gescheid,
gescheidig,
gescheidiglich,
gescheidlich,
Adj.,
die
-lich-
Bildungen
Adv.
1.
›scharfsinnig, schlau, gewitzt, geschickt, gerissen, verschlagen‹, mit Tendenz zum Übergang auf ›klug‹; insgesamt eher auf negative Charaktereigenschaften wie ›verschlagen, listig‹ als auf positive bezogen, meist vom Menschen, auch von Tieren gesagt.
Phraseme:
seines vorteils gescheid sein
›seinen Vorteil zu erreichen wissen‹.
Syntagmen:
das wiesel g. sein, j. g. sein / werden, g. auf das geschäft sein
;
g. regieren, jn. g. leichen, gescheidiglich fragen / handeln / sprechen, mit jm. reden / umgehen, einen baum gescheidiglich zu im ziehen
;
zum gescheidesten fragen, ob [...]; der gescheide man / pfaffe / richter / bauer / fuchs / han / hund, die gescheide atzel / lere, das gescheide kind / or
.
Wortbildungen:
gescheidlein
(a. 1620),
gescheidlichkeit
›Vorsehung‹.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Callidus. Behendt spitzfindig verhauwen geschraufft geschyd schlaw fündig verschlagen kluͦg geschwind ränckisch.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
249, 6317
(
Magdeb.
1608
):
Der Wiesel ist so gar gescheid / | Das er auch verandert sein Kleid.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 105, 22
(
nobd.
,
1464
):
Auch hat er meͤr gethon hernach und ist gescheidiglicher darmit umbgangen.
Voc. Teut.-Lat.
q viijr
(
Nürnb.
1482
):
Kluger arglistiger gescheyder geswinder hochfertiger laichiger. versutus.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
sie [...] ließen den [metzgern] süeße schmeichelwort geben, daß sie sich zu den andern hantwerken verbunden. die warent gescheit und gabent in herwider wort, die weder warm noch kalt warent.
Und haben die ersten seldner alle gefroͤnet, die letzten sint zwͤ gescheyde, wann inn nymant anhelt.
Franck, Decl.
350, 11
(
Nürnb.
1531
):
Dise ding werden nicht vnlieblich sein zu vernemen noch auch nit vnnuͤtz zu sagen / noch gescheyden oren verdrießlich zuͦ hoͤren.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Bsonders aber deß Münchs betrug, | Dem jhr bey weit nicht seyd gscheid gnug!
Sudhoff, Paracelsus (
1529
):
Liechtenberger zeuchts etlichs teils hierein, als habe Christus des himels kinder und des himels gescheidlikeit vermeint.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
23, 25
(
Zürich
1521
):
Warumb sind die menschen so gschyd vnd sinnrych / meer zuͦ jrem schaden vnd v’derbnuß / dann zuͦ beschirmen jr glück vnd heil.
Maaler (
Zürich
1561
):
Gescheydlich / Mit guͦtem gemerck. Sagaciter.
Sappler, H. Kaufringer
7, 293
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wie er darnach zuo im zoch | den kriechpaum gescheidiclich, | daran er hinab liesse sich | in den garten sa zehant.
Ebd.
16, 256
:
es gewont das kind damit, | das es gewinnet bösen sitt, | wann im dar hart abgepirt, | wenn es vil gescheider wirt.
Ebd.
18, 46
(Hs.
1472
):
er ward zuo ainem jungen man | und fieng es gescheidelich an, | als er das wol füegen kunt.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Der gescheiden Atzlen sein dannoch jre Ayer gestohlen. Man fahet auch wol einen gescheiden Fuchs. Gescheid Hahnen fressen die Füchs auch. [...]. Auß gescheiden Kinderen werden Gecke. [...]. Ein Weib das sich gescheid dunckt / ist ein doppel Naͤrrin. [...]. Es ist kein Narr / er ist seines vortheils gescheid.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
ob er die ding gescheidigklich gehandelt hat.
Gerhard, Hist. alde e
2244
;
Peil, a. a. O.
168, 3816
;
Ralegh. America ;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob ;
Neumann, Rothe. Keuschh.
2199
;
Sappler, a. a. O.
3, 9
;
11, 4
;
15, 5
;
24, 19
;
Barack, Zim. Chron. ;
Fischer, Eunuchus d. Terenz ; ; ;
Voc. Teut.-Lat.
m iijr
;
m iiijr
;
Dietz, Wb. Luther ;
2.
›klar, deutlich; bestimmt‹; alle Belege semantisch nicht sicher interpretierbar.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm (
preuß.
,
1331
):
Di benanten virczen lid, | Wil man merken gar geschid, | Czuͤt man uz dem gelouben.
Nu lestu, her, geschide | Den dinen knecht mit vride.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Want er [herre] wil sprechen geschide | In sin volk ewigen vride.
[Daz Job] By Moysi geziten was | Und waz geborn geschide | Wol indem sechsten lyde | Von Nachor.
da ich wollust myde, | Ich gelobte eyn geschide | Gelubde mit den ougen min, | Das gyng uz mynes herzen scryn, | Das ich an sehe dy keyne mayt.
3.
›auf spalterische Weise, zum Zwecke eines Schismas‹.

Belegblock:

Klein, Oswald
27/8
(
oobd.
,
1415
oder
1420
/
21
):
das prüfft man an den gensen wol, | ir ainvalt si gescheidiklichen meren | zu Behem und ouch anderswo.