narbe,
die
,
vereinzelt
der
;
(für
die
)/
-n
.
1.
›Narbe, Relikt einer geheilten Wunde‹; die Narbe fungiert als rechtsrelevanter Beweis bzw. auch als Zeichen für die Schwere einer Wunde; ütr. steht
narbe
für die Folgen von Sünde, Laster u. ä.
Phraseme:
sunder narbe
o.ä. ›ohne erkennbare Abstufung einer glatten Unterlage‹.
Syntagmen:
eine n. gewinnen / spähen, (vor gerichte) beweisen, jm. den narben
(Mask.)
weisen / zeigen
;
eine n
. (Subj.)
überziehen
›heilen‹,
kampfwertig, am menschen sein
;
jm. eine n. bleiben
;
der narben darben
;
den finger in die narben legen, mit der n. etw. fordern, eine wunde zu n. sein
;
die n. der tochter, der wunde, des wandels / lasters
;
die blutfarbe n
.;
die materie, der schein der n
.
Wortbildungen:
narben
›durch Narben gekennzeichnet sein‹,
narbicht
(dazu bdv.: ).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Cicatrix. Wundmaase schnatte / narbe wundtmal beul / streime streichmaase malzeichen.
Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
8, 22
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
worumme denne ist dy narbe
[
Mentel
1466:
das mase
; Var. 1475
2
-1518:
die masen
; nd. Bibel 1478:
lyk clauwe
; 1522:
nare
;
Wormser Proph.
1527 /
Dietenberger
1534:
wunden
;
Eck
1537:
schram
]
der tochtir mynis volkis nicht obirzogen?
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Sal man eyne starke wuͦnden buͦzen, de nicht zuͦ nare ist vnde ane lemede, de buͦze man nach wiser luͦte vrteile mit pfennigen deme cleger hoer den deme richtere.
Luther, WA (
1532
):
Gleich wie eben der Christus, der [...] warhafftig aufferstanden ist, [...], wie er denn seinen Jungern die narben seiner hende und jnn seiner seiten zeigete.
Ebd. (
1534
):
[Von den malen an den henden und fussen Christi] Aber ich halt, das der ort gemerckt oder narben sey, und jnn die narben wolt Thomas sein finger legen und die sehen [...]. Denn were der leib falsch gewesen oder ein gespenst, so kunden auch die narben falsch sein.
Ebd. (
1535
/
6
):
Diese narben des Herrn Christi, spricht Sanct Paul, muͤssen wir auch an unserm leibe tragen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
377b, 21
(
Frankf./M.
1649
):
Daß sie nicht alles vor ein Teuffels mahl halten wo etwan ein natuͤrlich Zeichen / oder fleck / od’ Narben / [...] am Menschen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
ab ich sye recht eynvaldig, | Das ich aller laster narbe | Und ouch aller valscheit darbe
[hier mit gen. explicativus].
der mensch ist ser genarbet | Und ouch von ym selbe darbet | Beyde tugende und genade.
Gerhard, Hist. alde e
1572
(
omd.
,
um 1340
):
Wan si [Wazzer, mer] haben grune varbe | Glich enander sunder narbe | Und sin gar unbeclecket | Uz den merschalen geblecket.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Du hast gewunnen narwen | Vlecken groz, meilin cleine | Von wurmen gar unreine | Totlicher sunden genant.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do qwam des nachtis unsser liebe frawe unde heilete om die hant weder an. Den narbin wissete her dornoch allen lewten.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1335
):
di mugen ouch boten biten zu den wunden unde lazen si besehn unde besagen unde bewaren daz mit urteile, ab di wunden zuheilen in der vrist, daz si ienen antwerten muzen, ab si mit den narewen glicherwis icht zuzihen unde vorderen mugen alse mit den offenen wunden.
Pyritz, Minneburg
2409
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Dich haben an alle selbe | Und auch an wandels narbe | Beluchtet die sehs varbe.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Aüch hat Cristus der narben schein | Der wünden sein | Umb fünferley behalten.
Cirurgia H. Brunschwig
20rb, 34
(
Straßb.
[
1497
]):
Jn dem achten ungentu͂ dyalthea die hertikeit des geeders zuͦ milte͂ vñ zuͦ v’zere͂ die grobe͂ materi der narbe͂.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
338
(
Genf
1636
):
narbicht / voll Narben vnnd wundmalern.
Hübner, a. a. O. ;
Leman, Kulm. Recht ;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
163, 7
;
Mayer, a. a. O. ;
Piirainen, Stadtr. Sillein
110a, 31
;
Schmitt, Ordo rerum
358, 20
;
2.
›Türriegel, Querbalken (als Türverschluß); Eisenklammer im Türblatt; Türpfosten‹; die Belege lassen keine sichere Entscheidung über diese Angaben zu; motivationell würde ›Klammer‹ am besten passen.
Wortbildungen
narbband
›Eisenband im Türblatt‹ (dazu bdv.: ).

Belegblock:

Voc. inc. teut.
r iv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Narb an einer tur Repagulu͂.
Chron. baier. Städte. Regensb. (
moobd.
,
1534
):
darnach von dem genglen in ein kämerlen gezogen, ein nerb fürangegelegt, [...] dy truhen auffgespert, darin an gelt [...] auffgeräubt.
Schmitt, Ordo rerum 274, 15.
1
(
oobd.
,
1439
):
Archangelica ortpant [...] narpant.
Mollay, H. Kottanerin
14, 29
(
moobd.
,
1439
/
40
):
bey dem angel [der tuͤer] was auch ain keten vnd ain nerib, do het wir auch ain slos angeslagen.
Rechn. Kronstadt
1, 644, 22
(
siebenb.
,
1526
):
pro duabus catenis et nerven ad ianuas horrei laterum asp. 5.
Ebd.
2, 291, 16
(
1523
):
a 2 vulgo Nerwÿn ad gradus ac turres civitatis flor. 2 asp. 8.
Ebd.
651, 21
(
1542
):
Stephanno seratori quod unam seram paravit ad turrim interiorem portae superioris, vnd Band vnd Kropin hot gepessert, et ianuam magnam ibidem blech, band, kropin, nerwyn et unam seram paravit.
Ebd.
1, 488, 35
;
1, 489, 5
;
3, 55, 6
.