erkennen,
V.,
meist rückuml.; breites Bedeutungsspektrum mit teils fließenden Übergängen bzw. Überschneidungen; 1-7 lassen sich im weitesten Sinne als im Einzelnen differenzierte, agensbezogene Vorgänge des perzeptiven bzw. intellektuellen Erfassens beschreiben; 8-10 umfassen Handlungen, denen eine stärker kommunikative bzw. normativ-wertende semantische Komponente zukommt, wobei 9 vorwiegend rechtssprachlichen Gebrauch darstellt.
1.
›etw. mit den Sinnen wahrnehmen, erfassen‹; speziell: ›etw. / jn. sehen, bemerken; e. S. / e. P. gewahr werden‹; substantiviert: ›Sinneswahrnehmung‹;
vgl.  4.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 2,  11, (V.) 2, , , ; vgl.  2.

Belegblock:

Luther, WA (
1538
):
Man kan von ihme [Gott] nicht einen schritt erkennen, so heimlich gehets darmit zu.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 33, 13
(
Wittenb.
1545
):
Mein Herr / du erkennest / das ich zarte Kinder bey mir habe / dazu vieh vnd seugende küe.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Got der erkennet ouch nútz usser im, sunder sin oug ist allein in sich selber gekert.
Als lützel mîn ouge kan sprechen und mîn zunge varwe erkennen, als lützel enmac sich minne ûf anders iht geneigen dan ûf güete und ûf got.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der aber erde, daz ist irdische begerunge dar ûf
[
gotes bilde
im Gleichnis]
wirfet, daz hindert und bedecket, daz man sîn niht erkennet noch gewar wirt.
Valli, Baldemann
96
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Ir mantil, rog gesniten | Uz wizzem larikande. | Zwar wizer wiz erkande | Nie bie minen tagen ich.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3173
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
Eyn schoner apphil wirt irkand | in des bildes [der kuscheid] rechte hand.
Bauer, Geiler. Pred.
103, 16
(
Augsb.
1508
):
dise menschen / zuͦvil woͤllen gaffen wenn sy auff den berg kommen / das thuͦnd sy auß fürwitz / also das sy vil begeren zuͦ erkennen und wissen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Solînus spricht, daz der aff pezzer erkennen hab mit der zungen denn kain ander tier.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1340
):
Gieng aver diu hantfest ab von alter oder von ungeluͤch, daz man si nicht erchennen moͤcht, die sol der herr vernewn.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
503
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Sensibilis haist di kraft, da die sel mit erchent mitsambt dem leib, was die aussern sinn begreiffent, als sehen, hoͤren.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
140, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Do Troyer das erchanten | und ab den zinnen sahen so manig few͂r, | Lamedon vor zorn sere wüetet.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1300
/
50
, Hs.
15. Jh.
):
die den prant wellen seczen
[beim Bergbau]
, die sullen den prant nicht anzünten, hinz das si den tag redlich erkennen
(›den Tagesanbruch deutlich wahrnehmen‹).
Österley, Kirchhof. Wendunmuth ;
Vetter, Pred. Taulers ;
Dirr, a. a. O. ; ;
Vgl. ferner s. v.  21,  1.
2.
›etw. intellektuell erfassen, verstehen, begreifen‹; ›etw. einsehen, als gegeben akzeptieren‹; in religiösem Kontext häufig von dem vom Menschen anzustrebenden Erkennen Gottes sowie bezüglich der Einsicht der eigenen Sündhaftigkeit gesagt; substantiviert: ›Erkenntnisfähigkeit‹;
teils offen zu 3; vgl.  48,  4.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 15, ,  2, , , , ; vgl.  12,  5,  14.
Syntagmen:
j. etw
. (z. B.
einen feler, die sünde / warheit, seine blindheit
)
e., j. got / Christum e., j. e., das [...], j. e
. [+ Relativsatz];
etw. bei / von etw
. (z. B.
von der beschreibung
)
e
.
Wortbildungen:
erkant
1 ›wissend, (religiöse) Erkenntnis, Einsicht besitzend; zur Erkenntnis (seiner selbst) fähig‹,
erkantheit
›Verständnis, Einsicht‹, ˹
erkenlich
1,
erkennig
1˺ ›erfassbar, verstehbar‹, ˹
erkenlich
2,
erkentlich
2˺ ›zur Einsicht, zum Verständnis fähig‹,
erkennung
1 ›das Erkennen; Unterscheidungsfähigkeit‹ (dazu phras.:
erkennung gutes und übels
als Name des Baumes der Erkenntnis; vgl. auch  3).

