden begraben vnd sein grab so herlich wirt, Sollen wir festigklich glauben, das auch aller Christen greber haylthum seind.