leinen,
2
lenen
(letzteres seltener),
V.;
zu
mhd.
leinen, lënen
›lehnen‹
(Lexer
1, 1868
; 1880; zum Zusammenfall von
leinen
und
lënen
s. Dwb
6, 547
 f.).
1.
›etw. / sich an etw. (Haltgebendes) anlehnen, sich gegen etw. lehnen‹; offen zu 2.
Wortbildungen:
leinbank
,
lenbank
›Bank mit Rückenlehne‹ (a. 1543/4).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 1. Kön.
7, 30
(
Wittenb.
1545
):
auff den vier ecken [des gestüles] waren achseln gegossen / [...] / vnten an den Kessel gelehnet.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
396, 8187
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Der mensche bi di kirche trat | und an di want sich leinte.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 111, 12
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
˺):
doch mac daz wort [’vrouwe’] wol sprechen meit, sit got wolte ez dar leinen
(›ein Wort an etw. anlehnen‹).
Loose, Tuchers Haushaltb.
128, 34
(
nürnb.
,
1516
):
4 jener fur 3 vorpenck mit glenttern, daran man sich lainet.
Mayer, Folz. Meisterl.
92, 88
(
nobd.
,
1517
/
8
):
Er lein sich an mich here.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
510, 9
(
nobd.
,
n. 1525
):
als Steffan [...] an den markt fur das rathaws gienge und daselbst [...] an aim goltschmidladen lainte.
Bächtold, N. Manuel. Klagr.
253, 525
(o. O.
1528
):
Darumb lass iederman von sim bschiss, | Dann die ax leinet am bom!
Bihlmeyer, Seuse
210, 26
(
alem.
,
14. Jh.
):
Der muͤde zarte rugge hate an dem ruhen krúz ein hertes lenen.
Brandstetter, Wigoleis
212, 6
(
Augsb.
1493
):
richtet er sich auf vnd leynet sich an einen baum.
Chron. Augsb.
2, 36, 14
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
hett man zu in geschoßen [...], als sie die laitern an den turn lainten.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 163, 16
(
moobd.
,
1524
):
Ob auch yemandts [...] ain prennholz vor seinem hauß [...] nyderlegt, der soll das bey verlierung deselben Holz, vber vier tag nit ligen, oder laynen lassen.
Bell, G. Hager
616, 2, 5
;
Rieder, St. Georg. Pred.
334, 10
;
Dertsch, Urk. Kaufb.
1189
;
Chron. Augsb.
4, 99, 13
;
6, 50, 10
;
Barack, Zim. Chron.
1, 371, 34
;
4, 283, 2
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
84, 1
;
Pfälz. Wb.
4, 881
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
218
;
Schweiz. Id.
3, 1283
;
Öst. Wb.
2, 223
.
Vgl. ferner s. v.
1
 4.
2.
›sich auf etw. (z. B. einen Stab, einen Stock) / jn. beugen, stützen‹; mehrfach ütr.: ›sich auf etw. / jn. verlassen, auf js. Hilfe und Unterstützung vertrauen; seine Grundlage, Basis auf etw. haben; sich auf etw. berufen‹; ›etw. / jn. (auf etw.) stützen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ,  12, .
Wortbildungen:
leinholz
›Stützholz‹,
leinstab
,
lenestab
›Stütze, Krücke‹.

Belegblock:

Schöpper
10a
(
Dortm.
1550
):
Jrgend vff fussen stehen leynen stewren hefften stuͤtzen.
Luther, WA
12, 602, 13
(
1523
):
Hertzliche zuvorsicht sal sich lehnen allein uff Gott.
Ebd.
16, 238, 31
(
1524
):
Der Stab dienet dazu, das er dem Menschen hilfft im gehen und er sich drauff lehnen koͤnne.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
49, 166
(
Magdeb.
1608
):
[Der] Lehent sich auff die lincke Hand.
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
528
(
preuß.
,
1331
):
O richter Got, in [mensch] leyne | Und rich in uz der asche, | Daz én der swarcze lasche | [...] icht nœte.
Ebd.
3016
:
Nywn uf iren vridel truͦt | Di sel sich leine.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
8454
(
rib.
,
1444
):
He is geck de sich op mich leynt, | We wale dat he des neit en meynt.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
157, 30
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Da mit lenete sy ir heubt vff ir hende.
Voc. inc. teut. o iijr (
Speyer
um 1483
/
4
):
Leine͂ mit den elboge͂ vff [...].
Voc. Teut.-Lat. s ijv (
Nürnb.
1482
):
Laynstab [...] darauf mã ruet. od’ kruck.
Gille u. a., M. Beheim
108, 49
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ich hon aber kain hilffe | Noch kainen trost mit nichte, | nach ainen stab, dar auff ich mich | gelainen mög.
Chron. Nürnb.
5, 626, 1
(
nobd.
,
E. 15.
 /
A. 16. Jh.
):
pis an das unter lang leinholtz oder pretten am alten flaischhaus.
Sachs
17, 208, 18
(
Nürnb.
1557
):
Und muß auch gehn an zweyen krucken. | Thut sie der buckel wider jucken, | Mögen sie sich mehr an uns leynen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
10, 332, 8
(
Straßb.
1466
):
wann sy sich leinten an die hilff dez almechtigen gottes.
Vetter, Pred. Taulers
213, 2
(
els.
,
1359
):
leine dich zartlichen und guͦtlichen an dinen guͦten Got.
Kirchert u. a., FClos / JTwi Po
10
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Podius [...] lenestap oder krucke.
Merk, Stadtr. Neuenb.
94, 25
(
nalem.
,
1510
):
diewil sich die gerurten urteilen und leutrungen alweg uf den alten bruch lenten, [...] sollten solh weid und holz von inen emphahen.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 261, 22
(
halem.
,
n. 1529
):
so gruset mir ab des Luthers truz, dennocht an der verwoͤnten kilchen gwalt und bruch leinende.
hail. altvaͤter
72v, 8
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
do lainet er sich vber sinen stab vnd sprach [...].
Bauer, Geiler. Pred.
94, 12
(
Augsb.
1508
):
also laßet er hend und fuͤß und alle krefft / und lainet sich gantz auff got.
Winter, Nöst. Weist.
4, 207, 29
(
moobd.
,
1577
):
er soll aber lainen auf seinem kolben biß so lang er das seidl wein außtrinkt.
Luther, WA
10, 3, 162, 17
;
3.
›etw. / (auch:) sich hinlegen, hinstellen, etw. auf jn. legen‹; auch: ›sich wo aufhalten‹.

