gebrechen,
der
, auch
das
;
-s/-Ø
,
gebrech,
der
, auch
das
;
-s/-e
;
zu
mhd.
gebrëche
›Abgang, Mangel, Gebrechen‹
(Lexer
1, 759
).
1.
›Mangel, Fehler, Missstand, Schaden‹;
zu  1,
1
 1; vgl. (
der/das
23.
Bedeutungsverwandte:
 1, (
der
2,
1
 5,
2
, , ,  1,  2, ,  3,
1
 236, (
die
10, , .
Syntagmen:
den/das g. ansehen / besichtigen / bessern / beweisen / erkennen / erkunden / haben / vorbringen, g. an etw. haben; g. an futter / gelt / speise
.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
114, 32
(
preuß.
,
1403
):
31 m. an 1 fird. vor ouchszen, do mete man der kochen geholffen hat, als sie gebrechen am fleissche hatte.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 110, 23
(
preuß.
,
1408
):
haben dy ritter und knechte sampt myt den steten dys landes eczliche des landes gebrechen unserm heren homeister in schriften obergeben.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 43
(
Thorn
1584
):
wirt abir ym gebrechen an syme geweren, her mus dem manne syn gut wedir geben ane schaden.
Helbig, Qu. Wirtsch.
4, 128, 27
(
md.
,
1499
/
1500
):
es sollen vier obman, auß allen gewerken gekoren vnd geordent werden wu die gebrechen erkennen.
Wyss, Limb. Chron.
55, 26
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
daz malder habern galt dru punt haller, unde hatten arme lude großen gebrechen unde gemangel.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 569, 15
(
rib.
,
1499
):
Doch ich hadde verdraegen mit Heinrych zaliger des geldes halven zo bzaelen und dat gebrech zo bwiszen, min hoesze nae mir zo nemen.
Chron. Köln
2, 432, 22
(
Köln
1499
):
ind loit die heren ind fursten alle zo dem essen ind wolde in die punten mit me gebrechs goitlichen vurlegen.
Schöpper
55a
(
Dortm.
1550
):
Armut darb kummer notturfft duͤrfftigkeit gebreste gebrech.
Schmidt, St. Kastorst.
2, 468, 37
(
mosfrk.
,
1465
):
was wir vor geboden ham, des syn wir noch willig uch gerecht zu werden umb alles, das ir gebrechs an uns meynet zu ham.
Chron. Mainz
1, 74, 20
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
sal der rat gemeinliche odir der merer deil an der abgangen stat uß der siten, da dan gebreche weren, ein odir mee [...] kiesen of den eid.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
398, 12
(
hess.
,
1473
):
also bitten wir die meister alle gemeynclich, daz ir unßern gebrechen unsers handwercks gnediglich offnemen wolt von unser und von der gemeyn wegen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
1690
(
omd.
,
1338
):
Want Got in sinen engeln vant | Gebreche und bosheit.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
102, 21
(
omd.
,
um 1559
):
sollen berckmeister [...] die gebrechen aufs fleissigist befharen und besichtigen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
710, 7
(
thür.
,
1421
):
dornoch alsso sie gebrechin ledin an füerwercke unde ouch an andern dyngen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
53, 77
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wan di wirt gesneten loss, | so lernet her danne sprechen | di worte ane gebrechen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
18, 6
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
di pfert ouch gebrechin han an vutir.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
183, 1
(
osächs.
,
1532
):
haben die gewerken [...] etliche gebrechen des bergwerks halben schrifftlich furgetragen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 104, 1
(
schles.
,
1546
):
welche auf solch sein anzeigen die zechen aufs vleissigste befaren besichtigen und die gebrechen erkunden sollen.
Pyritz, Minneburg
3644
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Turn und erker musten lyden | Lytlich gebrechen von den plyden.
Gille u. a., M. Beheim
109, 83
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der gotes dienst wurt ser zerstrait. | dar zu wurt er von der pfaffheit | vil geprechen erkennen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
70, 21
(
Nürnb.
1548
):
Sonder es koͤnnen wol solche mengel vnd gebrechen dir darzu dienen / das du dest fleissiger dich an Gottes wort / an das gebet vnd glauben haltest.
Sappler, H. Kaufringer
20, 65
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
er [schuochster] gieng zuo ainem vorsprech weis; | dem offnet er do vil leis | den geprechen, den er hett.
