panier,
banier
1
paner,
1
baner,
banner,
das
(meist) /
die
(seltener);
–/-Ø.
Eine regelhafte Verteilung der einzelnen Schreibungen nach Zeit und Raum ist nicht feststellbar, lediglich
paner / baner
ist für das Obd. mit erhöhter Häufigkeit belegt; die initiale
p-
und
b-
Schreibung halten sich ungefähr die Waage;
zu
mhd.
baniere
, dies aus
afrz.
baniere
›Feldzeichen‹
(;
Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 96/7
).
1.
›Banner, Feldzeichen, Fahne eines Truppenteils, einer Heeresabteilung‹, teilweise ›Hauptfahne einer Heeresabteilung‹; auch ›Hoheitszeichen, Symbol für bestimmte rechtliche Befugnisse (z. B. Symbol bei der Belehnung mit einem Fürstentum, für das Marktrecht, bei Versteigerungen)‹; in einigen Belegen ütr. oder in Bildern für geistliche und geistige Tatbestände.
Zur Sache:
Hrg
1, 311/2
.
Syntagmen:
das p. aufrichten / aufschalten / aufstossen / aufwerfen / ausstecken / aushängen / fliegen lassen / füren / tragen / schauen / sehen / austrecken / nemen / erwischen, jm. das p. angewinnen / geben, das p. in die hand nemen
;
das p.
(Subj.)
fliegen / hervorgehen / sich neigen / untergehen
;
dem p. nachfolgen / entgegenziehen
;
etw. in einem p. stehen, an dem p. ein zeichen füren, unter dem p. fliehen, unter dem p. reiszügig sein, unter dem p. sieglos werden, unter ein p. gehören, unter dem p. freveln, zu dem p. laufen / kommen, um das p. knien, mit dem p. ausziehen / heimziehen
;
p. Christi, p. des fogtes / abtes / markgrafen / königs / keisers / feindes / teufels / kreuzes
[genitivus explicativus]
/ reiches, p. der stat / siegnunft
;
achtbares / aufgerektes / aufgeworfenes / offenes / hochfliegendes / grosses / köstliches / schönes / fürstliches / königliches / österreichisches / christliches / eigenes / weisses p.
Wortbildungen:
panierfetze
›Bannertuch‹,
panierfüren
(Subst., ›Herumtragen der Fahne des Heiligen Moritz‹),
panierhauptman
,
panierknecht
›Fahnenträger‹ (dazu bdv.: vgl.  1),
panierleinwand
(dazu bdv.: vgl. ),
paniermacher
,
panierman
›Statue eines Gewappneten‹,
paniersak
›Sack für das Fahnentuch‹,
panierstok
1 ›Fahnenstange‹ (dazu bdv.: vgl. ),
panierwappen
›Wappenbanner‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
der keisir im vorlênte daz, | daz er sold an banire, | an wâpin, an zimire | vûrin des rîchîs zeichin.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
178, 3
(
preuß.
,
1414
):
eyne baner mit eyner beslaner stangen.
Ebd.
269, 7
(
1412
):
1 schog lyner strutterhozen, 1½ schog smaler wopenrocke, 2 hoͤrtucher, 32 elen banirlywand.
Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1565
/
6
):
Jm Jar 1561 ist des bannirführen unterlassen und abgebracht.
Voc. inc. teut. c
ijr
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Banirmacher Vexillifex.
Froning, Alsf. Passionssp.
3943
(
ohess.
,
1501 ff.
):
die baner sich selbest geneigt hat | widder myns herzcen neyge zwar!
Alberus
kk iiijr
(
Frankf.
1540
):
die spitz / der han / banier / wirbel vff dem hauß.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
5, 10
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
wann meiner freuden achtber banier ist mir leider undergangen.
Luther, WA (
1529
):
wenn ich ein kriegs man were und sehe zu felde ein Pfaffen⸗ odder creuͤtz pannier, [...], so wolt ich davon lauffen als iagt mich der Teuͤffel.
Pyritz, Minneburg
1753
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Mit einer zarten frawen clug, | Die in irn wißen henden trug | Ein panıͤr an einer lantzen.
Sachs (
Nürnb.
1550
):
Untrew, arglist füren das poner | Und haben auch sehr viel beywoner.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1382
/
91
):
das sú fliehent under die banier cristi.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
die wile warnetent sich die ussern burgere und zogetent von Munoltheimberge uf den berg zů Haldenburg und hieltent do mit ufgeworfener banner.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wan wenn das baner undergat, | Das selb tail sin rechten lat.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Das sú dú baner umb ufrecht | Truͤgent alle wol vil schlecht.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
4669
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Ir signust baner das was munder, | Das all ir vÿent lagend under.
Maaler (
Zürich
1561
):
Paner / Das oberst faͤnle.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1388
):
die von Regenspurg wurfen ain ander tor uff und zugen hinder die Bair mit offner banier.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Dy Schweitzer haben ir hochst panir aufgeworffen, do was dy marter Gotz an aim panir.
Niewöhner, Teichner
359, 144
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
er [teuffel] hat sein panir | und sein vaͤnel aus gestechet.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
hiess im der künig ainen swartzen puntschuech in ain weiss panier machen.
Munz, Füetrer. Persibein
405, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
vil panier auf gerichte | waren, vnnd auch zer spannen manig zellt.
