ledig,
liedig
(deutlich seltener),
lediglich
Adj.
/
Adv.;
Bed. 1 allgemein, 2-8 auf Rechts- und Sozialbindungen, 9-11 auf theologische, moralische u. ä. Verhältnisse bezogen, 12 als weitere allgemeine Bedeutung steht sowohl in einem konkreten als auch in einem übertragenen, ebenfalls moraltheologischen Kontext, was sich durch die antosem zu 11 stehenden Bedeutungsansätze 13 und 14 hindurchzieht. – Ab Bed. 9 gehäufte Verwendung in Texten religiösen und didaktischen Inhaltes.
1.
›ungehindert, ungebunden; von jm. / e. S. losgelöst, befreit, verschont (jeweils in einem allgemeinen Sinne)‹.
Bedeutungsverwandte:
 7, , (Adj.) 35, .
Syntagmen
präd.:
j.
(z. B.
besessene menschen
)
/ etw.
(z. B.
das herz
)
l. werden, js.
(z. B.
eines kindes / mannes
) /
e. S.
(z. B.
der gebresten, der helle / marter / mörderei, des bildes / bösen geistes, der schmerzen
)
l. sein / werden, von etw.
(z. B.
vom bösen geist, von müe / unruhe
)
l. sein / werden, aus / vor etw.
(z. B.
vor krieg
)
l. sein;
als präd. Attr.:
etw. / jn. l. lassen / machen, jn. e. S.
(z. B.
des trauerns
),
von etw.
(z. B.
von der pein
)
l. machen; l. zu jm. reden
.

Belegblock:

