1
ab,
Präp.,
Adv.
und
Adj.
1.
lokale Präp. mit Dat.: ›von, weg von‹; auch ›abseits von‹; offen zu 2 und 6.
Obd.
Syntagmen:
ab dem weg / land / pfad / gut / rathaus, der welt / ban.

Belegblock:

Maaler
1r
(
Zürich
1561
):
Ab dẽ waͤg gon einẽ heimzesůchẽ.
Chron. Augsb.
2, 178, 1
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
floch das arm volk überall ab dem land in die stett.
Primisser, Suchenwirt
10, 15
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Des edel sin [...] | Ab ern phat nie wenket.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
141, 1
;
Chron. Augsb.
4, 235, 28
;
9, 98, 26
;
Primisser, a. a. O.
6, 50
;
18, 31
;
Serranus
1r
;
2.
richtungangebende Präp. mit Dat.: ›von, herunter von, herab von‹.
Obd.
Syntagmen:
ab der wand, dem arme / kreuze / hause / schiffe / stamme / grabe.

Belegblock:

Fuchs, Murner. Geuchmatt
2191
(
Basel
1519
):
ich [...] | Zuckt mynen harnasch ab der wend.
Chron. Augsb.
8, 69, 6
(
schwäb.
, zu
1560
):
daß dises mägdtlin [...] ain zwaijärigs kind ab seinem arm fallen lassen.
Gierach, Märterb.
4591
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
dye nün hettenn alda | in ab dem chreucze genomenn.
Chron. Strassb.
1, 136, 25
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
39, 2
;
Pfaff, Tristrant
51, 17
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
753
;
1216
;
5797
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
163, 17
;
Kummer, Erlauer Sp.
3, 1000
.
3.
kausale Präp. mit Dat.: ›von, wegen, über, auf Grund von‹; vor allem bei Verben der Gemütsbewegungen in Verbindung mit Subst. für deren Ursache.
Vorw. oobd.
Syntagmen:
sich erschrecken
(häufig)
/ wundern / grausen / beschweren / erbittern / zittern / sich freuen ab
e. S. oder P.;
wolgefallen / misfallen / schmerzen ab
e. S.

Belegblock:

Michels, Murner. Badenf.
3, 52
(
Straßb.
1514
):
Daz mich nit wundret ab dym schweiß.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 68
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
da der tievel ab erschriket.
Primisser, Suchenwirt
24, 210
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
dem tot dem grauset | Ab mıͤr.
Chron. Augsb.
4, 402, 17
;
9, 80, 15
;
Sappler, H. Kaufringer
14, 397
;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
2143, 1
;
Roth, E. v. Wildenberg
16, 13
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 127, 34
;
Meisen u. a., J. Eck
26, 6
;
Goedeke, Fischart. Kehr.
243, 598
.
4.
Präp. mit Dat.: ›von, mittels‹; offen zu 3, mit instrumentaler Komponente.
Vorw. obd.

Belegblock:

Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 57, 94
(
schwäb.
,
1471
):
hinden, | Die sich nerten ab den linden.
Bachmann, Haimonsk.
177, 9
(
halem.
,
1530
):
und schluog Richarden uff sin hälm, das er sich darab bog.
Lemmer, Brant. Narrensch. Vorr.
6
(
Basel
1494
):
Das nyemant bessert sich dar ab.
5.
Präp., wohl mit Dat.: ›über, von‹. Bei Verben des Sagens in Verbindung mit Subst. / Proform für den Gegenstand des Sagens.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
16570
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Paulus drabe jach.
Ebd.
17384
:
Dar Johannes abe quit.
6.
Adv., oft in Verbindung mit Akk. der räuml. Erstreckung: ›hinab, hinunter‹, insbes. ›bergabwärts, flußabwärts‹.
Vorw. obd.
Bedeutungsverwandte:
 1, .
Gegensätze:
3
 1.
Syntagmen:
den Main / berg / weg ab; über den tisch ab; ab gen Wien; ab kommen.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
76, 1
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dô kamen [...] vil häuschrecken [...] den Main ab.
Klein, Oswald
26, 3
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
so wolt ich varen [...] | Ab nach dem Rein gen Haidelwerg.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
333, 31
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
von disen prunnen abwehrts zu des Laimbpüchlers wisen, alda ab [...] zween rainstain.
In Doppelformeln: Maaler
1r
(
Zürich
1561
):
Ain gestaad auf vnd Ab gon.
Turmair
5, 40, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
fuer er an der Thonau ab und ab bis gên Larch
(übs.: ›ganz hinunter‹).
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
33, 8
;
Gille u. a., M. Beheim
40, 4
;
Chron. Augsb.
5, 141, 21
;
Henisch 2;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
165, 27
.
7.
Adv., im Anschluß an 6 in fester Verbindung mit anderen Adverbien, oft in ütr. Verwendung.

