1
liegen,
V., unr. abl.
– Nähesprachliches Verb mit schwer gliederbarem Bedeutungsspektrum; hohe Phrasemaffinität; zu speziell rechtsrelevanten Verwendungen s. ff., auch die zugehörige Kompositenreihe.
1.
›wo liegen (von Sachen, wobei
stehen
als Gegensatz assoziiert werden kann); sich in der Fläche (wie z. B. Hagel) ausdehnen‹; in mehrfacher Hinsicht spezialisiert, z. B. von Waren: ›wo lagern, gelagert werden‹; von Arzneimitteln: ›stehen, ruhen, sich absetzen‹; von Verbandszeug: ›aufgelegt, angebracht sein‹; von Briefen: ›wo aufbewahrt, hinterlegt werden‹.
Gegensätze:
 6.
Syntagmen:
garben / gras / holz / stro / hagel / karten / späne / steine / stricke, die tafel / kanne, der brief
[wo; mit Ortsangabe]
l
.,
die karten auf dem tisch, die garben auf dem acker, die kandel in der lade l.
; verschoben:
der berg vol schne l.
;
liegendes holz
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
631, 3890
(
Magdeb.
1608
):
Als Berg / Thal / Feld / vol schne noch lag.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7035
(
rib.
,
1444
):
Laegen in myme wege stricke ind korden.
Keil, Peter v. Ulm
96
(
nobd.
,
1453
/
4
):
guten essig; den schütt doran daz er dorüber gee. Das laß ligen acht tag wol bedeckt.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
Mein Eulenspiegl, wie steht dein sach? [...] Eulenspiegel spricht: Mein sach steht nit, sondern sie leit.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ie næher es [strow] dem für lit, | Ie vester es die wermi git.
Cirurgia H. Brunschwig
33vb, 6
(
Straßb.
[
1497
]):
das dü die wunden allen tag binden magst / nit dester minder das gebend belib ligen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 228, 22
(
Hagenau
1534
):
Were eyn steyn nicht alleyn erheben kan / der sol yhn auch selbander ligen lassen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1536
):
der [spruchbrief] ward der zunft geben mit aines rates großem insigel, der noch hinder einer zunft leit.
Bastian, Runtingerb.
2, 19, 16
(
oobd.
,
1390
):
derselb leibtingbrif sol dacz ainem biderman ligen.
Ebd.
2, 56, 23
(
1383
/
84
):
noch ligent da 2 ℔ zigelfarber seyden d R ân 4 lot.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
626
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 klein täfelin [...] ligt in einem fütterlin von lindenholtz.
Zingerle, Inventare (
vorarlb.
/
tir.
,
1478
):
i grosser schrein, darvnter lig smidezeug vi czangen.
Ebd. (
1484
):
ob mer guͦts in dem palhawss lëg, mag ain zollner auffgeben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
soll der forstner niemant kein [...] stehenten stamb holz, alleweil wüntfähl und ligunts vorhanden, außzaigen.
Qu. Brassó
4, 284, 35
(
siebenb.
,
1664
):
welcher
[Hagel]
fast einen halben Tag bleibet liehen auf der Erd.
Hajek, Guͦte spise
14
;
M. Cunitia. Ur. Prop. ;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Siegel u. a., Salzb. Taid. .
Vgl. ferner s. v.  1,  6,  2, ,  3,  2.
2.
›wo liegen (von Personen, auch von Tieren)‹; je nach Ursache und Zweck des Liegens im einzelnen z. B.: ›tot liegen‹; ›liegen, um zu ruhen oder zu schlafen, Geschlechtsverkehr auszuüben‹; ›faul herumliegen‹; ›im Kindbett liegen‹.
Phraseme:
am rücken liegen
›tief gefallen sein‹;
bei jm. liegen
›mit jm. schlafen‹;
eines kindes liegen
.
Syntagmen:
schlafend l., an / auf / in dem bette, zu bette, an dem todbette, in der hütte / krippe, im grabe / stalle / kote, in anmacht, in seiner ruhe l.
(›tot sein‹),
bei dem schweher
(im Grab)
l., auf der wiese, auf dem rücken, vor jm., für dem tor, unter jm., unter / vor js. füssen, unter der stiege, unter dem altar, bei jm.
(häufiger bei einer Frau, z. B.
bei dem weibe, der frauen / nonne / magd
, als bei einem Manne, z. B.
bei dem bruder
)
l.
Wortbildungen:
liegbet
›ausgestrecktes Bett zum Liegen‹,
1
lieger
›Lager, Bettstelle‹.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
549, 1363
(
Magdeb.
1608
):
Allein der Hund lag fuͤr dem Thor.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
LJt ein man an deme totbette.
Begriffet eyn man eyne maget vf eime velde, [...] vnde legit der man bi ir, man sol in toten.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Sint saich hie sy aichter dem velde liegen | beide man, ors da neder.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
160, 16
(
rhfrk.
,
um 1435
):
das niergen ein bube ist / er habe mit ir in den gräben gelegen.
Thür. Chron.
2r, 9
(
Mühlh.
1599
):
[Noah] ward Truncken / vnd lag in seiner Huͤtten.
Opitz. Poeterey
32, 2
(
Breslau
1624
):
Wann ich nach langer zeit schon lieg in meiner rhue.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1487
):
ein stund vor tagß, da ist mein weib eins kindß gelegen.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1520
):
hab herr Niclaus Ziegler geschenckt ein toden liegenden Christum.