Luther, WA
12, 498, 21
(
1523
):
Das ist des glawbens art, das der mensch bey sich fulet seyn gebrechen und wolt seyn gerne ledig werden.
Ebd.
16, 250, 28
(
1525
):
Sie [die Juͤden] sind frey, ledig von Gott und blos, in welchen er nicht herrschet durch den glauben.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
12788
(
rib.
,
1444
):
Zo singen hain ich billich vlijs, | Want ich ledentlichen gaen | Ind geyn dinck mit mir en drain.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1000
(
mrhein.
,
um 1335
):
Duͦ solt lazen barraban | vnd salt vns henken disen man | [...] | daz wir sin ledig werden.
J. W. von Cube. Hortus
84, 32
(
Mainz
1485
):
Welche frauwe in yr hette eyn doit kynt die drincke võ camillen blomen sye geneset vnd wirt deß ledig.
Pyritz, Minneburg
4514
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Daz got die mynne so hat geschickt, | Daz sie ein mensche so vast bestrikt, | [...] | Und da by lest daz ander ledig.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
15, 16
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
das nahen kein ör und czeit sey [...], in der der mensch, der lebentig ist, frey und ledig on smerczen sey.
Fastnachtsp.
779, 20
(
nobd.
15. Jh.
):
Gel pedeutet, das ich sol sein | Ledig und los aller pein.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3233, 8
(
nobd.
um 1600
):
[sie] Machten In Ledig von der Bein.
Lauchert, Merswin
3, 32
(
els.
,
1352
/
70
):
das si [die menschen] der ewigen hellen lidig wrdent vnd der zuͦ vil fegefúres.
Ebd.
18, 12
:
do nam mir got do ǒch dise grose pinliche v́bende martel abe, vnd lies mich do lidig one alle bekorunge ston. Vnd do ich bevant daz ich dirre grosen v́benden martel lidig worden was, [...].
Vetter, Pred. Taulers
78, 32
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das er aller siner gebresten lidig werden moͤchte und alle tugende und vollekommenheit gewinnen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
6, 8, 5
(
Straßb.
1466
):
Ich rede zuͦ euch lediclich vnd sicherlich.
Cirurgia H. Brunschwig
19
va, 16 (
Straßb.
[
1497
]):
vff dz der mensch solicher sorg vnd schrecken ledig sy.
Päpke, Marienl. Wernher
5029
(
halem.
,
v. 1382
):
Also wart Ihesus do zestunt | Ledig aller schuͦlen me.
Ukena, Zuger Trag.
3665
(
halem.
,
1598
):
Die bseßnen mentschen ihn gemein, | Warden ouch ledig gantz vnd gar.
Bauer, Geiler. Pred.
317, 10
(
Augsb.
1508
):
Will sy aber deßs boͤsen gaystes ledig werden / unnd widerumb tzu gott kommen / daßs mag sy von yr selbs nicht gethuͦn.
Primisser, Suchenwirt
30, 247
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
ob di fuͤrsten ledig sint | Vor grozzem chrieg.
Lutz, Buch Alfadol
94
va, 6 (
obd.
,
n. 1478
):
Der mensch der ist verzaubert oder besessen vnd anderß ist er sere beswert vnd nit bald ledig.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
51, 9
(
oobd.
,
15. Jh.
):
Wer den hohen siechtumb hab, der geb dem menschen zw trincken, so er gevallen sey, vnd gewss im das in den mund, so wirt er dar von ledig.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
138, 26
;
Schönbach, Adt. Pred.
32, 36
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
383, 27
;
Fastnachtsp.
780, 25
;
Bihlmeyer, Seuse
24, 3
;
Jerouschek, Nürnb. Hexenh. 8v,
31
;
Strauch, Schürebrand
22, 14
;
Eschenloher. Medicus
55, 14
;
72, 17
;
Niewöhner, Teichner
209, 35
;
467, 22
;
Maaler
266r
.
Vgl. ferner s. v.  1,  1.
2.
›ungefesselt, nicht in seiner körperlichen Bewegungsfreiheit durch etw. (Ketten, Gefangenschaft o. ä.) eingeschränkt; frei, ungefangen, befreit aus körperlicher Gefangenschaft‹; offen zu 3.
Phraseme:
häufig in Paarformeln wie
frei und ledig, los und ledig
.
Bedeutungsverwandte:
,  5, (Adj.) 4, .
Gegensätze:
(Adj.).
Syntagmen:
l. werden; jn. l. bitten / geben / lassen / machen / reiten / sagen / schaffen, jn. des gefängnisses l. zälen, jn. von etw.
(z. B.
von dem gefängnis
)
l. teidingen, jn. von etw.
(z. B.
vom galgen
)
/ aus etw.
(z. B.
aus den eisen, dem gefängnis
)
l. lassen / machen; der ledige knecht; ledig ausgehen
.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 43, 15
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
die lantzknecht, so [...] in der schlacht gefangen waren [...], sein auch von hertzogen Jorgen [...] ihrer gefengknis ledig gezalt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
527, 649
(
Magdeb.
1608
):
Darnach sein Leut [...] / | Alle gefangne ledig machten / | Mit jhn Raub / vnd ruhm davon brachten.
Froning, Alsf. Passionssp.
4213
(
ohess.
,
1501 ff.
):
nu danck den Judden sere, | das sie dich [Barraban] laßen lere! | [...] | want du bist eyn ledigk knecht!
Ebd.
5775
:
Bistu goddes sone [...], | [...] ganck von dem crucz uff die erden | und loiß uns myt der ledigk werden!
Ralegh. America
16, 26
(
Frankf.
1599
):
Morequito botte dem Fashardo eine grosse Quantitet vnd hauffen Golds an / daß er jn solt ledig lassen.
Feudel, Evangelistar
50, 12
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
an dem tage waz eyne gewonheit daz der richter eynnen gebe ledik, der gevangen waz, deme volke.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
33, 38
(
nobd.
,
1469
):
sie sprechen zu recht, ob ein freyman gefangen wurde [...], so sol der freybot darnach reyten und versuchen, ob er in ledig mocht machen.
Gille u. a., M. Beheim
334, 58
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
So wurd mein hercz erlost | und auss dem kerker ledig.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
579, 35
(
nobd.
,
1525
):
daruff sollen alle gefangne uff ain alt, gewonlich urphed von beden tailen ledig gegeben werden.
v. Keller, Ayrer. Dramen
915, 31
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Vom Galgen ich dich ledig mach, | Solst du schon sein gebunden an.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
14, 15
(
halem.
,
1498
):
wellicher dz in der zit nit git, der soll vänklich angenomen und nit ledig gelaussen untz söllich V gulden usgericht [...] werden.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
301
(
Genf
1636
):
Ledig lassen / lauffen lassen [...] / auß denn hafften lassen [...] Frey geben [...]. Ledig machen / von denn Banden loß machen.
Chron. Augsb.
1, 66, 3
(
schwäb.
, zu
1379
):
fiengen viertusend man [...] und furten die gen Venedi in die prisun und sagten alle die ledig, die von tütscher zungen geporn warn.
Ebd.
8, 184, 6
(
1562
):
hat man den Hanns [...] und sein weib widerumb aus den Eisen ledig gelassen.
Ebd.
336, 24
(
1547
):
so er in [...] auf freien fueß sollte gesetzt und ledig geben haben.
Bauer, Geiler. Pred.
320, 16
(
Augsb.
1508
):
Wie mag ich ledig werden von disem hagken?
Eschenloher. Medicus
56, 11
(
Augsb.
1678
):
noch in der Nacht [...] ist sie nicht allein von dem boͤsen Feind / sonder zugleich auch von ihren Band= vnd Stricken ledig worden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
