mülstein,
der
;
-s/-e
, auch
;
das Bw erscheint graphisch auch als
mol-
(dann Bezug auf
2
mal|stein
möglich) sowie pluralisch als
mülen-
.
›Mühlstein, zentraler, wirtschaftlich begehrter, differenzierten rechtlichen Regeln (Preisregeln, Abgabeauflagen, Qualitätsprüfungen u. ä.) unterliegender Teil einer Mahlanlage‹; auch zeichenhaft für ›Macht, Gewalt‹ gebraucht;
zu  1.
Rechts- und Wirtschaftstexte sowie Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
jn. zwischen zwei mülsteinen malen
›jm. hart zusetzen, jn. in die Mangel nehmen‹;
wie ein mülstein durch ein spinweb faren / reisen
.
Bedeutungsverwandte:
2
.
Syntagmen:
einen m. aufziehen / aufwinden / aufbieten
›zum Kauf anbieten‹
/ berichten
›glätten, behauen‹ (ütr.)
/ bezalen / brechen / schauen
›amtlich prüfen‹
/ verkaufen / wirken, auf einander richten, auf einen wagen füren, jm. einen m. geben, einen m. zu js. hals binden
;
mülsteine
(Subj.)
malen, das korn zerreiben, ein m. ungleich stehen, uneben gehen, jm. einen schenkel abschlagen
, (bildlich)
an js. hals hangen
;
js. grund als härte als ein m. werden
,
die sünde jm. als ein m. auf dem herzen liegenn
;
ein schif mit mülsteinen beladen sein, korn zwischen den mülsteinen schütten
;
der abdrehte / erwachsene / gelöcherte / grosse / harte / neue / raue / schwere m
.; [ein Betrag]
vor
›für‹
einen m
.
Wortbildungen:
mülsteinbruch
,
mülsteingrube
.

Belegblock:

Scholz-Babisch, Klev. Rheinzollw.
429, 33
(
rib.
/
westf.
,
1597
):
An molensteinen werden von achtzehnder
(auf die in Zoll gemessene Stärke bezogen)
biß zwelfzehnder inschließlich, zu rechnen vier vur ein zolbar last.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
29, 28
(
preuß.
,
1400
):
75 m. vor 30 molsteyne dem molmeister, yo den steyn vor 2½ m.
Ders., Gr. Ämterb.
508, 26
(
preuß.
,
1436
):
2 grosze leynen moͤlsteyne uffczuwynden.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
425, 37
(
preuß.
,
1407
):
5 fird. dem molmeister vor die molrade zuzumachen und vor die molsteyne zu wirken.
Luther, WA
6, 260, 9
(
1520
):
die spynweb fahenn wol die kleinen fliegen, aber die molstein faren durch hyn.
Ebd.
10, 3, 376, 15
(
1522
):
Sie muͤssen mit iren wercken gedemuͤtigt und zu riben werden wie das mel, und wie der muͤlstein zu reibt das korn.
Ebd.
30, 3, 247, 20
(
1530
):
wo du findest, das sich ein verwirren ym gewissen wil heben uber dem recht, da reis getrost durchs recht wie ein mulstein durch ein spinweb.
Ebd.
49, 628, 3
(
1544
):
Nos nennen hanc partem scilicet erkentnis und reissen hin durch ut muͤlstein und geben nicht so viel auff sein bucher.
Feudel, Evangelistar
104, 28
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Ym were nuczer daz eyn mulsteyn czu syme halse gebunden were.
Hertel, UB Magdeb.
3, 369, 31
(
nd.
/
omd.
,
1487
):
von einem schiffe, das beladen ist mit mollnsteyn, ein schillinge pfenninge.
Skála, Egerer Urgichtenb.
102, 2
(
nwböhm.
,
1573
):
ein Muhl stein hab Ime ein (schenk) schenkl Abgeschlagen.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
152, 14
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Auch auf die muhlsteine, das die recht auf einander gerichtet, dergleichen auf die leufte und anderen mühlengezeug vleissige achtung haben.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 187, 25
(
schles.
,
1637
):
haben sich die possessores dieses pfandgutes Rückers e. mt. regalien als des mühlsteinbruchs angemasst und solcher mühlsteine in starker anzahl brechen lassen.
Vetter, Pred. Taulers
281, 24
(
els.
,
1359
):
hie bi wirt sin grunt als hert als ein múlistein.
Merk, Stadtr. Neuenb.
125, 29
(
nalem.
,
1616
):
Sollen auch keinen newen mülstein ufziehen, er sei dann zuvor von den schawmeisteren, [...], geschauwet, und, daß er guet ufzueziehen sei, erkant.
Rieder, St. Georg. Pred.
30, 1
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Zuͦ dem vierden mal do wart er gemalen entzwischent zwain múlstain, daz waz Pýlatus und Herodes.
Geier, Stadtr. Überl.
262, 27
(
nalem.
,
A. 16. Jh.
):
daz die mülstain die ungleich standen und uneben geen, so wellen meine herrn, daz in solchem wendung beschehe.
Bremer, Voc. opt.
13103
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Molaris múlstain [...] est lapis magnus et rotundus deputatus ad molendum triticum in farinam.
Kläui, Urk. Hermetschwil
27, 18
(
halem.
,
1357
):
und sond mir darzuͦ nu an dem anvang geben sechs muͥlistein ze drin redren.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
443, 27
(
oobd.
,
1349
/
50
):
molaris haizt ain mülstain. wer den besprengt mit ezzeich sô er zerriben ist und in dâ mit wescht, daz verstelt den rôten fluz auz dem leib.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
119, 17
(
m/soobd.
,
1603
):
Von ainem rauhen mihlstain 4 ₰ Und von ainem abdräten 8 ₰.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
156, 2
;
604, 20
;
Luther, WA
36, 590, 27
;
45, 639, 20
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
324, 1979
;
658, 4767
;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
40, 4
;
Hertel, a. a. O.
3, 94, 34
;
ders., Hall. Schöffenb.
2, 146, 25
;
Wutke, a. a. O.
21, 195, 2
;
Boner, Urk. Brugg
101, 4
;
Starzer, Qu. Wien
1, 5, 5414, 606
;
Rechn. Kronstadt
1, 182, 30
;
Rwb
9, 947
.
Vgl. ferner s. v.  3.