Belegblock:

Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
820, 3
(Hs.
A. 15. Jh.
):
zu im leite sich der bracke, der helfant leinen sich began.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 526, 10
(
Nürnb.
1631
):
Ein schweres Creutz ward auff jhn geleint.
Sermon Thauleri
15rb, 17
(
Leipzig
1498
):
das wir einen spiegel vor vns leyneten alle tzeit in dez wir in einen blicke alle dinck sehenn.
Gille u. a., M. Beheim
40, 68
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
also wart | an aller art | geoffenborent | Und auch erkant | sein leinent hie | auf sneler vart.
Sachs
10, 60, 34
(
Nürnb.
1533
):
Laint euch unter den schatten süß | Deß baumes.
Bell, G. Hager
428, 1, 5
(
nobd.
,
1594
):
wenn der ein schiens pilt machen det, | So leinet er das für sein Haus all zeite | an die sunen.
Chron. Augsb.
8, 23, 25
(
schwäb.
, zu
1563
):
da ist der jung gesell [...] herfürgewischt, des manns spieß, (so er von im gelaint), gezuckt und darmit auf den mann dargeschlagen.
Niewöhner, Teichner
61, 24
(
moobd.
,
1360
/
70
):
als ein swein daz sich gerainet | und sich zu hant hin wider lainet | in der alten lachen fluet.
Ebd.
325, 76
:
wa der mensch dann wirt gelainet, | da muez er ewichleich bestan.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
88, 17
(
smoobd.
,
1426
):
wan dann das schef aufhin gelaint wirt, so sol es nicht geschoppt werden, es sei vor beschawet mit dem pfleger
(möglicherweise semantisch angelehnt an
leine
).
4.
›liegen‹.

Belegblock:

Sachs
20, 117, 2
(
Nürnb.
1560
):
wenn er offt die zech sol rechen, | So leint er da und ist stüdvol.
Ebd.
20, 226, 21
(
1560
):
Sie heben in auff ein banck, da leinet er kräncklich.
Turmair
4, 538, 4
(
moobd.
,
1522
/
33
):
(Dicitiacus) lainet auf seiner pafesen, die er im überal ließ nachtragen.
5.
›sich in eine bestimmte Richtung bewegen / wenden, sich wohin neigen; sich e. S. zuwenden, sich mit etw. abgeben‹; hier anschließbar: ›sich über etw. (eine Stadt) ergießen, etw. überschwemmen‹.

Belegblock:

Bobertag, Faust
236, 30
(
Frankf.
1587
):
[diser Doctor] leynete sich derhalben zu D. Fausto vnter das Fenster vmb die helle deß Himmels [...] zuerkuͦndigen.
Hübner, Buch Daniel
7038
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Der kunic wirt sich leynen | Heimwert kein sime lande.
Ebd.
7456
:
Ir sinne wart sich leinen | Niderwert und ir ougen | Uf den ertbodim bougen | Senende.
Adrian, Saelden Hort
10341
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
si [die wind] taten die galinen | sich lainen uf und dann nider.
Merk, Stadtr. Neuenb.
83, 37
(
nalem.
,
1496
):
dwil sich der Rinsträm mit gewalt uf die stat gelent hätt.
Klein, Oswald
115, 18
(
oobd.
,
n. 1438
):
Zwar der bedarf gelückes wol, | das er sein dienst nutzlichen lain.
Niewöhner, Teichner
283, 19
(
moobd.
,
1360
/
70
):
also ist der schuldig, | wann er sich zu suͤnden lainet.
6.
›sich gegen etw. (z. B. ein Gebot) auflehnen, gegen etw. aufbegehren; sich gegen jn. in Bewegung setzen, gegen jn. streiten, kämpfen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
2, 99, 20
(
Frankf.
1557
):
Drumb sich ein jeder fuͤr soll sehen, | Sich nit wider ein starcken lehen, | Ders jm kan zwifach wider geben.
Hübner, Buch Daniel
5108
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Wer sich da wider leine | Versmehende disse dinc | Den werfe man ane winc | Hin in die gruft der lewen.
Anderson u. a., Flugschrr.
21, 4, 2
([
Zwickau
]
1525
):
Das aber etlich widder Christen [...] wider solche anmutunge vnd begerung sich lenen.
Fastnachtsp.
200, 21
(
nobd.
,
v. 1486
):
Sagt, wie bleibt ir dan vor den feinten, | Die sich ie an eur kloster leinten?
Vgl. ferner s. v.  4.
7.
›etw. ablehnen, verneinen‹.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
2, 347, 9
(
nobd.
,
1449
):
das [solche panier ab zu tun] in aber durch den rate alczit [...] geleint, abgeslagen, und versagt ward.
8.
›etw. in die Länge ziehen‹.
Bedeutungsverwandte:
2
.

Belegblock:

Schweiz. Id.
3, 1283
(a. 
1536
).