sacrament,
das
;
-s/-e, -Ø
; gelegentlich mit lat. Flexion;
auch
sacerment
;
aus
mlat.
/
kirchenlat.
sacramentum
›Zeichen für etwas Heiliges; religiöses Geheimnis‹
(), dies zu
lat.
sacrāmentum
›Weihe, Verpflichtung, Strafsumme‹
(
Kluge/S.
2011, 782
).
1.
›(meist: von einem kirchlichen Amtsträger, Priester vollzogene) äußerlich sichtbare, zeichenhafte (Weihe)handlung, die den das
sacrament
Empfangenden durch einen religiösen Gnadenakt auszeichnet, mit Gott verbindet und seiner Gnade versichert‹; metonymisch: ›geheiligte Materie; mit der entsprechenden Handlung gespendetes oder empfangenes Gnadenmittel‹ (z. B. Wasser, Öl, Hostie; dann offen zu 2); generalisierend: ›heiliges Zeichen, Wirkzeichen‹; die Belege spiegeln zum Teil die Kritik an der Kommerzialisierung sowie die von protestantischer Seite ausgehende Auseinandersetzung mit der von der römisch-katholischen Kirche vertretenen Siebenzahl der Sakramente wider (Taufe, Eucharistie, Buße, Firmung, Krankensalbung, Ordination und Ehe); dann auch häufig im Orientierungsfeld mit anderen kirchlichen Zeremonien, liturgischen Formen, Gnadenmitteln, Ämtern (und deren Einkunftsmöglichkeiten) genannt (z. B. 1, 1,
1
1, 1, , 5).
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
7, 1267
ff.;
LThK
9, 218
ff.;
Rgg
5, 1321
ff.;
Luther-Lexikon, hrsg. v. V. Leppin u. a.
614
ff.
Syntagmen:
das s. abtilgen / stiften, unwürdiglich hantieren, got
(Subj.)
den menschen das s. stiften, j. die sacramente aufsetzen / empfangen / glauben / haben, um geld zum kauf geben, jm. reichen
;
j. etw. ein s. nennen
;
ein s
. (Subj.)
ein zeichen sein, ein heiliges zeichen heissen, die sacramente unter zeichen verborgen sein
;
etw
. (Subj., z. B.
der orden, alle sitten
)
ein s. sein, die busse / ehe kein, die firmung / ölung (nicht) s. (sein)
;
den sacramenten
(Dat.obj.)
unere / unzucht erbieten
;
j. ane das s. sterben, auf die sacramente aufsehen haben, der mensch durch die sacramente gerecht werden, j. den glauben in das s. setzen, jn. mit den sacramenten versehen, das wort
(Subj.)
zu dem s. gehören
;
das s. des altars / ehestands, des leibs und bluts Christi, der beichte / ehe / ölung / penitenz / taufe, des abendmals, der heiligen christenheit, die sacramente der kirche
;
das andere / heilige / hochheilige / hochwürdige s., alle sacramente, die heiligen / sieben sacramente
;
die einsetzung des sacramentes, die consecration / siebenzal / verachtung der sacramente
.
Wortbildungen:
sacramenten
1 ›jn. mit dem Sakrament versehen‹,
sacramentisch
1 ›als (Buß)sakrament gespendet‹ (hier: mit abwertender Nuancierung),
sacramentist
wohl ›Parteigänger des Papstes‹ (abwertend gebraucht; dazu bdv.: , 2; 3).