Belegblock:

v. Ingen, Zesen. Ros.
65, 10
(
Hamb.
1646
):
Es war meine hoͤchste lust (aber eine rechte tohrheit / wi ichs izund erkaͤnne) [...].
Was ist aber Christum erkennen? Nichts anders, denn das yr in erkennet erstlichen als eine gab und geschencke, zum andern als ein Exempel.
Da der man lebete, erkannte das weib nicht, was es für eine gab were, ein man haben, da er aber starbe, da erkannt sie es erst.
Finden ist erkennen, wann du das weißt das dirß [ein unglück] got hat zuͦ gfuͤgt, so hasts funden mit dem hertzen.
Ebd. (
1524
):
Die gebott all uns geben sind, | das du deyn sund O menschen kind | Erkennen sollt.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
ein boum der genant is | irkennunge gutes und ubelis.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
nieman enmac got erkennen, er enmüeze ê sich selben erkennen.
da wider
[im Gegensatz zum
fleischleich mensch
]
sind eim erchanten menschen leicht alle tzeitliche ding ze lazzen, der dy geistlichen guet erchennt.
Jostes, Eckhart
53, 1
(
14. Jh.
):
Leiden machet dich erkant, daz du must gedenken, wann du komen seist und war du zu werdest.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Wolan jhr möget erkennen vnd sehen, daß ich die oberhand vnnd bessern theil im streit hab.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 9, 8
([
Eilenb.
]
1524
):
Sollen vns yr allerliebsten bruͤder vnser augen auff gethan werden / so mussen wir erst vnser blindtheit erkeñen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Leipzig
1537
):
[Gott] Gab ihm [mensch] kunst vnd macht ihn gantz weiß, | Alle dyng zu erkennen.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
Nu erkenne ich das Esaias ein Man Gottes ist.
Gille u. a., M. Beheim
134, 283
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
er gab mir mein leben und mein | vernunfft und mein erkennen.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
disú nagendú gelassenheit wirt och etwen núzz von ir selbs erkantheit.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
nu ist drierhant erkennung
[Gottes]
, dú gat in der minne.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2118
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Das dritte was sin groͤster dorn, | Das er erkant das was verlorn | Sin bitter lÿden solt werden | An maͤngem súnder uff der erden.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
294, 25
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
die sinne sint erkentlichen, wan si sint enphenklich der gesteltnüsse ane materien; unde daz verstan noch mer.
Ebd.
394, 4
:
daz erkennelich verstan bringet die sache dez ungeschaffenen in daz geschaffen alse etwaz verstentliches, von dem ez übergat in daz erkennen.
Bauer, Geiler. Pred.
315, 15
(
Augsb.
1508
):
[die seel] nit hoͤcher het moͤgen kommen / sy hett dann got erkennet als er ist.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
41, 156
(
moobd.
,
1393
):
Vor vncheusch schampt vnd huͤt sich ein ygleiches mensch dauon, wann man wol erchennet, das sÿ pös ist.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
123, 71
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
nim war dew waffen oder sterkung des geists, dew do hart sint derchennyg vnd vernemig.
Höver, Bonaventura. Itin. A
368
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
alle erkhennleichew ding, daz ist dy da mügleich sind erkhennet werden, habend ze gepeeren irselbs gestaltnüss.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
das derjenig, so am gewisesten ausrechen kan, das man got nicht erkennen müg, wiß am pasten was got sei.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
35, 5
(
tir.
,
1464
):
Die v̈berflüssig vnd törät lieb die wais vnd erkënt nicht die gerëchtikhait vnd die warhait.
Anderson u. a., a. a. O.
19, 15, 15
;
Rupprich, Dürer ;
Dietrich. Summaria
18r, 27
;
Schorer, Sprach-Verd.
44, 21
;
Bauer, Geiler. Pred.
101, 19
;
Klein, Oswald
10, 17
;
Steer, K. v. Megenberg. Sel
137
;
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
153ra, 36
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
114, 13
.
Vgl. ferner s. v.  1,
4
(Adv.) 10.
3.
›etw. anhand von (wahrnehmbaren) Merkmalen ermitteln, feststellen, herausfinden‹; ›etw. untersuchen, analysieren; deuten; von etw. auf etw. (z. B. auf zukünftige Ereignisse) schließen‹; ›etw. / jn. anhand von (bestimmten, auch: bereits bekannten) Merkmalen identifizieren; jn. wiedererkennen‹; auch: ›jn. / etw. in bestimmter Weise einschätzen‹; in medizinischem Kontext: ›etw. diagnostizieren, eine Krankheit feststellen‹;
vgl.  48,  2.
Bedeutungsverwandte:
I, 679, , ; vgl. (V.) 3,  2,  2.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
einen siechtum, eine höhe
)
e., jn
. (z. B.
das kind, die christen
)
e., jn. / etw
. [wie] (z. B.
leicht, solches herzens, auf zweierlei weise, für tauglich
)
e., j. e., das [...] / ob [...] / was [...], j. e., wer Christus und wer antichrist ist, jn. als jn
. (z. B.
als seine jünger
)
e., jn. / etw. an etw. e
. (z. B.
den baum an den früchten
),
etw. aus etw
. (z. B.
aus dem meridian, aus den historien
)
e., jn. / etw. bei etw
. (z. B.
jn. bei den wappen, eines bei dem anderen, einen siechen menschen bei einem zeichen
)
e., etw. durch etw
. (z. B.
zukünftige finsternisse durch das gestirn
)
e., etw. für das seine e., etw. nach etw
. (z. B.
die künftigen zeiten nach den winden
)
e
.
Wortbildungen:
erkenner
2 ›j., der jn. (wieder)erkennt, als bekannt identifiziert‹ (im Beleg auf das