Ebd. (
1521
):
Das sind die erschlagnen, unter dem altar gottes ligent.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Schläfft jhr Mann, so bleibt sie nicht lign.
Sonst liegen stets die Weiber vnder
(hier ütr.: ›unterlegen sein‹).
Jahnn ligt vnder der Frauen.
was machst du hie? | Ich dacht, du legst im bett.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 81, 24
(
Hagenau
1534
):
Wer da ligt / der ligt / dem hilffet niemand widder auff.
Ebd.
79, 15
:
Da ligt es / sagt ihene gute magdt / da empfiel yhr das kind am tantze.
Ebd.
187, 26
:
Simonides fand ligen am mere eyn todten leichnam.
Ebd.
552, 2
:
lang ligen / und nicht wollen wider aufstehen / ist schande.
Ebd.
2, 239, 19
([
Augsb.
]
1548
):
zwoͤlff klaine Ferckeleyne | Die lagen unter ainer kalten stiegen.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz ain priester bi ainer gewihten nunnen waͤr gelegen.
Wyss, Luz. Ostersp.
9505
(
Luzern
1545
):
doselbst wend wir inne [jesus] hin tregen. | wann nie kein mensch dorinn [grab] ist glägen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ligen / Ruͦwen. [...]. Auff dem angsicht Ligen. [...]. Die kindtbetterin Ligt hinder dem vmbhang. [...]. Jch Lig im bett biß umb die viere. [...]. Jm graaß Ligen.
Liger / Etwas gespreits ze ligen / es seye dem menschen oder dem vych.
hail. altvaͤter (
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
do er als vnbeweglich lag.
Morrall, Mandev. Reiseb.
157, 9
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
er lit nun vierstund des järes by sinen wiben.
Heydn. maister
30v, 23
(
Augsb.
1490
):
Die schweı͂ lige͂ lieber jm kot de͂n ı͂ eı͂ klare͂ wasser.
Bauer, Geiler. Pred.
76, 23
(
Augsb.
1508
):
lig vor seinen fuͤssen und laß dich davon niemand abweißen / als lang untz das er dich begnadet.
Ebd.
316, 9
:
als ainem esel / dem liebt fuͦter und hew und im stal zu ligen.
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1553
):
ain und zwainzig ligbeth, dreüundvierzig deckbeth.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Man sollt dich nit lan im landt, | Das du so gar am rugken leist.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ligbeth / culcitra [...]. Ligbeth mit stro oder rohr.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dem fuͤrstein junch und tugenthaft, | Sein schone fraw wêr gelegen, | Di het ein chind.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
so muest im Valerianus under seinen füessen ligen zu schmach.
Im starb die edel heilig fürstin Nicostra und ligt bei irem sweher.
unkeusche frawen; die gerte das zu ainem grafen, das er bei ir läg.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1805
(
oobd.
,
1607
/
11
):
ist wie einer im bett schlaffendt ligt.
Stedtfeld, Roger-Glosse
85
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
v. Keller, a. a. O. ; ;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Bachmann, Morgant ;
Eschenloher. Medicus ;
Chron. Augsb. [Var. zu Z. 23]; ;
Sappler, H. Kaufringer
10, 5
;
Klein, Oswald
58, 7
;
Bauer u. a., a. a. O.
2805
.
Vgl. ferner s. v.  3,  2, (
das
),  1,  2,  1,
1
 2,  4,  3, , ,  6.
3.
›topographisch, katasteramtlich innerhalb, auf etw. liegen, das flächenhaft, als Linie o. ä. gedacht ist, wo situiert sein, sich befinden (von Fluren, Liegenschaften, Landflächen, Städten)‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte, berichtende Texte.
Syntagmen:
der berg, das erbe / gut / land / vorwerk an / auf / bei / in / gegen / oberhalb / unter
[einem topographischen Bezugspunkt]
l.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vnde lat daz guͦt nicht in dem gerichte, da der man beclaget wert, Man sol iz varbaz halten.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1301
):
die erbe, die da ligent, die geben alle zehen.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Diese Landtschafft Amapaia [...] ligt an dem Oronoke.
Küther, UB Frauensee
233, 2
(
thür.
,
1463
):
gerechtigkeit, [...] uff der wiesen zcu dem Rode bii der Roner wiesen gelegen.
Thür. Chron.
25v, 15
(
Mühlh.
1599
):
Dann erst da jtzt die Stadt liegt ein gantz Soͤhrichter Eschenwalt.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
28, 17
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Das lant das do umme lyt in mancher tage reyse.
Jahr, H. v. Mügeln
901
(
omd.
, Hs.
1463
):
in des landes mittel lak | ein burk.
Mylius
B 4r
(
Görlitz
1577
):
Locus mediterraneus Ort der weit vom Meer im Erdreich ligt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Es Ligt ein vaͤld darzwischend.
Dreckmann, H. Mair. Troja
37, 19
(
oschwäb.
,
1393
):
ain wazzer [...] tailt die stat in zwen tail, daran legend mülin on zal.
hail. altvaͤter (
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
die lant die in dem mere vnd in den ynsellen laͧgend.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Und wardt die ganntz gegent, darum gelegen, verderbt.
Moscouia
C 3v, 17
(
Wien
1557
):
Drohobusch so oberhalb Smolensco ligt.