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
disz ist nu eyn exempel und sacrament, das sich Christus der sunder also freuntlich an nimpt.
Ebd. (
1528
):
zeichen muͤssen also geschickt sein, [...], die funff synne muͤssen sie fassen, Als die Tauffe und das Sacrament des altars sind zeichen, die sihet man und fuͤlet sie.
Ebd.
69, 22
:
Ein Sacrament aber heist ein heiliges zeichen, das da bedeut etwas anders, nemlich ein geistlich, heilig und ewig ding.
Ebd.
32
:
Also ist auch der eheliche stand ein Sacrament, ein eusserlichs, heiligs zeichen.
Ebd. (
1533
):
leucht frey auff dem leuchter, [...], das es auch allen Teuffeln sampt jren Papisten und Sacramentisten jnn den augen wehe thut.
Ebd. (
1545
):
Das VII Sacrament seien zu gleuben, sagen wol die Sophisten zu Loͤuen, Aber sie leren hierin als die Ertzketzer [...] on Gottes wort.
Strauch, Par. anime int.
135, 15
(
thür.
,
14. Jh.
):
alle sacramenta sint forborgin under liplichin zêchinen, aber kein sacrament inist volmachit e man der materien gebruche.
Pyritz, Minneburg
2062
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
hette got der reine | Von mynne niht uff gesetzt daz wort, | Daz zu dem sacramente gehort.
Gille u. a., M. Beheim
444, 49
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
des gleichen ach die andern priester tund, | wann sie die sacrament und pfrund | umb gelt geben ze kǎffe.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
13, 50
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Er sol auch bedencken, wie michel und vil er got dem herrn und den sacramenten der kirchen uner und unczucht erpoten hab.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs.
um 1474
):
wer nympt den mönichen abe, das sye got verheyssen haben, do sye in den orden komen, das ein sacrament ist?
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 383, 4
(
Hagenau
1534
):
hat Gott eyn zeychen eingesetzt seines fleyschs und pluͦts / dadurch unser glaube gesterckt [...] wurde [...]. Darumb ist es also vil gesagt / Ich will dich elementen / man soll dich sacramenten.
Lauterbach, Orhein. Rev. (
nalem.
,
v. 1509
):
Das vi. statut. Ist von dem heilgen sacrament der ee, so gott in dem paradis vff gesatzet hat.
Alle die das wirdig sacrament des altars vnwirdenglich handtierend, der wirt glich gezelt, als het er Ihesum Cristum getodet.
Sudhoff, Paracelsus (
um 1570
):
fürnemlich die consecration der sacramenten, des ehestants, des taufs, des leibs und bluts Christi auf dem altar, sol hoch und fest gehalten werden.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
diewil die ee ein sacramẽt / vñ durch dhein menschlich vermoͤgen / vffzeloͤsen.
Boner, Urk. Aarburg
87, 84
(
halem.
,
1484
):
das heilig sacrament euccaristie, ouch crisam, touff, begrebd und was zuͦ einer gerechten pfarr gehoͤrtt.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
hat er [Jhesus Kristus] gewoͤllen, dass das ganz leben [...] ein buͦsvertikeit soͤlle sin, [...] das nit von der sacramentischen pfaffenbuͦss mag verstanden werden.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 62, 33
(
Augsb.
1526
):
alle sitten seind sacrament oder zaychen.
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
151vb, 40
(
moobd.
,
n. 1434
):
ob der krankch mensch noch nicht emphangen hiet die heiligen sacrament, als den heiligen ablas vnd den vil heiligen leichnam vnsers herrn vnd die heilige oͤlung.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
wirt der mensch enntlich gerecht durch die Sacrament als durch püxen in denen zuo getragen wirt goetliche gnad vnd geistliche artzney.
Pfefferl, Weigel. Ges.
26, 23
;
Gropper. Gegenw. ;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
4, 7
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. ;
Schmitt, Ordo rerum
67, 1
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
2971
;
Gilman, a. a. O.
382, 18
;
Lauterbach, a. a. O. ; ;
Warnock, Pred. Paulis
11, 28
;
Kläui, Urk. Hermetschwil
68, 11
;
Steer, Schol. Gnadenl. 3, A
2
,
104
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
300
;
Reithmeier, a. a. O. ; ;
Rot
349
;
Schulz/Basler
4, 9
ff.;
Rwb ff. (mit weiteren Wortbildungen);
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 102
.
Vgl. ferner s. v. 2, 4, 1.
2.
›in der Eucharistie geweihte Hostie‹; auch (dann im Zusammenhang mit der zweifachen Gestalt des Sakraments): ›geweihter Wein‹; metonymisch: ›heilige Kommunion‹; ›Abendmahl‹; zentraler Bezugspunkt für theologische Reflexionen über den Glauben und seinen Ausdruck im frömmigkeitspraktischen Handeln, in reformatorischen Kontexten vor allem im Rekurs auf neutestamentliche Texte (vgl. Mt. 26, 17ff.; Mk. 14, 12ff.; Lk. 22, 14ff.; 1. Kor. 11, 23ff.), die die Einsetzung des Sakraments durch Christus selbst bezeugen (dann auch im Orientierungsfeld mit z. B. , 1, , 1, stehend); zugleich Gegenstand der innerreformatorischen Kontroverse um die reale Gegenwart von Leib und Blut Christi im Sakrament (Abendmahlsstreit).
Zur Sache:
Luther-Lexikon, hrsg. v. V. Leppin u. a.
29
ff.; 33ff.; ff.;
LThK
3, 1142
ff.;
Rgg
5, 1324
ff.; 1328ff.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): 2, 5,
1
1, 4, (
das
) 2, , , 1; 3, ,
1
9, 4, 1, , , 2, 1, 2, , , ; vgl. 3, 2, 4, (
der
) 4.
Gegensätze:
, , (
die
) 3; 4; 5, 2; 3.
Syntagmen:
das s. angreifen / essen / geben / leren / nemen / setzen / wandeln, klein teilen
, [wie] (z. B.
unwürdig, ane glauben, aus des priesters hand
)
empfangen, in der kirche aufheben, (in der monstranz) tragen, zu einem warzeichen nemen, zu einem trost eingesezt haben
;
j. das abendmal, brot und trank des herren ein s. nennen
(doppelter Akk.);
das s
. (Subj.)
der leib Christi selbst, eine gabe / eucharistie, (nicht) ein zeichen (des abwesenden leibs Christi) sein, in fleisch und blut verkert werden, verstolen, jm. versagt werden
, [wo]
inneliegen, jn. wieder essen
;
etw
. (Subj., z. B.
das andere stük im abendmal
)
das s. sein
;
jm. des sacramentes
(Gen.)
als klein als ein hirsekorn in dem mund werden
;
brot
(Subj.)
an dem s. in des herren leichnam gewandelt werden, j. (nicht) ane das s. sterben, der schwärmer aus dem s. ein blutszeichen, eine deutelei machen, Christus mit leib, blut und sele
(Subj.)
in dem s. sein, Christus, des herren leib und blut nicht in dem s. sein, nicht mer denne schlechtes brot und wein
(Subj.)
in dem s. sein, j. den herren in dem s. empfangen, jn
. [Christus]
in dem s. bei / vor sich haben, mit allen treuen in dem s. meinen, die gnade in dem s. finden, j. im s. alle gleich sein, die pfaffen
(Subj.)
leichtfertig mit dem s. handeln, das geistliche ampt
(Subj.)
jn. mit dem s. stärken / trösten, j. vom s. predigen, nicht recht glauben, etw. vom s. wissen, j. zum s. gehen, zu den sacramenten kommen
;
das s. des herren Jesu Christi, der liebe, beider gestalt
;
das s. in / unter beider(lei) gestalt
;
das heilige / (hoch)würdige s., die heiligen sacramente
;
der misbrauch, die arznei / einsetzung / erhebung / lästerung / ordnung des sacramentes, der ausgeber der sacramente
;
die kebse mit, die materie / schwärmerei von dem s
.
Wortbildungen
(im Bw teils mit und teils ohne Fugen-
s
):