170, 20
(
oobd.
,
1349
/
50
):
lâz in [habich] des morgens ledig.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
98, 7
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das volckh solt ledigklichen ausgen.
Ebd.
141, 39
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Die [...] graven [...] hyessen dy armen gevanngen Krysten [...] all ledig und frey haymgen.
Luther, WA
10, 3, 384, 14
;
Wyss, Limb. Chron.
67, 10
;
74, 22
; U
147, 37
;
Froning, a. a. O.
4320
;
Feudel, a. a. O.
50, 19
;
64, 2
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
580, 22
;
Bernoulli, Basler Chron.
6, 57, 18
;
Päpke, Marienl. Wernher
9063
;
9233
;
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
189
;
Lauater. Gespaͤnste
32v
, 11;
Chron. Augsb.
2, 258, 11
;
6, 43, 8
;
7, 262, 27
;
Bauer, a. a. O.
322, 18
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 3651, 13
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
138, 6
;
181, 7
;
203, 31
;
Roth, E. v. Wildenberg
124, 19
;
137, 15
;
Grossmann, a. a. O.
16, 41
;
148, 22
;
208, 14
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
259, 43
;
Moscouia Cijr,
40
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
90, 17
;
96, 37
;
Schöpper
101b
;
Vorarlb. Wb.
2, 249
.
Vgl. ferner s. v.  5,  2,
1
 2.
3.
›(bei Gericht) freigesprochen von rechtlicher Verfolgung, Anklage und Urteil; unschuldig, klage- und straffrei; durch einen bzw. von einem Unschuldseid befreit‹ (so Cirullies, s. u.); je nach juristischem Tatbestand offen zu 4.
Gehäuft Rechtstexte, auch Chroniken.
Syntagmen:
l. ausgehen; jn.
(z. B.
den antworter / beklagten / schuldigen
)
l. erkennen / lassen / sprechen / zälen, jn. / jm. e. S.
(z. B.
des gebotes / todes
)
l. sagen, jn. e. S.
(z. B.
der ansprache / forderung
)
l. teidingen, jn. von etw
. (z. B.
von der klage / strafe
)
l. erkennen / sprechen; der ledige man
.
Wortbildungen:
ledigwerdung
›Freispruch‹.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
101, 2
(
mfrk.
,
1. Dr. 15. Jh.
):
so wart der von Westerburg ledig und loiß geteidinget aller forderunge.
Köbler, Ref. Franckenfort
10, 18
(
Mainz
1509
):
Wo aber der Cleger nichts bybrengen würde / So sol der richter den antworter von solicher clag ledig erkennen.
Ebd.
98, 12
:
võ eine͂ igliche͂ erfolgnüß od’ ledig werdu͂g. viij. heller jnzuschribe͂.
Ders., Ref. Wormbs
28, 28
(
Worms
1499
):
So soll alßdann der antworter [...] absoluiert. das ist der Ladu͂g vil fürheischung halben ledig erkant werden.
Voc. inc. teut. o vir (
Speyer
um 1483
/
4
):
Ledig mache͂ der schuld halbe͂.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
110, 35
(
nobd.
,
1384
):
Dem egenanten Meister haben die buͤrger dez egenanten gebots ledig gesagt von bet wegen der hertzogin.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
13, 22
(
Bamb.
1507
):
vnd ist besser den schuldigen ledig zu lassen, dann den vnschuldigen zum tode zu verdampnen.
Ebd.
105, 25
:
das er auff sein erfundene vnschuldt mit endtlicher vrteyl vnd recht ledig erkant [...] werde.
Franck, Decl.
342, 42
(
Nürnb.
1531
):
das vrteyl / das ich von ewerm sententz absoluirt / ledig außgeh vnd moͤge meines vatters guͤter geniessen.
Chron. Strassb.
421, 2
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
do gap sich der keyser schuldig, das ime reht were geschehen, sit er das hochzit nüt hette geeret. und lies den zuhtmeister lidekliche dennen scheyden.
Köbler, Stattr. Fryburg
55, 4
(
Basel
1520
):
so sollen die Richtere den antwuͦrter mit vrteil stracks absoluieren vnd ledig erkennen.
Maaler
44r
(
Zürich
1561
):
Außmachen / Einen ledig erkennen oder sprechen von dem er dann ist anklagt.
Ebd.
266r
:
Des eebruchs halbs Ledig gesprochen. [...]. Ein verklagten von einer mißhandlung Ledig vnnd loß sprechen.
Ebd.
391r
:
Einen von der Straaf quit vnd ledig spraͤchen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
301
(
Genf
1636
):
Ledig sprechen / loßsprechen von der Anklag.
Wackernell, Adt. Passionssp. St. II,
1745
(
tir.
,
v. 1496
):
Aus deinem gewalt du es wol vermagst, | Das dw Jhesum des tods ledig sagst.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 59
;
Hübner, Buch Daniel
2818
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
63, 12
;
106, 3
;
Kohler u. a., a. a. O.
120, 1
;
243, 12
;
Turmair
1, 481, 17
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 239
.
4.
›unverpflichtet, unbelastet, frei (von Schulden, dinglichen Auflagen, Ansprüchen, Dienstverpflichtungen u. ä.), uneingeschränkt zur eigenen Verfügung stehend, frei zur weiteren Vergabe (jeweils von Sachen, Lehen u. ä.); befreit (von Verpflichtungen, Forderungen, Auflagen u. ä.), entbunden (z. B. von Eiden); nicht leibeigen (jeweils von Personen); nicht (mehr) in einem Dienst- oder Ausbildungsverhältnis stehend‹; offen zu 5.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
häufig in Paarformeln wie
frei und ledig, ledig und los / quit
;
etw. in seinen weren lediglichen haben; etw. in lediglichen weren haben
o. ä. ›etw. zur freien Verfügung haben‹.
Syntagmen
prädikativ:
j. / etw.
(z. B.
das gericht / lehen, die hube, güter
)
l. sein / werden, dem reiche / herren l. werden
›an das Reich, den Lehensherrn zurückfallen‹,
l. sein, zu [...], von jm. l. sein, von etw.
(z. B.
von der busse / küche, einem rechte, diensten
)
/ gegen etw.
(z. B.
gegen dem gelt
)
l. sein, e. S.
(z. B.
des eides / gelübdes / kummers / rechtes, der abrichtung / huld / pacht / steuer
)
l. (sein / werden)
; als prädikatives Attr.:
etw.
(z. B.
das haus
)
l. sterben; jm. jn. l. lassen, jm. etw.
(z. B.
das gut
)
l. machen / sagen / sprechen, jm. etw.
(z. B.
der zol
)
l. fallen, jm. etw. l. antworten / geben, jn. l. zälen, jn. e. S.
(z. B.
der bürgschaft / pflicht / schuld / treue, des bündnisses / dienstes / eides
)
l. lassen / machen / sagen / zälen;
mit Präp.:
etw. für l. versetzen;
als Adv.:
l. eigen;
als Attr.:
der ledige man, die ledige gewere, das ledige manlehen;
mit Adv.:
lauter / quit l
.
Wortbildungen:
ledigbrief
›Freibrief, Berechtigungsschreiben‹,
lediggebung
(a. 1558),
lediglassung
a) ›Entlassung aus einem personenrechtlichen Abhängigkeitsverhältnis‹ (a. 1353); b) ›Freigabe aus einem Vertragsverhältnis‹ (a. 1326/7),
ledigmacher
›Person, die einen Gefangenen befreit‹ (a. 1566),
ledigmachung
a) ›Tilgung einer Hypothek‹; b) ›Entlassung aus einem personenrechtlichen Abhängigkeitsverhältnis oder einem Gefängnis‹ (15./16. Jh.),
ledigsagbrief
(a. 1464),
ledigsagen
(a. 1440),
ledigsagung
a) ›Entbindung von Eidesverpflichtungen‹; b) ›Entlassung aus einem Abhängigkeitsverhältnis‹ (a. 1495/6),
ledigsprechung
a) wie
ledigsagung
a (a. 1439/40); b) ›Freisprechung von einer Anklage‹ (a. 1619),
ledigsprechungsbrief
(a. 1393),
ledigspruch
›Versäumnisurteil zugunsten des Beklagten‹ (a. 1510).