lam
bezogen),
erkennung
2a) ›Ratio, vernunftgeleitetes Denken‹; 2b) ›Diagnosestellung (medizinisch)‹,
erkentnis
4 ›Identifizierung, das Wiedererkennen (einer Person)‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Eyn gewiß tzeychen, da bey wyr erkennen, wo die kirche sey, ist das wort gottis.
Hallt hie die wort des fursten Christi und seyns Vicarien, des Bapsts, gegen eynander, ßo wirstu sehen und erkennen, wer Christus und wer Antichrist ist.
Ebd. (
1523
):
do Maria zu ir kumbt, do erkent sy [Elisabeth] das sy ein kindt tregt.
Ders. Hl. Schrifft.
Mt. 7, 20
(
Wittenb.
1545
):
an jren früchten solt jr sie erkennen.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
239r, 14
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
Ein sweren der cancer an senem / an hebn nicht leycht wyrt erkant.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
159, 8
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Min esel erkant mich wol / vnd ir [frouwe] hant mich nit erkant.
Ebd.
161, 9
:
Js en ist kein gebryst an eyme pherde / wan jch yne geteste / jch wolde yne balde erkennen.
Froning, Alsf. Passionssp.
7106
(
ohess.
,
1501ff.
):
ich leget em dry steyn vor, | ab hie keyn zeichen wille thun, | das ich erkent godes sone.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
[
Florestan
zu seinem Bruder:]
wo ich mißgehandelt in dem ich mit euch gestritten hab, ohn euwer erkanntnuß.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
wizze daz man nu | Uf ertriche vindet nicht | Lebende der die geschicht [troum] | Irkennen muge in kunst.
[allegorische Deutung der Schlehe:]
Irkennen sul wir da bi | Lute die von willen hie | Arm sin unde liden not.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Dein Kirch ist einig vnzertrent, | Bey deinem Rock man sie erkent.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Auß dem Meridian [...] wird erkant / ob ein solcher Stern [...] durch die Mittags Lini streiche.
Gille u. a., M. Beheim
81, 2
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Hie wil ich euch lassen verston | waraus ein mensch erkennen kan, | ob er gehor gen helle.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1507
/
9
):
ein vurgebne höch, dy zw erkenen, wy gros sy sein mag.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
106, 22
(
Nürnb.
1548
):
es sol solcher todt Christi mehr dahin gebraucht werden / das wir die suͤnde erkennen / vnd vns dest fleyssiger dafuͤr hüten lernen.
Sachs (
Nürnb.
1565
):
So pin ich ain astronimus, | Erkenn zukunftig finsternus | An sun und man durch das gestirn.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
die da wol erkennē vnd mercken was vnderscheidtz zwüschen wunden vnd bluͦtrunsen sy.
So nun [...] die erkenūg geschiht ob das ein pfil sy wie die gestalt ist oder büchsen klotz od’ anders.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
203r, 24
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Ẏpocras [...] leret / bi disem zaichen erkennen ainen siechen menschen.
Sappler, H. Kaufringer
14, 269
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si luogt im under das antlütz sein. | vil pald si da erkante das, | das er nicht der künig was.
Brandstetter, Wigoleis
191, 36
(
Augsb.
1493
):
er erkant herren Gabon [...] an schild vnd zymirde.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ain lamp ze latein ist gesprochen ain erkenner, wann ez erkennt sein muoter paz denne andreu tier tuon.
Wolf, Norm im sp. Ma.
58, 69
(
oobd.
,
1486
):
wo bruͤder weren, dy do westen vnd erkenten, das sy dy regel nicht mochten geistlich halten, dy sullen [...].
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
41, 164
(
moobd.
,
1393
):
hoffart ist hart ze hailen, wann ain mensch erchennet den siechtumb nicht an im selben.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1430
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Da möcht ainer fragen, ob mugleich wër daz chünftige ding möchten erchant werden mit sichtigen czaichen.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
432
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Die vierd kraft haist racio, das ist erkennung vnd achtung, wal guͤts, poͤses, falschs vnd wares.
Ebd.
461
:
[racionalis] ist die chrafft da die sel aines pey dem andern erchennt als fewr pey rauch.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Er [pabst Steffano] erkannt in [Karolum Marcellum] sölichs hertzens, das er der cristenlichen kirchen ain gueter beschützer wär.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1523
):
sover denselben [richter] die gedachten verweser fur teuglich, nuzlich und guet erkennen, sollen si ine annemen.
Mollay, Ofner Stadtr.
193, 2
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Dÿ Juden schollent auch gewant tragen, da peÿ man sÿ irkennet.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
50, 2
;
Scholz, a. a. O.
229v, 8
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
70, 27
;
Kehrein, a. a. O. ;
M. Cunitia. a. a. O. ;
Ott-Voigtländer, a. a. O.
213r, 6
;
Andreae. Ber. Nachtmal
35r, 8
;
Rauwolf. Raiß ;
Spiller, a. a. O. .
Vgl. ferner s. v.  6,  1, , , ,  1, (Adj.) 3.
4.
›etw. von etw., jn. von jm. unterscheiden, getrennt halten‹; in Verbindung mit Präpositionalphrasen wie
etw. / jn. von / vor etw. / jn. e
.,
jn. / etw
. (Pl.)
voneinander / voreinander e
.; Spezialisierung zu 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6, (V.) 1,  3.
Wortbildungen:
erkennung
3.