˹
sacramentdiener
(dazu bdv.: 2),
sacramentsreicher
(dazu bdv.: , 1)˺ ›Seelsorger, der das Abendmahl vollzieht und den Gläubigen darreicht‹,
sacramenten
2 ›das Abendmahl nehmen‹ (v. 1526),
sacramenter
›Vertreter einer Irrlehre‹ (sowohl von Luther als auch von seinen Gegnern im Abendmahlsstreit polemisch gebraucht; dazu bdv.: ; vgl. ),
sacramenterei
(dazu bdv.: , ),
˹
sacramentgehäuse
,
sacrament(s)büchse
,
sacrament(s)haus
(dazu bdv.: 1; 2, 1; 2; 4, ),
sacraments|schaf
(dazu bdv.: 1)˺ ›Hostienbehälter, Tabernakel‹ (dazu bdv.: vgl. 3),
sacramentgeld
(dazu bdv.: , 1),
sacramentisch
jeweils tendenziell abwertend: 2 ›geweiht, als geweihte Hostie gespendet‹ (in der Fügung
sacramentisches brot
); 3 ›auf die Hostie ausgerichtet‹ (dazu ggs.: ),
˹
sacramentlästerer
(dazu bdv.: 3, , ),
sacramentsfeind
,
sacramentsrotte
,
sacrament(s)schänder
(dazu bdv.: , 2, ),
sacramentstürmer
˺ ›Gegner (Luthers) im Abendmahlsstreit‹ (dazu bdv.: vgl. ),
sacramentspeiser
›Christus als Stifter des Abendmahls‹ (dazu Orientierungsfeld:
2
2, 1; 2).