Belegblock:

Große, Schwabensp.
82, 14
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
so der man stirbet, so is se ledich von alsuͦchme rechte.
Ebd.
188, a
, 5:
swer an Deme guͦde vreuͦelt, der iz in nuͦtze vnde mit ledichliker gewere hat, dem sol man bezzeren.
Mieder, Lehmann. Flor.
325, 2
(
Lübeck
1639
):
Wer seine zusag vnnd Glauben nicht haͤlt / dem ist der ander zu halten widerumb quit und ledig.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 182, 25
(
mosfrk.
,
1342
):
sal ich [...] die vorg. burg zu Trîs allezît also bestellen, daz sî mime herren [...] ledig und uffen sî zu allem irem willen.
Rudolph, Qu. Trier
315, 2
(
mosfrk.
,
um 1350
):
die kamerer sint fry, quit, loß, ledich von alle dem rechte, dat man nennet bachhellinge unde godegelt.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
165, 6
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Jr herren ich zelen uch ledig. Rident widder zu myme vader.
Kollnig, Weist. Schriesh.
41, 12
(
rhfrk.
,
1453
):
uber solich [...] ledigsagunge der eyde und was darvor geschriben steet, haben [...]. [wir] tun kund offenbare, daß wir by solcher vorgemelten ledigsagunge der eyde und bundnuße, beladunge mit glubden und eyden, wyßunge zu tun und kundschaft zu sagen [...].
Ebd.
151, 11
(
rhfrk.
,
1517
):
so ist es des gerichts brauch [...], im fall irgend von parteyen geklagt wirdt, ob einer von gütern, so ein anderer in gültverschreibung oder sonsten verhaft ligen, das ihme selbige ledig gemacht werden.
Weingart u. a., Seelb. Rhodt
276, 11
(
pfälz.
,
1560
):
es habenn sich die lehener versprochenn fur sie und ir erben [...] dasz diese underpfender ledig eygenn seyen und die hinforder nit weitters beschwerenn.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
19, 24
(
hess.
,
14. Jh.
):
Ist die samenunge grosz, die kelnersen si ledig von der kuchenen und die an merreme notze bekumberet sint.
Köbler, Ref. Wormbs
255, 22
(
Worms
1499
):
so mag der Bürge den schuldner beclagen das ine der bürgschafft ledig mach.
Behrend, Magd. Fragen
1, 55, 6
(
omd.
,
um 1400
):
Alle vryheit unde gerichte, dy der obirste herre des gutes uff deme gute, ab her is in synen weren lediglichen hat, noch dem rechte haben mochte, al sulche macht, vryheit unde rechtikeit sal der man, der das in lediglichen weren hat, ouch uff deme gute haben.
Burkhardt, UB Arnstadt
134, 28
(
thür.
,
1380
):
das daz selbe slosz [...] von todis weigen ledig unde losz storbe.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
264, 15
(
thür.
,
1474
):
fry unde ledig alles dorffrechtis unde abrichtunge.
Küther, UB Frauensee
157, 6
(
thür.
,
1367
):
so solde alle sin habe, dyͤ er [Gyseler] liße [...] lediglich czu dem clostere gevallin.
Ebd.
367, 17
(
thür.
,
1526
):
soll solcher hoeff der jarphocht ledig und uns wie vor deßhalb unbeschwert widder gefallen sein.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
122, 26
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
soll ein paumeister den obgenanten müllnern und iren erben dasselb segrat und segen wider ledig sagen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
105, 31
(
nobd.
,
1475
):
wan einer sein gutt verkauft, [...], als dick ist er seines ayds ledig und loß.
Rupprich, Dürer
1, 149, 35
(
nobd.
,
1520
):
doch das jch in 2 monathen ein ledig prieff brecht, so wolt mir der zolner die 2 gulden an gold wieder geben.
Franck, Klagbr.
223, 39
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
Von diser schatzung zubezalen / war etwa das volck vnter deinen Vranhern [...] frey vnd ledig.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
121, 2
(
nobd.
,
1390
):
grave Rupprecht von Nassawe sol dem Erlbot Zobel sein arm leut der fencknwsse ledig lazzen und der puntnwsse, die sie im getan haben, ledig sagen.
Strauch, Schürebrand
9, 4
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
die selbe gülte süllent ir lidecliche uf geben uwerre eptischin.
Kurz, Murner. Luth. Narr
3591
(
Straßb.
1522
):
Die cristlich freiheit, die ir begeren, | Die ist das ir gern ledig weren, | Zins vnd gült vnd zol zuͦ geben.
Adrian, Saelden Hort
8041
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
und wand mit armuͦt so behaft | daz si der herre samenthaft | gar aller schuld ledig lie.
Welti, Stadtr. Bern
40, 16
(
halem.
,
A. 14. Jh.
):
wellen wir, das ir vnd vͥwer nakomen lidig vnd fri sint von allen andren diensten.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
174, 9
(
halem.
,
1367
):
die luͥte, die graf Peter verkoͧft hat, [...] die ze Berne burger worden sint. die suͥllent och hinnant fuͥr lidig sin.
Ders., Wirtsch. Bern
338, 20
(
halem.
,
1629
):
sol ein meyster einichen lehrknaben minder lehren, dan zwöy jahr, [...] und denselben alßdan in bysyn zweyer anderen meysteren ledig sprechen.
Chron. Augsb.
1, 76, 12
(
schwäb.
, zu
1384
):
die von München hetten ain zol in der stat, [...] den muͦsten si den herren ledig sagen.
Ebd.
7, 80, 21
(zu
1548
):
desgleichen alle [...] ambtleut [...] zuͤ disem mal ires ratsdiensts und ambtspflicht [...] gentzlich ledig getzelt und erlassen.
Sappler, H. Kaufringer
1, 312
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wiltu dann nimer mein gevert sein, | so sag mich ledig der trewe mein.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 264, 12
(
schwäb.
,
1592
):
soll das gericht alle jar [...] alte richter der pflichten [...] ledig zöhlen und dann die newe beaydigung [...] aufgeben.
Ebd.
327, 11
:
sopald deren güetter ainß ledig wurde, eß were durch todtfähl, kauf oder tauschweyß, erb- oder schupflehen, sollen derselben alle lehenbrief zuer cantzley gelifert [...] werden.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
87, 1
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das unser durchleuchtige herschaft ledigkhlich und frey gelassen hat dem genanten Turkischen kayser die stet Negropant.
Ebd.
194, 7
:
wer kunig zu Vngernn wurd, dem solt lediglich gevallen alles, das zu der kron Ungern gehordt.
Hör, Urk. St. Veit
138, 34
(
moobd.
,
1390
):
datz gut zu Räut [...] haben wir im [...] willichleichen ledig lazzen.
Staub, Qu. Wien
3, 2, 2902, 11
(
moobd.
,
1418
):
so sol sy ıͤr 5 pfunt darzu geben, dann so ist die padstuben ledig, als dasselb geschefft vor dem rat beweiset.
Fuchs, Kart. Aggsbach
298, 12
(
moobd.
,
1431
):
haws [...], das ledig und frey ist, alzo das man nichts davon dienet.
Turmair
5, 442, 21
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Diser zeit starb marggraf Volkmair [...] on leibserben und ward die marggrafschaft Brandenburg ledig dem reich.
Mell u. a., Steir. Taid.
85, 45
(
m/soobd.
,
1590
):
damit von ime die ledigmachung deßelben versezten stucks in determinierter zeit gelaist [...] werde.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
3, 12
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
sonder das urbar [...] ist meinem genedigisten herrn von Salzburg frei, lediklich, vermont und haimbgefallen.
Große, a. a. O.
161a
, 31;
57a
, 26;
Leman, Kulm. Recht
2, 4, 51
;
Lamprecht, a. a. O.
172, 6
;
Weingart u. a., a. a. O.
338, 24
;
Köbler, Ref. Franckenfort
62, 7
;
Jahr, H. v. Mügeln
112, 779
;
Burkhardt, a. a. O.
133, 22
;
134, 28
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
18, 14
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
459
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
32a
, 6;
Rupprich, a. a. O.
149, 39
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
250, 6
;
Sachs
14, 231, 30
;
Goldammer, Paracelsus
2, 254, 13
;
Argovia
4, 303, 17
;
Rennefahrt, Recht Laupen
15, 37
;
ders., Stadtr. Bern
172, 28
;
260, 17
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
2, 296, 19
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
56, 11
;
88, 35
;
237, 25
;
Koller, Ref. Siegmunds
159, 7
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
33, 36
;
54, 19
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
211, 9
;
239, 4
;
Chron. Augsb.
1, 93, 16
;
Sappler, a. a. O.
5, 81
;
Bastian u. a., Regensb. UB
418, 29
;
UB ob der Enns
10, 129, 10
;
191, 34
;
Fuchs, a. a. O.
57, 28
;
Dirr, Münchner Stadtr.
164, 14
;
Staub, a. a. O.
3, 1, 1799, 9
;
1996, 27
;
2841, 18
;
2914, 8
;
3, 2, 2939, 12
;
Roth, E. v. Wildenberg
134, 2
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 151, 3
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
284, 21
;
302, 2
;
320, 6
;
Zingerle, Inventare
69, 1, 4
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
67b
, r, 38;
147b
, r, 38;
ders., Stadtr. Kremnitz
29
;
Maaler
266r
;
Vorarlb. Wb.
2, 248
/249;
Rwb
8, 850
;
854
 f.;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 238
.
5.
›unbesetzt, vakant (von einem Amt)‹.

Belegblock:

v. Birken. Erzh. Österreich
76, 29
(
Nürnb.
1668
):
nachdem der Roͤmische Stul auch in 3 Jahre ledig gestanden.
Chron. Strassb.
40, 16
(
els.
,
1362
):
Do daz rich alsus lidig stunt, do hette künig Cuͦnrat ein sün geloßen von des hertzoges dohter von Beyern.
6.
›unverheiratet; nicht durch ein Eheversprechen gebunden‹; als Hypallage verschoben auf den Stand sowie das außereheliche Kind, in letzterem Falle: ›unehelich geboren‹.
Phraseme:
die ehe ledig zälen
›das Eheversprechen (vor oder nach dem Vollzug) aufheben‹;
jn. der ehe ledig lassen
›die Ehe scheiden‹.
Bedeutungsverwandte:
 2.
Gegensätze:
, .
Syntagmen:
l. bleiben / leben / sein; ledig geboren; der ledige schenk / son / stand, die ledige dirne / fraue / tochter, das ledige kind / mensch, ledige fetteln / frauen / gesellen / kinder / personen; lediger weise
›unverheiratet‹.
Wortbildungen:
lediger
1 ›unverheiratete Person‹, dazu als Hypallage: ›unehelich geborene Person‹.

