minnelos,
Adj.
– Älteres Frnhd.; Texte der Mystik.
1.
›im mystisch-religiösen Sinne von aller menschlichen Bindung befreit, in Liebe zu Gott aufgehend, mit ihm vereint, alles Irdischen überhoben, über jeder sagbaren Eigenschaft seiend‹;
vgl.  134.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
34, 39
(
14. Jh.
):
in gotlicher natur, da alle dinch ze nicht werdent; do wirt si von bechennen chenloz und von minnen minloz und von willen willoz.
Bihlmeyer, Seuse
492, 5
(
alem.
,
14. Jh.
):
danne setzent wir uns [...] uf den uns verborgenen dúrren esten in gnoden von gnaden gnodelos, in minnen von minnen minnelos; nach unserm schetzende so werdent wir in gotte gottes von gotte quit.
2.
›die Liebe Gottes nicht erkennend; lieblos ihm gegenüber‹;
vgl.  3.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2,  23.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers
29, 21
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
doch stont dise lúte muͤssig, daz ist sú stont in lauwikeit, in kaltheit, minnelos und gnadelos.
Ebd.
305, 13
(
1359
):
ze male dúrre und scharpf und gnadlos, minnelos ist bliben dis unsprechlichen úbertreffelichen trostes.
Bihlmeyer, Seuse
408, 1
(
alem.
,
14. Jh.
):
Es sint ietze vil menschen, die [...] lebent also an hin lewekliche, minnelos und gnadelos.
Ebd.
511, 18
(Hs. ˹
mfrk.
,
15. Jh.
˺):
das wir syn gotloisz und gnadenloisz und mynneloisz und aller tugende nacket und bloisz.
Strauch, Schürebrand
30, 26
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
dar in alles uwer verdienlich leben und kleiner gottes dienst vermüschet ist und ersetzet wurt, daz uwer lützel zuͦkere vil schinent und uwser lewes minneloses kleines gebet und uͤbungen gros und begirlich wurt dem himelschen vatter.