blödekeit,
blödikeit,
blödigkeit,
die
;
-Ø/–
.
1.
›Schwäche, Gebrechlichkeit, Hinfälligkeit‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , , .
Syntagmen:
weibliche b
. (›Menstruation‹).

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 68, 4
(
Köln
1583
):
Den Hertzen geuß der Lieb fewr in, | Vnd vnsers leibes blödigkeit | Sterk mit ewger Allmechtigkeit.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
132, 1
(
osächs.
,
1570
/
7
):
laß ein weibesbild, so ihr blödigkeit hat, in einem hembde barfüßig und mit ungeflochtenen haren drei mal rings umbher umb den garten gehen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
11888
(
omd.
,
1338
):
Vort sich Job unschuldic seyt | Der zagheyt und der blodekeit.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
28, 8
(
nürnb.
,
1446
):
so wir sülche gedancken von not der plödikeit vnser natur müssen leyden.
Langen, Myst. Leben
163, 31
(
nobd.
,
1463
):
daz er gedenckt an sein aign plodigkait vnd wye vil sund / er gethan hab wider got.
Mayer, Folz. Meisterl.
32, 275
(
nobd.
,
v. 1496
):
Das aber nun die unbesunnen meyte | Dem falschen wirt zu seyte, | Schuff weyplich plodikeyte.
Gille u. a., M. Beheim
3, 195
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Dem menschen erst nach seinem val schedlichen wart, | das wir erkennen gotes werkch und lere | und unser plodikait und chranken art.
Koller, Ref. Siegmunds
289, 43
(
Augsb.
1440
):
so sol ain prister drey farben tragen. Des ersten sol er swartz tragen, zu pekennen demütikait und rechte plödikait diser zeit.
Chron. Augsb.
9, 154, 2
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
dann die blödigkait menschlicher natur in allen stenden gefunden wirdet.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
81, 35
(
alem.
,
um 1430
):
die andern [cardinäle] beliben in dem münster, wann sy von blödikait nit gen mochten.
Päpke, Marienl. Wernher
2649
(
halem.
,
v. 1382
):
Und fundent das geboren kint | An allú zaichen dú an kinden sint | Von naturlicher bloͤdekait.
Boos, UB Aarau
258, 17
(
halem.
,
1421
):
da hin wir doch vor alter und bloͤdekeit nút fuͤklich komen koͤnnent.
Lemmer, Brant. Narrensch.
92, 83
(
Basel
1494
):
sie [frowen] gar offt durch bloͤdikeyt | Me thůn / dann durch jr lystigkeyt.
Adomatis u. a., J. Murer. B
2256
(
Zürich
1559
):
begnad uns dine knecht | daß wir das ampt ußfuͤrend recht | Und hilff ouch unser bloͤdigkeit | daß sy moͤg bston vor dinr gottheit.
Winter, Nöst. Weist.
2, 682, 35
(
moobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
Ob ainer auf der strass gieng und von plodigkait ain weinper abpräch oder ain schwanger fraw, die seint nichts schuldig.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
125, 15
(
tir.
,
1464
):
Chüm zue hilff vnser menschleichen chrankchait vnd plödikchait.
Bauer, Imitatio Haller
95, 31
(
tir.
,
1466
):
Wand die menschleich plödikchait die ist gar gros vnd ist albegen perait czue den sünden.
Voc. inc. teut. t iiijv;
Dasypodius
48v
;
Schöpper
51b
;
Serranus
39v
;
Maaler
72r
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 59
;
Schmid, R. Cysat
6, 14
;
Schmid, Pilgerreisen.
1957, 406
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 344
;
Dietz, Wb. Luther
320
;
Crecelius
1, 178
;
Schwäb. Wb.
1, 1214
;
Schweiz. Id.
5, 28
;
Öst. Wb.
3, 433
.
2.
›Zaghaftigkeit, Furchtsamkeit, Feigheit‹.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
3600
(
ohess.
,
1501ff.
):
dorch recht were ich myt em yn der noit | und gegangen yn den bittern doit, | dan das mich mynes herczen blodikeyt | bracht yn die elende kranckheyt.
Adrian, Saelden Hort
10571
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
din wip in wibes blódikait | sich nach der óden Even trait.
Koppitz, Trojanerkr.
5337
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Daz du dich ainer mütter barn | Last an wirde machen arn, | Daz ist an dir ain blödekaitt.
3.
›Unvermögen, Unwissenheit, Beschränktheit, Dummheit‹.

Belegblock:

Opitz. Poeterey
54, 2
(
Breslau
1624
):
Wo diese natuͤrliche regung ist / welche Plato einen Göͤttlichen furor nennet / zum vnterscheide des aberwitzes oder bloͤdigkeit.
Gille u. a., M. Beheim
142, 63
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wann von wegen mancher arbait | und menschlicher naturfftikait | und ach plädikait wegen, | Die wir hand auff disem ertreich.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 69, 13
(
Straßb.
1520
):
das er offt ir schuld mit eignem mantel bedeckt hat / angesicht menschlicher bloͤdikeit.
Chron. Augsb.
9, 39, 14
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
welche alle bledigkait der vernufft [...] auch varlesigkait der lerung vnnd verzaichnung der altenn antiquiteten durch vil jar der altenn laider mit sich hergepracht hat.
Ruh, Bonaventura
353, 35
(
orhein.
,
um 1480
):
so wúrstu dich gentlichen flissen dich zů besseren von allen dinen lasteren vnd bessen begirden, so vil daz mönschlicher blödikeit mag erzúgen.
Warnock, Pred. Paulis
8, 260
(
önalem.
,
1490
/
4
):
ob er joch etwenn umbschwenkt, von menschlicher plödikait felt in súnd, des sol er nit erschriken.