bachofen,
bakofen,
der
;
-s/-Ø
+ Uml.;
k
-Graphien weiter nach Süden, nämlich bis ins Nobd. und Wobd., reichend als bei
bachen/backen.
1.
›Backofen, aus feuerfestem Stein, gebrannten Ziegeln o. ä. gemauerte Vorrichtung zum Backen von Brot u. ä. sowie zum Dörren von Gegenständen; (vereinzelt:) größerer Herd mit eingebautem Backofen‹; offen zu 2.
Zur Sache:
Hrg
1, 279/80
;
Hwb. dt. Abergl.
1, 782-791
.
Phraseme:
das maul gegen dem bachofen aufsperren
;
wieder den bachofen gaffen
(jeweils) ›sich gegen Größeres, Stärkeres auflehnen, aufbegehren‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, .
Syntagmen:
einen b. haben / machen / abbrechen / einbrennen / heizen, den b. mit feuer stehen lassen
;
gebrant sein wie ein b.; im b. brot bachen, etw.
(z. B.:
flachs / hanf / kraut / werk
)
in dem b. dörren, etw.
(z. B.:
brot
)
in den b. schiessen, etw.
(z. B.:
heu
)
in den b. werfen, etw.
(z. B.:
den hafen
)
in den b. tun
, ˹
das maul gegen einem b. aufsperren, gegen einem b. blasen, wieder den b. gaffen
, jeweils in Sprichwörtern für: ›Sinnloses tun‹˺;
heisser / neuer / grosser / kleiner b., blech vor den b., leim von einem b.
;
b. der verdamnis, zulassung eines b.
Wortbildungen
bachofenkrücke
›Feuerhaken‹ (dazu bdv.: ),
bachofenzins
,
bakofenbiere
,
bakofenmacher
,
bakofenman.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Kl. Jer.
5, 10
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
unse hut ist gebrant als eyn bacovyn von dem sturme des hungirs.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 22, 22
(
rib.
,
2. H. 15. Jh.
):
de nu selfs backoven hant ind backgereitschaf, da sij eir broet zo ere noittroft in doint backen.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
571, 28
(
rib.
,
1673
):
die steimetzer angefangen, den backoffen abzubrechen, weil derselb gar ausgebrant.
Kollnig, Weist. Schriesh.
134, 6
(
rhfrk.
,
1525
):
ein jeder mag selbsten ein backoffen machen und nach seinem gefallen backen.
Ebd.
165, 40
(
1758
):
Ist der von den meisten bishero der übliche gebrauch gewesen, den flachs und hanf im backofen zu dörren.
Kurz, Waldis. Esopus
1, 37, 14
(
Frankf.
1557
):
Derselb sich gar vnnuͤtzlich zerrt, | Gegm Backofen das maul auffsperrt.
Ebd.
2, 28, 50
:
Ein weites maul hat gnug zu schaffen, | Wenns widern Backofen wil gaffen.
Ebd.
80, 46
:
Fall nicht dem groͤssern in die straff, | Vnd nicht gegen Back oͤfen gaff.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
12, 28
(
osächs.
,
1343
):
daz heuwe daz hûte ûf dem ackere ist und morne in den backofin geworfin wirt.
Luther. Hl. Schrifft.
Hos. 7, 4
(
Wittenb.
1545
):
[SJe] sind alle sampt Ehebrecher / Gleich wie ein Backofen den der Becker heitzet.
Eis, Gottfr. Pelzb.
133, 25
(
nobd.
/
thür.
,
3. V. 14. Jh.
):
loz sy [plecze] dorrin in dem bacofin noch deme das das brot vs genomen ist.
Chron. Nürnb.
5, 475, 4
(
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
in der stat packofen, hat man solch prot pachen lassen.
Köbler, Ref. Nürnberg
415, 4
(
Nürnb.
1484
):
Von auszfurung des schlots vber das dach der fewresz. schmidesz. oder packofen.
Sachs
16, 278, 20
(
Nürnb.
1562
):
Ir herr Periander hett das brodt, | [...] | Gschossen in ein bachofen kalt
[›eine Tote schänden‹].
Dasypodius
205v
(
Straßb.
1536
):
Rutabulum, Ein bachofen krucken / schuirstecke.
Golius
339
(
Straßb.
1579
)
brot das im bachofen ist gebachen.
Warnock, Pred. Paulis
10, 338
(
önalem.
,
1490
/
4
):
haisset er úns hend und füss binden und in den haissen bachoffen ewiger verdampnus werffen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 591, 27
(
schwäb.
,
1588
):
es soll auch niemand [...] die bachöfen zu solchem flaxdörren in sonderhait einhaitzen.
Ebd.
