gemein,
gemeine,
die
;
-Ø/
auch
.
1.
›Grund und Boden, gemeinschaftlicher Besitz einer Gemeinde, Gemeindegrund, Gemeindewiese, Gemeindewald‹;
vgl. (Adj.) 3.
Rechts- und Wirtschaftstexte.

Belegblock:

Kisch, Leipz. Schöffenspr.
503, 21
(
osächs.
,
1523
/
4
):
wir haben ine gepfandt auf unsers dorfs rechte gemeine.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
18, 17
(
nobd.
,
1470
):
die von Eybingen sullen auch kein gemein doselbst weder hegen, verkaufen noch versetzen.
Mon. Boica, NF.
1, 365, 2
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
er gibt 15 dn. von 1 stedelein der gemeyn, wann der stadel stet uff der gemeyne.
Auer, Stadtr. München
484, 4
(
moobd.
,
1347
):
Swer in der innern oder in der auzzern stat ainen turn inne hat [...] oder ain hofstat auf der gemain in der strazz.
Wopfner, Urk. Agrargesch.
340, 34
(
1392
/
8
):
Wer auch in den schachen umb holtz get oder vert, der darinn tail und gemain nicht hat, der ist der herrschaft gevallen umb 1 pfundt pfenning.
Winter, Nöst. Weist.
1, 92, 10
(
moobd.
,
1480
):
Wer den kermist auf die gemain wirft, der ist dem richter verfallen 12 ₰.
Ebd.
1, 610, 18
(
moobd.
,
um 1530
):
es solle auch die felber oder ander behulz so auf der gmain wachsen kainer nit abslagen.
Mell u. a., Steir. Taid.
122, 1
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
so hat mein herr ain holz nider Tobel, ist der leut gemain und stoßet an des herzogen wald.
Ebd.
125, 18
(
1677
):
Hanns Zehner Liechteneggerischer [...] ist [...] zuegelassen worden, ain kalbis in die gmain zu dreiben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
24, 42
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
ob ainer an die gemain oder ander pau icht zeug het, der solt zeunen.
Ebd.
25, 7
:
so ainer den andern auf der gemain mit viech uberschlecht und deß nit recht hat, der ist in der pueß.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
116, 11
(
tir.
,
1525
):
Im neŭnten articl irer beswărde zaigen sy an von wegen der wăld und gemain, so sy verstewrn und verraißn mŭessen.
Schmitt, Ordo rerum
293, 12
;
694, 2
,
Serranus
104v
;
Dietz, Wb. Luther
2, 72
;
Dief./Wü.
611
;
Schwäb. Wb.
3, 328
 f.;
Schweiz. Id.
4, 301
;
308
.
2.
›Gemeinschaft, Gesamtheit der Bewohner einer ländlichen, städtischen Gemeinde; die Gemeinde selbst‹;
vgl. (Adj.) 34.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1; vgl.  1.
Syntagmen:
die g. bewegen / bitten / speisen / strafen / verbrennen / vermanen / zusammenrufen
;
gemein
in Verbindung mit Ortsangaben, vor allem Ortsnamen, z. B.
die g. zu Possen
;
die arme / christliche / erbare g
.
Wortbildungen:
gemeinfeld
,
gemeinvieh
(v. 1583),
gemeinhirt
(a. 1604),
gemeinsbürger
,
gemeinschmit
›Gemeindeschmied‹,
gemeinschmitte
›Gemeindeschmied‹,
gemeinschöpfe
,
gemeinviertel
ein in einer Gemeinde geltendes Maß,
gemeinvorgeher
›Gemeindevertreter‹,
gemeinwald
(dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
53, 34
(
preuß.
,
1437
/
8
):
die gemeine in der lysken czinset 9 m vor 12 huben waldes.
Luther. Hl. Schrifft.
4. Mose 15, 35
(
Wittenb.
1545
):
Der Man sol des tods sterben / Die gantze Gemeine sol jn steinigen ausser dem Lager.
Große, Schwabensp. 159, a,
24
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Eyn ieslich man der sol vor siner tore den wech machen vnde vor andere sinem eigen seben Schuͦe wit; daz andere de gemeine.
Helbig, Qu. Wirtsch.
4, 131, 26
(
md.
,
1525
):
Demnach die Knapschaft und gemeine ynn S Joachims Thale, [...] ynn entpörung sich begeben vnd auffgestanden.
Koeniger, Sendgerichte
187, 11
(
mosfrk.
,
15. Jh.
):
es sullen auch gegenwurdich syen alle gemeynsburger ane widfrauwen.
Wyss, Limb. Chron.
88, 11
(
mfrk.
,
2. H. 14. Jh.
):
der zog an sich di zonfte von der gemeine, unde ging sache an unde wolde di vollenbrengen.