Belegblock:

v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
52, 21
(
omd.
,
1487
):
vf das ich dein volgk rechtlich moge richtenn vnd das gute vor dem boßen irkennen.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1528
):
der da zwey ding so gleych an ein ander kuͤn machen, das sie nit for ein ander zu erkennen weren.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
108
(
Nürnb.
1517
):
Dero [offenbarung des geists] [...] anzeigung sein: weislich reden, [...], prophezei, unterschidlich erkennung der geist, manigfaltikeit der sprachen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Diu nase ist ain sidel der smeckenden kraft der sêl, die derkent ainen smach vor dem andern.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
46, 8
(
moobd.
,
1393
):
darumb tragent frawen gepent, wann sÿ erchant werden von irr mannen, vnd dÿ man tragent chainen.
Gierach, Märterb.
5837
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
von dem seit die geschrift sus, | daz der minder Jacobus | waz Got so endlich
[›ähnlich‹]
, | daz man si sicherlich | von ainander nit erkant.
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 93
(
moobd.
,
15. Jh.
):
so die verstentnuß erleucht wirt zuerkennen das war vom falschen.
Rupprich, a. a. O. ;
Pfeiffer, a. a. O. ;
Dirr, Münchner Stadtr. .
5.
›etw. deutlich wahrnehmbar (perzeptiv bzw. intellektuell) machen; etw. zeigen, offenlegen, darlegen‹; oft in festen Verbindungen wie
etw. / sich zu erkennen geben / tun
und
erkennen lassen
; auch refl.: ›sich zeigen, in Erscheinung treten; sich zu erkennen geben‹; anschließbar an 1; 2; 3.
Bedeutungsverwandte:
 15,  16,  4,  3,  3, (V., unr. abl.) 2,  3, .

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Cristus ist herab vom himel gestigen, sich uns zuerkennen geben, in unsern schlam getreden und ein mensch worden.
Ders. Hl. Schrifft.
Hes. 20, 5
(
Wittenb.
1545
):
Zu der zeit [...] erhub ich meine Hand zu dem Samen des hauses Jacob / vnd gab mich jnen zu erkennen
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
erschain in
; nd. Bibel 1478:
en apenbarde
]
in Egyptenlande.
Sermon Thauleri
140b, 12
(
Leipzig
1498
):
[ein liecht] gibt ym [mensch] tzu erkēnen was er thun od’ lassen sal.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1528
):
daz leben in der natur gibt zu erkennen die warheyt diser ding.
Sappler, H. Kaufringer
7, 287
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
von wort ze wort er [münich] im [knab] vorlas | und sagt im genzlich alles das, | das im die fraw zerkennen det.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz gesicht, daz in den augen sitzet, gibt uns ze erkennen mêr ding denn kain ander auzwendich sin.
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
148va, 36
(
moobd.
,
n. 1434
):
da pey hat vns der herr bedewͤt vnd zu erkennen geben, das [...].
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
den gedachten anschlag [...] legt nider hertzog Ludbig mit dem, das er sich erkennen lies und aussprach, das er der Pfalz zuͦhilf komen wolt.
Meisen u. a., J. Eck
46, 23
(
Ingolst.
1526
):
die ketzer sint verstopfft, wie es der heilig Pauls wol erkent hat: [...].
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
77
;
Schorer, Sprach-Verd.
5, 6
;
Vgl. ferner s. v.  6, (Präp.).
6.
›jn. kennen; kennenlernen‹; ›etw. wissen; Kenntnis von etw. haben, erlangen, etw. erfahren‹;
vgl.  38,  135.
Bedeutungsverwandte:
 135, , ; vgl. (V.) 12,
2
 1, I, 11.
Wortbildungen:
erkenner
3 ›Kenner, Experte‹,
erkennig
2 ›bekannt, erhaben‹ (dazu bdv.: , Adj., 15).