Belegblock:

Primisser, Suchenwirt
21, 26
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
An ern ab, an schanden auf | Ist nu der werlde werben
(übs.: ›Ehre nieder, hoch die Schande‹).
Ebd.
22, 107
:
Der chan euch raten ab und auf
(übs.: ›hin und her, so und anders‹).
Henisch 2/
3
(
Augsb.
1616
):
Jetzt auff / dann ab / so gehet das Gluͤck.
Koppitz, Trojanerkr.
23575
(
halem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
Daz ich [...] | minem heren kunne sagen | Abe oder an die warhaitt
(übs.: ›wohl oder nicht‹).
Winter, Nöst. Weist.
2, 615, 8
(
moobd.
,
ca. 1530
):
so soll der herr in wissen lassen an oder ab
(übs.: ›ob ja oder nein‹).
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
231, 28
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
auf und ab des gotshaus grünten
(übs.: ›der ganzen Ausdehnung nach‹).
Alberus, Ar.
8.
Adj., nur präd.: ›aufgehoben, erledigt, nichtig (z. B. von Zuständen, Verpflichtungen aller Art)‹; offen zu 9. Im Dwb, Neub. sind die Verwendungen 8-11 unter
absein
aufgeführt.
Bedeutungsverwandte:
, ,  5, , , (s. v.  28).
Syntagmen:
die beschwerung / schatzung / münze / neuerung / freiheit / ehe, das (un)geld / hindernis / recht / feilhaben, der brief
(mehrmals)
/ schade / kauf / friede sein ab.

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 300, 37
(
mosfrk.
,
1497
):
solchs sal genzlich von nichts und abe sin.
Chron. Augsb.
5, 129, 11
(
schwäb.
,
1523
/
27
):
so soll der zol ab sein.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin I,
28, 126
(
schwäb.
,
1471
):
Recht ordnung ist ab.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
51, 13
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
dann der stull soll todt vnnd ab sein / vnd gestorben vnnder Cristo.
Leisi, Thurg. UB
6, 903, 7
(
halem.
,
1371
):
umb alle stoͤss, sachen und anspraͤch, [...] daz daz alles reit, tod und ab sin sol.
Turmair
5, 119, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
es warn all sach tod, ab, vergeben und vergessen.
˹Hierher wohl auch: Jostes, Eckhart
74, 20
/23 (
14. Jh.
):
ein gůt engel: waz sol der gůt engel? Den engel ab, den stein ab, den menschen, ab diu ein ab, waz ist dann daz bloz gůt, daz got ist?
(vgl. dazu die Anm. S. 163)˺.
Wrede, Aköln. Sprachsch. 4;
Opel, Spittendorf
372, 18
;
Chron. Augsb.
1, 110, 15
;
163, 29
;
8, 453, 2
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
68, 10
;
79, 9
;
Vetter, Pred. Taulers
377, 25
;
Koller, Ref. Siegmunds
347, 29
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
2, 162, 32
;
Chron. Nürnb.
1, 40, 19
;
116, 39
;
Bastian, Runtingerb.
2, 103, 25
;
Sappler, H. Kaufringer
13, 1508
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
512, 36
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
182, 1
.
9.
Adj., nur präd. ›abgesetzt, des amtlichen Auftrags enthoben (von Personen, Gremien); funktionslos (von Einrichtungen, z. B. von Festungsanlagen: geschleift)‹.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
364, 44
(
osächs.
,
um 1480
):
die vorigen geschickten solten abe sein.
Auer, Stadtr. München VII,
100, 4
(
moobd.
,
1347
):
der grozz rat sol ab sein.
Chron. Köln
2, 107, 4
(
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
so solt gein sone geschehen, dat bolwerk enwere af.
10.
Adj., präd. und adv.: ›fort, weg (von Personen)‹.
Obd.

Belegblock:

Bernoulli, Basler Chron.
4, 265, 26
(
alem.
,
1446
):
der adel were abe.
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 3067 (˹wohl
Straßb.
˺,
1509
):
Er sprach / „ab, ab do von mir nitt / | Ich woͤlt, das eüch der ritten schitt.
Chron. Strassb.
1, 333, 16
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
das er abe und von der stat züge.
11.
›gebrochen (von Körpergliedern); abgemäht (von Getreide o. ä.)‹.

Belegblock:

Keil, Peter v. Ulm
227
(
nobd.
,
1453
/
4
):
wem ein ripp abe sey.