gebrechen,
V., unr. abl.
1.
›aufbrechen, aufplatzen‹;
zu
4
 1.

Belegblock:

Ott-Voigtländer, Rezeptar
210v, 25
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Der ain geswer / oder ain blater hab, der nem bǒmoͤl vnd salbe sich, e si gebreche.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
12, 26
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Wanne e die natur eitel lid, e prech ain erein hafen von geprechen ains linsenkornes, ob der hafen als dike wer piz an den himel.
Schmitt, Ordo rerum
608, 36
;
Voc. Teut.-Lat.
l vijv
;
Weber, Oswald. ;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 32
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 177
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 138
f.;
Dietz, Wb. Luther
2, 27
;
2.
absolut: mit Subj., das den Gegenstand des Mangels angibt; häufiger auch mit Dat. d. P. ›fehlen, ermangeln, nicht ausreichen‹;
zu
4
 10.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1, ,  4,
1
 13.
Syntagmen:
gelt / kost / licht / liebe / lon / narung / wasser
(alle Subj.)
g
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Entberen fälen gebrechen gerathen mangeln entrathen.
Froning, Alsf. Passionssp.
3211
(
ohess.
,
1501ff.
):
gebrichet dir etwas, so rede und mit nichte swig.
Feudel, Evangelistar
110, 9
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
alle dese dynk han ich behalden von myner jugent, waz gebricht mir mer?
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
8, 14
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
wann narung würde in gebrechen, die erde würde in zu enge.
Jostes, Eckhart
42, 11
(
14. Jh.
):
Noch gebricht dir: daz du mensch pist.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4437
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
der tuvel forchtet der kuscheid nicht | wanne ir gotliche liebe gebricht.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
11, 13
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Do gebrach ym kost uf der burg.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
385, 3778
(
Zwickau
um 1540
):
Ob uns zu diser grossen freundligkeit / | Gebrechen wird des tages schein und zeit / | So nemen wir die halbe nacht darzu.
Opitz. Poeterey
48, 13
(
Breslau
1624
):
Ist es minder doch zue achten / | Wann der liebe lohn gebricht.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Allein die erkantnüs geprach | Des pildes halben, mensch, verste.
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Was fehlt oder gebrichet dir?
Ebd. (
Nürnb.
1559
):
Er an dem harm wol sehen kan | Was meim bawren gebrechen thut.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da was derselb burgermeister frisch und gesund [...] und geprach im nichts.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
59, 5
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Seit nu der mone kain aigen lieht hat und allen seinen schein nimet von der sunnen, so gepricht dem monen sein lieht.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
170, 6
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
Nu geprecht dem, der daz pferd verkauft hat, 1/2 fl.
3.
mit Dat. d. P./S. und Gen. d. S. oder präpositionalem Anschluss mittels
an
: ›an etw. Mangel haben, etw. entbehren müssen‹;
zu
4
 10.
Bedeutungsverwandte:
4
 10,
1
 2.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
22, 13
(
Hamburg
1646
):
Verstehestu dis noch nicht, so wiße das dir mangele vnd gebreche des geistes zeugnis.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
si ist ein born dem nimmer gebrichet wazzers, her hat vlizendez wazzer.
Froning, Alsf. Passionssp.
3389
(
ohess.
,
1501ff.
):
Frunt Judas, nu sage mer, | was begerestu adder wes gebrichet der?
Feudel, Evangelistar
10, 23
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Do des wynes gebrach, do sprach Jesus muter czu ym.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Nimmer dir gebrechen sol | Gutis ewiclichen vort.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz der zimberman niht ein schœne hûs gewürken enkan ûz wurmihtem holze, daz enist sîn schult; ez gebrichet an dem holze.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Gebrichet dir niht an dem willen dan aleine an der maht, in der wârheit, vor gote hâst dû ez allez getân.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
dor mete qwomen sie uss alle yres clostirs vorbesichtigkeit, das on gebrach speise unde trankes unde futirs.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 14, 14
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
In Kärnten ritterschaft ich sach, | in Beiern Otten des nie gebrach.
Gille u. a., M. Beheim
221, 59
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das er im versech | mit prot, wann im der speis geprech.
Sachs, (
nürnb.
1524
):
Wenn ir fasten welt, so lat ewrem hawpt der salben nit gebrechen.
4.
mit Akk. d. S., auch mit präp. Anschluss (
an, gegen
): ›gegen jn. / etw. zuwiderhandeln, verstoßen, etw. missachten‹;
vgl.
4
 824.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Do Lucifer verstozen wart, | [...] Do gedachte der mortwise: | Gebrech Adam an dem rise | Sines schepperes gebot, | So verstieze in och Got.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
gebricht eyn man kegen der burkor.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
und gabent uns dez ain regel da bi daz den hymel und ander creature nieman gebrechen mag.
Piirainen, Stadtr. Sillein
91a, 30
f.(
sslow. inseldt.
,
1378
):
geprichet er daz also dicke hot der richter seyn gewette.