antlas,
die / der
.
– Vorw. obd., vor allem nobd./schwäb./oobd.; dies gilt auch für die Wortbildungen mit
antlas.
1.
›Nachlaß, Befreiung von etw.‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4, .

Belegblock:

Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
14
.
2.
›Vergebung der Sünden, Sündenerlaß‹; nur vereinzelt belegt.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.
Wortbildungen:
antlasampt.

Belegblock:

Palm, Veter Buoch
33, 33
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Da stvnt ich vnde weinte mine sunde, vnd got der hatte mir antlaz globet.
Wiessner, Wittenw. Ring.
3817, 40
(
ohalem.
,
1400
/
8
):
Ich gelaub | [...] an die gemain aller hailigen und gelaub | antlass aller meiner sünden ze gewinnen.
3.
›Ablaß, Erlaß der mit der Sünde verbunden geglaubten Sündenstrafe durch die Kirche auf Grund der Erfüllung vorgeschriebener, vor allem finanzieller Verpflichtungen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6,  5.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
15474
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
[salt] dich kunnen mazen | An dinen antlazen | Und an diner sunden buze.
Gille u. a., M. Beheim
141, 37
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
solen die selgen | Durch den antlas entliche | und mer suchen daz lab und er | gocz dann die erlasung von der | enpfenklicher pen swiche.
Ebd.
66
:
dach gedenks solcher masse, | Wie sy mahten dem leiden und | pen der weicz endrinnen yeczund, | und sy suchen antlasse | Und laffen hin von ainer | kirchen czu der andern her wie | oder laffen gen Ram.
Chron. Augsb.
3, 504, 38
(
schwäb.
,
1490
/
1500
):
nach mittag leutet man ain stund, und wer 3 pater noster petet, der het vil antlas.
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
107, 36
(
oobd.
,
n. 1427
):
Ir patriarch und pischolff geben nicht antlaß den kirchen; sie sprechen gnad und antlaß sey pei dem almächtigen Gott.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
165, 40
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Der pabst Honorius gab allen cristen das krewtz mit grossem antlas.
Roth, E. v. Wildenberg
111, 9
(
moobd.
,
v. 1493
):
die frawͦ ist mermal gangen gein Rom und die heiligen väter gebeten umb antlas zuͦ irem kloster.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
20, 25
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
(Die) drit bulla hyelt inne die genad und antlas allen, die an die keczer zugen.
Seuffert u. a., Steir. Landtagsakten
2, 87, 17
(
m/soobd.
,
1467
):
der romische kaiser etc. wirdet pey dem stuel zu Rom fleyss haben, das zu so(lch)em anslag, oder wer mer gibt, antlas geben werde.
Helm, a. a. O.
11339
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
15vb, 28
;
Gille u. a., a. a. O.
141, 284
;
141, 301
;
Jaspers, St. v. Landskron
36r, 17
;
Chron. Augsb.
1, 326, 22
;
5, 314, 23
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
217, 26
;
Drescher, Hartlieb. Caes.
384, 27
;
Spiller, a. a. O.
262, 8
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 1, 23b, 19
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
36b, 21
.
4.
›kirchliche Festlichkeit, mit der die Erteilung des Ablasses verbunden war; Zeremonie der Ablaßerteilung‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Fastnachtsp.
629, 31
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Si nött mich, das ich muß peichten und püßen | Und unter di antlas gen mit meinn füßen | Und muß des morgens frü auf sten.
Chron. Nürnb.
1, 380, 16
(
nobd.
,
1420
/
41
):
da rait der kunig mit der processien unter dy antlaß.
Ebd.
388, 14
:
des nachtes machet man auf dem marckt freudenfeur und das volk was fast frölich, und an dem anderen tag ging man mit dem heiligtum unter dy antlos.
Turmair
1, 160, 16
(
Nürnb.
1522
):
im brachmonat am abent S. Johans, darin der frölich antlas was.
Chron. Nürnb.
4, 662, 25
.
5.
›Fluch, Verwünschung‹, am ehesten an 2 oder 3 als Gegenstände der Religiosität anzuschließen.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Klein, Oswald
26, 39
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
was ich güt antlas dorumb gab, | das tet ich haimeleichen.