Ralegh. America ; ; ;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
2, 12
;
74, 7
;
Rauwolf. Raiß ;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Vorarlb. Wb.
2, 284
.
Vgl. ferner s. v.  5,  3,  1,
1
 15,
2
 1,
1
 1, ,  5,  1.
4.
›sich innerhalb, in einem Raum oder einem räumlich gedachten Gebilde befinden; wo eingebunden, gefangen, situiert sein (von Personen und Sachen)‹; der Ort der Situierung wird durch eine Raumangabe (meist Präpositionalangabe) zum Ausdruck gebracht.
Syntagmen:
j. in eisen, in der falle, in dornen, im turm, in der kirche / helle, in einem ofen, in js. schos, an js. arm
(›in js. Armen‹),
im gestank / schlam l.,
[von Sachen:]
schiffe
[wo]
l., das erz in der grube, die hefe in einem fas, die därme im bauche, das land unter einer rauhen luft l.

Belegblock:

Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
erbere lude, die in tornen laigen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
146, 26
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Die frouwe ist zu mal schone / Sy sol noch hint an myme arme lygen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
225b, 32
(
Frankf./M.
1649
):
sie in jhrens schlam vnd gestanck / darin sie offtmahls liegen zu troͤsten.
Luther, WA (
1522
):
Es ligt das ertz noch halb ynn der gruben.
Opitz. Poeterey
14, 31
(
Breslau
1624
):
das vnser Land vnter so einer rawen vnd vngeschlachten Lufft liege.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
die Frau, die all Tag | In der Kirchen führt solche klag | Vnd fast darinn ligt Tag vnd Nacht.
Lauater. Gespaͤnste
65r, 16
(
Zürich
1578
):
Sy werdend in der hell lige͂ wie die schaaff.
Sappler, H. Kaufringer
26, 61
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
der sollt ee hundert jar pflegen | in ainem feurin ofen ze ligen.
Chron. Augsb. Anm. 2 (
schwäb.
, zu
1562
):
so hat ain e. rat erkannt, daß er ain monat lang in Eisen ligen soll.
Gille u. a., M. Beheim
82, 166
;
Bachmann, Morgant ;
Sappler, a. a. O.
19, 69
;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Klein, Oswald
4, 54
;
Vgl. ferner s. v.  6.
5.
›sich wo aufhalten‹; je nach Art des Aufenthaltes: ›wo wohnen, siedeln; wo übernachten; wo hausen, verharren, herumhängen‹ (mit dieser letzteren Nuance eng an 2 anschließbar); ›wo zu Besuch weilen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  10, , (V.) 1,  1,  2, (V.) 5, .
Syntagmen:
auch absolut;
j. zu hause, auf dem hause / gute, an dem lande, in klöstern l., j. zu
[einer Stadt, z. B.
zu Wien
]
l., j.
[eine Zeitlang, z. B.
über nacht, drei tage
]
wo l.,
(oft:)
bei / zu jm. l., j. gegen orient l.
Wortbildungen
lieggrube
›Spelunke‹ (dazu bdv.: , ),
lieglingen
›liegend‹.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
264, 24
(
Wolfenb.
1593
):
Wenn ich nicht wanderte, vnd stets zu Hause ligen wolte, würde ich nicht viel erwerben.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
dat voulk dat am Rin up beiden siten liggen is.
Voc. inc. teut. p
iv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Liggrub. Spelunca.
Wunderlich, Fierrabr.
125, 11
(
Simmern
1533
):
Keyser Karle bleib da wol drei oder vier tag liegen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
So leistu hie, bist faul vnd treg.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
4, 29
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
In Mosil ist der patriarcha allir cristin di do legin kegin orient.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1335
):
Di wile muz der gast ligen unde warten.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1520
):
do logen wir übernacht und verzehrten 3 weispfenning.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1550
):
daß der Hanns [...] bei dem Jacob Meuttin gelegen.
Ebd. (
1550
):
ist seiner trabanten ainer [...] auf in gefallen, dann in sonst die Spänier erstochen hetten also liglingen.
Memminger Chron. (
Ulm
1660
):
Es lag einer hier / hieß der Zeller / war sechs Tag lang hier mit vier Pferdten.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz ez [volck] der veigen niht æz, dô er in dem land lag.
Ralegh. America ;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
40, 31
;
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
7v, 20
;
Bastian, Runtingerb.
2, 199, 25
;
Schmitt, Ordo rerum
34, 15
.
Vgl. ferner s. v.  1, ,  3.
6.
›wo lagern, zu Felde liegen‹; auch: ›wo stationiert sein‹; als Synekdoche: ›unter jm. dienen‹.
Gehäuft berichtende Texte.
Phraseme:
zu felde liegen
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  18,  2,  2.
Syntagmen:
vor der stat, um
[eine Stadt],
zu
[einer Stadt],
in den grenzen, in den schanzen, auf dem lande l., unter
(z. B.
unter einem hauptman
)
/ über jm., auf / wieder jn.
[z. B.
wieder die ketzer
]
l.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
501, 25
(
Magdeb.
1608
):
Also all Thier zu Felde liegen / | Jedoch jhr Geschlecht nicht bekriegen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
der lag uf die zeit yn Merern ouch uf die ketzer.
Thür. Chron.
3r, 5
(
Mühlh.