Belegblock:

Boon, St. Prätorius
49, 33
(
Ülzen
1579
):
las die Sacraments feinde deiner spotten.
Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
110, 3
(
preuß.
,
1437
/
8
):
1 cleyne buchse silberin, do das sacrament inne leit.
Anderson u. a., Flugschrr.
3, 8, 11
(
Wittenb.
1525
):
wenn der teuffel es so weyt brechte [...] das man glewben wuͤrde / das nicht mehr denn schlecht brot vnd weyn ym sacrament were.
Luther, WA (
1521
):
Was wyr glewben, das wyr empfahen, das empfahen wyr gewiß, der priester odder sacrament diener thu odder thu nit, schimpff odder heuchle.
Darnach erst, da er [Christus] sie wol zitteren und bedment gemacht hatte, setzte er dis Sacrament ein zu einem trost.
Ebd. (
1523
):
Wenn ich das sacrament esse, so yssets mich wider, eusserlich esse ich das Sacrament, ynnerlich aber und geistlich neme ich alle guter Christi und yn selbs.
Ebd. (
1524
):
denn ich [Karol] hab das Sacrament allein angryffen in dem ytzigen mißbrauch und hab nichts gemein mit dem geyst zuͦ Alstet in der materien vom sacrament.
Ebd. (
1527
):
kan ein schwermer hie aus dem blut, kelich, sacrament ein blutszeichen und deuteley machen.
Ebd.
415, 27
:
Da stehet Chrstius und sein Apostel Paulus, die setzen und geben beider gestalt des Sacraments.
Ebd. (
1528
):
der huͤte sich fur dem Zwingel [...], Denn der mensch ist gantz verkeret und hat Christum rein abe verloren, die andern sacramenter bleiben doch auff einem yrthum.
Ebd. (
1528
/
9
):
jtzt viel falscher Prediger, Rottenmeister und Schwarmgeister, Widerteuffer und Sacramentlesterer heimlich erein schleichen [...] und wenden die Leute von jren Pfarkirchen ab.
der grobe eusserliche misbrauch, da die Pfaffen auff den begengnissen und Kirchweyhung [...] so leicht fertig mit dem Sacrament handelten.
Wie er [Satan] jtzt thut durch unser Sacraments rotten und ander, welche auch eitel Schrifft widder uns furen.
Ebd. (
1535
):
Debetis orare, ut dominus maneat pfarrer, teuffer, Sacraments reicher i. e. ut serventur, ut ordinavit.
Ebd.
469, 15
:
Sed Christus verus baptisator, absolutor, lerer, prediger et Sacramentspeiser.
Ebd. (
1537
):
do kommen die Sacramenter und widdertewffer Mit yhren wurffeln, Wie wenß alßo hieß: Es soll nur wasser sein, Es soll nur Brod und wein sein?
Ebd. (
1541
):
Hat auch sein Wort, Tauffe, Sacrament, schluͤssel hinter sich gelassen, seiner Christenheit zu trost und heil.
Ebd. (
1545
):
heutigs tags geht herumb die Sacramenterey, Schwermerey, widerteufferey.
Ebd. (
1544
):
Aber im Sacrament sind wir alle gleich wie in einen kuchen gebacken.
Ebd.
31
:
Darumb ficht er [Teuffel] da einen, dort einen andern an [...], das man nicht recht vom Sacrament und andern Artickeln glaube und er ein trennung koͤnne anrichten.
Ebd.
501, 31
:
Wo ist denn mein wort? hab ich doch in meiner Kirchen Tauff, Sacrament, Absolutio unnd Predigt bestellt, das die menschen dadurch zu vergebung der sünden kummen.
Ebd. (
1544
):
[das Schwenckfeld] mir ubel nach redet sampt seinen Eutychern
[hier auf Schwenckfeldanhänger bezogen: ›Irrlehrer‹]
und Sacramentsschendern.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1564
):
in der nacht wart das sacramentz-schaff s. Jacob uffgebrochen.
Struck, Marienst. Wetzlar
1158, 32
(
hess.
,
1495
):
Eyn silbern ubberguldet sacramentsbüsße.
Skála, Egerer Urgichtenb.
13, 7
(
nwböhm.
,
1562
):
Vom Sacrament vnnd Kelch wieß Er nichts sein Sohn der schneider wisse Das ding alles.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
wie die Eleuatio oder Erhebung des Sacraments gleich so viel bedeutet.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
da verprent man in [clainen puben] zu Regenspurg, het die heilig sacramentpuchsen gestoln.
