betteln,
V.
1.
›betteln, als Bettler für seinen Lebensunterhalt sorgen, sich als Bettler durchschlagen; etw. erbetteln, erbitten‹. In den Belegen steht das Betteln unter einer Reihe sich wiederholender Aspekte: Gegensatz zu , , moralische und soziale Abwertung, obrigkeitliches Verbot, Betteln als Problem der Sozialfürsorge; vgl. die Sprichwörter bei
Henisch sowie im
Tpma
1, 451-455
.
Bedeutungsverwandte:
2
.
Wortbildungen:
bettelarm
,
bettelarmut
,
betteläser
(a. 1584; Grundwort zu ),
bettelbauch
(abwertend für die römisch-katholische Geistlichkeit; 1. H. 16. Jh.),
bettelbrief
›amtliche Erlaubnis zum Einsammeln von Gaben‹,
bettelbrot
(dazu bdv.:  1),
bettelbruder
(1. H. 16. Jh.),
bettelbube
(a. 1531),
bettelfasel
›Bettelvolk‹ (a. 1591; Grundwort zu
Fasel
›Mensch‹;
Schweiz. Id.
1, 1055
),
bettelfure
›das Betteln‹ (14. Jh.),
bettelgeschlecht
,
bettelgeschrei
,
bettelgeselle
,
bettelgesinde
›Bettelpack‹,
bettelgrau
(M. 16./17. Jh.),
bettelgulden
(ein Abgabe; M. 16. Jh.),
bettelhans
›Bettler‹ (a. 1552),
bettelhaus
›Armenhaus‹ (a. 1625/6),
bettelhülfe
›erbettelte Hilfe‹ (a. 1530),
bettelisch
›armselig, wie Bettler‹ (a. 1521/2),
betteljägi
(a. 1648; wie ),
bettelkaste
(dazu bdv.: ; a. 1528),
bettelkeit
(dazu bdv.:  1, ) ›Elend‹,
bettelkind
(a. 1532/3),
bettelkittel
(a. 1543),
bettelknecht
›Spitalknecht‹ (a. 1532),
bettelkönig
für Christus wie für den im Glauben Freien, aber weltlich Machtlosen gebraucht,
bettelkrankheit
,
bettellied
(1. H. 16. Jh.),
bettelman
,
bettelmandat
›Verordnung über das Betteln‹,
bettelmännisch
(a. 1585),
bettelmantel
abwertend in Bezug auf den Adligen,
bettelmässig
›nach Art des Bettlers‹ (a. 1519),
bettelmene
›ärmliches Gespann‹ (Grundwort zu mhd.
mene
›Gespann‹;
Lexer
1, 2098
),
bettelquest
›Almosenbetteln‹ (16. Jh.),
bettelsäckel
›Armenkasse‹ (a. 1531/2),
betteltag
›Brauchtumstag mit geräuschvoller Belustigung und Heischen von Geld‹ (a. 1652),
bettelturn
›Gefängnis für unerlaubtes Betteln‹ (a. 1690),
bettelzeichen
›von Bettlern aufgrund obrigkeitlicher Auflagen zu tragendes Zeichen‹ (16. Jh.).

Belegblock:

Luther, WA
33, 644, 6
(
1531
):
arme bettelkonnige und fursten, dan die welt wirdt Ehre, geldt, guth und gewalt haben und dennochs solt ihr auch herschen, aber nicht uber den leib, guth und Ecker, sondern uber die gewissen.
Ebd.
41, 583, 27
(
1536
):
Was hat der selbige? Eine elende parteken und bettelbrot, Da gegen hab ich die Goͤttliche gnade.
Ebd.
49, 654, 9
(
1545
):
Non praedico nisi leprosis ec. elenden, non den bettelarmen, sed betrubten hertzen.
Ebd.
52, 12, 15
(
1544
):
Aber diser bettel Koͤnig Christus hilfft nicht allein wider eine sünd, sonder wider all meine sünd.
Ders. Hl. Schrifft.
Apg. 3, 2
(
Wittenb.
1545
):
sie satzten jn teglich fur des Tempels thür / [...] / das er bettelte
[
Mentel
:
iesch
; Var. 1483f.:
hiesch
]
das Almosen.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
4205
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Betlin pflît ir keinir [Prûzin] gân | want si di gewonheit hân: | swer dâ arm ist undir in, | der mac her gên unde hin | von hûs zu hûse unvorjait | und ezzin dâ, swenn im behait.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 622, 32
(
preuß.