Belegblock:

Luther, WA
10, 3, 108, 8
(
1522
):
Paulus spricht [...] ,Jch wollte, alle Menschen waͤren wie ich‘, das ist ledig; ,wer sich aber nicht enthalten kann, der freye; es ist besser freyen denn Brunst leiden.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
411, 9380
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
quam ein ledic vrouwil gân.
Leman, Kulm. Recht
2,
V, 49 (
Thorn
1584
):
Ab der vatir hat eyn ee. wyp dy des sones styf mutir ist. vnd ab der sone by ir geleyt myt wissen. abir by eyme ledyen tzu wybe. dy syn vatir hat gehat.
Rosenthal. Bedencken
8, 18
(
Köln
1653
):
Daß Hunger [...] pflege anzutreiben zur erwehlung vnd haltung deß ledigen keuschen Stands.
Kollnig, Weist. Schriesh.
20, 7
(
rhfrk.
,
nach 1582
):
Wann zwey eheleüt zuesammen kommen, beede lediges stands, und kinder miteinander erziehlet.
Köbler, Ref. Wormbs
219, 1
(
Worms
1499
):
BAstart. spury oder manseres genant das sind kinder die von ledige͂ frauwen die sich nit zu einem Mann allein halten. sonder dan eine͂ dan den andern zulassen geborn werden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
147, 5
(
omd.
,
1554
/
1633
):
werden die frembden vor den einheimischen abgelegt und die ledigen gesellen vor den beweibeten und bekindeten.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
143, 8
(
Nürnb.
1548
):
so baldt du ehelich bist / bist du gebunden / vnnd gleich alß inn einem notstall gezwenget [...] / Da dagegen eim ledigen gesellen die gantze welt offen stehet.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3004, 10
(
Nürnb.
1610
/
8
):
was die Wittfrau würd sagn, | Wenn sie so lang solt ledig bleiben!
Chron. Strassb.
533, 9
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
brichet aber ein man sin e mit einre lidigen dohter, so git men ime ahtzig streiche.
Goldammer, Paracelsus
7, 170, 9
(
1530
):
daß kein hurerei soll sein undter den ledigen leuten.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
89, 11
(
halem.
,
1562
/
64
):
etwan ain man und ain frowen person [...] ain andern zuͦ der ee nemen, danach über ain zyth oder glich dann zemal ain andern die ee schenckhend und ledig zelend.
Ebd.
174, 18
(
1525
):
der sibend artickel der ledigen kinden halb, so ein herr und abbt zuͦ Sant Gallen bishar geerbt hab.
Ebd.
175, 1
:
Das gotzhus habe och schier der kinden als vil costen als nutz, dann zuͦ ziten der selben ledigen, so sie absterbend, verlassnen kind dem gotzhus zuͦerziechen werden.
Maaler
266r
(
Zürich
1561
):
Lediger / deß eelichen stands vngenoß [...] Lediger aussert oder naͤbend der ee geboren. Spurius.
Chron. Augsb.
8, 158, 10
(
schwäb.
, zu
1562
):
des Ulrichen von Burgau ledigen son, der sein eelichs weib [...] jämerlichen ermördt [hat].
Ebd.
227, 21
(
1563
):
er soll auch deren ainer gewesen sein, so aines würts noch ledige dochter [...] beraubt, genotzwängt und erstochen haben.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
90, 10
(
schwäb.
,
v. 1542
):
die [grefin] ain dochter kayser Maximilians gewesen ist, doch ain ledigs kunt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
216, 15
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
[Er] begund den babst zu bitten, in der ersten gottlichen ee mit frawn Margareten von Osterreich ledig zu lassen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 587, 4
(
München
1586
):
Solt niemand [...] | Nit vnkeusch treiben auß der Ehe | Oder ledigkliche.
Mell u. a., Steir. Taid.
102, 39
(
m/soobd.
,
15.
/
16. Jh.
):
[weliche] mit einander zu schaffen hetten und ledige kinder iberkomen, der sol auch mit leibs und geltstraf bei der obrigkait verfallen sein.
Luther, WA
17, 1, 22, 20
;
49, 802, 7
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
1716
;
Chron. Nürnb.
5, 582, 2
;
Goldammer, a. a. O.
7, 172, 2
;
177, 20
;
Boner, Urk. Aarau
876, 11
;
879, 3
;
Chron. Augsb.
6, 63, 5
;
Grossmann, a. a. O.
150, 31
;
184, 21
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
442, 34
;
Maaler
259v
;
459v
;
Volkmar
74
;
Schweiz. Id.
3, 1077
;
Rwb
8, 853
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 68
;
Tpma
7, 322
.
Vgl. ferner s. v. ,  2.
7.
›nicht ortsansässig, fremd, fahrend‹.
Oobd.; Weistümer.
Wortbildungen:
ledigmässig
.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
2, 640, 46
(
moobd.
,
1614
):
Eß soll auch kein leütgeb über die gewöhnliche zeit weder haußgeseßenen noch ledigen bei dem wein sizen laßen.
Ebd.
645, 8
:
die ledigen gesellen auch andere man und weib die nicht angeseßen oder mit der gmain in allen auflagen mitleiden tragen, sollen [...].
Mell u. a., Steir. Taid.
115, 3
(
m/soobd.
,
1523
):
die ledigen unangesessenen handwerksleut als schuster, schneider, bader, weber, kramer und ander.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
326, 35
(
m/soobd.
,
1617
):
Ledig frembte leüt. Item wo der lantrichter im lantgericht frembte, unkunde leut ankäm.
Ebd.
442, 24
(
17. Jh.
):
soll auch sonsten kein gerichtsman und unterthon in Straßfriderischen gericht ledigmassige persohnen und herrenloß gesindl so wenig juden, schotten, sofeyer, unbekant petler, zigeiner, landsknecht und andere landfahrer [...] beherbrigen.
Ebd.
505, 11
(
1579
):
ledigs volk [...], welliches nit kleinen abbruch thuet den armen in iren heussern.
Vgl. ferner s. v.  9.
8.
›müßig, frei, ohne Arbeit, dienstfrei; freie Zeit habend‹, mit Tendenz zu ›faul‹.
Bedeutungsverwandte:
,  14, , .
Wortbildungen:
lediggang
,
lediggänger
,
lediggeher
›Müßiggänger‹ (dazu bdv.:  2).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
5097
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sus sint sie
[Juden]
muzic und ledic.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 479, 17
(
preuß.
,
1503
):
Von uffgrieff der lediggenger. [...] sollen lediggenger in steten [...] zcu arbeyt geweyszet [werden].
Peil, Rollenhagen. Froschm.
118, 2335
(
Magdeb.
1608
):
Geht einer von jungen Gesellen / | Nach Hasen kuͤren / Vogelstellen. | Oder ledig im Wald spatzieren.
Schöpper
41a
(
Dortm.
1550
):
Quietus. Ruͤwig muͤssig ledig rǎstlich.
Voc. Ex quo
112
/3 (
15. Jh.
):
Occium [...] ledigganck. [...] Ociarius ein lediggenger. [...] lediggeer.
Feudel, Evangelistar
15, 14
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
an der dritten stunden des tages gynk her abir uz unde vant andere ledyk sten.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 5, 28
(
schles.
,
1529
):
dass kein huitmann einen ledigen mann an seine stelle [...] vorordene.
Voc. Teut.-Lat. s vr (
Nürnb.
1482
):
Lediger das nicht arbeit od’ mußiger. [...] Ledigsein mußigsein od’ wandern. spaciari. [...] Ledigwesen od’ verdencken oder mußigsteen.
Dasypodius
369r
(
Straßb.
1536
):
das ledig ist / außgedienet hat. Emeritus.
Thiele, Minner. II,
12, 421
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
er wolt den esel balde ryten abe. | Er lies denn esel ledig.
Bihlmeyer, Seuse
339, 29
(
alem.
,
14. Jh.
):
Sú zúhent es alles nah diser angesiht zuͦ der nature wollust und lediger friheit.
Peil, a. a. O.
334, 2308
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9711
;
Chron. Köln
1, 3244
;
Opel, Spittendorf
183, 11
;
Chron. Augsb.
7, 489, 35
;
Schmitt, Ordo rerum
283, 3
.
9.
in einem allg. Sinne: ›von Sündenschuld frei; erlöst‹; speziell in der paulinischen Tradition der Gerechtigkeit durch den Glauben: ›gerechtfertigt, freigesprochen und damit frei von moralischer Schuld und Sünde, im Zustand des Gerechtseins; frei von aller Bindung an Äußerliches, der Dinge enthoben‹; offen zu 10.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
, , (Adj.) 2, (Adj.) 7.
Gegensätze:
, .