Joachim, Marienb. Tresslerb. ; ;
Ziesemer, a. a. O.
266, 36
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
78, 6
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ; ;
Thiele, Minner. II,
30, 172
;
Wyss, Limb. Chron. ;
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. ;
Froning, Alsf. Passionssp.
3861
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe ;
Thür. Chron.
22v, 12
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 48
;
Sermon Thauleri
8v, 17
;
Pyritz, a. a. O.
2783
;
2923
;
2985, 3664
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
64, 42
;
Gille u. a., M. Beheim
110, 167
;
116, 95
;
328, 339
;
453, 62
;
83
;
918
;
Engel, Rats-Chron. Würzb.
19, 3
;
Karnein, Salm. u. Morolf
16, 21
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel ;
Lemmer, Brant. Narrensch.
85, 129
;
Kurz, Murner. Luth. Narr ;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich ;
Geier, Stadtr. Überl. ;
Roder, Stadtr. Villingen ;
Barack, a. a. O. ;
Koppitz, Trojanerkr. ; ; ;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
420
;
Päpke, a. a. O. ;
Lindqvist, a. a. O.
4733
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 18
;
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
8v, 27
;
17v, 7
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron. ;
Rennefahrt, Statut. Saanen ; ;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen ;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Merz, Urk. Lenzb.
125, 6
;
Koller, Ref. Siegmunds ; ;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin ;
Brandstetter, Wigoleis
207, 29
;
232, 14
;
Barack, Zim. Chron. ;
Rauwolf. Raiß ;
Munz, a. a. O.
271, 7
;
Spiller, a. a. O. ;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
232, 3
;
246, 4
;
459, 7
;
Grossmann, a. a. O. ; ; ;
Rechn. Kronstadt
3, 537, 41
;
Bremer, Voc. opt.
26015
;
Schmitt, Ordo rerum
101, 25
; WMU
1, 141
;
Voc. inc. teut. c
ijr
; s
ijr
; s
iv
;
Golius
163
;
Rosenqvist, Frz. Einfluß.
1932, 80/1
;
1943, 172
;
175
;
Scherzius
93
;
Haltaus
102
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 226/7
;
5, 45
;
Öst. Wb.
2, 240/1
;
Schulz/Basler
2, 305
;
Schmitt, Urkundenspr.
1936, 128
;
Dauner, Obd. Bibelgl. ;
Schütt, A. Petris Bibelgl.
1908, 62
;
Dehnhardt, Metaphorik d. Mystiker.
1940, 19
.
2.
›Heeresabteilung, die sich um ein Banner schart‹; Metonymie zu 1 und davon in einer relativ hohen Anzahl von Belegen nicht eindeutig abgrenzbar.
Bedeutungsverwandte:
, (
das
1, ; vgl. .
Syntagmen:
das p. füren / ordnen / schwächen
;
p.
(Subj.)
kommen / streiten
;
mit dem p. ausziehen / kommen / reiten / [wohin] ziehen / [irgendwo] liegen, von dem p. flüchtig werden / fliehen, sich zu dem p. hinscharen, zu dem p. gehören, jn. zu dem p. kiesen
;
p. der feinde.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
4, 42, 30
(
preuß.
,
1453
):
die banner im felde als wol zu dirkennen steet, sere geschweghet werden.
Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
da entusschen quam der Rait mit synen vruͤnden an dat Bannyer Ind sloigen der eyn deil da neder.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Dy sachssen worden des fro unnd quomen mit achte bannern.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
um 1390
):
man sol auch einen vom rate biten, daz er bey der panir sey.
Gille u. a., M. Beheim
104, 333
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
do ordent man dy paner, | Yegliches het zwai tausent man.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
um 1400
):
wer aber von dem baner flúchtig ẃrd, den sol man buͤssen an lib und an gůt.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der küng der vigend ward gewar, | Die mitt panier und mitt schar | So hürttenklichen hieltten.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1445
):
welche baner und land oder ortt von erst gan Thun kumpt.
Jörg, Salat. Reformationschr.
578, 14
(
halem.
,
1534
/
5
):
Dahin dann ouch die paner von Lucern kamm / und ward das vennlj undergeschlagen.
Ebd.
719, 21
:
uf corporis Cristi / hatt man gsen zwo panern am himel mit ein andern stryten.
Müller, Grafsch. Hohenb.
2, 158, 35
(
schwäb.
,
1440
/
1
):
Alz man zu Ärgentzingen mit dem banner gantz lag.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Tzu hant er sich vil snelle schart | Tzu der veinde panir hin.
Thiele, a. a. O. ;
Thür. Chron.
2v, 16
;
Gille u. a., a. a. O.
453, 63
;
Geier, a. a. O. ;
Welti, Stadtr. Bern ; ;
Rennefahrt, Stadtr. Bern ;
ders., Recht Laupen ;
Müller, a. a. O.
2, 108, 28
;
3.
phras.
unter dem panier
›unter gerichtlicher Aufsicht‹.
Syntagmen:
etw. unter dem p. kaufen / verganten.
Wortbildungen:
panierkäufel
›Leiter einer Versteigerung unter gerichtlicher Aufsicht‹.

Belegblock:

Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1510
):
adi 12 augusto kauft ein kupfferen wasserczuber am Marckt untter dem paner.