,
1444
):
wer von erbeit sich generen mag, der sal nicht betelen gehen.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 46, 15
(
wmd.
,
1521
):
Du weist daß man mit gewalt, heimlich, durch betlen oder bit nimer prescribieren kan.
Chron. Köln 3,
715, 15
(
Köln
1499
):
eindeil naemen sich an, dat si krank weren, up dat si mochten gelt daedurch bedelen.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
101
(
pfälz.
,
1436
):
das der menschen natür manigualtiglich knechtbar vnd dienstbar sy, jndem das sie sehelich vorbildunge bettelt durch gesiecht vnd durch gehörde.
Feudel, Evangelistar
37, 30
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
ist dirre ich der der do saz unde bettelte?
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
82, 41
(
omd.
,
1487
):
ein itzlich from kinth villieber sein lebtage solde betteln gehn̄. den brechen das Testament.
Skála, Egerer Urgichtenb.
126, 2
(
nwböhm.
,
1574
):
Der Jacob (aber) hab auch ein Pettelbrief gehabt Abergesagt er hab In vorloren.
Gille u. a., M. Beheim
236, 78
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
auch etlich peteln gene | In geistlichem gewant.
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
1, 54, 33
(
nobd.
,
1488
):
den steynmetzen, der an der stat arbeit ein schaden an seinen geliden empfangen hat, zu bürger aufzenemen und im daz bürgerrecht schencken; im auch ein zaichen ze geben, daz er petteln muge.
Gerhardt, Meister v. Prag
163, 9
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
Ich mag nicht graben (noch hacken), ich schem mich zcu betteln.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
204, 37
(
nobd.
,
1490
):
die pettler und petlerin, die sich bey dem tag zu petteln schawmen und allein des nachts petteln wollen, sollen on zeychen des obern rats nit petteln [...] dadurch zu versteen, ob sie des bettelns notdurftig sein oder nit.
Sachs
17, 229, 9
(
Nürnb.
1561
):
Derhalb allein bey ihn einziehen | Spitzbuben, kerner und landsknecht, | Landfarer, kremer und betelgschlecht.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 645, 4
(
Nürnb.
1631
):
Dargegen war ein Bettelman, | Der arme Lazarus.
Harsdoerffer. Trichter
3, 147, 24
(
Nürnb.
1653
):
Der zerlumpte / abgerissne / fast entbloͤsste brodsuchende / hungerige Bettelmann der von der Reichen uͤberfluß sein Leben karg erhalten muß.
Karnein, Salm. u. Morolf
118, 18
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
das habe dir, grosser bettelman, | wie getarest du mit dinem gehutze | vor einen richen keiser stan.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 404, 17
(
Straßb.
1466
):
Die do sitzend [...] in den schatten des tods geuangen mit betelkeite
[
Luther
1545:
zwang
]
vnd mit eysen.
Ebd.
8, 81, 16
:
Nit gib mir pettelkeit
[
Eck
1537:
Baͤtlen
;
Luther
1545:
Armut
]
vnd reichtum.
Lemmer, Brant. Narrensch.
19, 48
(
Basel
1494
):
Durch sie [zung] / verluͤrt manch armer man | Syn sach / das er můß bettlen gan.
Ebd.
63, 3
:
All welt die ryecht sich yetz vff gyl | Vnd will mit baͤttlen neren sich.
Ebd.
22
:
Mancher důt baͤttlen by den joren | So er wol wercken moͤht.
Ebd.
29
:
Sin kynd die můssent jung dar an | On vnderloß zům baͤttel gan | Vnd leren wol das baͤttel gschrey.
Ebd.
91
:
Mancher verloßt vff baͤttlen sich | Der spielt / bůbt / halt sich üppeklich | Dann so er schon verschlembt syn hab | Schleht man jm baͤttlen doch nit ab.
Ebd.
70, 28
:
Der traͤg jm wynter vngern ert | Jm summer / baͤttlens er sich nert / Vnd muͤß lyden manch übel zyt | Vnd heyscht vil / wenig man jm gytt.
Ebd.