Loersch, Weist. Boppard
119, 7
(
mosfrk.
,
1436
):
das die gemeine vom niderdorf zu Bey ein schützen und burgermeister zu kiesen hab.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
152, 9
(
rhfrk.
,
um 1435
):
die gemeyn was des fro wan der schultheyß hat yne dick ir gut widder recht genomen.
Brinkmann, Bad. Weist.
151, 7
(
rhfrk.
,
1608
):
was aber ansehenliche schaden in den gemeinwäldern und -feldern, gebürt Pfalz auch allein zue strafen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
59, 24
(
omd.
,
1450
):
haben wir [...] die ersamen richter, scheppen und die gemeyne zcu Erfridestorff gebeten, ir ingesigel zcu bekentniße us dise czedel zcu drucken.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
183, 9
(
thür.
,
1474
):
dy obingenante gemeyne zcu Possen in eyner vorrede setczin, daz sy uß yr kerchen eynen kelch vorloren habin.
Ebd.
280, 11
:
Hath dy gemeyne des dorffis Weltewicz [...] gewillikort unde gesatczt.
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 4, 30
([
Erfurt
]
1525
):
Am andern morgen murret die gãtz gemein wider Mosen vnd Aaron.
Schönbach, Adt. Pred.
31, 29
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
die mensche machen sie riche von ire prelaturen und von ires goteshuses alemusen und von der gemeinen pruvende der samenunge.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 17, 2
(
schles.
,
1531
):
so stehet es [haus] nicht den parten, sunder der gemein noch bergwergs brauch zu.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
38
(
schles. inseldt.
,
1453
):
der erbir knecht Clos [...] ist komen vor vnser gehegete banc vnd hot vormant [...] dy gancze gemeyne.
Chron. Nürnb.
2, 308, 21
(
nobd.
,
1449
/
50
):
es ward daz gedreng so groß umb daz flaisch, daz man die gemein an einer stat mit flaisch nit gespeisen mocht.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
32, 28
(
nobd.
,
v. 1498
):
das gericht, daran auch die gantz gemein des dorfs urteyl zu sprechen sitzen.
Ebd.
63, 28
(
1486
):
so hat unser gemeinschmidt bey unß recht und macht, einen ieglichen baurn [...] nach vergangener friest ein pferdt vor der schmidten zu pfendten.
Ebd.
65, 9
(
1422
):
zu Kennicken sollen sein zwelf sendschopfen, die heist man die gemeinschopfen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
131, 16
(
nobd.
,
n. 1525
):
wie ain erbare gemain von Dettwang bey mir erschinen und gebetten, er, ganzen gemain alda, nachzulassen das halb tail des gerichtz.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 326, 1
(
schwäb.
,
1643
):
Welcher nun daß gemeinviertel entlehnt und das über nacht in seinem hauß behelt und nit wider gehöriger orten überantwortet, der soll 1 kr. geben.
Jörg, Salat. Reformationschr.
71, 28
(
halem.
,
1534
/
5
):
das umm der sünd willen der fürsten und obern / got der herr hatt gstraft ein gantze gmeyn.
Klein, Oswald
85, 17
(
oobd.
,
1423
):
Gepawren von Sant Jörgen, die ganz gemaine, | die hetten uns gesworen falsch unraine.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
113, 5
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
muest in der gemayn eyn angesessner pawr zwen gulden geben.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
46, 4
(
moobd.
,
1368
):
Wir der richter und der rat und die gemain der burger paider stet ze Krems und ze Stain bekennen offenlich mit dem brieff.
Winter, Nöst. Weist.
2, 102, 33
(
moobd.
,
1602
/
15
):
alle die metzendie hie, die sollen abgedeicht werden mit wüssen deß rath und gemain.
Ebd.
2, 816, 34
(
1681
/
7
):
In der gmainschmitten vorernenten markts ist gemeine freiheit.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
111, 9
(
m/soobd.
,
1603
):
der richter soll [...] vor seiner abtretung der gmain [...] schuldige raitung thon.
Ebd.
202, 1
(
16.
/
17. Jh.
):
Alßbalt der neue richter daß gricht empfangen hat, solle er die burger in die glibd nemben [...] hernach den führertisch mit dennen 4 gmainvorgehern und sodan die ganze gemainde und dises über 3 tag nicht anstehn laßen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
27, 3
(
smoobd.
,
1625
):
wo solches aber nit dermassen gehalten wurde, so hat ain pflëger und die gemain den anger widerumb ze nemmen.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
5, 43
(
tir.
,
1519
):
so soll demselben mit wissen und willen siner gemain nachgeganngen werden.
Chron. Augsb.