1599
):
eine grosse Stadt [...] Troia / vor der lagen die Griechen wol Zehen Jahr.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1407
):
der [...] in auch sust vast schaden getan hat und auch noch auf in czu velde ligt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Er ist vnder dem hauptmann Haßdrubale Gelaͤgen / er hat vnder jm krieget.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Wo er nu zu nacht lag, da stackt man ainen puntschuech auf.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
18, 1
(
mslow. inseldt.
,
1546
):
Satzany Peter, [...] im dorf zu BoZok gelegen, schiessen gehört vom BöZok.
Wyss, Limb. Chron. ;
Franck, Decl.
350, 23
;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Dreckmann, H. Mair. Troja
12, 14
;
Qu. Brassó
5, 228, 28
;
4, 263, 45
;
Vgl. ferner s. v.
1
 3,  2.
7.
›sich in einem Zustand befinden, der durch das Adv. (dies seltener) / präd. Attr. charakterisiert wird (von Personen und Sachen)‹, insofern auch: ›sein‹; als Ellipse hier anschließbar:
liegen
›ruhen, unbebaut, nicht in Betrieb sein‹ (von Wirtschaftseinheiten, s. u.
Löscher
).
Syntagmen:
j. alleine / einzig / begraben / elend / ernieder / erschlagen / erstorben / gebunden / gefangen / gewund / heftig / kalt / krank / nackend / tot
(mehrfach)
/ ungearbeitet / ungebauen / unversonnen / verstolen / verwundet l., etw. ernieder / gefangen / unverkauft / verborgen / wüst / zerstrekt l
.; ütr.:
nahe l.
(zeitlich).

Belegblock:

Alberus, Barf. (
Wittenb.
,
1542
):
fand er einen menschen liegen nackend / verwund.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
130, 3
(
rhfrk.
,
um 1435
):
das phert das by yme doit lag.
Froning, Alsf. Passionssp.
2473
(
ohess.
,
1501ff.
):
vor disser hochzyt, | die hie ßo nahe lyt.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 246
(
rhfrk.
,
1366
):
und ritte ir, die
[einen Geldbetrag]
zu belegin uf einer wesin, daz sie faste legin.
Bergmann, Ambr. Liederb. (
Frankf.
1582
):
mein leide, | das mir mein junges hertz gefangen leit.
Valli, Baldemann
332
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Zuhant sie unfursunnen lag, | Ir varwe gar verwandilt.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
min kint liget in dem hûse gichtec.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
17, 28
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Mer knecht dann herren sach ich tot ligen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
17, 34
(
omd.
,
1487
):
das offt Jn süssem honige, gar starcke gifft vorborgen leÿtt.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
92, 10
(
omd.
,
um 1559
):
Da aber ein erbstoln lege, so mag der aufnemer uberfarne genge [...] an sich bringen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1533
):
So ein perg oder gruben zwo wochen nocheinander [...] ungearbeit ligen bleiben.
Keil, Peter v. Ulm
155
(
nobd.
,
1453
/
4
):
du must den fuß vor hen wol einrichten in ein laden, daz er gleich lig.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
,
1610
/
8
):
jhr müst aber allein ligen | vnd habt kein, der euch wermen kan.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
die menschen die [...] muͤssig ire edelen krefte lossent ligen.
Von disem inwendigen adel der in dem grunde lit verborgen.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Welche hüser iar vnd tag ongebuwen ligend.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1979
(
Basel
1519
):
Es kumpt ein zyt / das solche wyb, | [...] | Werdendt kalt vnd eintzig lygen.
Roloff, Brant. Tsp.
293
(
Straßb.
1554
):
du werst ermort / | Oder du legst ann ketten gefangen.
Goldammer, Paracelsus
2, 255, 13
(
um 1534
):
meint ir nit, sie [tochter] lig auch in dem spital krank?
Maaler (
Zürich
1566
):
Gespreit vnd zerstreckt Ligen. [...]. Weyn die lang Ligen vnnd bleyben moͤgend / vnnd noch guͦt sind.
Sappler, H. Kaufringer
3, 697
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
trew und frumkait leit ernider.
Bauer, Geiler. Pred.
104, 33
(
Augsb.
1508
):
ir vernunfft / lond sy allzeit muͤssig ligen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Betruͤgliche asch / wann in der aschen noch heisse glut verborgen ligt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 69
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
perg, anger, haide weit | gar lustlich leit bedeckt mit laub und gras.
Ebd.
17, 19
:
wenn in ir [mueter] verslossen lag | aller engel ostertag.
Klein, Oswald
26, 58
(
oobd.
,
1427
):
man barg mich vor der sunne schein, | für springen lag ich zwainzig tag verholen.
Munz, Füetrer. Persibein
148, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
alls die chüniginne | der clag lag dort erstorben.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
10715
;
Froning, Alsf. Passionssp.
6071
;
Jungbluth, a. a. O.
4, 5
;
Bell, G. Hager
158, 3
;
Sappler, a. a. O.
3, 353
;
4, 278
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 552, 19
;
Klein, a. a. O.
1, 49
;
33, 3
;
Bastian, Runtingerb.
2, 138, 17
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
10, 4
;
Vgl. ferner s. v.  1,
1
 3,  9,  1.
8.
›sich in einem Zustand befinden, der durch einen präpositionalen Ausdruck näher charakterisiert wird (von Personen und Sachen)‹; im einzelnen z. B.: ›sich befinden‹; ›mit etw. befaßt sein‹; ›in etw. verstrickt liegen‹; ›in bestimmter Weise geartet sein (von Sachen)‹.