Belegblock:

Luther, WA
7, 26, 3
(
1520
):
Denn sein unubirwindlich gerechtigkeyt ist allenn sunden zu starck, also wirt die seele von allen yhren sunden, [...] das ist des glaubens halben, ledig und frey, und begabt mit der ewigen gerechtickeit yhrs breudgamß Christi.
Ebd.
9, 189, 13
(
1518
):
Deyne Volcke sollen seyn die freywilligenn. Das seynd die ledigeñ gelasßene menschen. die eyns ledigen willens seyn unnd nit hafften an yrgen eynes Ding. dann bloß lauter an dem willen gott.
Ebd.
33, 497, 34
(
1531
):
Christus [...] wil, das man alles los machen und ledig zelen sol. Moses aber wil straffen und nicht vergeben.
Hübner, Buch Daniel
514
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Tuvel, laz den menschen gen, | Ledic unde vri besten!
Ebd.
5680
:
Zu welchir zit der sunder | Irsufzit in herzen ger | Leidende groze sunde, | Bichtende ire bunde, | Alzuhant er werden sol | Ledic siner sunden mol.
Gille u. a., M. Beheim
111, 448
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dar umb das er [Christus] mit sam | den prechen dy er an sich nam, | uns verdienet da mite, | Das wir der prechen alle | und ander wurden ledig. wann | von ewigliches todes pann | löst uns seins todes qualle.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
250, 9
(
Nürnb.
1548
):
das wir mit vnsern wercken / die sünd nimmer mehr werden ablegen / [...] / Sonder so wir von suͤnden sollen ledig werden.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
175, 22
(
els.
,
1362
):
daz dise zit des abelosses vnd dez rúwen ist so lange vor den ostern uf geseczet bi fúnfzig tagen. [...] daz júbeliar begingent die altuetter in dem alle schulde wart lidig gelossen. Also sol noch disen fúnfzig dagen alle vnser sunde vns fúrgeben werden.
Goldammer, Paracelsus
3, 290, 3
(
1523
/
30
):
sie [sünder] seindt verurteilt in den tod [...]. so wir aber auf erden aus sollicher inprünstiger lieb sie umb gott ledig erwerben, alsdann reiniget sie gott von iren sünden.
Ebd.
291, 7
:
so er [unser nechster] uns nun vergeben hat, alsdann seindt wir ledig. vergibt er uns nit, so werden wir nimermmehr ledig, sonder ewig verdambt.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 46, 11
(
Luzern
1597
):
Das eebrüchig wyblin an dem end | Von im [Christus] würdt ledig gsprochen bald.
Luther, WA
21, 313, 3
;
441, 6
;
48, 231, 26
;
52, 159, 38
;
346, 37
;
Sermon Thauleri
10
ra, 5;
Sachs
19, 29, 4
;
Lobenstein-Reichmann, Freiheit bei Martin Luther.
1998, 102
 ff.
Vgl. ferner s. v.  2.
10.
›e. S. enthoben, überhoben, fern, von etw. gelöst, unabhängig von etw. / jm. (z. B. von Gott, den Kreaturen); entsagend‹; die Spannweite dieser Verwendung reicht von dem durch Gott ermöglichten Enthobensein von äußerlichen Dingen bis hin zum teilhabenden Umgang mit Gott; offen zu 11.
Älteres und mittleres Frnhd.; Texte religiösen, speziell mystischen Inhaltes.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.),  7, (Adj.) 3, , (Adj.) 2,  1, , .