Bihlmeyer, Seuse
528, 13
(
alem.
,
14. Jh.
):
so foͤrt er die gebrechen ins fegefeür und werden da ab geschuert.
Bastian u. a., Regensb. UB
77, 41
(
oobd.
,
1356
):
daz wir haben angesehen den gebrechen und mangel, den unser lant ze Payern und die stat ze Regenspurck an holtze hat.
Gereke, Seifrits Alex.
3688
(
oobd.
, Hs.
1466
):
wer die sein | von den du hast den schaden dein | und auch dissen geprechen.
Dirr, Münchner Stadtr.
375, 6
(
moobd.
,
um 1365
):
wann die lawt unczher von irr unstaetickait grossen gebrechen und bechumernus gehabt haben.
Turmair
4, 962, 31
(
moobd.
,
1522
/
33
):
si litten gar grossen hunger in der stat, hetten grossen mangl und gebrechen an allen dingen.
Schmitt, Ordo rerum
293, 11
;
Voc. Teut.-Lat.
l viijr
;
Voc. inc. teut. h
iijv
;
Dasypodius
115r
;
Serranus
77r
;
Henisch
1395
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 140
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 32
;
Dietz, Wb. Luther
2, 27
;
Dief./Wü.
605
;
Pfälz. Wb.
3, 94
;
Bad. Wb.
2, 314
;
Schwäb. Wb.
3, 134
;
Schweiz. Id.
5, 314
;
Öst. Wb.
3, 804
;
Rwb
3, 1284
 f.
2.
›Krankheit, Gebrechen, Leiden, (körperliche, geistige, charakterliche) Schwäche‹;
zu  2,
1
 2.
Bedeutungsverwandte:
(
der
3,  2,  1,  5, (
das
1,
1
 5.
Syntagmen:
g. bekennen / finden / heilen / merken / vernemen / verstehen / vorhalten; gemeines / grosses / menschliches g
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
497, 15
(
Lübeck
1639
):
Kayser Augustus hat die Menschliche Gebrechen also pflegen zu vnterscheyden / das theils von der Natur erspriessen theils vom Gemüth.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
180, 4152
(
Magdeb.
1608
):
Von Balsam der in einer stund / | Alle gebrechen heilen kunt.
Luther, WA
48, 275, 3
(
1525
):
mein lieber her Jesu criste, dw erkennest mein arme sele, vnd meynen grossen gebrechen, den ich dir allein mit offenem herczen klage.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
49, 5
(
Frankf./O.
1557
):
Die Schrifft aber helt uns der lieben Heiligen suͤnde und gebrechen fuͤr.
Reissenberger, Väterb.
20274
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Der lip was im stete kranc | Durch den gebrechen der in twanc.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
3, 84, 21
(
hess.
,
1548
):
die andern alle sind alt, krank, lam und mit plagen und gebrechen beladen.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
16, 21
(
Frankf./M.
1563
):
Beyfuͦß ist zu vilen gebrechen nutzlich.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
27, 11
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
in zweifel bin ich, wo ich hin keren so, mit gebrechen ist bekümert aller leut anstalt.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
41, 6
(
omd.
,
1487
):
Wen sich weÿber Jn vill gemeltten gebrechen beswertt irkennen vnd als dan von ÿren mannen vnbewust zcu bezcalūg ehlicher wergk gefordertt.
Strauch, Par. anime int.
12, 10
(
thür.
,
14. Jh.
):
wanne dan di sele bekennit irin schadin und den gebrechin den si hait inphangin fon den sunden.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
736, 14
(
thür.
,
1421
):
etzliche reiche burger, die yn dem radt zu Isenache nicht gut gnugk waren unde di man umbe yren gebrechen nicht doryn kissen wolden.
Thiele, Chron. Stolle
91, 2
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Frowe sophia [...] vor nam den gebrechen sente elsebeten, or momen, den sy in der stat isenache leyd.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
84, 1
(
Nürnb.
,
1446
):
Wann er thet grosse wunder zaichen in alle die, die do geprechen hetten.
Gille u. a., M. Beheim
81, 116
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das pedeüt die menschen, secht, | die got der herr gaiselt und slecht | mit armut, chrankait, plöden | Geprechen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 505, 5
(
Nürnb.