Phraseme:
in der asche liegen
›verloren gehen, am Boden liegen‹.
Syntagmen:
j. in arbeiten / pen / sünden / todesnöten / unkeuschheit / zank, in einer not / sucht, in dem kindbette, in der asche, im fegefeuer / gebet / kampf, am sold, an der schwäche, an den ärzten, auf dem anker, auf den knien, beim wein, zu krieg l.
, [von Sachen:]
der bau in guten eren, das feld im aufbau, in der brache, das gut in aböde, die hube zum zehenten, der stand des lebens in süssigkeit, der sin in der lateine, die sonne am morgen l
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
[Der] diesen durch langen tac | In sinen arbeiten lac.
Luther, WA (
1531
):
wen der heilige geist kommen wirdt und ihr in der aschen liegen werdet.
Ebd. (
1538
):
ligt also jr gesetze [...] jnn der aschen.
Alberus, Barf. (
Wittenb.
,
1542
):
Er bat auch / das er nicht lang im Feigfewr lege.
Ralegh. America iijv, (
Frankf.
1599
):
nicht weit von dem Hafen / in welchem wir auff dem Ancker lagen.
Wie er nun in Todtsnoͤten lag.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
das eyne grosse geselleschaft uss Lampartin quam, die dor ynne am solde gelegen hatte.
v. Ingen, Zesen. Ged.
387, 31
(
Breslau
1641
):
Horatius und andere ligen schon vor tausend Jahren in der Asche.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
72, 19
(
Nürnb.
1548
):
Derhalb solten wir alle augenblick auff vnsern knyen ligen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
,
1610
/
8
):
mein Frau vnd jr Mann | Ligen also in zanck vnd strauß.
Mein frau ist glegen in der nacht | Vnd, mit Züchten Zu Rehden, Ein Son gebracht.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 86, 25
(
Hagenau
1534
):
daß eyn Einsidel inn eynem walde an seinem gebet gelegen ist.
Maaler (
Zürich
1561
):
Mit eim zekrieg Ligen.
Sappler, H. Kaufringer
13, 92
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
der herr lag in jamers dol.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
daß ehegemelte seine Hausfraw Fastenzeit in der kindbeth gelegen.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
98
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Darczu mag sich [...] aigne dewtsch nach der latein als die lawtet vnd nach dem text liget weder geschikchen noch gefügen.
Weber, Füetrer. Poyt.
182, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
vmb das er an der swech dy lenng nicht lege.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
15. Jh.
):
die hueben die zum zehent ligent.
Bauer, Imitatio Haller
68, 14
(
tir.
,
1466
):
der stant vnsers lebens das leit nicht in der suessikchait vnd trostung der welt.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
50, 17
(
mslow. inseldt.
,
1525
):
Wen daśśelb feld, darin śie lait, in der Prach ligt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
515, 256
;
Quint, Eckharts Pred.
558, 4
;
Karnein, Salm. u. Morolf
84, 2
;
Kurz, Waldis. Esopus ;
Bachmann u. a., Volksb. ;
Welti, Stadtr. Bern .
Vgl. ferner s. v. ,  1, ,  1,  1, ,  8,  2,  3.
9.
›auf etw. lasten (von finanziellen Auflagen), auf js. Schultern liegen, jn. bedrücken, belasten (z. B. von Strafe); jm. zur Last fallen (z. B. einquartierte Soldaten); jm. im Nacken liegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1.

Belegblock:

Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 246
(
rhfrk.
,
1358
):
sal sin frauwen herfarn, waz uffe
(= worauf)
daz pant gelehen habe.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
ein swær joch liget uͦffe Adames kint.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
Die straffe liegt auff jhm.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1388
):
daz dorzü der krieg furbaz mer wirt uff uns ligen, dann uff vil andern steten.
Ebd. (
nobd.
,
1421
):
des man vor als vast auf uns gelegen und für uns hin geczogen ist.
Stammler, Berner Weltger.
284
(
ohalem.
,
1465
):
es ist an der zit! | Das jungste gericht vff vns lit!
Sappler, H. Kaufringer
21, 11
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
so das alter auf im ligt.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1462
):
48 ₰ dn.,
die
emaln gelegen gewesen sind auf Hannsen Planer, des ledrer, haus.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1555
):
wer selbs pfant geit mit guetlichem willen, dieselben ligen auf vierzehen tag.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
97, 18
(
mslow. inseldt.
,
1610
):
gegen entrichtung gemeiner Stad drauf liegunten Lośung, Anśchnit vnd anderer Bürgerlicher auf lagen.
10.
›aufhören, zu Ende gehen, sich legen‹.
Bedeutungsverwandte:
2
 5,  1,  13,  3,  3.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die rede lige stille.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
5, 7
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Nicht mer geet auf mein lichtbrehender morgenstern, gelegen ist sein schimmern.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Dar nach der wind began | Liegen.
11.
›auf etw. bestehen, hartnäckig auf etw. beharren, an etw. festhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,
1
 7,  12,  23.
Gegensätze:
vgl.  1.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
5221
(
ohess.
,
1501ff.
):
wie lyt der Judde uff dem unglauben alßo hertlich.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
Die botten von Frankenreich [...] lagen daruf, man solt dem kúng sechstusent manne umb sold senden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Gnauw auff einem wort Ligen / vnd darauff außhinfaren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
so waren die 2 auch ewangelisch, und lagen alle 3 auff dem gotzwort.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Pitias [...] lag allain auff der sach die nach allen zaichen ainer geswechten junckfrawen zebeweisen gnuͦg were.