Sachs (
Nürnb.
1530
):
Durch gifft er [Heinrich der acht] doch sein leben end | Durch ein münnich im sacrament.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Du hast mich in dem sacramente vor dir und bi dir als gewerlich und eigenlich got und menschen.
Minneklicher herr, weder ist aber besser dik oder selten dich in dem wirdigen sacrament enphahen?
Schade, Sat. u. Pasqu. (
els.
1521
):
daß ir uns schuldig seind zuͦ opfern, zehenden zuͦ geben, beichtgelt, taufgelt, sacramentgelt.
Ebd. (
wmd.
1521
):
das mag ein ietlicher andechtiger mensch beten, so er [...] vor das sacramenthaus get.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Wiltu dan beichten zuͦ dem dot, | Begerst das sacramentisch brot
(dies zu 2a).
Karlstadt, Mit heyliger schrifft A
2r
(
Basel
1524
):
Die gemeine rede nent das abentmal des hern / oder des hern brot vnnd dranck / ein sacrament.
Ebd. F
1r
:
Deñ die sacramẽter sprechẽ selbs / dz das sacramentlich wesen vnsichtiglich / heimlich / vnd verborgẽ sei.
Ebd. F
4v
:
[Jn dem hymel] müssen wir Christum suͦchen / nit im sacrament / himelisch gedancken [...] haben / vñ nit sacramentische
(dies zu 2b).
Ders., Auslegung wort Christi d
4r, 17
(
Basel
1524
):
mein leyb wirt euch hernach / vñ nach diesem nachtmal / an dem kreütz / zuͦ einer speiß / vnnd nit in dem sacrament gegeben.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1071
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Dem von dem priester wolgeborn | Als klain wirt als ain hirs korn | Des sacerments in sinen mund.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
so wird min sun, diss sacrament, wunderbarlich in pluͦt und fleisch ogenbliklich verkert.
Bächtold, H. Salat (
halem.
,
1536
):
[Zwingli] uͤbt sich mit aller macht wider Andream von Carolstatt, so der erst sacramentstürmer was.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Sy haben des sacramentgehewß erstossen, das heylug sacrament
[dies zu 2]
darauß genomen.
[söllet man] das sacrament under bayderlay gestalt nemen und geben.
Bauer, Geiler. Pred.
472, 17
(
Augsb.
1508
):
hab fleiß / das nitt der mund / welicher geordnet ist zu hohen großsen dingen / darein zu enpfahen das hailig wirdig sacrament.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 60
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
wie chlain man tailt das sacrament, | doch wird die gothait nicht zetrent.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Eyn bischolff soldt an alle sindt sein und ein trewer außgeber der heyligen sacrament.
Reithmeier, B. v. Chiemsee (
München
1528
):
daz er anfanngs fürgenomen hab mess zelesen auf maynung dorinn das sacrament zewandeln nach aufsatzung gottes vnd der kirch.
Dasselb ist der leib christi, als das Sacrament der lieb.
Thielen, a. a. O.
63, 6
;
Luther, WA ; ;
481, 16
;
499, 5
; ; ; ; ;
179, 26
;
235, 33
;
417, 17
; ; ;
531, 24
; ; ;
32
; ;
Quint, Eckharts Pred. ;
ders., Eckharts Trakt. ;
Schmitt, Ordo rerum
59, 16
;
Mayer, Folz. Meisterl. ;
Krebs, Prot. Konst. Domkap. Protokoll
5140
;
Karlstadt, Mit heyliger schrifft A
2r
; C
1v
; E
1v
;
Lindqvist, a. a. O.
2159
;
Welti, Stadtr. Bern ;
Schib, H. Stockar
144, 32
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. ;
Baumann, a. a. O. ;
Schulz/Basler
4, 9
ff.;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vgl. ferner s. v. 1, 1.
3.
›Hostienbehälter; Tabernakel‹; generalisierend: ›das Allerheiligste‹; als Metonymie eng an 2 anschließbar.
Syntagmen:
j. das s. (an x stätten, zum xten mal) ausschütten
;
j. mit dem s. um die stat reiten
;
das heilige s
.;
das liecht des sacramentes
;
ein schlos vom s., ein becken, das ewige liecht vor dem s
.
Wortbildungen:
sacramentsfenster
.

