grausen,
V.;
zu
mhd.
grûsen
›Grausen empfinden‹
(Lexer
1, 1107
).
1.
›jm. (vor etw.) grausen, sich vor etw. fürchten, Schrecken und Entsetzen über etw. empfinden‹.
Phraseme:
jn. graust die haut
›j. fürchtet um seine Haut, d. h. sein Leben‹;
jm. wird grausen
›jm. wird angst und bange‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
(seltener:)
jn./
(meist:)
jm. ab / für / vor etw. / jm. g
.; mehrfach subst.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
267, 20
(
Wolfenb.
1593
):
Es hette mich
[Liebhaber]
sonst gegrauset, was ich hette sollen anfahen, wenn er
[Ehemann]
so kommen were.
Chron. Magdeb.
2, 66, 25
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
Dis kam gar manchem, den die haut grauset, gar eben und recht.
Luther, WA
52, 342, 5
(
1544
):
Jsts Gottes wort, so laß dir nit grausen, er wird nit liegen.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
88, 4
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
swem vor schanden grûset, | dem ist si bi.
Thiele, Chron. Stolle
455, 1
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
in des begonste dissem knechte zu grusen, das er synen hern nicht fant.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 720, 10
(
sböhm.
15. Jh.
):
O sünder last dir grausen nicht | du must hie sein verwegen | Zu got hab starcke zuversich | wildu besizen ewigs leben.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
1398
(
Eisleben
1565
):
wil ich [Fedderwisch] jhr den peltz wol lausen / | Das jhr ewiglich fuͤr mir mag grausen.
Gille u. a., M. Beheim
99, 530
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
da waz solch jamer und geschrai, | das aim wal het gegrauset.
Sachs
15, 50, 16
(
Nürnb.
1557
):
David erschlug zehen tauset. | Derhalben mir vor David grauset.
Ebd.
20, 324, 34
(
1563
):
Es ist ein löw draussen | Auff der gassen, der macht mir graussen.
Thiele, Minner. II,
17, 64
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
ich glob das ir und mir digk grüß | ab claͤffernn die sú umb sich hat.
Jörg, Salat. Reformationschr.
197, 6
(
halem.
,
1534
/
5
):
Er seytt hie er well offenlich wider mich predyen / nun gruset mir nit darab / jch will jmm aber drin reden.
Maaler
94r
(
Zürich
1561
):
Es ist mir ein grausen Durch den gantzen leyb gangen. Perfudit me horror.
Ebd.
191v
:
Grausen (der) Horror. Grausen ankommen oder durch eine͂ gon. Cohorrescere. [...] Einen Grausen empfahen / Im lassen grausen. Perhorrescere. [...] Grausen / Vor forcht erzitteren.
Ebd.
350r
:
Es hat yedermann ein Scheühen darab / Alle waͤlt hat darab ein grausen
(auch zu 2 stellbar).
Ebd.
362v
:
Schuderen / Jm lassen grausen. Perhorrescere.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
175, 12
(
Ulm
1486
):
was allda der sitt das man den eprechern die humen aus schnit. den selben grausen macht die magt dem knecht.
Chron. Augsb.
2, 293, 24
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da sturb es ie lenger ie fester, und [ietz] erst ward den reichen leuten grausen und fluhen sicher gar vil.
Ebd.
5, 26, 1
(
1523
/
7
):
also schwig der Knöringer [...], und dem Fugger ward grausen, und schickt leut an Knöringen.
Klein, Oswald
44, 58
(
oobd.
,
1426
):
ab irem zoren mir da graust.
Gereke, Seifrits Alex.
6930
(
oobd.
, Hs.
1466
):
es mocht dem tievel dar ab grausen | ob ir dann dar durich muest.
Turmair
4, 674, 17
(
moobd.
,
1522
/
33
):
damals grob Teutschen und Winden alda hausten, [...], vor denen den Römern alweg die haut grauset.
Luther, WA
14, 553, 5
;
Thiele, a. a. O.
454, 19
;
Gille u. a., M. Beheim
453, 1160
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
53, 12
;
Klein, a. a. O.
111, 134
;
Gereke, Seifrits Alex.
2553
;
7226
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
505, 3
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
111, 24
;
Voc. Teut.-Lat. m vijr;
Ulner
197
;
Hulsius G ivr;
Henisch
1730
;
Schwäb. Wb.
3, 815
.
Vgl. ferner s. v.
1
 3,  4.
2.
›sich ekeln, Abscheu vor etw. haben, Widerwillen gegen etw. haben; Skrupel vor etw. haben‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
mehrfach subst.

Belegblock:

Jörg, Salat. Reformationschr.
47, 19
(
halem.
,
1534
/
5
):
die grusam gstallt / jst die got haͤssig / grusam / sündig wellt / so nun gantz kein rechte gstallt me hatt / dann das got und alle fromenn / ein groß grusen / truren / und schrecken / ab jrer gstallt enpfachend.
Bauer, Geiler. Pred.
92, 22
(
Augsb.
1508
):
also wirt ainem mennschen sein hertz troffen mit aim graußen / den er ab im selber gewint.
Klein, Oswald
26, 73
(
oobd.
,
1427
):
Planck und ain schreiber, der was tëglich truncken, | die machten grausen meinen leib.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
9, 28
(
tir.
,
1464
):
Meinen krannkhen oder vngestalten gelidern den hat gegrauset in dem scharffen sakh, vnd die vnrain haut die wart geczwungen, das si sach als der moren leib.
Ebd.
105, 39
:
wie haben die göttleichen augen ain grausen vnd missefallen ab dem schëdleichen vnd sündigen spil.
Bihlmeyer, Seuse
9, 10
;
3.
›grimmen, zürnen‹; am ehesten hier anschließbar: ›schreien‹.

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat. m vijr (
Nürnb.
1482
):
Grawsen grymmen zurnen.
Ebd. z iijv:
Plerren als die schoffe. balare grausen.