12.
›in etw. / jm. begründet sein; an etw. / jm. liegen, von etw. abhängen‹; vereinzelt: ›auf etw. hinauslaufen‹.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
daran liegt macht
›davon hängt viel ab‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1526
):
Es ligt alles an eynem guͦten außleger.
Ebd. (
1531
):
Ehr redet von ihm selbest, do ligt auch macht dran.
Pfefferl, Weigel. Ges.
38, 8
(
Hamburg
1646
):
Es Liget sehr viel daran das man woll wiße vnd verstehe waß da heise Gesetze vnd Evangelium.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
götlîchiu sælicheit liget an drin dingen.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Dat doe myr kont, wae an dyrss leyt.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
130
(
mrhein.
,
um 1335
):
daz am brode aleine nith | lige des menschen leben.
Ebd.
988
:
so hede sine martel nit irlost | die menscheit von der hellen not, | dar an lit aller der werlete drost.
Gille u. a., M. Beheim
59, 20
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
mein trost, mein gir | mein hofnung an dir leit.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
229, 8
(
Nürnb.
1548
):
wie du disen trost [..] mercken moͤgest / deñ an dem ligt es alles.
Schmidt, Rud. v. Biberach
5, 4
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz beste, das in Cristo sin mag, an dem vnser zitlichvͥ vnd ewige selikeit lit.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1254
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
alle uͤbung dar an lit | Das in werd umb ir goͤttlich leben | Hie lon in diser zÿt gegeben.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
man hat wol gsächen, an wemm es gelegen geweßt ist.
Wyss, Luz. Ostersp.
6520
(
Luzern
1545
):
an diser sach nit wenig lyt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Daran Ligt der gantz handel / das ist drr hafft.
hail. altvaͤter (
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
das lit nit allain dar an das er weltlich guͦt vnd er versmahe.
Sappler, H. Kaufringer
18, 8
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
ich waiß auf erd nichtz lebendig. | daran als vil faigkait lig | als an alten übeln weiben.
Ebd.
26, 100
(Hs.
1472
):
ain mensch, der nicht leidens pfligt, | waiß nicht, was nutz an leiden ligt.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
es leit alles an der üebung und an dem bedacht.
Quint, Eckharts Pred. ; ; ; ; ; ;
Palm, Veter Buoch ;
Froning, Alsf. Passionssp.
2864
;
Kurz, Waldis. Esopus ;
Bauer, Geiler. Pred.
103, 13
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1104
;
1782
;
2063
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1990
;
Wyss, a. a. O.
3164
;
4985
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
18, 7
;
Primisser, a. a. O. ; ; ;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 201
.
Vgl. ferner s. v. .
13.
phras. (alphabetisch geordnet nach dem mit
liegen
verbundenen Substantiv unter Beachtung onomasiologischer Zusammenhänge, danach Ausdrücke ohne Subst., so auch in den Belegen):
lange im armbrust liegen
›lange zögern‹;
unter der bank liegen
(von Sachen) ›keinerlei Beachtung finden‹;
auf einer harten bank liegen
›Mühen in Kauf nehmen‹;
auf der bärenhaut liegen
;
(mit jm.) unter der / einer decke liegen
›(mit jm.) unter einer Decke stecken‹;
das / dies ding liegt jm. uneben / nicht eben
;
unter dem gaul liegen
›den kürzeren ziehen‹;
an eigen und erbe liegen
(Bezeichnung „zur Verpfändung des gesamten Vermögens des Ehemannes für das eingebrachte Gut der Frau“, so );
jm. auf dem hals liegen
›etw. am Halse haben; jm. zur Last gelegt werden‹;
mit jm. zu har liegen
›mit jm. in der Wolle, im Streit liegen‹;
da liegt der hase im pfeffer
;
hier liegt der knote
;
da / hier liegts
›darauf kommt es an‹;
an dem jüngsten liegen
›im Sterben liegen‹;
auf dem lezten liegen
›alles bis zum letzten Pfennig eintreiben‹;
im kat
(alternativ:
im unrat, im wust
)
liegen
;
an dem lezten ker liegen
›im Sterben liegen‹;
im luder liegen
›dem Suff verfallen sein, in Unzucht leben‹;
auf der mutter liegen
›der Mutter die Füße unter den Tisch strecken‹;
jm. in oren liegen
;
im recht liegen
›sich in einem Rechtsstreit befinden‹;
jm. liegt die rede
›jm. verschlägt es die Sprache‹;
im Rhein liegen
›unter-, draufgehen‹;
jm. auf dem rücken liegen
›jn. unter dauernder Kontrolle halten‹;
jm. im sinne liegen
;
etw. liegt am tag
;
recht an dem ziel liegen
›nahe dran sein‹;
es liegt darauf
›darauf kommt es an‹;
fest auf jm.
(im Beleg:
auf den mäusen
)
liegen
›jm. hart zusetzen‹;
es / etw. liegt jm. hart / (wunder)herte / wunderschwere
›jm. geht es schwer, j. hat es schwer, jn. trifft es hart, es steht schlecht um jn. / etw.‹;
sich etw. herte / schwer liegen lassen
›sich etw. zu Herzen gehen lassen, etw. schwer nehmen‹;
wie liegt es
›wie kommt das?‹;
wie liegt es um etw.