Belegblock:

Jürges u. a., Waldecker Chron. (
wmd.
,
1546
):
1 schloß vom sacrament abgeschlagen.
Koeniger, Sendgerichte (
rib.
,
1553
):
sein auch die hern von capittel vors. schuldich ein brennende lamp vor der hilgen sacraments finstern allezeit zuhalten.
Engel, Rats-Chron. Würzb.
108, 4
(
nobd.
, Hs.
M. 17. Jh.
):
[hat man einen] mit glüenden zangen gerissen [...], darumb daß er das heylig sacrament zum virten mahl ausgeschütt hat.
Schib, H. Stockar
90, 1
(
halem.
,
1520
/
9
):
Uff pfingsten ratt ich mit dem sackerment und mit unserem hergott um die statt.
Hör, Urk. St. Veit
239, 8
(
moobd.
,
1449
):
[Elspeth Perckhoferin] hat disem gotzhaus von wegen aines ewigen liechts vor dem hochwurdigen sacrament [...] dreu pfundt pfennig [...] verschaft.
Engel, a. a. O.
20a, 5
;
Vgl. ferner s. v. 1, 2.
4.
in Ausrufen, Flüchen; anschließbar an 1; 2.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
.
Wortbildungen:
˹
sacramenten
3 (a. 1563; dazu bdv.: 2, 2),
sacramentieren
(a. 1641; dazu bdv.: 5,
2
5)˺ ›fluchen, Gott lästern‹.

Belegblock:

Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 382, 9
(
Hagenau
1534
):
Daß dich Gots Sacrament schenden. Was koͤnde Gottszlesterlicher geredt werden.
5.
abwertend mit Bezug auf: ›Frau, Ehefrau‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. , 1, 1, .

Belegblock:

Lichtenstein, Lindener. Katzip.
155
(o. O.
1558
):
[zwey bösse weiber] zanckten mit einander. [...]. Zuͦletzt hebt die kleine an zuͦweinen [...], dann die ander ein langes sacrament war, schier wie ein langer spyeß.
Ebd.
231
:
Wie im [gesell] aber sein heyliges sacrament die styfel abzog, fiel die wurst aus der stifel, und ward der diebstal offenbar.
6.
›(mittels zeichenhaften Handelns geleisteter) Treueeid, Diensteid (z. B. als Verpflichtung zum Kriegsdienst)‹.
Bedeutungsverwandte:
1; 2, , ; vgl. , 1.

Belegblock:

Rot
349
(
Augsb.
1571
):
Sacrament, Ein aydschwur / Sacramentum militare, Ein ayd der Kriegsleut / den sie jhrem Hauptmann thuͦn vnd schwoͤren / ein verlübung mit ayd.