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 2, 408, 35
(
1522
):
So spricht Christus: hieher, nymm mich auff, hang an mir durch den glauben, so solstu vom gesetz ledig werden.
Quint, Eckharts Pred.
2, 499, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz der mensche alsô lebe, daz er alsô ledic sî beidiu sînes eigenen willen und des willen gotes.
Jostes, Eckhart
6, 26
(
14. Jh.
):
Wen daz alleroberst teil der sel bloz und ledich ze mal vereint wird mit got.
Ebd.
29, 31
:
Di virden sint geistlich arm. Dise haben gegeben freund und mag. alein nicht gut und er, leip und sel, mer si sten ledich aller guten werch, wan daz ewig wort wurcht alle ir werch, und si sten ledich aller ir werch und bloz. Wan in dem ewigen wort ist weder boz noch gut, hie um sint si ze mal ledich.
Ebd.
45, 1
:
Daz werch daz got wurcht in einer ledigen sel, bloz von allen dingen, daz si edler dan alle di werch, di [...].
Ebd.
88, 32
:
Da got ein ist, da ist er frei und ledik aller werk.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
7, 26
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Also kumpt der mensch durch sich selbs zu got, dem er allein schol anhangen [...] und aller creatur ledig steen und in im rüen.
Langen, Myst. Leben
190, 2
(
nobd.
,
1463
):
daz der mensch abgee / allen lusten der natur / an allein redlicher notdorfft, [...] daz er des alless / ledig vnd ploß stee.
Ebd.
216, 9
:
Sie sindt ledig worden ir selbs vnd ledigent / sich aus in selben, des geben sie ein / freyes vrlaub allen dingen.
Strauch, Schürebrand
13, 9
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
befelhent die sache und alle sachen gotte und uwern obern in rehter lidiger zuͦ grunde gelossenheit.
Ebd.
16, 31
:
mit grosseme flisse süllent ir úch halten abegescheiden, lidig, innig und einig.
Ebd.
39, 2
:
[Franciscus] was also gar lidig und blos aller eigenschaft und alles zitlichen gevelles mit eime gantzen versmahende alles lustes und trostes diser welte.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 125
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Alse die sele svs ledig stat von boͤsem willen vnd von boͤsen werken.
Ebd.
2, 1830
:
nieman enmag verstan, wie men wirgliche minnet vnd gebrúchliche rastet denne der gelassen, ledige, verklerte mensche.
Ders., Ruusbr. steen
130
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
Aber der schowende mensche, der sin selbes vnd aller dinge verzigen het vnd kein abeziehen enphint, vmbe daz er kein ding mit eigenschaft besitzet, sunder aller dinge lidig stat, so mag er alsus blos vnd vnverbildet komen in daz innigeste sins geistes.
Bauer, Geiler. Pred.
17, 24
(
Augsb.
1508
):
Wer muͦß mir deß helffen / daz ich der welttlichen liebe ledig müg werdenn?
Bauer, Imitatio Haller
45, 24
(
tir.
,
1466
):
der da frey vnd ledig ist von der vngeordenten pegierd, der mag sich tröstleichen kcheren czu got.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 213
.
Vgl. ferner s. v.  3,  4.
11.
›rein; vollkommen, vollständig, ganz und gar, absolut, durch nichts eingeschränkt‹.
Texte religiösen Inhalts, Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
 3, ,  3,  23, , (Adj.) 1516, , , .
Syntagmen:
der ledige abker / vonker / übergang, die ledige freiheit / kraft / (götliche) kunst / öfnung, das ledige sein / wesen / wiederrufen
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
19910
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
her sich hat mit schanden | Wider sinen schepfer vorbost, | Der in hat lediclich irlost | Aller schulde.
Quint, Eckharts Pred.
1, 246, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dirre mentsch lebt nu in ainer ledigen frihait vnd in ainer lutern bloshait.
Ders., Eckharts Trakt.
271, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
aber der geist sol sich mit ganzer kraft erheben und lediclîchen in sînen got versenken.
Voc. inc. teut. o vir (
Speyer
um 1483
/
4
):
Ledig krafft pote͂tia absoluta.
Jostes, Eckhart
93, 34
(
14. Jh.
):
also sein dis menschen in gotlicher ordenung und in ledeger offenung suͤnder sich selber gekert zu allen menschen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
32, 8
(
thür.
,
1474
):
nach der frouwen tode sollen denne dy erbenemen den zcinß unde daz ingelt lediclichin besitczin.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
20, 13
(
schles.
,
1341
):
sal dy selbe stat [...] yn lediclichen vndirtenik syn czu eynem pfande mit alle dem genyze, als wir iz gehabit haben.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
2, 40
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
also das im yczund nicht allein leicht und gering sey, sich gancz und lediglich und mußlich in sich selbs nemen und sich von allen andern dingen abczihen.
Strauch, Schürebrand
14, 26
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
zuͦ dem süllent ir uwer hertze mit gantzer begirden lidecliche keren one alles ufsehen der weltlichen hertzen gewerbe.
Merk, Stadtr. Neuenb.
164, 18
(
nalem.
,
1429
):
gib mit disem brief luterlich, lidiklich, genzklich und gar den fúrsichtigen wisen minen lieben herren [...] dieselb pfruͦnd.
Bihlmeyer, Seuse
89, 26
(
alem.
,
14. Jh.
):
Nu nim ich einen lidigen abker von allen creaturen.
Ruh, Bonaventura
312, 10
(
Basel
1507
):
Sytmals das allerluterist vnd ledigist wesen, das da ist das gentzlich, schlecht oder slechtlich wesen, ist das allererst vnd das allerlest, darumb so ist es aller dingen vrsprung vnd entliche volbringung.
Dirr, Münchner Stadtr.
140, 7
(
moobd.
,
1332
):
und bestaͤtigt ledichleich und ewichlich mit disem brief [...].
Höver, Bonaventura. Itin. B
263
(
moobd.
,
1450
/
60
):
also mein kind, merck, das dis sein
[Gottes Sein]
ist ain lautters sein, ain ainuältigs sein, ain gancz lediges sein, ain erstiges sein, ewig, [...] aller volkͤmnist vnd aller hoͤchst ains.
Winter, Nöst. Weist.
3, 564, 3
(
moobd.
,
1539
):
[bestätigt sie der Bischof]
bis auf unser und unser nachkommen unverschaidenlich verändern, besserung, ab-, darzue oder davon thuen oder gahr ledigs widerruefen.
Grosch u. a., a. a. O.
305, 24
;
Wagner, a. a. O.
7, 22
;
Höver, a. a. O. B
631
;
648
;
Vgl. ferner s. v. .
12.
›leer, inhaltslos; unbenutzt, brach, unbewirtschaftet (von Bergwerken); reiterlos (von Pferden)‹; in mannigfachen Richtungen tropisch, dann z. B. ›sinnlos (von Geschwätz)‹; ›unbeschwert, durch nichts anderes angefüllt oder besetzt‹; ›von Unwesentlichem, Unreinem entleert und gereinigt‹, insofern: ›rein, unverdorben, unbelastet (vom Herzen, von der Seele gesagt)‹.
Bedeutungsverwandte:
 68, (Adj.) 1, ,  1, (Adj.) 5, ,  1, , , , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
etw.
(z. B.
das bergwerk, die mole
)
l. liegen, etw.
(z. B.
das haus, kräfte
)
l. stehen, etw.
(z. B.
den schurf
)
l. finden, etw.
(z. B.
das fas / gezelt, den sak
)
l. lassen / machen, etw.
(z. B.
den tempel
)
l. haben wollen, sich von etw. l. machen; der ledige bettelsak / beutel / gedanke / mund, die ledige hand / hülse / kufe / sele, das ledige bette / fas / herz / gemüt / geschwäz / gewäsche / nest / ros, die ledigen fässer / gruben / schalen / siegel
.

Belegblock:

