pochen,
puchen,
V.;
zu
mhd.
bochen, puchen
›trotzen, plündern‹
(Lexer
1, 320
), lautmalende Bildung mit Parallelen in anderen
germ.
Sprachen (Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 1022
).
1.
›auf etw. (z. B. Wäsche) schlagen; etw. bearbeiten, säubern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 296, 28
(
hess.
,
1430
):
Auch sullen soliche barchan gebuchet werden mit slechter eschen oder auch mit weydeschen und nit anders.
Hampe, Ged. v. Hausrat
4, 24, 13
(
Straßb.
um 1514
):
Stroseckẽ vñ ouch d‘ windel | Gehoͤren mer dann zů einem kindel | Vnnd sind so reyn vnnd wyß gebucht.
Schöpper
34a
;
Maaler
73v
;
Schmid, R. Cysat
6, 14
;
Dief./Wü.
804
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
48
;
Shess. Wb.
1, 974
f.;
Schwäb. Wb.
1, 1240
;
Schweiz. Id.
4, 969
f.;
Öst. Wb.
3, 510
f.
2.
›auf etw. (z. B. Erz) schlagen; etw. zerstoßen, zerkleinern‹.

Belegblock:

Ermisch, Sächs. Bergr.
176, 25
(
osächs.
,
1503
):
das gut ertz darinne vorwardtt und in verschlossener thur gepucht werde.
Ebd.
190, 10
:
das man alles ertz woll puch und scheide.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 234, 23
(
schles.
,
1527
):
14 hulen gar geringe lose ertz gepochtes.
Ebd.
20, 255, 29
(
schles.
,
1528
):
Dass alle ertz rein gepucht und geleutert und nicht ehe abgeteilt oder abgemessen sollen werden.
Ebd.
21, 197, 36
(
schles.
,
1650
):
darnacher in den bergwerken, wie das ertz gepochet gesichert und das gold darbei geschieden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
90, 21
(
omd.
,
um 1559
):
ob man von derselben zechen puche ader aufbereite, zwitter fuhre ader schmelcze.
Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 131
(
Wien
1537
):
soman anfacht zu puchen / so sollen die Arbaitter zu morgens vmb fuͤnf vr anfaren.
3.
›jn. mißhandeln, plagen‹.

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 315, 8
(
mosfrk.
,
um 1530
):
das man sich jha des ubrigen pochens und grausamen scheltens enthalte.
Gille u. a., M. Beheim
453, 132
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Also viengen sy an zw hant | auff die von Triest [...] | Mit kriegen und urlagen, | grossem pochen und pagen.
Sachs
3, 515, 23
(
Nürnb.
1526
):
Mit parem gelt thut er ihn pochen.
Ebd.
8, 588, 13
(
Nürnb.
1558
):
Er [...] | Nit hielt, was er da hett versprochen, | Sonder thet mit graf Gerhardt bochen, | Biß er in in den harnisch bracht.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 409, 9
(
Nürnb.
1631
):
Das Laͤmblein zart durchnaͤgelt hart, | Sagt niemaln Weh noch Ochen, | Ließ sich von allen pochen.
Barack, Zim. Chron.
3, 63, 28
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Das war ir ain grosse frewdt, also auch, das sie den andern son damit anfieng bochen.
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 146, 26
(
halem.
,
1470
):
keiner der üweren darumb understanden durch sy oder soͤmlich mittel üch zů bochen und zů zwingen.
4.
›etw. (z. B. Dörfer, Höfe) plündern‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 202, 24
(
nrddt.
,
1524
):
ist höchlich zwbesorgen, das sie [...] die Dörffere pochen, das land verheren und verwusten.
Thiele, Chron. Stolle
503, 9
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
her wolde ander dorffere ouch poche.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
603, 16
(
nobd.
,
um 1525
):
Uff die nacht ward angeschlagen, zu uberfallen und pochen den Henserhof, teutzsch hof, das frauencloster.
5.
›trotzig, hochmütig (mit übertriebenem Selbstgefühl) sich auf etw. stützen; auf etw. bestehen‹.