Belegblock:

v. Ingen, Zesen. Ros.
92, 23
(
Hamb.
1646
):
Glaͤube nuhr / daß die Klugemunde niemahls darzu rahten wuͤrde / wan sie nicht der Roselinden herz zum teil erkennete.
Luther, WA (
1527
):
Also hat man [...] von den kirchweyhen gesagt, das sie drumb gehalten werden, auff das sich die freunde unternander erkenneten und lieb gewoͤnnen.
Dedekind/Scheidt. Grob.
85, 8
(
Worms
1551
):
es werde euch zum theil befrembden / von einem / so von euch nie erkant oder gesehen worden / gruͦß [...] zu entpfahen.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Ein elich folck ich eins erkant, | Kein größer trew ich nie befant | Dan von den zweien lewten.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
als lang ich sie [die Frau] erkennt hab, | Kenn ich sie fürwitz, frech vnd geil.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
25, 21
(
els.
,
1362
):
Do sprach der keyser: ,Erkennent ir ein moͤnschen der Nyclaus ist geheissen?‘
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 92, 11
(
halem.
,
1508
/
16
):
Demnach wil ich die andern hendel [...], so wit ich die erkennet han und ze wege bringen mag, in ordnung setzen.
Sappler, H. Kaufringer
25, 52
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
[hochfart] geschwillt und plät den man | und würft im oft das herz enpor. | die er hat wol erkennet vor, | die will er nicht erkennen mer.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
die statt bederfti erkenner der vorgesagten kúnsten.
Chron. Augsb. Anm. 1 (
schwäb.
, zu
1561
):
den Canisium kenn er wol, hab ine vor 10 jarn zu Ingolstatt erkennen lernen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
all sein begeren nicht anders was, [...] den namen Gots gross und erkennig machen in der menschen hertzen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
63, 35
(
tir.
,
1464
):
Ich sprich auch, das ich seines geleichen nie chainen erchant han.
Wickram
4, 15, 25
;
Drescher, Hartlieb. Caes. ;
Spiller, a. a. O. ;
Leidinger, V. Arnpeck ;
7.
›sich bewusst wahrnehmen; sich seiner selbst, seiner Position bewusst werden‹; ›sich (in bestimmter Weise) einschätzen, beurteilen; sich über etwas klar werden‹; ›sich für etw. (z. B. für einen Sünder) halten‹; refl.; meist in religiösem Kontext bezogen auf die Selbsterkenntnis des Menschen als Sünder bzw. seiner Angewiesenheit auf göttliche Erlösung; als Spezialisierung anschließbar an 2; 3.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1.
Wortbildungen:
erkennung
4 ›Selbsterkenntnis‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Du ertzornist auch keyn heyligen damit, das du yhr werck [...] fur sunde helst: denn sie erkennen sich fur sunder.
Ebd. (
1518
):
Auch ist dis gebeth also starck, das es den menschen herunder wirfft und macht yn demutigk, so er sich ein honsprecher gottes erkennet, szo leyt alle hoffart [...] dernydder.
Das ist nun das erste werck Gotes, das wir uns selbs erkennen, wie wir verdampt seind, ellend, schwach und kranck.
Ebd. (
1523
):
Ein predicant soll sich einen botten erkennen, nit ein herren.
Jostes, Eckhart
66, 11
(
14. Jh.
):
aber wie man sich selber erkenne, daz liget an drein dingen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
53, 36
(
omd.
,
1487
):
wer sich an ehbrechreÿ schuldigk weiß, habe raẃe [...], wer sich aber vnschuldigk irkentt dancke gott vnd hütte sich.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
143
(
Nürnb.
1517
):
das sich ein ieder erkenne einen sünder ze sein, das sich niemant ausserhalb der offenbarung erkene gerecht ze sein.
Ebd.
223
:
warlich ist der nit weis, der sich nit erkennet ein toren sein.
Franck, Decl.
344, 31
(
Nürnb.
1531
):
Was ist durch got schnoͤder vnd schendtlicher / dann das der mensch durch die füllerey zum vihe wirdt on allen menschlichen verstandt / sich selbs nicht waiß noch erkent.
Dietrich. Summaria
20r, 25
(
Nürnb.
1578
):
weyl sie sich fuͤr arme suͤnder erkennen / frewen sie sich / das Gott durch Christum will gnedig sein.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
so ist der brinnend Got in dem gaiste und brinnet dú sele, daz si nach der erkennung sich berespet und nach der berihtung sich uͤbet an guͦten werchen.
Koller, Ref. Siegmunds (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
Als wir nuͦ das erhorten, do wurden wir betriebet [...] und hinderdathen uns zuͦ erkennen, wer wir werent.
