demütigkeit,
demütekeit,
die
.
›Demut; bewußte und freiwillige Selbsterniedrigung und Unterwerfung (gegenüber Gott und dem Nächsten); dienende Gesinnung‹; beinahe ausschließlich religiös geprägt; im Vergleich mit
demut
wohl intensiver.
Besonders älteres Frnhd.; religiöse (häufig mystische) Texte.
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
d. bekennen, js. d. ansehen
;
in der d. gros sein, etw. in d. brauchen / niederdrücken / tun, etw. mit d. leiden
;
die geduldige / grosse / grundlose / heilige / lautere / minnebare / rechte / tiefe / verworfene / vertiefte / volkommene / ware d.
;
der schein, die frucht / die übung, das tal / werk / wort der d.; die d. Christi / der taufe / unserer frau
.

Belegblock:

Koller, Ref. Siegmunds
70, 17
(Hs.
um 1474
):
Das ander [sacrament] ist lauter peicht, [...]; wan der beicht eygenschafft ist demütigkeyt und gehorsamkeyt.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2217
(
Köln
1476
):
Myt seer groysser demoedicheyt | Verwan hye vyll verbolgenheyt.
Quint, Eckharts Trakt.
292, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Danne ist diu dêmüeticheit allerêrst genuoc volkomen, als got den menschen dêmüetiget mit dem menschen selber.
Ebd.,
407, 9
:
Nû solt dû wizzen, daz diu minnebære dêmüeticheit got dâ zuo brâhte, daz er sich neigete in menschlîche natûre.
Jostes, Eckhart
77, 20
(
14. Jh.
):
Der Jordan bezeichent di demuͤtikeit, do sich der mensch inne waschen sol sibenstunt gegen sibenley suͤnden.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
138
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Demuͤtikeit ist das zeichen | Der guden hertzen und der weichen.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
255
(
pfälz.
,
1436
):
du armer mensch, dinen bettelsagk mach durch demütikeit breyt gegen got.
Sermon Thauleri
10va, 3
(
Leipzig
1498
):
er
[der Mensch]
sal auch klein sein in vnderworffener tieffer demutikeit vnder gotz vn̄ durch gotes willē vnder alle creatur.
Gille u. a., M. Beheim
123, 332
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
So gedenk an Jhesum und rait | sein vil grossen temutikait.
Langen, Myst. Leben
164, 5
(
nobd.
,
1463
):
ye / mer der mensch erhebt wirt / in hoffart, ye mer sol er sich ernidern in dyemutigkeit.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
1, 27
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
die erkantnuß sein selbs, von der die muter des heils, das ist die diemutikeit, entspringt.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 3, 9
(
Nürnberg
1631
):
HERR GOTT wolst mir auch geben, | Keuschheit, demuͤtigkeit, | Zu bessern hie mein Leben.
Strauch, Schürebrand
43, 26
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
verlierent ir joch wol uwer ere mit schammeroͤte in dem undergange, do durch ervolgent ir die fruht der demuͤtikeit und werdent innerliche getroͤstet in hertzen friden.
Vetter, Pred. Taulers
245, 18
(
els.
,
1359
):
Gotz hochheit sichet eigenlichen und aller meist in das tal der demuͤtkeit.
Ebd.,
15, 23
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die minne ist ein muͦter der lutern demuͤtikeit.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 370, 28
(
Straßb.
1522
):
Also muͤssen wir durch Werck der Demuͤtikeit die Gnad Gotz erwerrben.
Koller, a. a. O.
289, 42
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
Des ersten sol er [ain prister] swartz tragen, zu pekennen demütikait und rechte plödikait diser zeit und tötlich leben.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
7, 17
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
dan es [das lesen] ist ain hailige gab Gottes, welche man zu seiner goͤtlichen ehre in demuͤtigkait vn forcht des hertzens brauche.
Bauer, Geiler. Pred.
76, 32
(
Augsb.
1508
):
das du gewinnest ainen armen und nidergeschlagnen geist [...] / der nit zerswollen und zerblasen ist in hochfart / sonder nidergetruckt in rechter demuͤtigkait.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
246, 13
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz vischel [Afforus] ist sô klain, daz man ez mit kainem hamen gefâhen mag. Dâ pei verstêt man die diemüetichait unser frawen, wan diemüetichait mag niht gevallen, diemüetichait ist ain ursprinch aller tugent.
Buijssen, Dur. Rat.
11, 15
(
moobd.
,
1384
):
pei der arch wıͤrt verstanden die diemuettigehait Christi, mit der diemuttichait durch sein parmherzichait uns czwchomen ist alz guet.
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 167
(
moobd.
,
15. Jh.
):
darumb das laider wenig rechter diemütigkeit jm menschen ist, allein der schein der diemüticheit, darumb erlangt der mensch wenig gnad.
Fischer, Brun v. Schoneb.
5554
;
Quint, a. a. O.
1, 247, 2
;
2, 564, 3
;
Jostes, a. a. O.
10, 11
;
Steer, a. a. O.
20
;
Ruh, Bonaventura
359, 30
;
Hübner, Buch Daniel
1395
;
Gerhardt, Meister v. Prag
109, 11
;
Matthaei, Minner. I,
13, 469
;
Bihlmeyer, Seuse
475, 3
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
186, 11
;
Rieder, St. Georg. Pred.
84, 34
;
Lauchert, Merswin
13, 32
;
Rieder, Gottesfr.
22, 9
;
Strauch, a. a. O.
48, 28
;
Vetter, a. a. O.
35, 27
;
90, 26
;
239, 5
;
Stammler, Berner Weltger.
388
;
hail. altvaͤter
71v, 14
;
Sappler, H. Kaufringer
17, 127
;
Kehrein, a. a. O.
3, 107, 5
;
Bauer, Geiler. Pred.
80, 30
;
Buijssen, Dur. Rat.
34, 6
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
21, 18
;
dies., Imitatio Haller
88, 14
;
Schöpper
11a
.