lernung,
die
.
1.
›Unterricht, Unterweisung, Erziehung, die jm. zuteil wird; (akademisches) Studium, Ausbildung, Lehre (im Handwerk), dem bzw. der man sich unterzieht; Lernen als aktives Bemühen‹; metonymisch dazu: ›Studium, Betrachtung einer Sache zum Zwecke der Erkenntnisfindung‹; ›Lehrzeit‹;
vgl.  1.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
96, 256
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Es ist hy mensch student, der sich | von jugend auff so fleissiglich | vast zu der lernung geite.
Ebd.
137, 69
:
hab wir die kur, | auss rehter lernung der natur | werd wir dez underwise.
Ebd.
137, 152
:
[dy] ainvaltigen menschen | haben gemainglich solcher ding | kain ahtung [...] | [...] | Es sei dann, daz man sy dar czu | mit verstantlicher lernung tu | uben.
Ebd.
228, 174
:
Die lernung an dem talmut hie | und werent euren chinden die | geschriffte der wibel.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
33, 10
(
nobd.
,
1525
):
derhalben wie ain blinder den andern furt, sein wir nachgestolpert und unser zeyt mit frembden werken vertriben in der lernung fur handwerk mussig geen.
Löffler, Columella/Österreicher
1, 15, 17
(
schwäb.
,
1491
):
Meonius, der geberend gott der redsprechikait, hat nit verstellt die lernungen der gesprechlichait siner nachkomenden mit den aller witosten fluͤssen.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
50, 27
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Do er siben jar alt was, ward er zu der lernung gegeben dem sêligen priester Oranio.
Niewöhner, Teichner
564, 1210
(
moobd.
,
n. 1400
):
wer nicht lieb czu lernung hat, da mag niemand chunst in schieben.
Karnein, de amore dt.
83, 176
(
moobd.
,
v. 1440
):
Darumb zeuch vmb lernung gen Parisz.
Ebd.
103, 153
:
wann ain gelerter dem vngelerten lernung versagtt.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 2977, 9
(
moobd.
,
1444
):
Ulreich Kreen, [...] der weilent durch seiner lernung willen aus dem land gezogen ist.
Höver, Bonaventura. Itin. B
657
(
moobd.
,
1450
/
60
):
deinen fleis, den du hast jn lernung vnd nachforschung.
Leidinger, V. Arnpeck
674, 21
(
moobd.
,
v. 1495
):
wann er hett sy erkennt baid, diweil sy in der lernung zu Rom gestanden waren.
Turmair
4, 123, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
gab si in den dritten tail alles lands, damit si auch dem gotsdienst und lernung wol künden obligen und außwarten.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
158, 12
(
smoobd.
,
1585
):
Zeucht ainer als von lernung handwerchs, diensten oder ander sachen wegen aus dem land.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
42, 12
(
tir.
,
1464
):
Alle götleiche geschrifft, [...], die ist gar nucz zu der lernung.
Ebd.
113, 5
:
wenn sein hercz das stuend nur pei seiner swëster, das was nu sein lërnung vnd sein studirn in der heiligen geschrift.
Bauer, Imitatio Haller
69, 4
(
tir.
,
1466
):
Vnsre höchste lernung die sol sein in der petrachtung des lebens Jesu.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
219
;
Rwb
8, 1232
.
Vgl. ferner s. v.  2, .
2.
›einzelne Lehre, Ratschlag, Anweisung, Belehrung‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
111, 112
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Bey diser schrifft [...] | gibt uns got lernung, daz uns der | frid vast lieber sol werden.
Mayer, Folz. Meisterl.
40, 28
(
nobd.
,
v. 1496
):
Der sich bedeucht an kunsten schwer, | Der mocht sich an mich seczen her, | Ob mir sein stroff zu lernung docht.
Ebd.
42, 23
:
Do ler ich dich die reben hofflich dungen | Und volg meiner lernungen.
3.
›Bildung, Gelehrsamkeit (als Produkt von 1), Wissenschaft‹.

Belegblock:

Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 5
(
Frankf./M.
1559
):
ALS nun Brissonetus an lehrnung / zucht / tugent [...] fast wol und loͤblich zugenomen.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 5297, 10
(
moobd.
,
1489
):
Da er gewillt sei, die kunst und lernung, darzu diese Gült gegeben werden solle, zu furdern.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
219
.
4.
›Lernbegierde, Erkenntnisdurst‹.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
40, 19
(
nobd.
,
v. 1496
):
das es Got neur wolt | Das ich die czeit gelebenn solt | Das auch mit lernung wurd erfolt | Mein hercz in hiczelicher prunst.
5.
›Inhalt einer Lehre, Überlieferung‹; speziell: ›Lehrmeinung, Doktrin‹.

Belegblock:

Heydn. maister
31v, 10
(
Augsb.
1490
):
Diser Anaxagoras [...] hat seine guͤter vnd reichtu͂b v͂ lassen vnd der lernung nach hat er taͤglich wandru͂g an sich genomen.
Reithmeier, B. v. Chiemsee Vorr.
4
(
München
1528
):
daz wir nit leichtfertiklich solten nachuolgen newen lernungen, die ditsmals bey vns tewtschen wmfliegen wider haylsam lere Cristenlicher kirch.
Wedler, W. Burley. Liber
45r
(
moobd.
,
v. 1452
):
Ewchalus, verdingt sich in Protagoras lernunng vnd lernet gar wol gesaczte wort dichten.