83, 56
:
Die fryheit hat eyn armer man | Das man jn doch loßt baͤttlen gan | Ob man jn schon sicht übel an.
Anderson u. a., Flugschrr.
7, 5, 25
(
Straßb.
1524
):
die betteloͤrden [...] / deren vil eygens rechtfertigs gůt verlassen thoͤrlich / vñ frembdes vnfertigs gůt betle͂ vnschamhafftiglich.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 103, 4
(
Hagenau
1534
):
Er kan vil handtwerck / aber betteln ist das beste.
Maaler
49v
(
Zürich
1561
):
Baͤttelgsellen. Consortes mendicitatis.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
897, 32
(
halem.
,
1628
):
soͤllend solche personen mit gefangenschafft, insonderheit aber das baͤttelgsind davon abgehalten, [...] werden.
Barack, Zim. Chron.
3, 469, 27
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Von wegen ires fürnemen geschlechts und adellichen bettelmantels sollen ire nammen unverzaichnet bleiben.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 176, 5
(
schwäb.
,
1593
):
es sein etlich vermeinte bettel- und andere mandate durch des herren grafen scherganten [...] alhie an die kürchthurn [...] angeschlagen worden.
Henisch
184
(
Augsb.
1616
):
Wer sich bettlens vnd liegens ernehren soll / dem wirdt bang gnug.
Ebd.
344
:
Betlen / bettelen / nach brot gehn [...].
Ebd.
346
:
Bettel armut / mendicitas. Bettelhauß / [...] / hospital [...]. Bettel kranckheit / morbus mendicorum.
Ebd.
347
:
Besser gebettlet / als gestolen. Besser sterben als betlen [...]. Betlen ist ein Orden / darinn vil seind zu Herren worden. Betlen heist armut zetlen. Betlen verderbt niemand / aber man wirdt sein vnwerth. Denck Jung an den alten Mann / wiltu nicht betlen gahn. Mature fias senex. Der schwender muß zu letzt betlen gehn. Betlen vnd gleißnerey / nehret sich von Simoney. Boͤß gesellschafft nimbt ein Weib / die heist armut / die gebuͤret einen Sohn der heist spott / der last betlen so lang er lebt. Der Reiche Mann will alles han / Vnd solt der arm gleich betteln gahn. Der nicht denn from͂ kan sein / der muß betteln. [...]. Die lieb fuͤrkompt das betteln. Es hat wol mehr ein Koͤnig gebettelt Einer der das bettlen gewohnt / der hoͤret nicht auff zu betlen. [...]. Fromme leut lobet jederman / Vnd lesset sie doch betlen gahn. [...] Vil handwerck / betteln das best. [...] Wer hurt / der muß betteln. Wer Jung gern stilt / der gehet im alter betteln.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
87, 10
(
München
1528
):
Merckh nu mercklichen vnfuoeg jhener die der geistlikait gueeter, [...] rawben vnd wenden in Petelkaesten.
Turmair
4, 59, 32
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Man läst vater und mueter [...] im petlbrot umbgên, verderben.
Rechn. Kronstadt
3, 316, 31
(
siebenb.
,
1553
):
hǔn ich geschikt Hannesenn denn czemer Mann in czekhelandt bedlenn.
Luther, WA
23, 209, 19
;
23, 694, 32
;
28, 568, 23
;
30, 2, 622, 17
;
47, 230, 32
;
Skála, a. a. O.
99, 4
;
134, 14
;
Wickram
4, 10, 24
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
5465
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
122, 2
;
Hulsius
F ivr
;
Dietz, Wb. Luther
1, 289
ff.;
Rwb
2, 231
;
Pfälz. Wb.
1, 755
;
Schweiz. Id.
1, 507
;
3, 22
;
5, 1312
;
474
;
13, 1665
;
Schwäb. Wb.
1, 963
;
965
ff.;
6, 1629
.
2.
›Fürbitte für jn. einlegen, jn. durch Fürbitte entlasten, freibitten‹.

Belegblock:

Müller, Stadtr. Ravensb.
159, 18
(
oschwäb.
,
1361-5
):
Daz niemen sol helfen betten. Ez ist och gesetzet, daz kain burger noch burgerin niemant sol helfen betteln noch bitten, im erlob ez denn der raͧt.