›wie verhält es sich mit etw.?‹;
(also) mit jm. gelegen sein
›(so) um jn. stehen, bestellt sein‹;
etw. ist jm. nicht gelegen
(o.ä.) ›etw. gefällt jm. gar nicht‹;
an einem mer gelegen sein denne an dem anderen
›auf den einen kommt es mehr an als auf den anderen‹;
es ist viel an etw. gelegen
›es kommt stark auf etw. an‹;
jm. liegt nichts / viel an etw.
(z. B.
an js. geschwäz / zorn
) ›etw. kümmert jn. nicht‹;
etw. liegen bleiben
›unbebaut bleiben‹;
ob oder unten liegen
›siegen oder untergehen‹;
mit jm. unten und ob liegen
›mit jm. kollaborieren, dauernd zusammen sein‹.

Belegblock:

Henisch (
Augsb.
1616
):
Man soll nicht lang im armbrust ligen / sondern ein ding dapffer angreiffen.
Luther, WA (
1532
):
das sie der tollen vernunfft folget und lesset Gottes wort unter der banck ligen.
Ebd. (
1541
):
Wird im
[
Buch
, der Bibel]
gut, so ligts vnter der Banck.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Dem man sanfft gebettet hat / der stehet nit geren auff / vnd gehet auff ein harten banck ligen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
308, 9
(
Genf
1636
):
Auff der Beerenhaut [liegen] Faullentzen.
Luther, WA (
1531
):
weil jr Schelcke seid, als die Bischofe sind, ligt mit jnen unter einer decke.
v. Birken. Erzh. Österreich (
Nürnb.
1668
):
Der Bischoff [...] lage heimlich auch mit unter der decke.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Were dir dü mere kunde, | Du mittest, kind, dissen stritt: | Won dir daz ding nitt eben litt.
Dis dinge litt mir uneben, | Dar umbe ich balde sterben sol.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
14, 8
(
Frankf./M.
1568
):
Schlecht aber zuletzt vngluͤck zu | Daß mein Parthey ligt vnterm gaul.
Luther, WA (
1530
):
Das die sach nicht allein uns auff dem hals ligt.
Ebd. (
1530
):
die fehrlickeit, so uns vom Babst und Turcken auff dem hals ligt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
145, 34
(
Nürnb.
1548
):
Dem Mann ligt ein grosse sorg auff dem halß / das er weyb vnnd kind nehren soll.
Dietrich. Summaria
30v, 34
(
Nürnb.
1578
):
trowet er jnen
[den Pharisäern]
grewlich / das alles vnschuldig blut auff jrem halß lige / vnnd muͤsse an jnen gerochen werden.
Qu. Brassó 4, 22, 27.
Luther
, WA
32, 112, 30
(
1530
):
und wir also stets mit yhm [Teuffel] zu har liegen und uns mit yhm schlagen mussen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1524
):
man wollt nit das gottes wort verbieten, aber da leit der has im pfeffer. Got leßt sein wort nit untergeen.
Luther, WA (
1531
):
das ist die frage, Hie ligt der knote.
Ebd. (
1541
):
HIe ligts, da stickts.
Ebd. (
1542
/
43
):
da ligts, das er wil das Himelreich geben, So wil die Welt das Erdreich haben.
Ebd. (
1540
):
fides ist medium, das zusamen kopelt me et Christum. Da ligts.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Als der kranck was und an dem jüngsten lag, [...].
Sappler, H. Kaufringer
16, 766
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
dem lauget auch der tiefel ser, | da er lag an dem lesten ker.
Maaler (
Zürich
1561
):
Die tugend Ligt im kaat [...]. Jm wuͦst vnnd vnradt Ligen.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Potare. Sauffen schwelgen im sauß gehen im luder ligen.
Luther, WA (
1539
):
non solt tag und nacht im luder ligen und der hurerey nachlauffen.
Rupprich, Dürer
49, 55
(
nobd.
,
1506
):
Rett mit dem puben, [...], daz er ler vnd redlich halt, [...], vnd nit ob der muter lich.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
jm mit fleiß in ohren lagen | Nichts von außwending [...] ding zu sagen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
an seinem letzsten ende im die red also gelegen, das er nit [...].
Beckers, Bauernpr.
61, 46
(
Köln
1515
/
18
):
die nu beschermer syn | Woilden dat yr gemeyn leich in dem ryn.
Luther, WA (
1544
):
wo er nicht selbs jmer jnen auff dem ruͤcken ligt und treibet.
Klein, Oswald
73, 18
(
oobd.
,
v. 1408
?):
mein Nickel klüg, du leist mir in dem sinne.
Reichmann, Dietrich. Schrr. 74, 13.
Franck
, Decl.
337, 31
(
Nürnb.
1531
):
ligt es nit am tag, das die vnstet toͤricht lieb vnsinnig ist?
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Ez leit reht an dem zil | Daz wir Dario sein her | Slahen wend.
Luther, WA (
1530
):
Es leyt drauff.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
687, 5684
(
Magdeb.
1608
):
Als sie aber jhnen zusahen / | Das sie fest auff den Meusen lagen.
Haage, Hesel. Arzneib.
14v, 13
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Truckt es sich dieff hin ein und get wider auf als ein taick, so leit es hirt umb daz leben.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1388
):
daz er gar ubel mug und im gar hart lige.