Bauer, Geiler. Pred.
77, 24
(
Augsb.
1508
):
wer sich recht erkennet / und sein sünd und gebresten bewainet / der zürnet über kaynen menschen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und wuerden die pawren so uppiklich, ubermuetig, stoltz und fraydig, da sy (sich) selber nymer erkannten.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
50, 17
;
Bauer, a. a. O.
77, 3
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 65, 18
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
919
.
Vgl. ferner s. v. .
8.
›etw. bekennen, (verbindlich, offiziell) erklären, angeben; etw. einräumen, zugeben‹; ›jm. etw. zugestehen‹; teils refl.;
vgl.  1,  1.
Phraseme:
sich gegen jn. erkennen
›fehlerhaftes Verhalten gegenüber einer betroffenen Person einräumen und bereuen‹;
sich e. S. schuldig erkennen
›sich zu etw. verpflichten, eine Verpflichtung anerkennen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. (V.) 7,  24,  2,  3,  8.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
wo er
[j., der ein
laster
hat]
nit wolt abstan und die beschüldigung willig annemen, solte der pfarrer [...] vor der gantzen samlung absündern und in den Ban thuͦn, biß das er sich erkent und wider angenommen würde.
Kollnig, Weist. Schriesh.
234, 15
(
rhfrk.
,
1642
):
Erstlich erkennen sich diese dörfer schuldig, daß ganze jahr die kellerey Weinheim mit holz zu versehen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
375, 15
(
els.
,
1362
):
Do von twang sú der túfel daz sú [...] muͤste ire missedat do offenlich erkennen.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
das ein ieglich edelman zuͦ Strosburg solte sich erkennen in eime monote, das er burger were.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1378
):
im fal es sich befunde, daß einer mehr beseße, als er aber erkent hat, daß [...].
Boos, UB Aarau (
halem.
,
1558
):
Johans von Seon von Arow [...] veriach offenlich und erkante sich, daz er die zwo múlinen [...] verkoufet hette recht und redlich.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
79, 4
(
Venedig
1483
):
ob mich eines ertzuͤrnet vnd mir schaden tuͦt bin ich dan gepunden im zuͦ vergeben so ez mich daruͤmb bitet vnd sich gen mir erkennet.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Dierauer, Chron. Zürich ;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 145
.
Vgl. ferner s. v. .
9.
›etw. festlegen, bestimmen‹.
Häufig in Rechts- und Wirtschaftstexten sowie chronikalischen Texten. Im Einzelnen:
a) ›etw. entscheiden, (rechtsverbindlich) beschließen (und bekanntgeben)‹; teils refl.: ›sich entscheiden, sich auf eine (rechtsverbindliche) Position festlegen (und diese verkünden)‹; speziell im rechtlichen Kontext: ›urteilen, Recht sprechen‹; dann oft mit spezifizierenden Attribuierungen und Tendenz zur Formelhaftigkeit, z. B.
mit recht / urteil, zu recht, an dem rechtlichen erkennen
; auch allgemeiner: ›etw. / jn. beurteilen, verurteilen‹; vgl.  1,  1.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der cadi, die schiedsleute
)
etw. e., j. die rechte e., j. e., das [...], j
. (z. B.
ein rat
)
e
. [+ Hauptsatz],
j
. (z. B.
die schöffen
)
sich e., etw. auf das recht, an dem rechtlichen, durch urteil, im rechten, mit urteil, zu recht, zu dem rechten e., etw
. [wie] (z. B.
einhelliglich
)
e
.;
sich e. S
. (Gen.)
e
.;
auf etw
. (z. B.
auf ein gutachten
)
e., j. über etw
. (z. B.
der bergmeister über einen misverstand
)
e., um etw
. (z. B.
um die fälle
)
e., zu etw
. (z. B.
zu abschaffung
)
e
.
Wortbildungen:
erkenner
4 ›Richter‹;
erkennung
5 ›Entscheidung, Urteil‹ (dazu bdv.: vgl.  7).
b) ›jm. etw. (z. B. eine Strafe) zuerkennen, zuweisen‹; auch: ›jm. etw. zugestehen‹; ›etw. (rechtsverbindlich) zu etw. erklären‹; teils mit spezifizierenden adverbialen Ergänzungen (z. B.
in die acht, den ban
); vgl
er-
1,
kennen
1.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 56,
1
 2,  6, ; vgl. (V.) 5,  8.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
die acht
)
e., jn. ledig / unschuldig e., etw. beinschrötig / zehentfrei / unrein / zeugbar e., jn. ab dem hof, aus Frankreich, für einen mörder / todfeind, untüchtigen man, in den ban, die strafe, ein gefängnis e., jn. unter die verordneten richter e., js. hab und gut zu der stat säckel e., jn. auszustreichen, ledig zu lassen e
. (AcI-Konstruktion),
jm. etw. zu gut e
.

