beschulden,
V.
1.
›jn. / etw. (z. B. die Welt) beschuldigen, anschuldigen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, .
Wortbildungen:
beschuldung
1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
961
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Do dise lugesprêchen | Jesum sus beschulden.
Luther, WA
52, 758, 19
(
1545
):
Sind wir Ketzer, wie sie uns beschulden.
Schwartzenbach
B vr
(
Frankf.
1564
):
Anklagen. [...]. Eins dings zeichen oder beschulden.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 21, 196
(
Frankf.
1557
):
so thut jr zwar nit recht, | Das jr beschult die armen Knecht.
Ebd.
78, 14
:
der Hund verursacht wardt, | Das er [...] | Dest fleissiger vnd wacker wer, | Das jn nit bschuͤlden koͤndt sein Herr.
Stackmann u. a., Frauenlob
4, 18, 8
(
nobd.
, Hs.
3. V. 15. Jh.
):
wes mag man mich beschulden an ir missetat.
Rot
302
(
Augsb.
1571
):
Culpation, Anklag / beschuldung / scheltung.
Welti, Stadtr. Bern
435, 2
;
Bachmann u. a., Volksb.
219, 12
;
Schweiz. Id.
8, 658
.
2.
›etw. verursachen, den Grund für etw. liefern‹; bei negativ bewerteter Handlung: ›etw. verschulden‹; seltener bei positiver Bewertung, dann: ›etw. verdienen‹.
Gehäuft wobd.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
die krone / strafe, den frevel / tod / unfal, grosses
)
b
., ˹
etw. um jn. b
. (mehrfach)˺;
b., zu [...] / das [...] /
+ Hauptsatz;
die beschuldete ursache, das selbst beschuldete unglük
; mehrfach subst.: z. B.
nach / ane beschulden
.
Wortbildungen:
beschuldung
2.

Belegblock:

Chron. Strassb.
58, 17
(
els.
,
1362
):
wande kunig Adolf mit sinen unteten beschüldet hette, daz man inen mügelich von dem riche verstoßen solte.
Ebd.
544, 15
(
A. 15. Jh.
):
do beschuldete er mit sinen unteten, das in der obgenante bobest Johans zů banne det.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 25, 24
(
Straßb.
1522
):
ein Frau, die het beschult, das man sie offenlich straffen solt.
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 13, 16
([
Straßb.
]
1524
):
Woͤlches vns / auß beschuldung vnser sünd / Gott der herr vil jar vff den hals gesetzt.
Bachmann u. a., Volksb.
184, 8
(
alem.
,
15. Jh.
):
War mit han ich und die mynen umb dich beschult, das du von mir wilt?
Jörg, Salat. Reformationschr.
459, 16
(
halem.
,
1534
/
5
):
das wir nit um sj beschuldt.
Kottinger, Ruffs Adam
1825
(
Zürich
1550
):
herr, uns nit vergilt | nach unserm b’schulden hie im zyt!
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Funk.
196, 690
(
Bern
1551
):
nim hin, wie du beschuldt, | zum zeichen ssigs und miner huld.
Maaler
61v
(
Zürich
1561
):
Nit Beschuldt / On vrsach.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
106
(
schwäb.
,
1453
):
Waͮ mitt hon ich beschult den tot.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 43, 9
(
schwäb.
,
1471
):
Ich hofft, ich wolt beschulden, | Sy solt mir fräden machen.
Quint, Eckharts Pred.
1, 82, 1
;
Bolte, a. a. O.
1, 26, 3
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 144, 19
;
4, 284, 11
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
55
;
Welti, Urk. Rheinfelden
247, 8
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 54, 35
;
Jörg, a. a. O.
427, 6
;
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
7543
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
16, 8
;
Maaler
61v
;
Schweiz. Id.
8, 658
 f.;
Schwäb. Wb.
1, 907
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 280
.
3.
›sich jm. erkenntlich zeigen, jm. etw. dankbar anrechnen, vergelten, vergüten, sich als in js. Schuld stehend betrachten‹; vereinzelt von Ungünstigem: ›jm. etw. vergelten, jn. strafen‹.
Beleghäufung im Wobd.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1,  3,  12, , , .
Syntagmen:
jn. b., etw. um jn. / etw
. (z. B.
um die stat
)
/ gegen jn. b., etw. mit etw
. (z. B.
mit freundlichem willen, mit strafe
)
b., etw. freundlich / gerne / gründlich b
.
Wortbildungen:
beschuldung
3.

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 346, 9
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
er [...] laßent soliche anderunge und nuwekeit nit geschein, daz wollen wir gern beschulden.
Ulner
114
(
Frankf.
1577
):
Dancken. [...] widerumb vergelten / [...] / danckbarlich beschulden / vergleichen / erkennen / bedancken.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
97, 29
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das wurd mein gnediger her gegenn eim jglichen noch seynem stande verdinen, beschulden vnd gnediglich erkennen.
Koppitz, Trojanerkr.
10159
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Mitt hocher mine geltte | Kunde sy es beschulden wol, | Als trutt sinem trutte sol.
Bernoulli, Basler Chron.
6, 519, 24
(
alem.
,
1525
):
die regenten [...] den gesandten der stat Basell [...] zu dem fruntlichesten ghapter mug, arbeyt und costens bedanckt, und habend sich solches umb ein stat Basel ze beschulden erbotten.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 320, 23
(
halem.
,
n. 1529
):
Das werden die Roͤmsch [...] majestaͤt [...] gnaͤdiklich erkennen, guͤnstlich beschulden, willenklich verdienen, und zů gůtem nimmer vergessen.
Welti, Stadtr. Bern
640, 16
(
halem.
,
1539
):
Der ingseßner vnd vßburgern vortheyl an beschuldnug der eynungen gegen dennen, so nit burger sind.
Maaler
61v
(
Zürich
1561
):
Widerumb vergaͤlten vnnd Beschulden. Gleychs vmb gleychs geben.
Henisch
309
(
Augsb.
1616
):
Beschulden / verdienen / danck wissen / widerumb vergelten / referre gratiam, habere gratias, remunerare.
Chron. Nürnb.
2, 371,
Anm. 2;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
478, 7
;
Thiele, Minner. II,
15, 207
;
Meisen u. a., J. Eck
35, 37
;
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
4252
; J. Man. Spieg.
609
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 556
;
Schweiz. Id.
8, 659
 f.