Lemmer, Brant. Narrensch.
124a, 395
(
Basel
1494
):
Dem lydt syn dott am hertsten an.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
Die statt hett das kaisers volck inn, den lag es hert, dan sie hetten mangel an speis.
Adrian, Saelden Hort
3313
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
swel sich versument inder jugent | und sich mit ir [minne] verwirrent | und in daz alter herrent, | den lit es wunder swære.
Ebd.
10932
:
ez lit mir wunder herte | daz du mir ie erwurbe | kint und dú muter sturbe.
Roloff, Brant. Tsp.
698
(
Straßb.
1554
):
wir bringen dir newe mehr | Die woͤllest dir nit lassen ligen schwer.
Ebd.
1512
:
Herr nit laß es dir ligen hert.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
ich sprach: wie ligt das?
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1162
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
lieber herr, wie lit es hierumb, | Das du genn mir bist so tumb.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Mit freuel nimpst du mich entgegen, | Weils jetzt also mit mir gelegen.
Meisen u. a., J. Eck
40, 17
(
Ingolst.
1526
):
dann das wir allain solten hoͤren [...], wil uns nit gelegen sein.
Maaler (
Zürich
1561
):
Es ist mir yetz nit Gelaͤgen mit dir zebalgen. [...]. Es ist vil daran Gelaͤge͂ welcherley weinraͤben es seye.
[...]. Ebd. :
Es ist mir vil daran Gelaͤgen / vil zegewünnen.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
2, 450, 23
(
hess.
,
1546
):
es solt ein vergleichung sein etc., so doch an einem mehr gelehen den an dem andern, wie man sagt, das man mehr legt an einen hengst den an einen esel.
Knape, Messerschmidt. Bris.
13, 20
(
Frankf./M.
1559
):
es lege jhm gar nichts daran / das er zwen Ritter vor jhm haben solt.
Bergmann, Ambr. Liederb. (
Frankf.
1582
):
an seinem geschwetz mir gar nichts leid.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
got verflüeche mich, wenn mir neyswaz an sinem zornn ligge!
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
,
1509
):
ap gleych ein tzech tzwuschen den quatembern lygen blybe.
14.
mit besonderer Häufigkeit belegt das polyseme Phrasem
etw.
/ (seltener:)
jn. liegen lassen
›mit etw. / (seltener:) jm. nicht so verfahren, wie es der moralischen, wirtschaftlichen, gesetzlichen Verpflichtung, der Erwartung nach geschehen sollte‹, im einzelnen z. B. ›etw. unbebaut lassen‹; ›etw. nicht verkaufen‹; ›etw. unerwähnt, unerörtert, auf sich beruhen lassen, übergehen‹; ›jn. verlassen, im Stich lassen‹; ›jn. vergessen‹. – Hierzu wiederum phras.:
jm. bleibt das bier / der wein liegen
›jn. überkommt eine so schwere Prüfung, dass er das Bier [...] verschmäht‹;
alles stehen und liegen lassen
;
es bleibt liegend
›es bleibt beim Alten‹.

Belegblock:

Luther, WA (
um 1535
):
Was nicht dein ist, das las ligen.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
48, 15
(
Frankf./O.
1557
):
Ob aber dennoch Gott eim ein solch Creutze aufflegte / das im das Bier / oder der Wein blieb ligen / so trage er solch Creutze mit gedult.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3642
(
rib.
,
1444
):
Des ich up dese zijt wille geswygen | Ind umb des mynsten verdros wil laissen lijgen
[›unerörtert lassen‹].
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
unnd liessen allis stehe unnd lien, was sie hatten.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
20, 15
(
omd.
,
1487
):
lestu hawß, vnd hoff, weÿpp vnd kinder lÿgen, vnd lewfst Jm lande Jrre.
Ebd.
84, 11
(
omd.
,
1487
):
gleich ap sÿ [eldern] nÿe wern hye gewest vnd gleich den hunden ligen lassen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1546
):
Es soll auch Maz Hirsch keinesweges one vorwissen und rat der herren gewercken diener orter belegen aber liegen lassen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1407
):
di gefangen macht kayser Karel her nach zu Wirczburk ledig. alzo belaib ez ligend.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Das sprechent die heiligen daz der mensche lieber sterben solte, aber das lasse ich nu liegen.
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
4487
(
schwäb.
, Hs.
1478
):
Schweig und laß das ligen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1527
):
also hat der Jorg Vetter [...] die sach nit wollen lassen ligen.
Memminger Chron. (
Ulm
1660
):
Blieb also dieses Gut ligen Jahr vnd Tag.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Umb das lasz ichs zu disem mal ligen
[›gehe nicht darauf ein‹].
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1593
):
Wenn ainer [...] unrecht zehent ligen lesst
[›auf dem Felde zurück läßt und dadurch gegen die Abgabepflicht verstößt‹],
begriffen wierdt, der ist das geladne fueder sambt zug und zäg [...] dem zehentherren verfallen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
1523
):
so sol er phluegsrederweit ainen acker ligen lassen.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
99
(
mslow. inseldt.
,
16. Jh.
):
die Ienigen aber, So die Thurn bepholhen sein, sollen alles steen vnnd ligen lassen.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 246
;
Schnurrer, Urk. Dinkelsb.
5, 1811
;
Vorarlb. Wb.
2, 284
.
Vgl. ferner s. v.  2,  11.