geitig,
Adj.,
geitiglich(en),
Adv.
1.
›gierig, begierig, habsüchtig, verlangend, geizig‹;
vgl. .
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhaltes, chronikalische und berichtene Texte.
Bedeutungsverwandte:
, , ,  14, (Adj.).
Syntagmen:
der geitige amptman / könig / man / mensch / pfaffe / richter / wucherer, der geitige bauch / mund / schlund
.

Belegblock:

Ettmüller, Heinr. v. Meißen
93, 15
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
des gitic munt | reht als ein slunt | sus üebet mort ûf niuwen vunt.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
24, 14
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
ein geitiger slunt, ein stinkender leimtigel, ein übelriechender harmkrug.
Quint, Eckharts Trakt.
18, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Er sprichet ouch anderswâ, daz der alze gitic ist, dem an gote aleine niht engenüegete.
Chron. Nürnb.
3, 40, 5
(
nobd.
,
1488
):
also werten sie sich der geitigen Römer.
Ebd.
3, 83, 20
:
darnach wurden die kaiser gar geitig und verkauften die abtei und bistumb.
Gille u. a., M. Beheim
234, 20
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das ist nicht cristenleich gelebt, | das ir so geitigcleichen strebt | nach unfertiger habe.
Ebd.
246, 32
:
Neidig und hessig, pos und ark | und ungetreu, geitik und kark.
Eichler, Ruusbr. steen
931
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
so enspringet in vns ein giriger gytiger gelust, der also hvngerig vnd also tief vnd also itel ist.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 261, 15
(
Straßb.
1466
):
Wann welchs ist die zuͦuersichte des trúgner ob er zúcket geytiglich.
Morrall, Mandev. Reiseb.
174, 26
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
Sie sind nit hochfertig noch gitig noch unkúnsch.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 67, 186
(
schwäb.
,
1471
):
Nun hört, wie sy die würst | So geitticlich verschlunden.
Chron. Augsb.
3, 372, 3
(
schwäb.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
Nun was der Schwarz gar geittig auf guet.
Barack, Zim. Chron.
1, 486, 12
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Derselbig ist nu bei seinen lebzeiten ain sollich geitig man gewest, das er all sein sinn und gedanken auf zeitlich gut gelegt.
Rieder, St. Georg. Pred.
190, 33
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
swie schoͤn und wie luter silber und gold ist, so fleket es doch den gitigen mentschen.
Wyss, Luz. Ostersp.
6663
(
Luzern
1545
):
Judas der gyttigen vatter war, | der nydigen ouch, ist offenbar.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
232, 16
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei dem tier verstên ich die geitigen amtläut, rihter, scherigen und ander abreizer.
Primisser, Suchenwirt
32, 16
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dein geitichleich begierde | Vil dikche nymt ein swaches guet.
Niewöhner, Teichner
564, 2251
(
moobd.
,
n. 1400
):
daz er gert in seinem mut | geitichleichen nacht und tag.
Drescher, Hartlieb. Caes.
352, 10
(
moobd.
,
1456
/
67
):
da huͤb sy an zu keẃen und essen gar geitigleich.
Roth, E. v. Wildenberg
17, 30
(
moobd.
,
v. 1493
):
in solhem ungewiter [...] stellt sich Varus Quintili nach romischer art und siten mit dreien legion [...] gar hochfertigklich und geitig wider die undertan der Dewtzschen.
Bauer, Imitatio Haller
76, 14
(
tir.
,
1466
):
Der neidig vnd der geittig mensch die haben nimmer kchain rue.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
136, 24
(
Venedig
1483
):
Also merckestu nuͤn wol daz die geitigen lewt armen lewten das ir vor haltent.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 335, 27
;
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 55, 17
;
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 73, 19;
Voc. Teut.-Lat. k viiiv;
Maaler
181r
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
128
;
148
;
Schwäb. Wb.
3, 249
;
Schweiz. Id.
2, 506
.
2.
›arbeitsam, emsig, fleißig‹ (nur vereinzelt belegt).

Belegblock:

Adomatis u. a., J. Murer. J Man. Spieg.
939
(
Zürich
1560
):
Der Wirt der ist ein gytig man | mag nüt uff froͤud und kurtzwyl han.
Schweiz. Id.
2, 506
.