1631
):
Sie traff den rechten Artzen an, | Der jhr Gebrech verstundte.
Sappler, H. Kaufringer
25, 1
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
Siben geprechen ungesunt | sint dem leib ain swarer pund. | welicher mensch der ainen hat, es mag im nicht wol werden rat.
Chron. Augsb.
2, 137, 8
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
ich [...] lag auch in großer krankhait und hett den geprechen an zwaien enden.
Memminger Chron. Beschr.
31, 21
(
Ulm
1660
):
auch kalte Geschwulsten zuvertreiben / sowoln auch andere Gebrechen / so denen nechst verwandt seynd / zu heilen.
Goldammer, Paracelsus
7, 178, 6
(
1530
):
wann der sein frau verlässet von leiblicher gebrechen wegen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
15, 20
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der geprech kümpt oft von dem hirn.
Ebd.
415, 8
:
daz kraut [...] ist guot für der pain siehtum oder der füez geprechen.
Drescher, Hartlieb. Caes.
28, 20
(
moobd.
,
1456
/
67
):
dy [tochter] pat den jungen anhãbikleich, ob er ichts erczney fu͂r sõlchen irn geprechen weszt.
Chron. baier. Städte.
347, 18
(
moobd.
,
1503
):
des Jars ist ain gemainer Gebrechen gewest, das die Leit am Haubtwee gestorben sündt.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
67, 3
(
um 1571
, Hs.
1615
):
ob derselbe einen gebrehen oder mangl am Leibe hab.
3.
›Streit, Streitigkeit(en), Zwist, Auseinandersetzung‹;
vgl.
4
 8.
Bedeutungsverwandte:
 3, ,  5, .
Syntagmen:
den/das g. besichtigen / entscheiden / hören / vorbringen
.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
5, 82, 11
(
md.
,
1524
):
so solle beede partheien zwen [...] erwelen, welche die gebrechen zwischen inen notturftiglich verhoren.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
107, 14
(
omd.
,
um 1559
):
Wurden dem berckmeister und geschwornen andere berckleut, frembde ader einheimisch, die gebrechen und hadersachen zu besichtigen zugeordnet.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
824, 4
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Es haben zwei part, in meinem ampt wonend, ire sache und gebrechen, so si mit einander zu tun haben, auf mich als iren gewilten richter gebracht.
Ebd.
825, 29
:
die genanten part haben sich also irer gebrechen vertragen.
Chron. Nürnb.
1, 164, 2
(
nobd.
,
1388
):
Daz sind die gebrechen, die uns anliegend sein.
Chron. Augsb.
3, 287, 17
(
schwäb.
,
1460
/
70
):
sollich unwill, geprechen und zwiträcht zwischen dem allerdurchleuchtigisten fürsten [...] und dem hochgeporen fürsten.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
100, 41
(
moobd.
,
1453
):
gelubd und ayd aufczunemen, richter und ret ze seczen, auch all ir zwittrecht und gebrechen ze hörn.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
334, 17
(
smoobd.
,
1435
):
Es ist ze merken, daz meins herren von Salczburg und des von Cilirëte umb ir baider gebrechen freuntlich uberain kömen sind.
4.
›Zuwiderhandlung, Vergehen, Bruch des Rechts, Verbrechen‹;
vgl.
4
 8.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 354, 23
(
Köln
1499
):
die stat vurziden was gestanden under dem cristengelouwen, der up die zit sere verdunkelt was umb gebrech der predicanten ind umb der groisser vervolgung.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
18, 13
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Von der pyne der gebrechin.
Opel, Spittendorf
353, 44
(
osächs.
,
um 1480
):
der bischoff von Meyssen mit den Thumherren mochten den von Halle dieselbigen gebrechen gar sehre scharf und hart angezogen [...] haben.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
76, 12
(
nobd.
,
1376
):
daz von unseren heren in styften und von unsern burgern an uns kumen ist von furkauffe, unkauffe und andern gebrechen in der stat.
Winter, Nöst. Weist.
1, 689, 22
(
moobd.
,
1430
):
also oft soll er unsern anwald zu Hymperg und den von Eberstorff zwenundsibenzig pfenning und den vier geschwornen die das besichten sechzig pfenning zu peen geben und darzu des geprechen ân verzihen wenden.