Belegblock:

Zu a):

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 475, 15
(
preuß.
,
1452
):
sait in czu, dy tagvart des jores czu halden und czu richten und sich mit in vortragen omme eynen irkenner.
Laufs, Reichskammergo.
80, 11
(
Mainz
1555
):
Es soll auch cammerrichter [...] an dem rechtlichen erkennen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
77, 20
(
omd.
,
1563
):
ist uf gutachten der churfuͤrstlich saͤchßsichen oberbergkamptleuthe erkenet worden, das [...].
Ebd.
123, 24
(
1548
):
Es sollen aber solche gebrechen [...] durch die geschwornen besichtiget und dem berckmeister, daruber zu erkennen, angezeiget werden.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
295, 12
(
thür.
,
1474
):
unnser rechtspruch, als wir zcum ersten uff diße sachen vor recht geteylt unde erkant habin, im anhebin also inheldet unde ußwiset: [...].
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1503
):
ir [...] begeründ [...] dieselbige klage und antwort verlesen lassen und dorüber aus unsern bergrechten erchennen und rechtsprechen.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
das dieselben vnser Rete [...] mit jrer handlung vnd erkennen guten getrewen fleyss ankeren.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
do erkantent die Roͤmer, das kein künig von Frangrich solte me keyser sin.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
do paul nannt das er wúrde behalten zuͦ der erkennung
[
Luther
1545, Apg. 25, 21:
erkentnis
]
augustus.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Es sein freuel boͤsewicht
[die Anhänger Luthers]
, | Die irer eren achten nicht, | Vnd nemen sich zuͦ erkennen
[›verurteilen‹]
an, | Das vor die gantze gemein hat than.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1525
):
daruf so haben wir uns zuͦ recht erkennt und gesprochen.
Edlib. Chron. (
ohalem.
,
um 1500
):
uff sömlichs diss stuck so habend wir vnss erkent vnd ussgesprochen vff vnsser eid jm rechten.
Lauater. Gespaͤnste
32r, 14
(
Zürich
1578
):
es ward mit einhaͤlliger vrteil erken̄t / dz man sy widerumb gen Oiliens soͤlte fuͤrē.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1395
):
also erkant der grozz raut, man solt der knecht zwain die köpf abschlachen.
Ebd. (
1393
):
da erkanten wir uns daz die von Augspurg uns solten laussen verhoren dez selben briefs ein abgeschrifft.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1478
, Hs.
16. Jh.
):
dieselben [die trefflichsten ambtleut] die sollen [...] unsern lantrichter umb all vaͤll und wandl erkennen.
Ebd. (
1508
):
das ist mit urtail erkant worden [...] am suntag vor liechtmessn.
Köbler, Ref. Franckenfort
76, 3
;
Grosch u. a., a. a. O.
27, 36
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
92, 27
;
Dierauer, Chron. Zürich ;
Müller, a. a. O. ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
610, 8
;
Barack, Zim. Chron. ;
Anderson u. a., Flugschrr.
16, 4, 8
;
Rauwolf. Raiß ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
10, 21
;
Vgl. ferner s. v.  1, (V.) 16,  1,  5,  25,  2.

Zu b):