2, 53, 10
;
6, 25, 23
;
Auer, Stadtr. München Anh.
7, 101, 7
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
61
;
Pfälz. Wb.
3, 192
;
Schwäb. Wb.
3, 340
;
343
.
3.
›Menge, Gesamtheit, Gemeinschaft von Menschen, wie sie im Unterschied zu 2 nur ansatzweise als politisch verfasst gedacht wird‹;
vgl. (Adj.) 34.
Bedeutungsverwandte:
 3,  1, ; vgl.  1.
Syntagmen:
die g. empfangen / erwälen; die christliche / gegenwärtige / glükselige / grosse g
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
127, 7
(
Lübeck
1639
):
Wer dient der gemein / der ist allermans Knecht.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
289, 886
(
Magdeb.
1608
):
Was einr noicht wuͤst / weis die Gemein.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 216, 38
(
preuß.
,
1413
):
begere wir gancze gemeyne von rittern knechten vnd stetin des landes czu Prussin mit willigem dinste vnd allir demutikeit czu wissen.
Luther, WA
10, 1, 2, 239, 28
(
1526
):
das die gemaine einen, der dartzuͦ tüchtig ist, erwele, der die Sacrament reiche, predig, beicht hoͤr und teuffe.
Ders. Hl. Schrifft.
2. Mose 35, 1
(
Wittenb.
1545
):
Mose versamlet die gantze Gemeine der kinder Jsrael / vnd sprach zu jnen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
4, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Wir sind von dem Bischoff erwehlt | Vnd der Christlich Gmein fuͤrgestellt.
Hübner, Buch Daniel
5233
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Daz dar uz ein wazzer rein | Vluzze al der gemeine, | Juden groz unde cleine.
Thür. Chron.
10r, 10
(
Mühlh.
1599
):
Es war ein Buͤrger zu Rom Grachus genandt / weise vernuͤnfftig vnnd wolgehalten von der Gimeine / aber nicht von dem hohen Adel.
Ermisch, Freib. Stadtr.
272, 1
(
osächs.
,
1344
/
50
):
Die burger zcu Friberg syn zcu rate worden mit hern Thomasio [...] unde mit der gemeyne unde mit den hantwerken.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 168, 7
(
Bautzen
1567
):
Das verdros die Schriffklugen sehr, | Zu den er sprach ist euch das schwer? | Ich sag euch schweiget die gemein, | So werden mich preisen die stein.
v. Groote, Muskatblut
65, 4
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ir fursten reyn in die gemeyne | ich singen wil, ein seltzen spil | hör ich uff herren vesten.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
92, 12
(
els.
,
1362
):
Von der gemeine des volkes was er geheissen Ihesus lipliche.
Chron. Augsb.
6, 19, 8
(
schwäb.
, zu
1513
):
die waren gen München geritten und hetten ein teuerung gemacht im wein, daß man forcht, die gmain wurd sich bewegen.
Wiessner, Wittenw. Ring
3817, 40
(
ohalem.
,
1400
/
8
):
Ich gelaub | [...] an die gemain aller hailigen und gelaub | antlass aller meiner sünden ze gewinnen.
Lemmer, Brant. Narrensch. 99 Vorspr.
2
(
Basel
1494
):
Jch bitt üch herren groß / vnd kleyn | Bedencken den nutz der gemeyn.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
185, 15
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der zwair ist nôt in ainer ieglichen gemain.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
50, 28
 f. (
noobd.
,
1347
/
50
):
Darzu spreche wir, daz kain kuͤnstiger tak ist, e deu sunne uͤber den augenender kuͤmt, wie das sei, daz die gemain der leute e tage haizzen.
McClean, Havich
652
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
dy juden sy enphiengen | alsammpt, arm und reich, | und dy gemain all geleich.
Moscouia
C 1v, 8
(
Wien
1557
):
Demetrius als er merckte / das die Vnderthonen vnd gemain des Adels mit jme nit zufrieden waͤren / vnd on vnderlaß sich von jme zu dem plindten Basilio schluegen / ist er gen Neugarten geflohen.
Bauer, Imitatio Haller
86, 12
(
tir.
,
1466
):
der da mer dienen ist der gemain denn seinem freien willen.
Qu. Brassó
5, 426, 28
(
siebenb.
,
1612
):
die Gemein ist aufgestanden und hon diese Stadtleut sie nicht wolln auslassen wider des Herrn Richters Willen.
4.
›Zusammenkunft, Versammlung‹;
vgl. (Adj.) 4.
Syntagmen:
eine g. halten / machen
.
Wortbildungen:
gemeintag
›Versammlungstag‹ (a. 1452).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 67, 6
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
das man über drei tage solte gemein halten.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
244, 6162
(
Magdeb.
