beruhen,
V.;
für die Bedeutungen 5-8 ausschießlich oder überwiegend als
part. Adj.
belegt.
1.
›sich mit etw. zufriedengeben; sein Bewenden haben‹; mit
lassen
›etw. auf sich beruhen lassen; etw. liegen lassen‹;
jn. auf etw. b. lassen
›jn. mit etw. abspeisen‹.
Bedeutungsverwandte:
 4.

Belegblock:

Luther, WA
10, 2, 407, 21
(
1522
):
Das yhe also das hertz nicht auff yhr [mutter gottis] beruge, sondern durch sie dringe tzu Christo.
Ebd.
52, 352, 2
(
1544
):
das ist unrecht, das man die leut auff solcher ler lest beruhen.
Buch Weinsb.
2, 8, 25
(
rib.
,
um 1560
):
wan sich aber ein besser gewin und narung zutragen worde, leissen sei ir hantwirk etwas berauwen.
Ebd.
40, 29
:
man wolte jetz frolich sin und die sach laissen berauen bis zu gelegener zit.
Franz u. a., Qu. hess. Ref. Bd.
3, 122, 41
(
hess.
,
1549
):
werden sie wohl mit der visitacion beruben bis nach der zeit.
Küther, UB Frauensee
376, 17
(
thür.
,
1528
):
Ab sie yhm ein geschenck gethan habenn, das laß ich uff sich beruen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
137
(
Nürnb.
1517
):
darumb beruet der geist in egedachten zweien und höret allein zwei.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
282, 21
(
nobd.
,
n. 1525
):
sie wöllen soliche instruction weyter verlesen und bedenken, darbey es bißher beruwet hat.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
142, 23
(
Nürnb.
1548
):
Wir aber woͤllen solches yetzund beruhen lassen / vnd bey der angefangenen Matery bleyben.
Henisch
196
(
Augsb.
1616
):
Beruhen lassen / hindan setzen / zu ruck stellen [...]. laß diese ding beruhen auff ein ander zeit [...]. Es mit den reden beruhen (bleiben) lassen.
Buch Weinsb.
2, 70, 26
;
Opel, Spittendorf
191, 18
;
Baumann, a. a. O.
116, 32
;
Schweiz. Id.
6, 1901
.
2.
›bei etw. bleiben, verharren‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Luther, WA
52, 540, 32
(
1544
):
Aber der Herr beruͤhet auff seiner meinung.
Skála, Egerer Urgichtenb.
210, 6
(
nwböhm.
,
1577
):
beruht vff Voriger außag Sej alles ein warheit.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
97, 30
(
Nürnb.
1548
):
Solche forcht [...] sol auß der sünde folgen / doch also / das du dabey nit beruhest.
Skála, a. a. O.
195, 15
;
Preuss. Wb.
1, 543
.
3.
›dauern, währen (zeitlich)‹; hier anschließbar: ›ruhen, liegen (räumlich)‹.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
56, 24
(
osächs.
,
um 1480
):
das das guttliche stehen berugen solte 4 wochen.
Schweiz. Id.
6, 1901
.
4.
›auf etw. aufgebaut sein, auf etw. ruhen (im eigentlichen Sinne)‹; meist ütr.: ›auf etw. (selten: jm.) beruhen, in / auf etw. gründen‹.
Bedeutungsverwandte:
 6,  3,
1
 12,  20.
Syntagmen:
haus auf pfeilern b., etw. in / auf etw
. (z. B.
auf einem grunde / urteil
) /
jm
. (z. B.
dem son gottes
)
b
.
Wortbildungen:
beruhung
(›Stütze‹, z. B.
der gewisheiten
; 16. Jh.).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Lk.
10, 5
(
Wittenb.
1545
):
so da selbst wird ein Kind des friedes sein / so wird ewer Friede auff jm berugen.
Gropper. Gegenw.
17r, 22
(
Köln
1556
):
Woͤlche bekaͤndtniß vff disem einigen waren gru͂de beruhet.
Ulner
115
(
Frankf.
1577
):
Drauff stehen. Drauff beruhen / darauff gruͤnden / steuren / drauff ligen.
Göz. Leichabd.
273, 22
( 
Jena
1664
):
eine [des Professoris Academici] Wissenschafft [...] beruhet in schoͤner RedensLieblichkeit.
M. Cunitia. Ur. Prop.
232, 19
(
Öls
1650
):
Mag er sicherlich zur praxi und Rechnung der Finsternuͤsse selbst schreiten. Welche in diesen Dreyen beruhet.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
253, 32
(
Nürnb.
1548
):
Er hat bißher gelernet / warauff die rechte seligkeyt beruhe.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
475, 2
;
Reichmann, a. a. O.
219, 11
;
Dietrich. Summaria
18v, 42
;
Andreae. Ber. Nachtmal
64v, 10
;
Henisch
296
;
Dietz, Wb. Luther
1, 262
;
Preuss. Wb.
1, 543
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
31
;
Schweiz. Id.
6, 1902
.
5.
›jn. in Ruhe, unbehelligt lassen‹; meist als part. Adj.; ›ruhig, ungetrübt; unbehelligt; ausgeruht‹.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
5, 692,
Anm. 2 (
nobd.
,
1505
):
Den gesangenen von Eystett peruen lossen pis die erfarung kompt.
Wedler, W. Burley. Liber
91v
(
moobd.
,
v. 1452
):
das er macht berüebt lernen naturlich kunnst.
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 8, 5 (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Er begert ain berubtes leben ze haben.
Ebd.
135, 12
:
Der von Pehaim het noch ain berubte schar.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
19, 8
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Der erst und der annder hawffen chumen peruet durch die scharlewt, das warn Vnngern.
Chron. Nürnb.
2, 133, 9
;
Seemüller, a. a. O.
224, 11
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 3878, 16
.
6.
›unangefochten, frei von Forderungen, unbehelligt‹.

Belegblock:

Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
80, 39
(
moobd.
,
1430
):
damit der obgenant Paul [...] solhes unpillichen wandels vertragen sey und auch sein purgel berubt und ledig gesagt werden.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3,
S. 91, 2 (
moobd.
,
1465
):
so ist die frau umb solchen zuspruch pillich berubt, müssig und ledig.
Bischoff, Steir. Landr. Anh.
1, 20
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
er vnd sein erben sein pilleich furbas ledig vnd berubt gegen allermeinkchlich.
Uhlirz, a. a. O.
2, 1, 670, 5
;
1555, 23
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
78, 26
;
Rwb
2, 55
.
7.
›gelassen, voll innerer, von Gott geschenkter und / oder durch Askese erworbener Ruhe‹.

Belegblock:

Jaspers, St. v. Landskron
191r, 26
(
Augsb.
1484
):
dz sy werden geheissen sün gotes. d’ also in jm selbs gancz vnd gar fridsam ist. vnd beruͤwet.
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
145 ra, 3
(
moobd.
,
n. 1434
):
das du darnach jn deiner gewissen pist dester froleicher vnd mer versichert vnd dester berüebter.
Bauer, Imitatio Haller
51, 17
(
tir.
,
1466
):
Der mensch der hat ain grosses vnd peruebtes hercz, der da nicht achten ist der menschen lëstrung.
8.
›ungehindert, leicht‹.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
1, 406, 14
(
moobd.
, Hs.
1512
):
das zwai gereder an aim phlueg beruebt aus und ein mugen gen.