Belegblock:

Luther, WA
17, 2, 275, 33
(
1527
):
so das ich mich des selbigen, und alles was sein ist, ruͤmen darff und drauff pochen und trotzen wider sünde, todt, Teuffel.
Ebd.
49, 457, 2
(
1544
):
Nimpt zum zeugen totam scripturam et praesertim Mosen, auf den sie so bochen.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 104, 19
(
Wittenb.
1537
):
ir werdet [...] unsern feind, den leidigen amechtigen Galileer, auf den die giftigen lutherischen buben pochen, nicht einreumen.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 5, 29
([
Eilenb.
]
1524
):
weil du ia so hoch drauff puchest / findestu nicht dz Maria die mutter Gottis oder die iunger CRISTI mit wasser getaufft seint.
Gille u. a., M. Beheim
447, 263
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ach darff nieman | auff hupschikait nit pachen.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 220, 876
(
nobd.
,
1524
):
Und glaub, was er dir hab versprochen, | Werd er dir halten (solt drauf bochen).
Sachs
2, 118, 6
(
Nürnb.
1557
):
Sie [tyrannen] buchen nur auff gwalt und macht.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
233, 8
(
Nürnb.
1548
):
das wuͤrden sie nit thun / wo sie nit Herrn weren / vnnd auff jhr macht vnnd vermoͤgen bocheten.
Kurz, Murner. Luth. Narr
3681
(
Straßb.
1522
):
Er gibt, bei got, off bochen nüt; | Der tüffel steckt im in der hüt.
Anderson u. a., Flugschrr.
6, 5, 25
([
Augsb.
]
1523
):
also bochte der ellend mẽsch auff seinẽ strosack vnd kutten.
6.
›ungestüm, zornig, trotzig, prahlerisch auftreten, handeln, reden‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
1, 21, 35
(
Frankf.
1557
):
Wer pochen vnd viel wort kan machen, | Der thut das wenigst zu den sachen.
Ebd.
1, 65, 26
:
Des starcken hoffart, trotz vnd bochen | Muß mit jm ewiglich vergahn.
Luther, WA
21, 483, 3
(
1544
):
welchen ich lieb habe, mit dem werde ich freilich nicht zuͤrnen oder jm unrecht thun noch wider jn pochen oder unleidlich sein.
Ebd.
30, 3, 297, 18
(
1531
):
Aber das best ist, das sie Gott nicht dazu anruffen odder sein doch gedechten, wenn sie so trotzen und pochen.
Luther. Hl. Schrifft.
1. Tim. 3, 3
(
Wittenb.
1545
):
Es sol aber ein Bischoff [...] nicht bochen / nicht vnehrliche Hantierung treiben.
Sachs
15, 355, 19
(
Nürnb.
1562
):
Ich [...] gib mein zehenden ohn pochen | Von allem, das ich hab auff erd.
Ebd.
16, 258, 21
:
So die herrschaft mit voller güt | Ir gemeyn sänfftmütig regiert, | Fein freundlich, nicht pocht noch stoltziert.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
228, 29
(
Nürnb.
1548
):
Der Tiran̄ feret hin in Gottes zorn vnd vngnad / vnd alles was er hat / war auff er trotzet / vnd bochet / bleibt hinder jm.
Chron. Augsb.
8, 329,
Anm. 1 (
schwäb.
, zu
1547
):
aber dem landtgrafen werden gar wenig personen zuegelassen, und das gewinnt er an seinem bochen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
76, 18
(
Basel
1494
):
meyster hans vō Mētz | Vnd ouch syn sůn Vincentz | Vil ruͤmen hoher sachen sich | Vnd bochen staͤts zů widerstich.
Bächtold, H. Salat
178, 1
(
Luzern
1537
):
komend mit witloufenden, hochen reden, mechtigem gschrei, brachten und bochen.
Turmair
4, 620, 27
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Rom [...] hat alwegn mit dem glück gepucht und sich wider alles unglück aufgepäumt.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 78, 11
(
moobd.
,
1524
):
dann die bauren laßen in nit gern etwas mit bochen an gewinnen.
Qu. Brassó
5, 460, 16
(
siebenb.
,
1613
):
Der Geczy aber hat ubel herkegen getan und fuer unmueglich von Bathory anzunehmen geacht, hieruber gepocht, getrotzet.
Luther, WA
22, 7, 38
;
22, 140, 6
;
22, 157, 17
;
30, 2, 25, 9
;
30, 3, 377, 26
;
32, 32, 14
;
33, 333, 41
;
41, 359, 13
;
41, 386, 5
;
49, 610, 6
;
Sachs
17, 60, 19
;
75, 1
;
147, 19
;
373, 23
;
508, 27
;
18, 239, 14
;
Bell, G. Hager
348, 2, 6
;
351, 3, 8
;
373, 1, 29
;
608, 2, 14
.