klauben,
V.
1.
›etw. mit Händen, Krallen o. ä. einzeln auflesen, sammeln, pflücken‹; vereinzelt auch: ›etw. stehlen‹; ütr.: ›jn. (für einen bestimmten Posten) aussuchen, auswählen, etw. (z. B. Teile aus einem Text) zusammenstellen, zusammenstückeln‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1, , , , , .
Syntagmen:
etw.
(z. B.
ähren / brosamen / frucht / geld / holz / kleider / körner / obst / pfifferlinge / steine / süren
›Milben‹
k., einen man / regenten / sermon, eine exhortation, worte) k., etw. aus e. S. k.; nach e. S. k.
Wortbildungen:
klaubhafer
(a. 1607),
klaubholz
,
klaubscheit
(a. 1594),
klaubung
(a. 1565),
klaubzehent
(a. 1577).

Belegblock:

Reissenberger, Väterb.
32565
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
mache im dise gewalt toub, | Daz er nicht turre cluben | Dine erwelten tuben.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
5114
(
Magdeb.
1608
):
Wespen / Erdbienen / So [...] Epffel / Biern / Pflaumen / Kirsen klauben.
Gille u. a., M. Beheim
199, 95
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
in dem sumer und in dem snit | sy claubt und czamen treibet, | Das sy den winter czessen hab.
Gerhardt, Meister v. Prag
60, 22
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
claubet die prosem zcusammen die vber pliben sind.
Chron. Nürnb.
5, 786, 26
(
nobd.
,
1516
):
wirt aber der oberst rat [...] zu Nürmberg mit zwen und viertzig manen besetzt, deren [...] acht auß der gemain geklaubet werden.
Ebd.
787, 2
:
ist zu merken, das man auß den dreizehen alten burgermaistern [...] klaubet die siben obersten regenten.
Bihlmeyer, Seuse
239, 17
(
alem.
,
14. Jh.
):
also daz es in zehen stunt hundert tusent jaren als vil ab dem stein geklubeti, als groz ein ganz hirskoͤrnli ist.
Menge, Laufenb. Reg.
1890
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Hünre vnd vngeflogen tuben | Soltu vsser den nestern cluben.
Spanier, Murner. Narrenb.
12, 9
(
Straßb.
1512
):
Der klubt süren / der ander ist ful.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 3, 9
([
Augsb.
]
1523
):
wird ich verursacht / vn̄ auß christlicher lieb gedrūgen / Ain sermō auß der Bibel zu klauben.
Niewöhner, Teichner
481, 47
(Hs.
oschwäb.
,
1368
):
nu waizt du wol | daz man guͤten ritter sol | in dem akker suͤchen und klauben.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
138, 26
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Da chamen vier adlar und chlaubten die tail all vier wider zusamme.
Schade, Sat. u. Pasqu.
139, 31
(
Regensb.
1524
):
mag ain priester ain kurze sermon oder exhortation auß dem Dormi secure [...] klauben.
Winter, Nöst. Weist.
1, 415, 33
(
moobd.
,
17. Jh.
):
so soll ein forstner zum Heiligen creuz einen ieden vergunnen aufzulegen auf seinen waagen dürr klaubholz.
Kurz, Waldis. Esopus
1, 18, 18
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
90, 13
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 145, 2
;
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 424, 18
;
Klein, Oswald
21, 44
;
Mell u. a., Steir. Taid.
143, 6
;
Voc. Teut.-Lat.
q vijr
;
Brinckmeier
1, 1095
;
Schwäb. Wb.
458/60
;
6, 2315
;
Schweiz. Id.
3, 621
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 130
.
Vgl. ferner s. v. , (
die
).
2.
ütr. ›sich geistig sammeln, in sich gehen‹.
Phraseme:
auf dem dürren ast klauben
›sich mit wenig begnügen‹.

Belegblock:

Neumann, Rothe. Keuschh.
1843
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
di sint sine turtel duben, | di uf dem dorren aste kluben.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
4, 74
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
So lang uncz dem menschen [...] sein gelider in stetikeit komen von der entstrewung der gedancken und sich selbs ganczen fleyßlich czu im selber claube, so mag der mensch sich selber nicht erkennen.
Ebd.
7, 22
:
muß sich der mensch abczihen von im selber, das er gancz in sich selber geclaubet und gesamet sey.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
48, 51
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
zwelf richter [...] | die tailten von dem gelauben | in ain sie alle klauben.
3.
›etw. (Geflügel) rupfen‹.
Phraseme:
federn klauben
›jm. schmeicheln‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Wortbildungen:
federklauber
.

Belegblock:

v. Groote, Muskatblut
71, 205
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
es wer mir ewiclichen leit | sult ich nit helffen clauben | die genselin veist.
Ebd.
74, 23
:
O feltsche werlt ich getruwe dir nicht, | du gliches dem feder clauber.
Lemmer, Brant. Narrensch.
100, 8
(
Basel
1494
):
Der eyne klubt faͤdern / der stricht kryden | Der liebkoßt / der runt jnn die oren.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 81, 26
([
Augsb.
]
1548
):
Federn klauben / Federn lesen / Heücheln unnd schmaichlen / umb genieß willen.