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
170, 36
(
thür.
,
1474
):
Heinrich Schilling in synem orteyl setczet, daz ym Hans Hoderdei eyne wunden gehouwen habe, die da zcugbar unde beynschrotig irkant ist.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
, Hs.
1503
):
was sie vor nutzliche bew, es sey mitt richtschachten ader andrem, den gewerckenn zcu guth erkennen werden.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
dieselbig vnglaubhaftig bosshafftig person in ein ewige gefencknuss durch die Schoͤpffen rechtlich erkant werden.
Wurde dann die missetat zu recht gnug bewisen, So sol alssdann die acht erkant werden.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
dieselbenn straff [am leip oder glidern] mag man auch erkennen vnd geprauchen nach guter gewonheit eines jedenn lands.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
precht er [kleger] aber nicht für / so sol der beklagt mit oder on den eid ledig erkent werde͂.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
wie Rengnold ab dem hăf erkänt ward und er und sine bruoder străßröuber wurden.
Rennefahrt, Statut. Saanen (
halem.
,
1525
):
das selb [uͥrkund] nu von einer gemeind und zuͦ der lantluͥten handen erkent ist worden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
ward in die Eisen gelegt und umb sein mutwillen [...] von ainem rat auszustreichen erkant.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Da muest das regiment [...] Jugurtham in die ächt tuen und für einen mörder und abgesagten todfeind des römischen volks erkennen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
237, 18
(
moobd.
,
1593
):
burgermaister, richter und rath beeder stett Krembs und Stain seynd umb den in disen tumultssachen begangenen ambtsnachlässigkeiten willen [...] in die straff erkendt.
Grosch u. a., a. a. O.
252, 15
;
Bachmann, a. a. O. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Vgl. ferner s. v.  2,
3
 1,
2
 8.
10.
›etw. / jn. (in einer Funktion, Position) akzeptieren, anerkennen, achten‹; dabei oft auf die Anerkennung einer übergeordneten Instanz (z. B. eines Herrschers, Gottes) bezogen;
vgl.  1,  1.
Bedeutungsverwandte:
,  9,  30,  2,  7.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
dießen
[Jesus Christus]
alleyn [...] unnd keyn andern erkennen wyr fur unßern meyster.
Ebd. (
1522
):
die Papisten jauchtzen und singen: Got hat yhr vorgessen [...], er wirt sie nymer mehr erkennenn: wir aber sind die heyligen Christenn.
Ders. Hl. Schrifft.
5. Mose 21, 17
(
Wittenb.
1545
):
er sol den Son der Feindseligen fur den ersten Son erkennen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
47, 94
(
Magdeb.
1608
):
[der Koͤnig] ließ fuͤr jhm seine Trabanten / | Vnd die seine Herrschafft erkanten / | Sich da vben im Ritterspiel.
Ebd.
509, 54
:
Grosse Riesen auff Erden waren / | [...] | Die Gott fuͤr kein HErrn erkanten.
Knape, Messerschmidt. Bris.
3, 65
(
Frankf./M.
1559
):
darumb das er vns dennoch / als fuͤr sein Eltern erkent vn̄ anspricht.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
131, 36
(
Nürnb.
1548
):
du solt dein man als deinen Herrn erkennen / vnnd durch gehorsam ehren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1564
):
so wolten sie [drei Furiä] [...] ain mechtigen [...] herren aus im [kind] machen, der kain andere oberkait [...] über in erkennen [...] sollt.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1013
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
welich in [got] nicht erchennen als ainen geber aller guten dinge, die müzzen in erchennen als ainen strengen pesserër aller pösen dinge.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
hertzog Albrecht geursacht ward, die selben seines prueders anhenger zu strafen und gehorsam zu machen, damit sy in für iren herrn erkenten.
Rintelen, B. Walther
100, 12
(
moobd.
,
1552
/
8
):
wann ein Vater in seinem Testament einen für seinen Son erkendt.
Vgl. ferner s. v. .
11.
›mit jm. Geschlechtsverkehr haben‹; als Lehnübersetzung von lat.
cognoscere feminam
vom biblischen Sprachgebrauch ausgehend.
Phraseme:
sich leiblich erkennen
;
fleischlich aneinander erkennen
;
jn. in ehelichen werken erkennen
.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 4,  6.
Wortbildungen
erkentnis
7 (dazu bdv.:  1),
erkennung
6 ›Verwandtschaft; Geschlecht, Familie‹ (in der Bibelübersetzung als Lehnübersetzung zu lat.
cognatio
; dazu bdv.: ,  4, ,
das
, 8,  1).

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
beide bekenneten, sie hetten sich leiblich erkennet.
Ebd. (
1524
):
Die keyn man ruret noch erkand | von Gotts wort sie man schwanger fand.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
18, 27
(
omd.
,
1487
):
Sara
[wurde]
sÿben mennern nocheinander vortraẃett. vnd doch von keÿnem Jn ehlichen werken erkantt.
Franck, Klagbr.
227, 21
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
so er von einer / die er hat gedemuͤtiget / die frantzosen hat erkriegt / pflantzt er dise kranckheit in der vneelichen erkantnus vnd beywonung / bald in ein andern.
Turmair (
Nürnb.
1541
):
Es was ein schand, so einer unter zwenzig jaren ein weib berüret oder erkent.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Da er ein Jungfraw hett, | Die Maria genannt, | Joseph nie hett erkandt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
ge aus von dem lande vnd von deiner erkenung
[Var. 1475
2
–1518:
geburt oder freündschafft
;
Luther
1545, 1. Mose 12, 1:
Freundschafft
].
alles sein geschlechte vnd all sein erkennung
[Var. Hs. W, 15. Jh.:
magschaft
; 1475
2
–1518:
geburt
]
beleyb in eim guͦten leben vnd in einer heilgen wandelung.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
25, 41
(
moobd.
,
1393
):
[Lotth] vberwant trunkchenhait, daz er sein tochter zwïr suntleich erchant.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Fraw Haziga [...], die da verheirat ward dem [...] Graf Herman von Castel, die lebten paide keuschlich, so das sy nie fleischlich aneinander erkannten.
Luther. Hl. Schrifft.
Mt. 1, 25
;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. .
12.
bedeutungsverwandt zu (V.) 1 und  3.