bettel,
der
;
-s/–
.
1.
›Bettelei, das Betteln‹; in mehrfacher Richtung ansatzweise metonymisch: ›Stand des Bettlers‹; ›Bettelei als Zustand‹; ›Erbetteltes‹;
vgl.  1.
Gehäuft nobd. / wobd.
Phraseme:
den bettel fressen
›vom Opfergeld, Erbettelten leben‹.
Bedeutungsverwandte:
,  1, ,
2
(Adj.),
1
 7.
Syntagmen:
den b. abstellen
;
des b. (ge)leben / (nicht) verderben, sich des b. schämen
;
jn
. (z. B.
kinder
)
dem b. nachschicken, dem b. den riegel stossen
›einen Riegel vorschieben‹;
sich aus dem b. nären, vom b. sat werden, um den b. gehen, eine strafe um den b. vornemen, jn. in den b. weisen, im b. etw. zusammentragen, etw
. (z. B.
ein kloster
)
auf den b. stiften / widmen
;
der müssiggehende / unverschämte b
.
Wortbildungen:
bettelbuch
wohl ›buchförmige Aufzeichnung über das Betteln‹,
bettelherre
›Angehöriger eines für das Bettelwesen zuständigen Ausschusses des städtischen Rates‹ (14. Jh.),
bettelmeister
›städtischer Beamter zur Eindämmung des Bettelns‹ (dazu bdv.: ; 15. Jh.),
bettelschreiber
›von der Obrigkeit beauftragter Registrator für das Bettelwesen‹ (a. 1361),
bettelstok
›Stock, Block zum Anschließen des Bettlers‹,
bettelwerk
1.

Belegblock:

Luther, WA
53, 615, 6
(
1543
):
So findet man auch in dem Bettelbuch das dieselbigen Rotwelsch reden, da viel Ebreisch unter ist.
Jacobs, UB Langeln
198, 29
(
omd.
,
1526
):
so ire closter als der vehir ordenn eyne uff den bettel gewiddembt unnd gestifft sy.
Sachs
14, 117, 35
(
Nürnb.
1550
):
man legt mir in pettelstock | Des jars auff das wenigst ein schock.
Ebd.
17, 330, 8
(
1563
):
Daß [...] | Die bettelorden allesand | Mit irer gleißnerey umbzügen | Und im bettel zusammen trügen | Groß schätz.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
8, 67, 12
Var. (
Straßb.
1466
):
dein gebreste kumpt als ein lauffer: vnd die armkeit
[Var. 1477ff.,
Eck
1537:
bettel
;
Luther
1545:
mangel
]
als ein geweffenter mann.
Lemmer, Brant. Narrensch.
63, 1
(
Basel
1494
):
Der baͤttel hat ouch narren vil | All welt die ryecht sich yetz vff gyl | Vnd will mit baͤttlen neren sich | Pfaffen / mynchs oͤrden sint vast rich | Vnd klagent sich / als werent sie arm | Hü baͤttel / das es gott erbarm.
Ebd.
93
:
Vil neren vß dem baͤttel sich | Die me geltts hant / dann du vnd ich.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 137, 34
(
els.
1521
):
also werdent die gotsgaben verzert, und wann ichs reden dörft, so thůnd si all mit in den bettel freßen.
Spanier, Murner. Narrenb.
11, 127
(
Straßb.
1512
):
Darumb wir sindt geistliche kindt, | Darumb wir ouch den bettel fressen.
Müller, Lands. St. Gallen
103, 28
(
halem.
,
1562
/
4
):
und dan vil maln sollicher verdorbner leuten kinder in bettel gewisen wurden.
Maaler
49v
(
Zürich
1561
):
Baͤttel (der) Baͤttlerey / Baͤttel werck / Ein soͤlliche armůt / da einer baͤttlen můß.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
911, 11
(
halem.
,
1628
):
sonders woͤllen denselben [armen] noch fuͤrbas mit dem allmůsen behilfflich syn, und allein dem muͤssiggehenden baͤttel und daruß erwachsend fraͤfen und unverschampt waͤsen den rigel stossen.
Henisch
344
(
Augsb.
1616
):
Den bettel als vil muͤglich / soll man abstellen. [...] Bettel / hat einen langen zettel. Deß bettels verdirbt niemand / aber man wirt sein vnwerth. Es gehet alles in bettel / Sic omnia fatis In peius ruere & retro sublapsa referri. [...] Es ist nichts aͤrmers / dann der bettel / den kan man nicht füllen. Es ist nichts reichers / dann der bettel / der hat jmmer voll auff ohn sorg vnd arbeit.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
205, 37
;
Sachs
17, 65, 14
;
Lemmer, a. a. O.
63, 60
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
1153
;
Rennefahrt, a. a. O.
910, 34
;
Koller, Ref. Siegmunds
350, 4
;
Sappler, H. Kaufringer
25, 197
;
Dietz, Wb. Luther
1, 289
ff.;
Rwb
2, 234
;
Schwäb. Wb.
1, 961
f.;
969
;
6, 1629
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›wertloses Zeug, Bettel‹.
Wortbildungen:
bettelkrämer
(a. 1552),
bettelrecht
›wertloses, geringfügiges Recht‹,
bettelreich
,
bettelschlos
,
bettelsreuterdienst
›Elendstruppe‹,
bettelstat
,
bettelstük
2,
bettelweisheit
,
bettelwerk
2.