Luther, WA
6, 464, 23
(
1520
):
szo frist der Bapst den kern, szo spielen wir [die Deutschen] mit den ledigen schalen.
Ebd.
22, 41, 27
(
1544
):
Das ist wol weislich geredt, aber im grund ist es nichts denn ledig, los, unnuͤtz geschwetz.
Ebd.
30, 3, 165, 31
(
1529
):
so ists nicht allein ein leddig Zeichen oder losung vnnder den Christen, sonnder ein Zeichen vnnd werck Gottes.
Ebd.
32, 535, 23
(
1532
):
das der man die lere mit gewalt hatte und alles lebte und lauttet, als hett es hend und fus, [...] da der andern los, ledig, ja ein lauter tod gewesch war.
Ebd.
33, 530, 14
(
1531
):
Er wil da ledigen schalen an der nuss nit haben, sondern den kern, Christum.
Ebd.
41, 425, 23
(
1535
):
Er schenck in unser ledig hertz, schenck ein ex sua fulle.
Ebd.
47, 266, 6
(
1537
/
40
):
Es ist besser rotthe augen den ledige gruben, das ist: es ist besser boͤse augen den gahr blindt sein.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
201, 4820
(
Magdeb.
1608
):
Biß jhm [Hund] das Fleisch felt aus der laffen | [...] | Lest jhn nachsehn mit ledigm munde.
Ebd.
427, 5190
:
Hatten die verlassen jhr Fest / | Ruͤckt der Koͤnig ins ledig Nest.
Ebd.
430, 5284
:
Sondern wenn andre ziehn zu Feld / | Vnd ledig lassen die Gezelt.
Ebd.
653, 4615
:
Der Gmeine Frosch [...] | [...] stand da mit lediger Hand.
Schöpper
44a
(
Dortm.
1550
):
Vacuum. Eitel ledig oͤde lär wuͤst wan.
Quint, Eckharts Pred.
1, 6, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Her umbe wil got disen tempel ledic hân, daz ouch niht mê dar inne sî dan er aleine.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
92, 16
(
wmd.
,
1634
):
Ach ihr Bienlein, ach ihr fehlet, | Ledig fahret Jhr nach hauß.
Herborn u. a., Rechn. Jülich
112, 29
(
rib.
/
snfrk.
,
1398
/
9
):
wart die molen zu Caster aff gelaicht [...] ind lach darnae VIII daige ledich, e sy gemalen kunde.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
68, 34
(
omd.
,
1544
):
das unser viel leczlich mit ledigen henden dorvon mussen zcihen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
71r
, 8 (
Leipzig
1588
):
die Kinder sollen jhre liebe Eltern [...] nicht grewlich / wie eine Sawe einen ledigen Bettelsack / anfahren.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
12, 44
(
osächs.
,
1343
):
her kuͦmit und vindet iz [hûs] ledic
[
Mentel
:
lere
; Lang
1521
:
ledig
; Luther
1545
:
mussig
]
stên mit besemen gereiniget.
Ermisch, Sächs. Bergr.
7, 1
(
osächs.
, Hs.
15. Jh.
):
welch man eynen schorp ledig vindet, der siczt wol daryn mid rechte.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 67, 24
(
schles.
,
1404
):
unsir berckwerk [...], dy do abpewd und ledig ligen von wasser not wegen.
Vetter, Pred. Taulers
10, 3
(
els.
,
E. 14. Jh.
; Cod. 89):
hat daz ore ein getoͤne, so gehoͤrt es niemer enkein getoͤne; so welich ding enpfohen sol, das muͦs itel, lidig und wan sin.
Goldammer, Paracelsus
6, 187, 11
(
1530
):
was großere freud wird sein eim seligen mann dann dise freud? die ist frei ledig und guts muets und fruchtbar und selig.
Bihlmeyer, Seuse
290, 1
(
alem.
,
14. Jh.
):
min kint, halte dich inrlich, luterlich, ledklich und ufgezogenlich.
Maaler
265v
(
Zürich
1561
):
Ledig bett / daran einer allein on ein weyb schlaafft. [...] Laͤr oder Ledig rossz darauff niemãts sitzt. [...] Lediger ziebanck oder ruͦderbanck darauff niemants sitzt.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
301
(
Genf
1636
):
Auß einer (ledigen) Kande ist nicht gut einschencken. [...] Ledig machen / laͤhren.
Chron. Augsb.
8, 145, 11
(
schwäb.
, zu
1562
):
hat der Jörg Suiter [...] ain ledig roß an der hand, darauf ain schweres fellis.
Henisch
204
(
Augsb.
1616
):
Bawen macht ledige beutel.
Luther, WA
10, 3, 142, 30
;
21, 224, 29
;
297, 32
;
41, 426, 10
;
Schmitt, Ordo rerum
452, 72
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1017
;
12224
;
Strauch, Par. anime int.
52, 23
;
Ermisch, a. a. O.
99, 19
;
Sermon Thauleri 2rb,
35
;
Eichler, Ruusbr. steen
913
;
Vetter, a. a. O.
226, 3
;
333, 5
;
Bauer, Imitatio Haller
98, 17
;
Piirainen, Igl. Bergr.
27, 2, 6
;
Rechn. Kronstadt
3, 24, 30
;
Vgl. ferner s. v.  2, (
die
2.
13.
›ohne etw. (anderes) seiend, Mangel an etw. habend‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
43, 8
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
grobe liute, die gotes geistes ledic sint und niht enhânt.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 684
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Alles des trostes, den got ie gegab, des sol men gerne vnbern vnd ledig sin.
Schmitt, Ordo rerum
480, 7
;
14.
›einzeln; lose, isoliert, mit nichts verbunden; allein‹.
Phraseme:
das ledige holz
›Einzelfloß‹;
etw. von etw. l. machen
›etw. von etw. los machen, isolieren, trennen, absondern‹.

Belegblock:

Luther, WA
21, 416, 16
(
1544
):
ein lediger Irrewisch, der da scheinet, ist aber on fewr und wehret nicht.
Thür. Chron.
16r
, 3 (
Mühlh.
1599
):
dann er auff einer Heimligkeit sein Eingeweide auß dem Leibe druͤckete / daß der Rumpff gantz ledig war / vnd deßwegen [...] starb.
Sermon Thauleri 5rb,
12
(
Leipzig
1498
):
das wysse auch dz sie innen ist frey vñ ledig võ alle͂ mitteln. vñ võ allen bilden vñ das ist auch die sach. das sich got lediglich mag mit yr voreynen ane bilde oder gleychniß.
Gajek, Seidelius. Tych.
9, 32
(
Breslau
1613
):
Ein Grichischer Juͤngling [...] | Jst kommen gegen Venedig / | Aus der Insl Creta gantz ledig / | Das Er alda sein Gluͤck versucht.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
128, 27
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
dieselben ketten ligen im vorwerck vor dem wasser thuren und sein ledig ketten.
Rupprich, Dürer
2, 46, 19
(
nobd.
,
1500
):
Dornoch deil die zwey newen tritell von den prawnen schtrichen jn der mit [...] vnd laß daz mitler ledick stan.
Sachs
17, 148, 17
(
Nürnb.
1554
):
man muß sitzen frey ledig
(›aufrecht‹)
| Und gar nit ligen an der predig.
Maaler
266r
(
Zürich
1561
):
Ledigeheüser / Mit allen vier ecken ledig / daß sy sunst an kein ander hauß stossend.
Chron. Augsb.
6, 43, 16
(
schwäb.
, zu
1529
):
ist zun barfuesern ain groß, schwer kreutz gestanden [...]. das ist erfault gewesen und ledig worden.
Ebd.
7, 71, 7
(zu
1548
):
daß man das holtz [...] auf den Lech werfen und herab ledig rinnen lassen [solle].
Rot
306
(
Augsb.
1571
):
Dissoluirn / Aufloͤsen / auffbinden / entbinden / zergehn lassen im wasser / das es ledig loß oder lind werde.
Weitz, Albich v. Prag
146, 18
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
wolt die geschwulst also nit vergen, so schneid sy auff vnd luͦg, ob kain ledig pain dar jnn sey vnd das tuͦ her aus.
Deinhardt, Ross Artzney
23
(
oobd.
,
1598
):
Die [ader] sol man im [roß] mit fleiß fein gemach ziechen vnd ledig machen vom fleisch.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
41
(
oobd.
,
1607
/
11
):
4 andere ledige eintzele wie negst obgemelte hörnlein, blaichfarb.
Ebd.
122
:
2 chamaeleonten, einer ist balsamirt, [...], der ander ist ledig zum uffhengen.
Dirr, Münchner Stadtr.
443, 7
(
moobd.
,
um 1305
):
[flozlaͤwt] suͤllen [...] von ainem gast von ledigem holtz, daz ze recht geladen ist, 3 sol dn, und von gestricktem holtz [...] 5 sol dn.
Chron. Augsb.
6, 44, 9
;
Bauer, u. a., a. a. O.
201
;
525
;
1047
;
2778
.
15.
›ungereimt, in Prosa‹.

Belegblock:

Heydn. maister
23r
, 6 (
Augsb.
1490
):
aber die proß hat spat jren anfange genõmen. Vnd der aller erst beÿ de͂ kriechen der mit lediger red hat geschriben / Ist gewesen Eretides.