1608
):
kein Manthier mehr war daheim / | Hielten am Tanzplatz jhr Gemein.
Buch Weinsb.
3, 215, 38
(
rib.
,
1583
):
Uff dem Numart da mitten wart gemein gemacht, die artickel vorgelesen.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
88, 2
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Es sollenn auch weder die rotmeister noch knecht bey jrn ayden kein gemein halten.
Chron. Augsb.
3, 319, 25
(
schwäb.
,
1452
):
und hetten groß haimlich gemain und rat mit ainander.
Turmair
4, 319, 11
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Auf dise werbung hielten die Baiern und Schwaben ein g‘main, gaben der römischen potschaft die antwurt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
522, 25
(
m/soobd.
,
1586
):
würt einer oder der ander die guten zeun abbrechen [...] der soll in der hernoch gesetzten gemain gestrafft werten.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
85, 15
(
tir.
,
1525
):
daz die von Reŭtte wĕder rat noch gemein halten sollen.
Öst. Wb.
4, 313
.
5.
phras.:
gemein haben
›Gemeinsamkeit, Gemeinschaft mit etw. haben, an etw. Gemeinsamem Anteil haben‹.

Belegblock:

Mon. Boica, NF.
1, 574, 11
(
nobd.
,
1414
):
Der brobste und sein mitbruder [...] sich also halten und in geistlicher zuchte ordenung und mit aller irer habe, gutern und gulten in einer gemeine haben.
Vetter, Pred. Taulers
351, 18
(
els.
,
1359
):
wan es enhat nút gemeins mit materielicheit noch mit materiielichen sachen.
Völker, Antichrist
459
(
wschwäb.
,
15. Jh.
):
sy múgend aber dehain menschlich gemain mit den lúten haben.
Müller, Nördl. Stadtr.
445, 8
(
schwäb.
,
1506
):
das er auch weder tail noch gemain an nichten hab.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
442
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ich wil mit nieman han gemain, | Denn mit minem geminten allain.
Welti, Stadtr. Bern
163, 7
(
halem.
,
1307
):
so sol keiner [...] mit dien burgern von Friburg [...] noch teil noch gemein an kǒfschaft mit inen haben.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1257
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Mitt Juda och gemain der hat | Der Gott in totsúnden enpfacht.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
154, 27
(
smoobd.
,
1585
):
Es soll auch ain ieder nachtbar gewarnet sein, das er mit seinem nachtbarn, wo sie gemain und theil under einander haben, arbeit und paw zu aller notdurft.
Merk, Stadtr. Neuenb.
41, 7
.
6.
phras.:
in (der/die) gemeine
o. ä. ›insgesamt, insgemein, allgemein, im Allgemeinen, in der Öffentlichkeit‹;
vgl. (Adj.) 56.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
84, 1277
(
Magdeb.
1608
):
Vlysses sprach / in der Gemein / | Sagt einer Ja / der ander Nein.
v. Groote, Muskatblut
83, 72
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Es sint halt frauen ader man | die sicht man al wol ussen an, | man weis nit waz es innen kan, | ich rede in die gemeyne.
Turmair
1, 55, 38
(
Ingolst.
1519
):
si strecken sich gegen dem nidergang aufwerz an dem wasser Drâ unz an das ort, so in der gemain genent wirdt zu der Puechen.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 41, 31
(
Augsb.
1526
):
warumb sihet er [...] nit auf die fürsehung, davon in der gemain nichts gebotten noch geoffenbart ist.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
114, 5
(
oobd.
,
1349
/
50
):
von den Tiern in ainer gemain.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
86, 17
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
als die sag in der gemain ist, so wer es nicht fur den geistlichen stant.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
51, 1
(
moobd.
,
1478
/
81
):
wie man in der gemain sagt, nach laut etlicher Cronicken.
Turmair
4, 22, 30
(
moobd.
,
1522
/
33
):
da von die Lateiner und Kriechen die Teutschen lang vor Christi geburt Cimbros und Cimerios nennen in der gemein.
Rintelen, B. Walther
182, 10
(
moobd.
,
1552
/
8
):
welliche Lehen sonst in der gemain die Lehen von dem krumen Stab genennet werden.
Schorer, Sprachposaun
52, 19
(o. O.
1648
):
Nach diesen kommen wir zu den Artzten / ins gemein vnd was zu jhnen gehoͤrig.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I,
661
.
7.
›gemeinsame Art, Spezifik‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (
die
712.

Belegblock:

Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
99, 27
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Die doygen gaist werdnt auch gehaissen dew nachsten in den ersten zwai gemain der gotleichen vnd der menschleichen.
Ebd.
99, 35
:
gedencken in der Gemain der gedancken, die sew derdencken oder haben gedacht von got vnd von andern dingen.