Belegblock:

Luther, WA
21, 398, 34
(
1544
):
So ist auch nicht zu leiden solch gemenge und bettelwerck, wie die elenden Sophisten sich flicken und lappen.
Ebd.
21, 489, 16
(
1544
):
das er
[Gott]
gibt, nicht allein ein bettel stuͤck vergenglichs guts, sondern seinen hoͤhesten liebsten schatz, seinen Son.
Ebd.
30, 2, 147, 24
(
1529
):
ein iglicher fur sich ein man sein wil odder mit eim bettels reuterdienst zu felde zeucht.
Ebd.
36, 116, 11
(
1532
):
las den treck und bettel faren.
Ebd.
41, 86, 30
(
1535
):
Das heisst jhe mit einem wort hoch gehaben und zum herrlichen Konige gesetzt, nicht uber das bettel Schlos zu Jerusalem noch Keiserthumb zu Babylon.
Ebd.
41, 93, 24
(
1535
):
[so es] doch ein schwach, ja ein recht arm, elend bettelreich ist, und nimer keiner da hin kan bringen, das es gienge, wie er gerne wolte, Sondern alzeit ungehorsam.
Ebd.
41, 200, 17,
Anm. 1 (
1535
):
dant pecuniam aliis, das man fur sie opffer, sed es ist ein bettel stuck.
Ebd.
41, 479, 20
:
Bricht auff ex Nazaret ex Bettel stad inn die reiche stad.
Ebd.
41, 745, 28
(
1534
):
das man mit solchem schebichtem bettel recht mehr denn hundertfeltig unrecht thut.
Ebd.
49, 360, 10
(
1544
):
Philosophi sind feine und weise leute gewesen. Sed est Bettelweisheit.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
169, 3853
(
Magdeb.
1608
):
das ichs nicht acht fuͤr ein bettel / | Zeigten sie mir der Gwercken zettel.
Weise. Jugend-Lust
81, 23
(
Leipzig
1684
):
sonst bleibet ihm der Bettel uͤber dem Halse.
Luther, WA
36, 116, 2
;
41, 200, 17
;
41, 585, 21
;
49, 281, 29
;
49, 294, 11
;
Dietz, Wb. Luther
1, 291
;
Schwäb. Wb.
1, 961
f.;
964
;
969
.
3.
›Bettler‹.

Belegblock:

V. Anshelm. Berner Chron.
1, 27, 17
(
halem.
,
n. 1529
):
dass er, die wil si lebend, nit ein betel, wie Petrus, sunder ein welt-fuͤrst, wie Dioclitianus, ist.
4.
›kleines Weinfläschchen‹.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 977
(a. 
1634
/
5
; dort Motivation der Anlehnung an
betler
, gleichzeitig Angabe einer etymologischen Alternative: zu ital.
bottiglia
).