777, 17
(
1622
):
es soll niemandts kein dorrholz ubernacht [...] in dem offen dörren ald ander dergleichen gefahrlich ding in bach- oder kaheloffen machen.
Henisch
170/1
[166/7] (
Augsb.
1616
):
Als vnwerd ist ein muͤhl / die nicht vmbgehet / vnnd ein backofen / der nicht heiß ist / so vnwerd ist auch ein land / das nicht erbawet ist [...]. Es ist boͤß hauchen wider ein heissen backofen. Wer gegen einem backofen blasen will / der muß ein groß maul haben.
Rechn. Hermannst.
369, 2
(
siebenb.
,
1503
):
hab ych lassen furen leym czw dem bacoben.
Rechn. Kronstadt
3, 66, 6
(
siebenb.
,
1543
):
Quod novum focum paraverunt in clibanum vulgo Back Ofin, einen Herth, asp. 24.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
374, 27
;
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
18, 12
;
Quint, Eckharts Trakt.
424, 4
;
Loesch, a. a. O.
2, 9, 4
;
Kollnig, a. a. O.
134, 5
;
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 120, 24
;
Stedtfeld, Roger-Glosse
45
;
Bergner, Urk. Kahla
93, 14
;
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
94, 36
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 46
;
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
2, 70, 20
;
Rohland, Schäden
356
;
Rennefahrt, Recht Laupen
92, 5
;
Barack, Zim. Chron.
2, 165, 26
;
Chron. Augsb.
5, 132, 8
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 431, 17
;
Gehring, a. a. O.
3, 84, 37
;
198, 26
;
Turmair
4, 93, 10
;
Eis, a. a. O.
178, 4
;
Rechn. Kronstadt
3, 56, 39
;
Voc. Ex quo C
548
; F
599
;
Bremer, Voc. opt.
13190
;
Schmitt, Ordo rerum
52, 27
;
176, 13
; Brack d 2v;
Voc. inc. teut.
r viijv
;
Dasypodius
81r
;
Serranus
24r
;
Maaler
48v
;
Golius
213
;
Hulsius
A ivr
;
N ijr
;
Volkmar
244
;
Henisch
170
[166];
West, Dasypodius.
1989, 271
;
Rwb
1, 1164
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 364
;
Pfälz. Wb.
1, 521
;
523
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
20
;
Schwäb. Wb.
1, 560/1
;
Schweiz. Id.
1, 112
.
2.
›Räumlichkeit, in der sich ein Backofen befindet, Backstube‹; Synekdoche zu 1.
Phraseme:
in einem alten bachofen beten
›an unwürdiger Stelle nutzlos beten‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
den b. abbrechen
;
nachts in dem b. liegen, sich im b. aufhalten, etw. (neue zeitung) in den bachöfen erfaren
;
b. im dorf, b. in den feldern gelegen.

Belegblock:

Skála, Egerer Urgichtenb.
192, 6
(
nwböhm.
,
1577
):
In Wintter hetten Sie bißWeiln gearweitt, vnd sich sonsten Im bachoffen aufgehalten.
˹Als Sprichwort: Dinklage, Frk. Bauernweist.
109, 12
(
nobd.
,
um 1540
):
der hat die menner in Veitshöchem zu ime genumen und in die mule gangen und den backoffen eingeschlagen. Darumb wais ich es fur ein müllen und kein backhaus.
Kurz, Murner. Luth. Narr
1898
(
Straßb.
1522
):
NVn hat mich got doch wol erfroͤwt, | Das mir ist von dem bunt geseit, | Der ietz vff gat wie gegenhoffen, | Das besseret sich vmb ein bachoffen | Jn hundert vnd fiertzehen iaren
[so viel wie: ›überhaupt nicht und niemals‹].
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 122, 29
(
Hagenau
1534
):
Wer newe zeyttung wil wissen / der erfare sie ynn barbier heusern / badstuben / bachoffen / sechswochen better / und tabernen.
˺
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
18, 27
(
halem.
, M.
13.
/
A. 14. Jh.
):
Von bachoͤfnen, wie die sin suln hie Zúrich. Alle die bachoͤfne, die in der stat sint, die suln blattan ald isen venster han und nit vôrasnan.
Barack, Zim. Chron.
2, 285, 6
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das dir weger gegen Got und sonst, du hettest darfür in ainem alten bachoffen gebettet.
Herborn u. a., Rechn. Jülich
96, 30
;
Beyer, UB Erfurt
2, 303, 24
;
688, 10
;
Skála, a. a. O.
103, 16
;
187, 2
;
191, 11
;
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
2, 159, 18
;
Rennefahrt, Recht Laupen
12, 32
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
49, 40
;
Kramer, Volksl. Ansb.
1961, 43
.